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    Liebe nicht zulassen können. Sich selbst nicht lieben.

    Seit etwa drei Monaten lese ich regelmäßig eure Beiträge in diesem Forum. Bisher war das Lesen allein ausreichend für mich, ich konnte aus vielen Beiträgen und Geschichten Schlüsse für mich ziehen, aber ich muss mich nun doch auch einmal mitteilen.

    Ich bin Anfang 20, weiblich, befinde mich in einer Ausbildung im sozialen Bereich, habe seit ein paar Monaten einen Freund, der in Kürze zwecks Studium in eine andere Stadt zieht, ich leide an Selbstzweifeln und tiefer Traurigkeit ohne einen für mich ersichtlichen Grund.

    Ich hatte vor kurzem Geburtstag und mir hat es wie schon in den Jahren zuvor, davor gegraut. Geschenke annehmen und liebe Worte hören zu müssen, die wie auswendig gelernt klingen und sich für jeden Menschen innerhalb der persönlichen Umgebung Zeit nehmen zu müssen, obwohl man eigentlich nur Zeit für sich bräuchte.

    Ich hasse es, Geschenke zu bekommen und diese vor dem Schenke auspacken zu müssen. Ich habe dann immer das Gefühl, die Geschenke nicht wirklich zu verdienen, bzw. unangebracht zu reagieren. Mein Freund hat mir unerwartet etwas ziemlich preisintensives und gleichzeitig persönliches für mein Hobby geschenkt und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Denn mein erster Gedanke war nicht etwa: "Was habe ich für einen tollen Freund, der mich unterstützt in meinen Interessen und der sich so viele Gedanken um mich macht!"
    sondern eher: "Ach du meine Güte, warum so etwas Großes? Will er irgendwas wieder gut machen? Ist das sein Abschiedsgeschenk an mich? Will er mich ruhig stellen?"
    Ich selbst mache unheimlich gern Geschenke, ich würde anderen Menschen auch gern zeigen, wie sehr ich sie schätze und manchmal liege ich abends im Bett und fange plötzlich an zu weinen, weil ich daran denke, meiner Mama könnte etwas zugestoßen sein oder einfach nur der Gedanke daran, sie wüsste gar nicht, wie sehr ich sie liebe und wie viel sie mir bedeutet.

    Ich halte mich auch für eine relativ schlechte Freundin. Ich habe oft Gewissensbisse, weil ich Menschen in meinem Umfeld vor den Kopf stoße und sie schlecht mache, obwohl ich sie im Grunde mag. Meine beste Freundin hat es auch nicht immer leicht mit mir und ich bin froh, dass sie immer zu mir hält, auch wenn ich manchmal sehr unfair ihr gegenüber bin, aus Eifersucht oder weil ich nicht die Einzige sein möchte, der es schlecht geht.

    Es ist häufig so, dass ich traurig bin. Das kommt plötzlich und unerwartet. Ich beginne aus dem Nichts, zu weinen, ich jaule und schreie dabei und verkrieche mich in irgendeine Ecke und weiß nicht wieso. Wenn es mir so geht, will ich nicht, dass es Menschen aus meinem Umfeld mitbekommen. Da mein Freund derzeit noch bei mir wohnt, hat er bereits zweimal eine solche Situation miterlebt. Er war sehr verständnisvoll und hat mir auch ein wenig aufbauen können, doch die Scham darüber, war so groß, dass ich erneut in eine Selbstmitleidsphase geraten bin.
    Immer wieder kommen mir Gedanken wie: "Er mag dich gar nicht wirklich, eigentlich gehst du ihm nur auf die Nerven, er ist froh, wenn er endlich weg ist zum studieren, er sagt dir ohnehin bald, dass er keine Lust mehr auf dich hat.." usw.
    Und so geht es mir mit fast allen Menschen in meinem Umfeld.

    Es gibt eigentlich keinen Grund, mich selbst so zu hassen.
    Ich bin hübsch [ich weiß es, doch ich kann es nicht wirklich annehmen], intelligent [rein Zensurentechnisch die Beste meiner Ausbildungsklasse], habe sehr viele Talente [Zeichnen, Singen, Musik allgemein, Tanzen, viele künstlerische Dinge] und erhalte immer wieder positive Resonanz von anderen Menschen, ich sei sympathisch und sie hätten sich gleich wohl gefühlt in meiner Nähe.

    Aber das alles nützt mir nichts, weil ich mich nicht wirklich liebe. Irgendetwas steckt in mir, was sich gegen mich auflehnt, was mich runterzieht. Mein Freund sagt, ich hätte mehrere Persönlichkeiten. Vor allem während Diskussionen verändert sich mein Wesen, ich werde zum Beispiel plötzlich vollkommen neutral und kühl und spreche mit ihm wie eine Unbeteiligte über unsere Probleme. Ich glaube, das ist eine Art Selbstschutz, denn es geht meist um Dinge, die mich, wäre ich wirklich ICH, zum Heulen oder Ausrasten bringen würden. So bleibe ich völlig ruhig, wie die Anwältin meiner selbst.

