Hallo Billy!
Ich würde den Vorschlag der Selbstverteidigungskurse/Kampfsport auch unterstützen. Es gibt Kurse, die machen gezielt Rollenspiele um Ängste/Wut aufzuspühren.
Das klingt erst einmal seltsam, aber es ist unglaublich wie man in die Szenarien hineingezogen wird, obwohl es nur Frauen aus dem Kurs sind die mitspielen.
In diesen Kursen lernt man auch bessere Ventile als "Da darfst du nicht wütend sein", wenn eine Situation dich aufregt oder überfordert.
Für mich ist "Vernunft" nicht der Weg zum Ziel und auch nicht ein Ziel. Vernunft ist eine Fähigkeit, die uns zeigt welcher Weg uns zum Ziel bringt und hoffentlich dazu bringt darüber nachzudenken, welche Ziele erstrebenswert sind.
Wenn du diese Lebensprägung nicht ablehnst, wäre für mich der beste Weg, dass du deine Sicht darüber veränderst was "vernünftig sein" für dich bedeutet.
Eine Möglichkeit wäre, dass du einfach mal Konfuzius liest. Da bekommst du ganz andere Eindrücke und Ansichten zur Vernunft. *zwinkert* Vielleicht nennst du es nach der Lektüre auch nicht mehr Vernunft, sondern "Sinn für Ordnung"
Liebe Grüße,
Narai
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Thema: Lebensprägung: Vernunft
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27.10.2010, 22:43
AW: Lebensprägung: Vernunft
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28.10.2010, 12:44Inaktiver User
AW: Lebensprägung: Vernunft
Ich habe im Augenblick ein wenig Zeit für mich und spüre eine ganz enorme Wut. Ich kann nicht einmal sagen, worauf denn wirklich - und das erschreckt mich sehr.
Mit Vernunft und Kontrolle habe ich einiges geschafft im Leben, natürlich frage ich mich, ob es das alles wert war, ob jetzt die Zeit für einen Umschwung da ist. Um mich herum ist alles sicher, nur ich in mir drin nicht.
Somit vermute ich - so wie auch @Narai noch einmal geraten hat - zu einer Sportart, wo man diese Wut auch rauslassen kann. Vielleicht ist dann der Kopf frei für das Wesentliche. Im Augenblick verbaut sie mir den Blick.
@Priscinome:
Ich denke nicht, dass "mißtrauisch" komplett den Begriff "vernünftig" ersetzt, denn das würde bedeuten, dass ich alles zurück weise, was ich nicht kenne, ich hätte damit auch keine sozialen Kontakte. Die sind da, aber ich möchte weder jemandem auf den Wecker fallen oder zu sehr in Anspruch nehmen, dass er mich "tragen" müsste. Vielleicht schon ein Stück Gewohnheit, erst einmal alles selbst zu regeln.
Billy (ich suche jetzt mal nach "Kampfsportarten"
)
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28.10.2010, 14:35
AW: Lebensprägung: Vernunft
Hi Billy,
ich habe, ehrlich gesagt, ein bißchen Bedenken, ob es gut ist, mit so einer Wut an Kampfsportarten ranzugehen, wo man tatsächlich einen Gegener vor sich hat. Wie wär's mit Boxen -- da hat man erst mal einen Sandsack, das ist meiner Erfahrung nach ausgesprochen befreiend.
Eine andere Idee, ich weiß nicht, ob das deine Schiene ist oder du dir vorstellen könntest, es dazu zu machen: Schauspiel. Nicht spezifisch ein Stück auf die Bühne bringen, sondern Schauspiel zu *lernen*. Ich fand das unheimlich hilfreich darin, Gefühle, ihre mentalen Muster und körperliche Ausdrücke besser zu verstehen und dann auch in mir selber zu identifizieren. Und man kann auch mal so richtig oberdramatisch die Sau rauslassen und gucken, wie sich das anfühlt.
Eine Fußnote zu "mach doch mal etwas Verrücktes" -- ich (auch so der Vernunfttyp) würde eher sagen, "mach doch mal was, was dir gerade in den Sinn kommt" (Aktionen, die zu Sach- oder Personenschaden führen ausgeschlossen). Auf etwas so richtig "Verrücktes" kommt man ja oft um so weniger, je mehr man es versucht. Da ist es leichter, wenn erst der Gedanke da ist, so klein er auch ist, und dann die Entscheidung "das mach ich jetzt".
Einen Weg, den man einmal eingeschlagen hat, bis zum Ende zu gehen, ist m.E. kein Wert an sich. Es ist sehr gut, "dranbleiben" zu können auch wenn es unbequem wird, aber nur, wenn es einen dahinbringt, wo man sein möchte. Das mußte ich auch erst lernen. Warum soll man bis ganz nach Hamburg fahren, wenn man eigentlich nach Bremen will?
Was immer du machst, viel Glück und viel Erfolg!
