Gerade bin ich auf diesen Artikel gestoßen. Der Autor vergleicht dort den Drang nach Reduzierung von Konsumartikeln mit einer Art "Konsum-Bulimie". Es scheint sogar eine Art Trend zu geben, bei dem Leute mit möglichst wenig auskommen wollen.
Ich muss ja gestehen, dass auch ich Ausmisten liebe und immer wieder versuche, überflüssige Dinge aus meinem Haus zu entfernen. Zum einen aus praktischen Gründen, zum anderen aber einfach, weil ich mich nach einer Ausmistaktion so gut fühle.
Ist das eine Sucht? Kennt das noch jemand?
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Thema: Ist Ausmisten eine Sucht?
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11.10.2010, 21:54Inaktiver User
Ist Ausmisten eine Sucht?
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11.10.2010, 21:56
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Hallo,
ich halte es nicht für eine Sucht, es macht das Leben doch viel einfacher, wenn man sich nicht mit zuviel unnützem Krempel belastet!
LG
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11.10.2010, 21:59
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
tamta, wenn du das thema wirklich unter dem gesichtspunkt "sucht" diskutieren möchtest (was ich für spannend und gerechtfertigt halte), würde ich es gern in das entsprechende unterforum verschieben!
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11.10.2010, 22:17Inaktiver User
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Ehrlich gesagt bin ich in dem Unterforum nie unterwegs und kann schwer beurteilen, ob das Thema dort reinpassen würde.
Eine Frage, die sich mir stellt ist, ob so ein Verhalten tatsächlich suchtartige Züge hat, oder ob es einfach eine Art Macke (mit eventuell durchaus ernsten Ursachen) ist. Von daher erschien mir das Persönlichkeits-Forum nicht so verkehrt.
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11.10.2010, 22:21
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
So wie ich den Artikel lese, bezieht er sich nicht auf das normale Ausmisten, sondern auf den Versuch (Trend?) einiger Leute, möglichst wenig zu besitzen. Indem sie sich dann so intensiv mit dem Nicht-Besitzen beschäftigem bleiben sie, laut Autor, dem Besitzen genau so verhaftet wie die, die viel konsumieren.
that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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11.10.2010, 22:30
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Ich würde es nicht als Sucht bezeichnen, sondern tatsächlich als Teil der Persönlichkeit. Mir war z.B. gar nicht klar, dass ich ein Mensch bin, der sich bedeutend wohler fühlt, wenn weniger vorhanden ist. Ich habe viele Jahre mit einem Mann zusammengelebt, der gerne einkaufte und immer wieder Dinge anschleppte, die er zu brauchen meinte. Das hat mich damals nicht gestört, aber irgendwie war alles ziemlich zugepackt. Erst als wir uns trennten, merkte ich, dass ich kaum was behalten wollte - ich glaube, ich habe so ca. 3/4 der Einrichtung und der Schrankinhalte mitgegeben bzw. aussortiert und seitdem bin ich immer noch nicht fertig mit dem Ausräumen. Das Ziel wird aber irgendwann erreicht sein und ich werde nur noch "ersetzen" und nicht hinzu kaufen.
Ich will und brauche kein Geschirr/Besteck/Gläser für Alltag und für gut, ich sehe zu, dass ich nur noch Dinge habe, die meinem Geschmack entsprechen und nutze dies täglich.
Und ich gebe zu, ich fühle mich wahnsinnig gut mit überschaubarer Einrichtung, wenig Deko und keinen Dingen, die die Welt nicht braucht.
"Neid ist die Religion der Mittelmäßigen..... Selig der, den die Idioten anbellen, denn seine Seele wird ihnen nie gehören. (C.R. Zafón)
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11.10.2010, 22:35
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Das Projekt ist nicht wirklich neu und geht auf eine andere Person zurück, die seine Reduzierung auf 100 Gegentstände vor ca. 3 Jahren in einem Weblog berichtet hat.
Ich weiss nicht, ob ich hier den Link posten darf, ansonsten einfach mal nach "David Michael Bruno" googeln.
