Hallo Ihr Lieben,
ich bin mal wieder auf die Schnauze gefallen und hoffe, ich bekomme ein paar Tipps wie ich die nächste Zeit überstehe bzw. mein Grundproblem gelöst bekomme.
Mein Mann hat mich wegen einer anderen Anfang des Jahres verlassen. Ich bin tief gefallen und war sehr verzweifelt. Nach ca. 2 Monaten hab ich mich in einer Singlebörse angemeldet und auch schnell jemanden kennengelernt. Wir waren jetzt ein paar Monate zusammen, was jetzt aber auch vorbei ist - er hat gesagt seine Gefühle reichen nicht für eine Beziehung ... sprich wieder einer der mich nicht will :-(
Ich habe immer verneint das ich nicht alleine sein kann, aber dem ist nicht wirklich so, sonst wäre ich die letzte Geschichte so schnell nach der Trennung wohl nicht eingegangen.
Jetzt merke ich mit voller Wucht ich habe Probleme damit allein zu sein. Nach der Trennung von meinem Mann hab ich alles unternommen um mich abzulenken, die Woche über viel unterwegs und war jedes WE bei Freunden usw.
Jetzt merke ich, das mir dieses Ablenken auch nix nützt, weil es mich nicht weiterbringt. Ich kann mir ja nicht immer andere zum ablenken suchen und dann jedesmal in ein Loch fallen, wenn keiner da ist der sich um mich quasi kümmert
Also muss ich lernen, das ich mich auch gut fühle wenn ich alleine bin.
Wie mache ich das? Wie schalte ich das Gedankenkarussel ab?
Eigentlich mag ich mich recht gerne und finde mich durchaus gut so wie ich bin, aber trotzdem genüge ich mir offensichtlich nicht selbst?
Liebe Grüße
Jasmintee
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Thema: Allein sein aushalten
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04.10.2010, 09:14
Allein sein aushalten
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04.10.2010, 09:26
AW: Allein sein aushalten
Was für ein Gedankenkarussell ist das denn? Vielleicht musst du es gar nicht abstellen, sondern mal da durch? So ging es jedenfalls mir, als ich mich intensiv mit dem Alleinsein auseinandersetzte. Ich habe mir ganz bewusst überlegt, wie ich mein Leben gestalten würde, wenn sich das nun nicht mehr ändern würde. Das hat mich irgendwie befreit, denn ich habe gesehen, dass es auch so gehen würde.
Ich habe mir z.B. überlegt, später dann mal eine Art WG zu gründen und solche Dinge. Natürlich muss man dann nicht allein bleiben (bin ich inzwischen auch nicht mehr) aber es beruhigt, die Angst sozusagen in die Realität zu holen und sich ganz bewusst zu überlegen, wie das Leben im "worst case" verlaufen würde. Das Ablenken hat mir übrigens auch nicht geholfen
Geht es dir denn konkret um die Momente, in denen du mit dir allein bist? Wieso hast du das Gefühl, dir nicht zu genügen? Ich glaube das ist auch ein sehr hoher Anspruch, es ist in Ordnung, andere Menschen zu brauchen. Man muss es nur so gestalten können, dass das nicht unbedingt ein Partner sein muss. Ich habe z.B. damals auch gemerkt, dass ich mich auch Freunden gegenüber weniger geöffnet hatte - und da ich dann gar keinen Ort mehr hatte, an dem ich ganz ich selbst war und dafür gemocht wurde, wurde es schwierig.
