Sicher auch ein Aspekt, aber wenn der nicht zu einem inneren und äusseren Leidensdruck führt, dann sehe ich darin kein klassisches Sucht-Problem. Die Balance oder das Nicht-Halten der Balance macht es aus, das ist klar!
Aber klar: Gegenstände oder Häuser erinnern oft immer wieder an Verluste, das Leben ist ja vergänglich. Kann ich diese Verlustangst überhaupt besiegen durch das Aufheben oder Anhaften an Dinge?
Ich glaube eher nicht! Für mich ist das definitiv kein Weg!
Klassischerweise kann darin auch ein Befreiungsakt liegen, eine Art Erneuerung - Vorbilder dafür gibts in der Religion zuhauf.Ich denke, die Vergangenheit sollte einen gewissen Raum haben, genau wie die Gegenwart und die Zukunft. Sie total auslöschen zu wollen in dem man nichts bewahrt daraus finde ich sonderbar.
Für mich ist das (normale) Ausmisten ganz oft ein Befreiungsakt - ganz besonders dann, wenn man Schmerzhaftes oder Belastendes oder ganz einfach Erinnerungen hinter sich lässt. Das schafft Raum für Neues, auch für neue positive Eindrücke...das Leben geht weiter...
Gerade materielle Gegenstände haben oft faktisch weniger mit der Vergangenheit zu tun als man denkt. Gedanken und Erinnerungen an Gegenstände zu binden, ist sicher ein normales menschliches Verhalten, genauso gut kann ich die Gedanken und Erinnerungen aber auch einfach nur im Kopf behalten oder sozusagen frei fliessen lassen...
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Thema: Ist Ausmisten eine Sucht?
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12.10.2010, 12:10
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
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12.10.2010, 12:17Inaktiver User
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Sucht ist mir auch zu massiv, elwyn, ich hab nur so meine Gedanken formuliert.
Mir ist es eben schon begegnet, dass jemand partout keine Verbindung zu seiner Vergangenheit oder z.B. seiner Familie hatte - und das kann durchaus problematische Ursachen haben, wenn man sich so massiv abgrenzen muss. Genau wie wenn man nicht loslassen kann, das ist eben der andere Pol.
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12.10.2010, 12:25
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
/signed

Versöhnung ist im zwischenmenschlichen Bereich sicher der beste Weg, das ist jedem zu wünschen und das würde ich mir auch immer am liebsten wünschen.
Versöhnung kann aber trotzdem bedeuten, einen eigenen neuen Weg einzuschlagen und sich trotzdem abzugrenzen - wenn das eine persönliche Erleichterung bedeutet, ist das bei allen problematischen Ursachen ein normaler Weg.
Beides erreicht man aber nicht unbedingt über das "Behalten" von Gegenständen, umgekehrt auch nicht über das zwanghafte "Ausmisten", aber im Grunde sind Gegenstände doch relativ unwichtig.
Es könnte allgemein ein Problem vorhanden sein, wenn man Gegenstände zu stark mystifiziert oder personifiziert - das nur mal als weiterführender Gedanke.
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12.10.2010, 12:29Inaktiver User
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Eben. Deswegen muss ich weder alles horten noch mich von allem trennen, um mich wohlzufühlen, sondern ich kann das im normalen Rahmen leben.
Es macht einen in meinen Augen nicht zum besseren Menschen, wenn man sich von Dingen leicht trennen kann - für mich wertet das die Dinge eben auch zu sehr auf, genau wie wenn man sich am Besitz aufwertet. Beidesmal nimmt das Denken an die Dinge viel Raum ein, oder nicht??
Ja. Aber ich finde es andererseits eben auch sehr nüchtern, wenn man sich an Dingen gar nicht freuen kann. Einen allzu reduzierter Einrichtungsstil finde ich z.B. oftmals unpersönlich und kühl. Ist auch oft sehr demonstrativ - und leicht zwanghaft.Es könnte allgemein ein Problem vorhanden sein, wenn man Gegenstände mystifiziert oder personifiziert.
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12.10.2010, 12:42
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Seh ich absolut genauso, je länger ich drüber nachdenke. Beides sind Kehrseiten ein und derselben Medaille.
Ich mag den Minimalismus an sich. Für mich haben solche Räume schon irgendwie etwas Befreiendes, etwas, was Raum für meine Gedanken oder Kreativität lässt, weil nichts ablenkt oder mich beeinflusst. Ich brauche auch leere Schreibtische, um etwas Neues zu beginnen.Einen allzu reduzierter Einrichtungsstil finde ich z.B. oftmals unpersönlich und kühl. Ist auch oft sehr demonstrativ - und leicht zwanghaft.
