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    AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?

    Ich denke auch so ähnlich wie du, Karla.

    Bin mir einfach nicht sicher, ob es der richtige Weg ist. Für mein Kind. Denn hier hat sie alle 4 Großeltern, die sich rührend kümmern (und mich sehr entlasten, was in der neuen Stadt wegfiele - und ich liebe meine freien Stunden!) und kennt sich aus. Der Kindsvater fällt komplett aus, er lebt weit weg mit neuer Frau und neuem Kind und ward nicht mehr gesehen.
    In der neuen Stadt habe ich ein paar Freunde und einen Verwandten; allerdings ist die Stadt so groß, dass ich nicht mal eben alle einladen könnte, wie es hier ist - eine kleine Großstadt, die wie ein Dorf ist ;-)

    Schon als Studentin hatte ich immer diese Fluchtgedanken. Letztlich sind es 13 Jahre geworden, die ich schon in dieser Stadt lebe.

    Ja, und nun? Wie schaffe ich den inneren Neubeginn? Sowohl meine Ex-beste-Freundin, mein letzter Partner, meine ehemaligen Kumpels, der Ex- Job.... alles hier.

    Ich bin traurig.

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    smile AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?

    Ach Schätzchen , hier .
    Du hast jedes Recht der Welt, traurig zu sein. Ist doch auch verständlich, nach so viel Abschied, in vielen Bereichen.

    Es gibt einen schönen Spruch, der mir oft hilft:
    "Die Sonne scheint jeden Tag neu".
    Heißt: Wenn heute ein Sch***tag ist, dann heißt das noch lange nicht, das morgen auch einer ist".

    Wir wissen nicht, was uns morgen Schönes und Gutes passiert.
    Ich nehme an, allein das Lächeln deines Kindes ist schonmal ein Highlight morgens .

    Alles, alles wird gut werden, leider nicht umgehend und sofort - aber ganz sicher wenn mehr Zeit vergangen ist. Es klingt so platt, und doch stimmt es: Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf. Die Traurigkeit müssen wir aushalten. Sowas dient der inneren Reife, das meine ich jetzt wirklich ernst, kein Spruch. Im Zeitalter der kaufbaren Happyness traut sich irgendwie keiner mehr, zu seiner Traurigkeit zu stehen, ich finde es schön, dass du es aussprichst.

    Sag uns, wie wir dir zur Seite stehen können!

    LG Karla
    The original Karla
    est. 2006


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    Stirnrunzeln AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?

    Oh Karla :-*

    Das ist rührend, was du schreibst. Vielen Dank!

    Was ich noch dazuschreiben wollte, um das Ganze abzurunden: die schwere Erkrankung, die ich hatte, war eine schwere Depression mit Klinikaufenthalt (und mit Kind, das war möglich - ich habe meine ganze letzte Kraft in die kleine Maus investiert) und es ist rückblickend einfach eine Reaktion meiner Seele auf den Raubbau, den ich an ihr begangen habe, gewesen.

    Dafür habe ich seither mit sehr heftigen Panikattacken zu kämpfen, die man mir aber nicht ansieht. Ich versorge mein Kind wie immer und kann sogar draußen mit ihr spielen, indem ich die Attacken dann weitestgehend versuche auszublenden.
    Innerlich sterbe ich kleine Tode, aber ich weiß ja, dass es "nur" vom Kopf kommt!

    Das Positive: ich begegnete heute wieder lieben Frauen (die ich länger nur flüchtig kannte), die entweder Ähnliches wie ich erlebt haben und/ oder auch erkrankt waren - eine ganz neue Erfahrung, sich als ganzer Mensch geben zu können! Es geht also wirklich weiter, und es geht gut weiter.

    Eigentlich wünsche ich mir gerade nur eins: wieder richtig angstfrei leben zu können. Ohne Panik, die die gefühlte Lebensqualität sehr einschränkt.

    Eure Unterstützung hier tut wirklich gut!

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    AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?

    Hallo,

    ich finde es sehr mutig, was Du durchgezogen hast! Du hast es geschafft, Dich von den Umständen zu befreien, die dazu beigetragen haben, dass Du krank geworden ist. Das ist eine enorme Leistung. Ich finde, Du hast schon sehr viel verändert – auch ohne, dass Du Dir ein neues Umfeld gesucht hast. Es ist die Frage, wie viel Veränderung notwendig ist und ob sie Dir gut tut.

    Was erwartest Du von einem Umzug in eine andere Stadt? Emotional, beruflich, familiär? Ich frage besonders vor dem Hintergrund Deiner Situation mit Deinem Kind. Wie schon geschrieben wurde, Kinder sind (meist) leichter in der Lage, sich neuen Umständen anzupassen und Altes zu vergessen, mit 3 Jahren noch alles im Fluss.

    ABER: Ich argumentiere mal aus meinem persönlichen Hintergrund. Ich habe ebenfalls ein kleines Kind und keinerlei Familie und Hilfe im Hintergrund. Es ist wirklich zum K... immer auf sich gestellt zu sein und immer wieder beneide ich alle glühend, die helfende Hände aus der Familie haben. Sie erleichtern das Leben in dieser Zeit enorm und haben große Auswirkungen darauf, wie man sich beruflich und auch privat entwickeln kann. In den seltesten Fällen wirst Du Dir ein „Netzwerk“ aufbauen können, das für Dich das tut, was die Großeltern leisten können (und in Deinem Fall auch tun.)

    Ich würde (zumindest so lange Deine Kind klein ist) erst mal nicht an einen Umzug denken, sondern meine Energie darauf richten, wie Du in Deinem jetzigen Umfeld neue Freunde und neue Herausforderungen finden kannst. Vor dem Hintergrund Deiner Krankheit ist es wichtig, dass Du auch Entlastung hast und Freiräume hast. Mute Dir nicht zu viel zu!

