Ich habe mich in diesem Jahr sehr verändert.
Und einhergehend mit dieser Veränderung muss ich mit den Folgen leben, die zwar so gewollt waren, aber zuerst einmal ein riesiges Loch hinterlassen. Wie sagt man so schön, an Vertrautem hält man fest, auch wenn es nicht gut ist.
Das Vertraute, das waren meine "Freunde": eine einzige beste Freundin, die ich seit Schulzeiten kannte. Wir haben uns in völlig verschiedene Richtungen entwickelt und ich baute mehr und mehr eine Fassade auf, um ihren vermeintlichen Ansprüchen zu genügen. Das Verständnis füreinander: gleich null. Ich wurde schwer krank, sie war nicht da.
In dieser Zeit ist mir bewusst geworden, wie lange ich vergeblich nach ihr "gelechzt" hatte und wie sehr ich mich verbogen habe, um sie nicht zu verlieren.
Eine Aussprache wollte sie nicht, es kamen Vorwürfe - ich beendete die Freundschaft.
Die anderen "Freunde" waren fast ausschließlich männlich und eigentlich nur da, weil sie gerade keine Freundin hatten/ einsam waren/ sich mehr erhofft haben und als nichts von mir kam, sich abgewendet haben)
Meinen Freund habe ich verlassen, weil er eine Mutti suchte und sich ins gemachte Nest setzen wollte.
Und ein paar Bekannte gab es, die man so hat. Aber zu denen keine Nähe aufkam.
Seit einiger Zeit baue ich gute Kontakte zu Frauen auf (was mir vorher nie gelungen war) und habe so gut wie keinen männlichen Freund mehr.
Während meiner Veränderungsphase habe ich mich auch aus meinem Job verabschiedet, sehr erfolgreich insofern, als dass ich endlich auf mich gehört und mich gewehrt habe - mit der Folge, wieder in den Spiegel sehen zu können und Anerkennung für meinen Mut von ehemaligen Kollegen zu bekommen.
Ja, ich habe mich befreit. Der Preis ist aber (noch) hoch, und in dieser Stadt erinnert mich alles an die Zeit der "Verbiegung". Ich möchte einen Schlußstrich ziehen, denn es bringt mich hier nicht mehr weiter.
Alles ist nun offen: die berufliche Perspektive, die Freunde, irgendwann ein neuer Partner, der passt.
Dieses Aussitzen macht mir Probleme. Ich hadere nicht mit meinen Entscheidungen, aber ich habe ein wenig Angst, hier nicht weiterzukommen.
Ich erwäge, wegzuziehen. Neu anfangen.
Ist es Flucht, oder der richtige Schritt? Diese Frage stelle ich mir immer wieder.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 17
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26.10.2010, 11:15
Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?
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26.10.2010, 11:23Inaktiver User
AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?
Hallo
mein erster GEdanke bevor ich dein Post gelesen habe (also nur die Überschrift) - wir können nicht vor uns weg laufen...
Aber ich lese du hast eine Menge bewegt, in dir und um dich herum
Ein Neuanfang in einer anderen Stadt wäre - aus meiner Sicht - wirklich ein Neuanfang.
An welche Stadt denkst du? Weit weg oder sogar im Ausland?
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26.10.2010, 11:34
AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?
In die Hauptstadt soll es gehen, ca. 300 km von meinem jetzigen Wohnort entfernt.
Ich denke aber vor allem an mein Kleinkind (3), das feste Strukturen braucht und hier glücklich ist. Aber ich bin es nicht.
Was, wenn es in der neuen Stadt auch so ist? Dann habe ich meinem Kind alles genommen.
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26.10.2010, 11:38
AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?
Deinem Kind kannst Du nur wenig nehmen. Schick es bald in einen Kindergarten und es hat schnell neue Freunde. In dem Alter geht das hurtig.
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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26.10.2010, 11:46
AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?
Wirklich? Mein Kind ist eines von denen, das sehr an vertrauten Strukturen hängt (haha, woher es das wohl hat) . Ich fürchte, es könnte schwer werden, neue Umgebung, fremde Menschen, und die Großeltern fallen auch weg, zumindest als feste Bezugspersonen (jedes Wochenende bisher)
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26.10.2010, 11:50
AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?
Warum nicht? Und was bleibt Dir denn anderes übrig?
Oder willst Du es bei den Großeltern lassen?
Alle Kinder brauchen vertraute Strukturen. Aber sie können sich wesentlich schneller auf neue einstellen als wir Verwachsenen.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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26.10.2010, 12:09
AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?
Kinder machen sowieso unvermeidliche Schnitte durch den Wechsel von Kindergarten zu Grundschule zu weiterführender Schule.