Ich richte mich aber selbst bei weitem nicht so extrem ein, bei mir gibts immer ein bisschen Unordnung und einige (nicht zuviele) persönliche Gegenstände, die ich von Zeit zu Zeit sogar bewusst auswechsel und an meine Stimmung anpasse, aber andererseits gibts ein reduziertes Farbspektrum und aus persönlichen Gründen und zur Verwunderung anderer wenig Bilder (weil ich mich schlichtweg zu schnell daran sattsehe).
Ich habe einen echten Minimalismus nur einmal real gesehen: In einer durchgestylten Architektenwohnung - das war mir auch viel zu kalt, noch dazu viel zu perfekt.
Es muss aber nicht heissen, dass die Bewohner unbedingt kühl und distanziert sind - Einrichtungsstil sagt ja nicht immer etwas über die zwischenmenschlichen Qualitäten der Bewohner aus und ist durch Zeitgeist, Stil und Mode geprägt.
Sagen wir mal so - ich revidiere
- ob es wirklich etwas aussagt und das aussagt, was man im ersten Moment denkt, kann man erst feststellen, wenn man die Bewohner kennenlernt.
Geändert von Elwyn (12.10.2010 um 12:47 Uhr)
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12.10.2010, 13:09Inaktiver User
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Hier ist ja eine sehr interessante Diskussion entstanden.
@maryquitecontrary: stimmt, das was da beschrieben wird geht über das normale Ausmisten hinaus, eher in Richtung extremer (und vielleicht schon krankhafter?) Minimalismus.
Ich fand diesen Bulimie-Vergleich sehr interessant, weil bei mir selber ein starkes Schwanken zwischen "Konsumdrang" und "Minimalismus" kenne. Wünschenswert wäre irgendwas in der Mitte.
Ja, das ist ein sehr interessanter Aspekt. Und ich kann mir vorstellen, dass es bei mir schon so in die Richtung geht.
Besitz bedeutet für mich auch immer Abhängigkeit, und daher assoziiere ich zwangsläufig Nicht-Besitzen mit Unabhängigkeit. Dabei ist wohl eher "geistiges" Nicht-Besitzen Unabhängigkeit.
Als typbedingt würde ich dagegen werten, dass ich eher praktisch und rational veranlagt bin und mich im Alltag nicht ständig mit suchen und sortieren von Dingen oder mit Deko-Krams beschäftigen mag.
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12.10.2010, 13:11Inaktiver User
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12.10.2010, 13:48Inaktiver User
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Alles, was einen grossen Rahmen einnimmt....was das Denken sehr bestimmt....ist mal sicher nicht so ganz gesund

Wer nur um das Essen kreist (ob viel oder wenig oder was) trägt damit genauso ein Problem mti sich rum als wenn sich nur Gedanken gemacht wird, ob man die Wohnung mehr oder weniger vollstellen sollte....muss??
Ausmisten hat natürlich durchaus psychologische Hintergründe!
Alleine das Gefühl, was ein volleres oder leereres Zimmer bietet...ist ja auch ein Ausdruck von dem, wonach einem ist!
Die Interpretation ist da ganz individuell!
Für mich bedeuten Räume, die sehr vollgestellt sind Enge.....und oft Lebhaftigkeit- wogegen andere sich in solchen Räumen erst aufgehoben und gut fühlen.
Räume, die nicht soviel in sich haben- bringen mir das Gefühl von Ruhe.......und ich kann bei mir durchaus erkennen, daß ich in Zeiten, wo es in mir viel Aufregung gibt-- der Wunsch nach Aufräumen im Aussen sehr gross ist..... während ich "Unordnung" gut ertragen kann, wenn ich innerlich ruhiger bin!
Richtiges Ausmisten- kann sehr gut tun....denn man setzt sich mit jedem Teil, das man ausmistet nochmal kurz auseinander....entscheidet, ob es das Leben- den Lebensraum weiter bereichern kann.....und man macht damit auch immer wieder Platz für Neues.
Ich würde das einfach wertfrei ansehen.....weder als gut oder schlecht zu bezeichnen sondern nur der Ausdruck des Inneren.
kenzia
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12.10.2010, 20:06Inaktiver User
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
hallo tamta,
für mich ist eher das gegenteil der fall - dieses zugestopft sein mit gegenständen, erinnerungen lässt bei mir keine konzentration aufkommen.So geht es mir auch. Ich lasse mich aber leider auch leicht ablenken. Vielleicht können Menschen, die nicht so minimalistisch veranlagt sind, sich besser aufs Wesentliche konzentrieren?
du wendest wahrscheinlich ganz unbewusst das prinzip "feng shui" an.
