Liebe Bricom,
ich habe überlegt, ob ich das wirklich posten soll. Und ehrlich gesagt, beim lesen einiger Nachbarstränge ist mir dann auch der Mut und die entsprechende Motivation dazu erst gekommen.
Es ist mir sogar echt peinlich, dass ich das Thema so zur Sprache bringe, aber ich weiss es nicht besser: In den anderen Strängen "Frauen- und was will ich" und "Ich verliebe mich....." geht es immer wieder um die gleiche Fragestellung. Zwar haben diese beiden User einen anderen Anlass zu posten als ich, aber die Diskussionen sprechen mich sehr an und führen auch zu meiner eigenen Situation. Sie wühlen ähnliche Fragen in mir auf, auch wenn diese garnicht Kern der dortigen Diskussionen sind.
Zur Beschreibung meiner Situation - ich habe es vielleicht hier und da in den Strängen angedeutet - also:
Ich bin in einem Umfeld aktiv, in dem ich sehr gefordert bin, d.h. einerseits kann ich zwar alles freiwillig tun, andererseits fordert es mich als Mensch sehr substantiell. Nein, es ist kein Ehrenamt. Noch viel schlimmer. Ich kann es aber nicht hier loswerden, im Strang, weil es möglicherweise mit dem Brigitte-Team dann Diskussionen gibt, von wegen Werbung oder so.
Also dass ist wichtig für das Verständniss um die Dunstküche, in der das alles passiert. Ich habe schlussendlich das Gefühl, dass sie Einfluss auf die Intensität hat, mit der wir praktisch in dieser Umgebung unser Miteinander leben.
Ich musste dort mit einem Mann zu tun haben, der mir Angst machte. Sein Gesichtsausdruck gefiel mir einfach nicht. Er erschien mir unberechenbar, so als öffnete er u.U. jederzeit seine zum Angriff bereitstehende Giftschleuder, um jedem x-beliebig Daherlaufenden zu reüssieren, welche Sorte A* er/sie wäre. Das war nur ein unbestimmtes Gefühl. Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, warum er so wirkte und habe dafür auch schnell eine mögliche Erklärung gefunden. Trotzdem dachte ich: "Nimm, dich zusammen und lass dir ja nicht anmerken, dass du Angst vor ihm hast. Der muss das nun wirklich nicht wissen. Ausserdem ist dein Gefühl ja nun auf nichts Rationales zurückzuführen. "
Nein, chemische Attraktion bestand da nun überhaupt nicht.
Ich schenkte ihm so wenig wie möglich Beachtung.
Es verging so etwa ein halbes Jahr und die Situation änderte sich. Es waren Kleinigkeiten, Dinge, die ich teilweise nicht sofort mitbekam. Und er verblüffte mich durch sein Verhalten in diesem Dunstkreis. Warum war er nicht wie die anderen? Warum liess er sich von denen nicht hinreissen zu einem Ergeiz, den jeder verstanden hätte , verstehen hätte müssen, weil ihn alle anderen doch auch hatten? Er fiel aus der Rolle - und - er war aus irgendwelchen Gründen freundlicher zu mir, als ich das verdient hätte.
Es liess sich nicht verhindern, dass wir auch ins Gespräch kamen. Dabei machte ich die überraschende Entdeckung, dass er mich an etwas erinnerte, etwas oder jemanden, mit dem ich schonmal zu tun gehabt haben musste, vor vielen Jahren vielleicht. Ich mochte plötzlich seine Art zu reden. Vielleicht mochte er auch meine. Warum kam er sonst eines Tages aus keinem Grunde auf mich zu und schüttelte mir vor allen die Hand, nachdem wir die allgemeine Begrüssungszeremonie schon lange hinter uns hatten? Ausserdem war dies auf einer grossen Veranstaltung der Fall und bei sowas schütteln wir uns nicht zur Begrüßung die Hände.
Ich hatte noch einen anderen Eindruck von ihm. Er sah mich heimlich genauer an, wollte aber ganz offenbar nicht, dass das zu einer falschen Deutung führte. Nach dem unerwarteten Händeschütteln wandte er sich sofort um und ging.Mir hat das schon einiges gesagt aber vielleicht nicht unbedingt das richtige.
Mich brachte in der folgenden Zukunft sein Verhalten in Verlegenheit. Ich achtete genauer auf jede Kleinigkeit zwischen uns, dachte, dass ich den seltsamen Schmetterling jetzt wohl doch nicht gleich wieder verscheuchen will.
Eines Morgends standen wir da und warteten auf unseren Bus, um zu einer Großveranstaltung zu fahren. Natürlich waren er und ich auch dabei. Er kam später, stieg aus dem Auto und kam auf die Gruppe zu. Ganz offensichtlich ging es ihm nicht gut. Er wirkte keineswegs aufgeräumt oder anziehend.