Was hast du denn nach deiner Trennung von deinem Mann noch getan, um dich mit dem Gefühl auseinanderzusetzen, mit Ausnahme des Ablenkens und des neuen Mannes? Bücher, Therapie, o.ä.? (hat mir alles geholfen)
Auch eine tolle Idee: Es gibt so Bücher (die heißen so ähnlich wie "make your life your museum", wenn es dich interessiert könnte ich nachschauen), die die eigene Wahrnehmung des Lebens rundrum wieder schärfen. Schönheit sehen, genießen, das Leben annehmen, in dem Fluss in dem es sich befindet. Mich hat damals ein Satz, den meine Thera sagte, sehr befreit, als ich mich fragte, was ich brauche, um allein sein zu können: Sie meinte, man braucht nicht viel, keinen großen Umbruch, sondern die Fähigkeit, es sich selbst im jeweiligen Moment schön machen zu können. Nicht für andere, nicht für die Außenwelt, sondern nur für sich selbst. Erspüren, was einem gut tut (bei mir hilft fast immer: Grießbrei mit Marmelade, Tanzen, Spaziergang in der Natur...) und das tun.
Das kann man lernen und es verstärkt die eigene Unabhängigkeit. Dann wird Alleinsein schön und keine Qual mehr.
Hoffe dir ein bisschen geholfen zu haben, für mich war das eine schwere Zeit, aber im Nachhinein hat sie mich sehr weitergebracht!
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04.10.2010, 09:54
AW: Allein sein aushalten
Hallo Jasmintee,
bei Dir kommen zwei Dinge zusammen, die Du ja auch selbst benannt hast:
1. Du hast Dir keine Zeit gegeben Deine Trennung zu verarbeiten
2. Du kannst schlecht alleine sein
In Deiner aktuellen Situation verstärken sich natürlich beide Aspekte gegenseitig. Die erneute Trennung ist unter diesem Aspekt kein Wunder. Deine Wunden sind noch nicht geheilt und für Dich war die neue Beziehung eher ein Betäubungsmittel von der Trennung als dass es um die Person selbst gegangen ist.
In meinem Strang habe ich das Buch "Aussöhnung mit dem inneren Kind" erwähnt. Es ist nicht ganz einfach zu lesen und die für mich wichtigen Passagen stehen auch erst im hinteren Teil des Buches. Es ist kein klassischer Ratgeber, sondern eine Methode, mit der viele Therapeuten arbeiten. Mir hat das Buch die Augen darüber geöffnet, warum ich einsam bin und welche Rolle andere Menschen in meinem Leben spielen.
Die Quinessenz des Buches ist: "Nicht die anderen können Dich glücklich machen, nur Du selbst kannst es." Wenn die Beziehung zum inneren Kind gestört ist (eine Trennung trägt sicher auch dazu bei), dann ist es uns nicht möglich liebevolle Beziehungen zu anderen aufzubauen. Du merkst es daran, dass Du quasi "süchtig" danach geworden ist, dass andere sich um Dich kümmern. Du kannst die Nähe der anderen aber anscheinend nicht an Dich heranlassen und wenn sie weg sind, dann fühlst Du Dich einsamer als je zuvor. Ich weiß, wovon ich spreche.
Schon mal an eine Therapie gedacht? Eine helfende Hand in so einer Zeit tut gut....
Viele Grüße!
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04.10.2010, 09:55
AW: Allein sein aushalten
Also, auch wenn das nicht toll klingt: das Alleinsein aushalten kann man lernen - ich würde sogar sagen, man sollte es lernen! Mir ging es ähnlich wie dir, ich war jahrelang immer in Beziehungen, die eine nach der nächsten, ohne Pause. Dann war plötzlich Schluss.
Man denkt zuerst, man fällt in ein tiefes Loch. Das kann man aber versuchen auszuhalten, und irgendwann ist es nicht mehr schlimm, allein zu sein (mal ehrlich: das sind wir alle sowieso), und du bist dir selbst einen Schritt nähergekommen. DER positive Nebeneffekt: du brauchst nicht mehr das volle Programm mit Freunden und Aktivitäten, um die innere Leere zu füllen, weil du weißt, du kommst alleine klar. Das wirkt sich auch positiv auf deine Partnerwahl aus: du musst dich nicht wahllos in Liebschaften stürzen, die dir nicht guttun, sondern wählst bewusst aus.
Versuch doch mal ein Wochenende ganz bewusst allein zu verbringen. Werde erstmal dein eigener Freund. Du wirst sehen, wieviel Gelassenheit du bekommst. Mir jedenfalls hat diese Zeit sehr viel gebracht.