ich bin auch so ein aussortierer. urlaubskarten von freunden bewahre ich vll. eine woche auf und dann ab in den papiermüll.
fotos die mir nicht gefallen wandern in den papiermüll.
ich möcht um mich nur dinge haben, die mir gefallen. geschenke, die ich bekomme und doof finde, die kommen in meiner wohnung nicht unter.
mit dem geschirr ist es auch so, dass ich nur das geschirr habe, das ich für mich und meine familie benötige. wir sind, wenn alle da sind zwölf personen. mehr teller , egal ob tief, flach oder pasta habe ich auch nicht.
lediglich bei büchern, da kann ich nur sehr schwer aussortieren. das sind dann immer noch einige hohe regale voll - obwohl ich bei jedem neuen buch ein anderes aussortieren will.
Kleidung die ich nicht trage fliegt raus, in meinem schrank gibt es nur kleidung die ich anziehe, nach farbe sortiert (sind wenige farben
)
ich finde es befreiend eine wohnung zu haben mit positiven erinnerungen und assoziationen und ohne zugestelltsein von möbeln. so bleibt noch luft zum atmen. und selbst meine enkelkiinder sagen mir immer wieder, wie schön es bei mir ist (schönstes kompliment für mich , weil sie sind noch keine großen).
es gibt ja den spruch "besitz macht unfrei" - irgendwie ist da für mich was dran. wenn ich umziehe, dann ist das überschaubar
- ich habe alles was ich brauche und bin nicht überladen und es ist trotzdem schön.
ich kann mich so besser konzentrieren als mit tausend kleinen erinnerungsstücken in schubladen, regalen und dem nippes, den man mir gerne schenken würde. meine verwandten und freunde wissen das auch .
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13.10.2010, 13:15
AW: Ist Ausmisten eine Sucht?
Ich halte überhaupt nichts davon, besitztechnischen Minimalismus zu betreiben, nur weil das gerade von irgendeiner Seite – sei es vom Buddhismus oder von Konsumkritikern – für in erklärt wird. Wenn es dem eigenen Bedürfnis widerspricht, sich von wichtigen Sachen zu trennen, dann frage ich mich, was das für einen Sinn haben soll. Dann schmeißt man Sachen weg, und hinterher tut es einem leid, weil man es nicht mehr rückgängig machen bzw. sie nur mit großer Mühe ersetzen kann.
Okay, ich fühle mich von der Sucht zum Ausmisten nicht betroffen, und ich habe - trotzdem ich Japanfan bin - keine Vorliebe für diese Leere-Raum-Ästhetik. Ich gehöre eher zur Nippes-Fraktion und zu denjenigen, die aufpassen müssen, nicht zuviel anzuhäufen.
Was spricht denn dagegen, wertvolle Erinnerungsstücke aufzuheben, oder eine große Auswahl an Büchern, CDs und DVDs zu haben, um sich alleine eine schöne Zeit machen zu können, um abzutauchen in andere Welten?
Oder wenn man vielfältige Interessen und Hobbies hat, dann sammelt sich dafür eben auch Zubehör an.
Ich finde es auch besser, mehr Klamotten zu haben, als in zwei Waschmaschinen passt, denn dann muss man nicht so oft waschen, wenn man wechseln will. Dasselbe gilt fürs Geschirr: Habe ich nur 4 Teller, bin ich dauernd am Abwaschen und kann nie mal was stehen lassen.
Wahre Kreativität zeigt sich natürlich darin, aus Wenig Viel zu machen. Das ist für mich aber eher ein Gebot für Notfälle und keine generelle Lebensphilosophie. Ich finde es immer besser, aus einer gewissen Fülle schöpfen und auswählen zu können. Und das hat überhaupt nichts mit „Mein Haus, mein Auto, mein Boot…“ zu tun.
Ich würde eher sagen, dass Freiheit eine gewisse Auswahl an Optionen bedeutet.
Warum sich diese Freiheit durch unnötigen Minimalismus nehmen?
Ich habe schon von Menschen - hauptsächlich Männern - gelesen, die den Großteil ihres Lebens in absoluten Provisorien verbringen: Eine kahle 1-2 Zimmer-Wohnung mit Matratze, Schlafsack, Elektrokocher und vielleicht noch einem Tisch, einem Stuhl und einem Regal. Das ist sehr typisch für Bindungsvermeider, sie wollen sich auf nichts einlassen, keineswegs festlegen, immer auf dem Sprung sein können, abzuhauen. Das ist für sie die wichtigste Option ihres Lebens: Jederzeit abhauen zu können. Für mich eine fragwürdige Form der Freiheit.Geändert von Latona (14.10.2010 um 10:30 Uhr)
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!



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