Aber ich sah plötzlich einen anderen Menschen auf mich zukommen, nicht den, den ich die ganze Zeit gesehen hatte. Irgendetwas in mir sagte: Das bist Du? Diese Seite von dir kannte ich nicht. Und: Wie kann es sein, Nichira, dass ausgerechnet dir das jetzt passiert ?
Ich fand das so seltsam, dass mich das fast auf der Stelle umwarf. Das war doch nicht ich, wie ich mich selbst gekannt hatte. Das blieb von ihm nicht unbemerkt. Er schaute mich in etwa vielleicht genauso an. Zumindest registrierte er sofort, dass ich verlegen war und nicht recht wusste, wieso.
In der Folgezeit sind wir miteinander nur fürchterlich nett umgegangen. Keiner hat was gesagt und wir hatten auch nicht oft Gelegenheit uns zu sehen. Dann musste ich etwas mit ihm klären, ein Missverständniss innerhalb unseres Bezugsrahmens, für das allerdings nicht ich verantwortlich war. Wir sahen uns nicht. Das Ganze lief über E-Mail. Er reagierte: "Das war jetzt nicht so schlimm mit......" Ein paar Tage später rief er aus fadenscheinigen Gründen an. Wir führten ein kurzes Telefonat. Mir zitterte dabei unwillkürlich die Stimme und ich kam mir vor, wie die Eiskunstlaufschülerin, die gleich bei einem Salto auf's Eis knallen wird. Er lachte irgendwie befreit.
Danach bekam ich Angst vor mir. Mir fielen alle Dinge meines jüngeren Lebens ein und am meissten die, die mich immernoch heruntermachten. Dann bekam ich Schamgefühle, weil ich mir plötzlich ihn und mich beim Sex vorstellte und dachte, das war nicht vorgesehen, sollte vielleicht nicht sein. Irgendwann hörte ich in mich rein und stellte fest, dass da etwas in mir war, was ihn schon länger kennen musste. Es ist kein Zufall, dass wir uns wohl beide ahnen. Aber was mache ich nun damit? Es passt für mich in keine Welt, was da gerade passiert? Nicht einmal in meine eigene bisherige stereotype Welt dringt das vor. Da diese Erfahrung so neu und so einmalig für mich ist, muss wohl meine Sicht auf Männer/Menschen (vielleicht auch Frauen) bisher sehr stereotyp gewesen sein. Ich hatte bis vor ein paar Tagen eine Depression, konnte nichts richtig anfassen. Nach wenigen Stunden war ich müde und das täglich. Und ich weiss, ich bin mir selbst im Weg. Langsam versuche ich damit aufzuräumen. Ich versuche, diesen Strang zu schreiben. Ich habe ein Verhältniss zu einer weiteren Person im Zuge dieser Situation geklärt, eine Person, die mich nachträglich wütend macht und verletzt.
Ich werde ihn irgendwann wiedersehen. Im Moment bin ich fast froh, dass es nicht passiert. Mich ärgert die Wahrscheinlichkeit, dass ich vielleicht Torschlusspanik habe? Weiss ich, wie es ihm geht? Aber ich will nicht, dass das zwischen uns eine Rolle spielt. Weil es nicht in unsere Entwicklungsgeschichte passt. Dies ist inneres Verstehen und da gehört für meine Begriffe nichts pragmatisches hinein, auch keine diesbezüglichen wünsche. Bin ich zu streng mit mir? Oder zu nachlässig? Ich habe auch Angst vor diesen ganzen lächerlichen Bildern in meinem Kopf. Sie erinnern mich so an Prinz und weisses Schimmel, So ähnlich wie in "Die Braut, die sich nicht traut" aus dem Film mit Julia Roberts. Da kommt auch so 'ne alberne Szene vor. Oder komme ich einfach nichtmehr mit meinen heimlichen Wünschen klar? Ich hasse mich schon fast dafür.
Gruß
Nichira
Antworten
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10.10.2010, 21:09
Seelenfreundschaft und mein unsichtbares Ego
Geändert von Nichira (10.10.2010 um 21:24 Uhr)
Niemand ist eine Insel.
John Donne
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10.10.2010, 21:36
AW: Seelenfreundschaft und mein unsichtbares Ego
Dunstkreis? Ehrgeiz? Nicht wie die anderen? Sorry, vielleicht bin ich zu dämlich, aber ich verstehe nur Bahnhof.
Es scheint um Anziehungskraft zu gehen?
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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11.10.2010, 04:50
AW: Seelenfreundschaft und mein unsichtbares Ego
Ich weiß auch nicht so recht, warum du das Ganze so "mystifizierst"

Da ist jemand, mit dem du an einem Projekt zusammen arbeitest (was, ist ja egal), und den du zunächst nicht besonders anziehend fandest. Dann, später, gefällt er dir ... Und du ihm vielleicht auch? Das ist doch vollkommen okay
Warum möchtest du ihn nicht näher kennenlernen?
KittyCoat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
Mae West: Goodness had nothing to do with it...