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28.10.2010, 17:38
AW: Lebensprägung: Vernunft
Als ehemalige Kampfsportlerin (Karate) kann ich dir sagen, dass der traditionelle Kampfsport (Karate, Judo, Jiu-Jitsu, Taekwondo) nichts mit Aggression zu tun hat. Letztlich ist es eine Disziplinierung von Körper und Geist, der Abbau von Aggression findet höchstens durch völlige Entkräftung während eines schweißtreibenden Trainings statt.
Boxsacktraining würde so gesehen zum Aggressionsabbau reichen.
"Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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28.10.2010, 17:57Inaktiver User
AW: Lebensprägung: Vernunft
Ich habe mir jetzt einen Punching-Ball zugelegt. Bis auf die Tatsache - wie stelle ich das Teil so auf, dass ich es auch richtig nutzen kann hoffe ich, dass mir das ein wenig hinweg hilft und zum Nachdenken bringt, den Kopf frei macht.
Billy
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28.10.2010, 19:15
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28.10.2010, 19:38
AW: Lebensprägung: Vernunft
>Ich weiß, es klingt immer seltsam, wenn jemand von sich behauptet, er sei vernunftsorientiert.
nein. mich hat dein thread-titel sofort angesprochen . . so war ich naemlich auch lange . . und zu gehorsam und vernunft erzogen.
wobei ich meinen eltern dankbar bin, dass sie mich so erzogen haben und mir eine sehr gute ausbildung ermoeglicht haben.
aber immer nur preussisch-pflicht-bewusst, das passt mir nicht mehr.
wenn dich kampfsport interessiert - was hindert dich daran, das mal auszuprobieren?
ich bin zwar geschaeftlich (bin selbststaendig) sehr konservativ (der laden muss laufen), aber ansonsten stelle ich im privaten immer mehr den hang zur "unvernunft" fest . . und das macht mir hoellisch spass!
luciernago
LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH
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28.10.2010, 20:53Inaktiver User
AW: Lebensprägung: Vernunft
Ich kann nur von KungFu reden...aber der Stress und Wutabbau fand bei mir durchaus durch die Weiterleitung in den Körper statt und dem Adrenalin, das bei Partnerkämpfen ausgeschüttet wird. Ich empfand das völlig anders, im Kopf oder im Gespräch einen Disput auszuführen oder sozusagen in echt.
Ich glaube es war der Unterschied, den die Konsequenzen ausgemacht haben. Es ist was anderes wenn man körperlich spürt, dass man gleich ein gewaltiges Problem haben wird

@billi
Das mit dem misstrauisch war anders gemeint. Bislang hat vernünftig nur Vorteile für dich. Es ist überall anerkannt, hochgeschätzt und erfährt gewaltiges Ansehen. Also warum ändern?
Für dich selber scheint es jedoch Nachteile zu haben. Die haben mich interessiert...denn man ändert normaler weise immer erst etwas, wenn es für einen selber oder andere in einem schlechten Licht erscheint.
Das hat mich interessiert. Was dich genau stört...was da in dir hochkommt.
Priscin
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28.10.2010, 20:57
AW: Lebensprägung: Vernunft
@ Wut und Kampfsport
Also ich fand das schon befreiend in einer Umgebung zu sein, in der man mal die angestaute Wut rauslassen konnte. Nicht in ungezügeltem Prügeln, aber allein schon in Kampfschreien und Übungen.
Wie geschrieben wurde, ist das etwas ganz anderes als nur im Kopf zu rotieren :)
Frauenselbstverteidigung hat manchmal den Aspekt dabei, dass man Szenen aus dem Alltag nachstellen kann und andere Antworten ausprobieren kann. Das kann auch sehr befreiend sein. :)
Viel Spaß mit dem Punchingball,
Narai
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29.10.2010, 10:43Inaktiver User
AW: Lebensprägung: Vernunft
Ach okay! Vernunft hatte bisher nach außen hin Vorteile, allerdings fühle ich mich dadurch sehr oft irgendwie unter Druck gesetzt, quasi - wahllos.
Ich kann nicht einmal sagen, ob es mich stört, was da hoch kommt, es fühlt sich manchmal nur so "gewaltig" an. Da stimmt auch der Hinweis mit dem Kontrollverlust.
Beispiel: Schnauzt mich jemand an, dann sehe ich ihn mir an und frage: Gibt es ein Problem?
Innerlich aber muss ich mit den Tränen kämpfen, die Hände werden kalt und die Wut kocht. Dass die Emotionen dann hochkochen, das lasse ich nicht zu und zurück bleibt ein sehr unschönes Gefühl für mich.
Wenn mir jemand sagt: Ach die Frau Billy, die ist doch immer korrekt, pflichtbewusst und beherrscht, dann bin ich nicht stolz drauf, sondern denke - diese Frau Billy, die ist eine richtig lahme Ente!
Billy
... der "Fuß" von dem Punchingball muss gefüllt werden und ich habe noch nicht den richtigen Platz gefunden.


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