Wichtig ist nur, dass die engsten Bezugspersonen dauerhaft erhalten bleiben - und das bist im Endeffekt du.
Du könntest dein Kind also problemlos spätestens zum Grundschulanfang wechseln lassen. Und falls du das sofort angehst - Kindergärten sind - denke ich - Einrichtungen, in die sich Kinder besser integrieren können als in schon bestehende Klassenverbände.
Denk vor allem an dich selbst!
Ich sehe Vorteile in einem Wechsel, aber ganz ohne Erdung, ohne Wurzeln geht es auch nicht. Wie ist das Verhältnis zu deiner Familie, kann dir dies den nötigen Anker geben, um auch in einer neuen Stadt zu bestehen?
Bestimmte Dinge, wie wechselnde und zerbrechende Bekanntschaften (vor allem die zu männlichen Freunden - da bin ich auch gebranntes Kind...
), der Aufbau fester und verlässlicher Freundschaften werden aber weiterhin und auch dort sicherlich Thema sein.
Den Grundfehler, sich zu verbiegen, um Leute zu halten oder nicht einsam zu sein, darfst du dort ebenfalls nicht machen. Das bleibt eine Aufgabe, so oder so, die du mit dir selbst lösen musst. Daran wird eine neue Umgebung nicht wirklich etwas ändern.
Ansonsten: Warum nicht? Wenn Job und Umgebung schön sind!
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26.10.2010, 17:42
AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?
Sorry, das sehe ich genau andersherum:
Das Kind geht vor. Es ist wehrlos.
Man hat mir als Kind auch diverse Bezugspersonen entrissen in dem Alter plus Umzug - na besten Dank, daran knabbere ich bis heute, ohne Quatsch. Da geht Vertrauen in die Binsen, und das kann man auch nicht reparieren. Jedenfalls war es bei mir so, und ich war sicherlich kein sonderlich spezielles Kind.
Mal ganz sachlich:
Welchen Vorteil hätte die neue Stadt,
verglichen mit der alten?
Mach eine Liste.
Ich verstehe gut, dass man manchmal die Faxen dick hat und einfach das, was einen an Ärger erinnert, nicht mehr sehen mag. Aber das geht auch wieder vorbei.
Du hast sehr viel verändert in deinem Leben.
Ob ein Umzug (der von der seelischen Belastung lt Psychologen einer Scheidung gleichkommt) plus ein neuer Job (auch ein Streß) dir seelisch weiterhilft - ich habe da meine Zweifel.
Ich habe gelernt:
Wenn Zweifel, nicht machen.
Damit bin ich immer gut gefahren.
Vielleicht bringt ein Umzug in eine neue Wohnung schon den frischen Wind, der dir vorschwebt? Und das Beginnen anderer neuer Dinge? Klavierspielen...*träum*...*aufzähl*...
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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26.10.2010, 17:49
AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?
Ohje, kam wohl falsch rüber.
Keine Sorge, Karla, ich kann mitreden, war lange Zeit überhaupt nicht mal in der Nähe meiner geschiedenen Eltern.
Aus dem Kontext wird doch klar, was ich meine - ich wiederhole mich nicht!
Solche "normalen" Umzüge und Wechsel kommen doch in den besten Familien vor, wie wäre das Leben anders lebbar? Ich denke, auch die wichtigste Bezugsperson muss sich in ihrem Umfeld wohlfühlen, sonst kann man einem Kind auch nicht sehr viel Stabilität geben.
Geändert von Elwyn (26.10.2010 um 17:53 Uhr)
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26.10.2010, 18:07
AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?
Reesch dir nett uff, darling !

Ja sicher kommen Umzüge vor. Ich kann das auch verstehen, wenn sie sein müssen. Bei uns war es eine Flucht und dann nochmal wegen Arbeit, die es am ersten Ort nicht gab. Gute Gründe. Aber aus Unwohlsein...also ich würde es nicht machen.
Es ist doch nur allzu klar, dass nach so kurzer Zeit der Veränderungen die TE noch nicht wieder gesettelt und fröhlichst in die Welt guckt, aber das kommt doch wieder!! Auch in der alten Stadt!
Welche Risiken ginge sie ein:
Das Ganze kostet einen Haufen Geld.
Klappt der Job, der neue?
Kommt das Kind zurecht? (ich kam nicht zurecht, aber sowas von gar nicht, und bin ein ganz liebes Kind gewesen).
Was, wenn Mama nicht zufrieden ist mit allem? Dann wieder retour?
...
Ich denke laut.
The original Karla
est. 2006













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