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    AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?

    Zitat Zitat von echo90 Beitrag anzeigen
    Vor dem Hintergrund Deiner Krankheit ist es wichtig, dass Du auch Entlastung hast und Freiräume hast. Mute Dir nicht zu viel zu!
    Ja, finde ich auch!

    Das liest sich auch in deinen weiteren Posts ganz anders, liebe Verwirrtesetwas!

    Um in einer neuen Stadt zu bestehen, musst du ziemlich stabil sein, da wartet nicht einfach Entlastung, sondern eher neue Belastung und viel Unsicherheit.

    Wie Karla und Echo denke ich, dass es immer möglich ist, in ein und derselben (Kllein)-Stadt, neue "Kreise" aufzutun und alten Strukturen aus dem Weg zu gehen. Du lebst ja nicht in einem Dorf!

    Du findest Halt bei den Grosseltern, das ist eine sichere Basis, und wirst garantiert auch über einen neuen Job oder deine Kleine neue Menschen kennenlernen, die mit den alten so gut wie nichts zu tun haben.

    Obwohl beispielsweise mein Mann hier zur Schule gegangen ist, hat er überhaupt keinen Kontakt mehr zu den meisten dieser Schulfreundschaften und ebenfalls über Studium, neue Vereine und Job ganz andere Leute aufgetan.

    Ich würde mir in deiner Situation auch nicht zuviel zumuten!

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    smile AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?

    Ah, jetzt kommt mehr Licht ins Dunkel. Du warst depressiv und nun Panikattacken.
    Erstmal vorab: Diese Einschränkungen habe ich auch durchlitten. Eine Therapie hat mir die Panik wegtherapiert. In Überlastungssituationen spüre ich: Wenn ich jetzt nicht aufpasse, geht es wieder los. Dann muss ich runterschalten, mehr Ruhe gönnen, mich darauf einstellen, dass ich momentan nicht so belastbar bin.

    Dabei geht es mir meistens wie dir:
    Man plant, als wäre man kerngesund!
    Völlig falsch, aber irgendwie will es in den alten Schädel nicht recht rein, dass ich auf drei Zylindern laufe.

    Nun ist ja nichts dabei, irgendwelche Freizeitsachen sausen zu lassen oder statt den Haushalt zu machen mal fünfe grade lassen zu sein.

    Aber einen Jobwechsel plus Umzug kann man nicht ohne weiteres vom Tisch fegen, weil man dem Ganzen doch nicht gewachsen ist.

    Gönne dir den Luxus der beiden Großeltern vor Ort, gönne dir in Ruhe dich auszukurieren. Und dann bist du wieder flexibler.

    Jetzt einen Kraftakt - nein, das geht nicht, meine ich. Es ist schwer, das klar zu sehen, das weiß ich, aber du fragst ja was wir denken , und das sind meine Gedanken dazu.

    Du bist in der Rekonvaleszenz und da sollte man keine Lebensumwälzungen in Gang setzen.

    Hey, wenn du nicht gut auf dich aufpasst -
    wer soll es dann tun ? Und: Du wirst gebraucht.

    LG Karla
    The original Karla
    est. 2006


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    AW: Neuanfang in einer anderen Stadt, oder ist es nur Flucht?

    Zitat Zitat von Verwirrtesetwas Beitrag anzeigen
    Oh Karla :-*

    Das ist rührend, was du schreibst. Vielen Dank!

    Was ich noch dazuschreiben wollte, um das Ganze abzurunden: die schwere Erkrankung, die ich hatte, war eine schwere Depression mit Klinikaufenthalt (und mit Kind, das war möglich - ich habe meine ganze letzte Kraft in die kleine Maus investiert) und es ist rückblickend einfach eine Reaktion meiner Seele auf den Raubbau, den ich an ihr begangen habe, gewesen.

    Dafür habe ich seither mit sehr heftigen Panikattacken zu kämpfen, die man mir aber nicht ansieht. Ich versorge mein Kind wie immer und kann sogar draußen mit ihr spielen, indem ich die Attacken dann weitestgehend versuche auszublenden.
    Innerlich sterbe ich kleine Tode, aber ich weiß ja, dass es "nur" vom Kopf kommt!

    Das Positive: ich begegnete heute wieder lieben Frauen (die ich länger nur flüchtig kannte), die entweder Ähnliches wie ich erlebt haben und/ oder auch erkrankt waren - eine ganz neue Erfahrung, sich als ganzer Mensch geben zu können! Es geht also wirklich weiter, und es geht gut weiter.

    Eigentlich wünsche ich mir gerade nur eins: wieder richtig angstfrei leben zu können. Ohne Panik, die die gefühlte Lebensqualität sehr einschränkt.

    Eure Unterstützung hier tut wirklich gut!
    Ich halte die in diesem Post beschriebenen psychischen Beeinträchtigungen für ganz wesentlich. Nicht nur Umzug und Jobsuche kosten Kraft, auch das Leben in einer neuen Stadt. Wenn sie dazu noch groß ist, ist das für Dich wahrscheinlich gar nicht gut. Je größer die Stadt, umso häufiger sind Menschen einsam und leiden unter Ängsten. Ohne die heutige Unterstützung durch Eltern und Schwiegereltern ist es nicht unwahrscheinlich, daß Du in ein Loch aus Überlastung und Einsamkeit fällst. Und niemand ist da dich aufzufangen. Für einen Neuanfang sollten die Bedingungen andere sein.

    Hans
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    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

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