Natürlich kann dieses Vorhaben zum Zwang bzw. zur Sucht werden, wenn man seine Besitztümer auf ein immer geringeres Level reduzieren will.
Ansonsten finde ich es aber sehr lobenswert, sich auf das wesentliche zu besinnen.
Nachtrag: ich kenne auch mehr als eine Person, die mittlerweile wirklich im Müll ertrinkt. Damit meine ich keine Messies, die ihre Wohnung zumüllen, sondern Menschen, die alles schön geordnet zunächst in der Abstellkammer, dann im Keller oder auf dem Dachboden lagern und wenn dort kein Platz mehr vorhanden ist, noch in angemieteten Garagen oder Kellerräumen. Gruselig!Geändert von Katha_2010 (11.10.2010 um 22:39 Uhr)
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12.10.2010, 11:25
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Zur "Sucht" kann neben den klassischen substanzgebundenen Süchten fast jedes Verhalten werden, vom Kaufen über Spielen bis zu Sammeln usw..
Aber von Sucht spricht man auch nur dann, wenn das Verhalten für den Betroffenen und sein Lebensumfeld massive Probleme auslöst.
Beim "Ausmisten" ist fast kein klassischer Nachteil für mich erkennbar, eventuell wäre etwas denkbar wie, dass die Person lebenswichtige Dinge wegwirft, in einer Lebensgemeinschaft Dinge des Partners wegwirft, also fremdes Eigentum nicht respektiert oder Freunde und Verwandte brüskiert, indem sie Geschenke entsprechend offensichtlich wegwirft oder nicht würdigt. Im Beruf dann entsprechend.
Psychologisch könnte ein zwanghafter Druck entstehen, ähnlich wie ein Waschzwang oder Putzzwang. Etwa, die Person muss unter Zwang jeden Tag irgendetwas aussortieren und bekommt ohne dieses Verhalten Entzugserscheinungen.
Hm, gehört habe ich von derartigem Leidensdruck beim Ausmisten noch nicht.
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12.10.2010, 11:39Inaktiver User
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Tamta, vielen Dank für den Artikel. Fand ich interessant, dass aus der Simplify your life-Bewegung so etwas entstanden ist.
Ich habe gerade erst eine Ausmist-Aktion hinter mich gebracht und tonnenweise Kinderspielzeug u.ä. verkauft bzw verschenkt. Diese Aktion hat mich jede Menge Nerven, Rückenschmerzen und Zeit gekostet, aber ja- ich fühle mich befriedigt, wenn ich den wieder begehbaren Keller sehe. Süchtig danach bin ich nicht. Es stehen noch 8 Kisten mit unsortierten Legoteilen herum, die auch noch möglichst gewinnbringend ausgemistet werden wollen.
Für mich steht als Konsequenz, nicht mehr so viel Kram zu kaufen, aber bei 2 technikbegeisterten Männern muss ich mich bis auf weiteres von dem Gedanken verabschieden.
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12.10.2010, 11:49Inaktiver User
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Vielleicht hat jemand, der sich von allem lösen will auch einfach ein Bindungsproblem? Kann ja auch eine Verlustangst dahinterstecken: wenn ich nichts hab an dem ich hänge kann ich das auch nicht verlieren und leiden. Ich seh das als einen Aspekt. Die Balance ist ja immer entscheidend, und ich find es nicht weniger merkwürdig, alles aus seiner Vergangenheit wegzuwerfen wie alles daraus aufzubewahren.
Die Mutter einer Freundin hat z.B. Ölporträts der Urgroßeltern weggeworfen - ich finde das sehr schade. Für die Tochter meiner Freundin hätte das vielleicht einen großen Wert gehabt, dieser Bezug zur Familiengeschichte. Ich denke, die Vergangenheit sollte einen gewissen Raum haben, genau wie die Gegenwart und die Zukunft. Sie total auslöschen zu wollen in dem man nichts bewahrt daraus finde ich sonderbar.


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