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04.10.2010, 10:18
AW: Allein sein aushalten
Liebe Jasmintee,
da wir gerade schon bei Büchern sind, eine Beziehung füllt einen unserer Liebesspeicher, aber wir haben ja noch mehr davon. Gerade Familie, Freunde, und Hobby´s oder Unternehmungen mit anderen können unsere anderen Liebesspeicher so füllen, das wir auch eine Zeit lang ohne einen Partner sehr gut leben können!
Schau doch mal unter "Trennen - Neuanfang??" von "Bellabimba" bei "Um den Partner kämpfen" rein. Da sind 5 der Liebesspeicher ausführlicher beschrieben. Das Buch ist übrigens von John Gray und hat den Titel: "So bekommst du, was du willst, und willst, was du hast!" Evtl. hilft dir das ja weiter, liebe GrüßeEine erfolgreiche Beziehung besteht nicht darin, den richtigen Partner zu finden, sondern darin, füreinander die richtigen Partner zu sein!
Beziehung bedeutet Entwicklung zu zweit, denn was beide angeht, können auch nur beide lösen!
Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollten und das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.
Wenn wir anderen mit einer Fackel den Weg erleuchten, bleibt es nicht aus, das wir dabei unseren eigenen Weg auch erleuchten.
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04.10.2010, 10:36
AW: Allein sein aushalten
Liebe Jasmin,
die Anderen haben es ja schon treffend gesagt. Du musst erst mit Dir alleine klarkommen, damit auch andere mit Dir klarkommen können. Nur wenn Du selbst mit Dir glücklich bist, können das auch andere sein. Es nutzt nichts, die Verantwortung dafür, dass es einem gut geht, auf jemand anderen abzuwälzen (nicht böse gemeint, geschieht im Unterbewusstsein), dafür musst Du schon selbst sorgen.
Das Buch von sternschnuppe habe ich mir auch gerade bestellt und warte drauf. Und den Tipp mit der Aussöhnung mit dem inneren Kind finde ich als Ergänzung auch ganz prima.
Melde Dich nicht wieder in der Singlebörse an und such Dir jemanden, der dafür sorgt, dass es Dir gut geht. Sorge erstmal selbst dafür... Beschäftige Dich mit Dir. Schau, woher diese "Defizite", dass Du nicht alleine sein kannst, kommen und versuch, diese abzustellen. Erst wenn Du Dich selbst bedingungslos liebst und mit Dir selbst rundum glücklich bist, kann das auch ein anderer...
Die Idee, Dir einen Psychologen zu Rate zu ziehen, finde ich auch sehr gut, denk da doch auch mal drüber nach.
Und halt' den Kopf oben! Es kann nur besser werden
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04.10.2010, 10:51
AW: Allein sein aushalten
danke, das ich gleich schon Antworten bekommen habe

ich bin die letzten 3 WE`s mit Mini alleine gewesen und es ist grauenhaft, ich kann Mini nicht geniessen, ich kann die Sonne nicht geniessen, ich kann mich auf nichts konzentrieren - aber mein Ziel ist klar definiert "ich will alleine sein mit mir"
ich weiss, daß ich es aushalten muss, aber mir fehlt es schwer damit umzugehen - ich hab noch keinen Weg gefunden, das ich mir selbst sagen kann - jetzt tut es weh aber das und das kann ich tun, dann wird es besser - ich versuche schon einige Sachen positiv anzugehen, aber es dauert keine 10 minuten und ich sacke zusammen und hänge doch wieder die Flügel
@echo90 - die Aussöhnung mit dem inneren Kind - das Buch hab ich da und auch das Arbeitsbuch dazu. Bin gerade dabei es zu lesen, weil mir das Problem schon länger auf der Seele liegt. Im moment finde ich aber noch nicht wirklich Zugang dazu, alles was ich grad in diesem Zusammenhang empfinden kann ist Selbstmitleid
ich weiss was ich alles tun könnte um mich selbst zu verwöhnen, aber irgendwie komme ich nicht dahin, das es sich gut für mich anfühlt
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04.10.2010, 11:03
AW: Allein sein aushalten
Hallo Jasmintee,
mit dem Buch allein zu arbeiten ist schwierig. Ich habe mir auch gerade das Arbeitsbuch bestellt. In meiner Therapie wird das Thema immer mal wieder aufgegriffen und es gibt mir einen roten Faden an die Hand.