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11.10.2010, 14:42
AW: Seelenfreundschaft und mein unsichtbares Ego
mir geht's beim lesen ganz genau so wie kitty

nichira, wozu diese mystifizierung?
ihr fühlt euch offenbar zueinander hingezogen, aber irgendwas ist sehr schräg. versuchst du, dieses "schräge" nun durch diese komplizierte überhöhung auf eine ebene zu heben, die gar nicht existiert?
neigst du dazu, eher profane dinge auch in anderen situationen zu überhöhen?
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11.10.2010, 14:47Inaktiver User
AW: Seelenfreundschaft und mein unsichtbares Ego
vielleicht kann mir auch jemand erklären um was es genau geht?
Du findest den Kerl geil - dann ran an den Mann....
Wozu dieses Gefasel von Seelenfreundschaft?
Er ist anders als andere? Na und? Die meisten Menschen sind anders als andere....
Komischer "Dunstkreis" in dem du dich bewegst - so nebulös
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11.10.2010, 15:18Inaktiver User
AW: Seelenfreundschaft und mein unsichtbares Ego

Was ist das denn für eine Sekte?
Der Alpenverein ist es wohl eher nicht .... wenn der Dunstkreis so'ne große Rolle spielt.
Wie auch immer.
1. Aus der Sekte raus.
2. Mit einem Therapeuten mal ein paar Runden drehen zum Thema
Angst und Scham.
Angst vor Dir selbst zu haben und Erinnerungen, die Dich heute "noch heruntermachen" arbeitest Du wohl besser auf. Depressionen hast Du ja schon.
Das alles ist nur hinderlich im Leben, zieht komische Vögel an und braucht kein Mensch.
Sprich: Muss nicht sein.
Sprich: Das würde ich mich mal näher ansehen.
Nicht den Mann - der ist nur Auslöser.
Man arbeitet sich aber besser nicht unnötig an solchen Themen mit einem Mann ab. Geht meist schief.
Besser: Gleich zum Profi.
Ansonsten und grundsätzlich:
Mehr Gelassenheit mit den eigenen Gedanken und Fantasien.
Die Essenz daraus ist wichtig für das reale Leben. Dazu muss man sie aber beobachten - unzensiert.
Letztendlich macht man sich selbst runter - es ist nicht das Innenleben - es ist die eigene Bewertung.Geändert von Inaktiver User (11.10.2010 um 15:23 Uhr)
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11.10.2010, 17:33
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11.10.2010, 19:37
AW: Seelenfreundschaft und mein unsichtbares Ego
Da dieser Thread bei Persönlichkeit steht und nicht bei Kennenlernen,
frage ich noch mal nach:
Nichira, bei welchen Themen suchst du Hilfe?
Warum genau fühlst du dieses "Schräge" bei diesem Mann?
Brauchst du Unterstützung, um aus dieser Gruppe (nenn ich jetzt mal vorsichtig so) rauszukommen?
Kitty
Coat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
Mae West: Goodness had nothing to do with it...
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11.10.2010, 19:44Inaktiver User
AW: Seelenfreundschaft und mein unsichtbares Ego
Ich fand das so seltsam, dass mich das fast auf der Stelle umwarf. Das war doch nicht ich, wie ich mich selbst gekannt hatte.
Danach bekam ich Angst vor mir. Mir fielen alle Dinge meines jüngeren Lebens ein und am meissten die, die mich immernoch heruntermachten.Dann bekam ich Schamgefühle, weil ich mir plötzlich ihn und mich beim Sex vorstellte und dachte, das war nicht vorgesehen,Da diese Erfahrung so neu und so einmalig für mich ist, muss wohl meine Sicht auf Männer/Menschen (vielleicht auch Frauen) bisher sehr stereotyp gewesen sein.
Die obigen Sätz sind meiner Meinung nach ziemlich wichtig.
Nichira,
kann es sein, dass Du viele Seiten an Dir unterdrücken musstest?
Und dieser Mann ruft etwas in Dir hervor, geht einfach mit etwas in Dir in Resonanz, was Dir nicht bewusst, aber dennoch da war bis dato?
Oder was eben nicht leben durfte in Dir?
Ich glaube nicht, dass Du Angst haben musst.
Weder vor ihm, noch vor Dir, noch davor, was sich entwickeln könnte.
Damit will ich nicht andeuten, ob oder was sich da entwickeln könnte.
Kann auch sein, dass gar nichts weiter geht.
Und Du ihm quasi nur "begegnet" bist, um genau das Gefühl, genau die Bilder und Vorstellungen in Dir aufzuwecken.
Kurzum: Ja, kann man abgehoben sehen - oder auch ganz mit dem Arsch auf der Erde. Und alle Nuancen dazwischen.
Du bist erstmal die Hautperson darin - hab viel Spaß an der Entdeckung Deiner selbst.
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11.10.2010, 20:00Inaktiver User



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