Jamintee, im Moment machst Du Dir Deine Einsamkeit bewusst (vielleicht zum ersten mal?). Das tut weh und Selbstmitleid ist der erste Schritt, den Du Dir ruhig gönnen darfst und musst. Traurig sein gehört zu dem Prozess des "Selbst lieben lernen" dazu. Es gilt halt, nicht ewig in diesem Stadium stehen zu bleiben, sondern irgendwann einmal zu starten (mit welcher Methode auch immer).
Mir persönlich gefällt das Bild des "inneren Kindes" gut. Auch wenn ich ich von den Dialogen noch weit entfernt bin.
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04.10.2010, 11:12
AW: Allein sein aushalten
Das stimmt, dieses Bild des inneren Kindes ist wirklich sehr gut - auch wenn ich das Buch nicht kenne spielt das in meiner Therapie eine wichtige Rolle. Auch ich habe gelernt, mit ihm zu sprechen, wenn es sich rührt und mich um mein inneres Kind zu kümmern. Ich glaube, dass gerade der Teil, der sich so schnell einsam und verlassen fühlt und sich dann über nichts wirklich freuen kann, ganz wesentlich dieses innere Kind ist. Und da gibt es wirklich gute Mittel und Wege, sich um das Kind zu kümmern!
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04.10.2010, 14:25Inaktiver User
AW: Allein sein aushalten
@yaz,
hier steckst du
.
Im Moment kann ich nicht viel schreiben, weil das Bett ruft, ich habe heut abend Nachtschicht.
Hier sind schon gute Büchertipps dabei, ich kann noch mehr beisteuern, aber du wirst nicht alles auf einmal schaffen.
Du hast ein ähnliches Problem wie ich, nur das ich ganz gut allein kann.
Aber der Kern ist derselbe, wir suchen Anerkennung von draußen, weil wir an uns selber zweifeln.
Das mit der SB war völlig normal, hab ich auch gemacht, nennt man Marktwert testen oder Ego pushen
.
Aber Beziehungen, die daraus entstehen sind oft nur Interimsbeziehungen.
Weißt du, was wir beide lernen müssen?
Das wir zwei ganz tolle Menschen sind, die ne Menge drauf haben und das man ab und zu, sich selbst genügen kann.
Wir müssen nicht immer beweisen, dass wir gut sind. Wir sind es!
Mich haben meine Trennungen von Langzeitbeziehungen furchtbar geschlaucht, aber immer wieder ein Stück nach vorn gebracht. An meiner letzten Trennung, die ist Ende vergangenen Jahres gewesen, kau ich ab und zu noch rum.
Mittlerweile habe ich für mich einen Sinn gefunden. Für mich.
Das muss nicht jedem so gehen.
Aber schau nach links und nach rechts, es gibt im Leben noch mehr als "nur" die Ehe. Manche Dinge müssen wir allein hinbekommen, völlig neue Wege gehen.
Leda hat das mal in einem Strang von Cariad als "Wachstumschmerzen" bezeichnet.
Manche haben die nicht, manche merken es nicht und andere
kriegen ihre unerledigten Hausaufgaben mehrfach um die Ohren gehauen.
Niemand wird unsre Lebensaufgaben lösen, niemand wird uns sagen, welche das sind. Wir bekommen sie aber mehrfach gestellt. Und wir bekommen, wenn die Zeit es erfordert auch immer jemanden an die Seite, der uns auffängt, wenn wir stolpern.
Bis später


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