    Ich merke, dass ich vom Hundertsten ins Tausendste schreibe.

    Ich höre nun auf.

    Meine Frage an euch: Wer von euch kann meine Gefühle nachvollziehe, erlebt sich selbst ähnlich, hat dieses Problem vielleicht sogar überwunden durch eine Therapie oder ähnliches?

    Vielen Dank für eure Geduld.

    Ganz liebe Grüße,
    füchschen.

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    AW: Liebe nicht zulassen können. Sich selbst nicht lieben.

    Liebes fuechschen,

    ich weiß nur, das meine späteren Probleme im Erwachsenenalter auch viel mit der Prägung und Erfahrungen in meiner Kindheit zu tun hatten. Wäre evtl. hilfreich, wenn du ein bißchen etwas über deine Kindheit erzählen könntest. Wie war dein Verhältnis zu deinen Eltern? Hast du dich von ihnen geliebt und angenommen gefühlt, so wie du bist? Oder war das eher so, das von dir einiges verlangt, erwartet wurde von deinen Eltern?

    Wann has du das Gefühl, geliebt zu werden? Also Geschenke scheinen dieses Gefühl bei dir jedenfalls weniger auszulösen. Es gibt ein Buch, und der Autor schreibt, das es 5 Liebessprachen gibt, also Lob und Anerkennung, Berührungen, Gemeinsame Zeit und Gespräche, Geschenke und praktische Hilfe. Was meins du, gibt dir irgendetwas davon, wenn du das von anderen bekommen würdest, das Gefühl, das du geliebt wirst? Manchmal geben wir anderen eigentlich das, was wir uns für uns selbst wünschen!

    So direkt habe ich das noch nicht wie du erlebt, aber evtl. gibt es ja noch andere hier, die dir weiterhelfen können!

    Liebe Grüße,
    ***sternschnuppe***
    Geändert von sternschnuppe2 (09.10.2010 um 12:18 Uhr)
    Eine erfolgreiche Beziehung besteht nicht darin, den richtigen Partner zu finden, sondern darin, füreinander die richtigen Partner zu sein!

    Beziehung bedeutet Entwicklung zu zweit, denn was beide angeht, können auch nur beide lösen!

    Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollten und das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.

    Wenn wir anderen mit einer Fackel den Weg erleuchten, bleibt es nicht aus, das wir dabei unseren eigenen Weg auch erleuchten.

  3. User Info Menu

    AW: Liebe nicht zulassen können. Sich selbst nicht lieben.

    Vielen Dank für deine Antwort, sternschnuppe.
    Ich glaube auch, dass die Kindheit einen großen Einfluss auf den Menschen hat und ihn weitgehend prägt, ohne das er sich dieser Tatsache bewusst ist.

    Lustigerweise habe ich mich erst gestern mit meiner Mutter über meine Kindheit unterhalten, als ich mit ihr über mein Problem geredet habe. Sie meinte, sie sei schon immer überrascht darüber gewesen, wie viel Ehrgeiz ich bereits im Kindergarten gezeigt habe. Ich hätte schon immer Probleme damit gehabt, die Hilfe anderer anzunehmen, ich wollte alles allein schaffen und immer und überall die Beste sein. So habe ich mir beispielsweise allein das Radfahren und Schwimmen beigebracht und wollte nie Hilfe bei den Hausaufgaben annehmen.

    Obwohl ich eigentlich durchgehend ausschließlich gute Bewertungen in der Schule erhalten habe, hatte ich häufig das Gefühl, nicht genug getan zu haben. Ich habe meine Leistungen immer unter den Tisch gekehrt, Fehler gefunden, die sonst niemand gesehen hat usw.
    So auch in Bezug auf meine Hobbies.

    Meine Kindheit ist eigentlich schön verlaufen, obwohl ich meinen Vater nie kennen gelernt habe. Er hat sich bereits vor meiner Geburt von meiner Mutter getrennt und hatte nie das Bedürfnis, mich kennen zu lernen. Deswegen habe ich auch nie den Kontakt zu ihm gesucht.
    Unsere Familie ist ziemlich verstritten, so hat meine Mutter zum Beispiel den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen, ich möchte nicht unbedingt ins Detail gehen, doch ich stehe vollkommen hinter ihrer Entscheidung und kann es nachvollziehen.

    Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass es in meiner Familie [mütterlicherseits] häufiger Formen von Persönlichkeitsstörungen und Depressionen gegeben hat. Meine Urgroßmutter war schizophren, meine Mutter depressiv, meine eine Tante hat ebenfalls Therapien hinter sich. Meine Mutter hat viele Jahre damit gekämpft, bis sie einen Arzt gefunden hat, der die richtige Diagnose gestellt und ihre einen Therapieplatz besorgt hat. Sie nimmt Tabletten, Anti-Depressiva und es geht ihr nun recht gut.

    Ich hatte ebenfalls schon mehrere depressive Phasen in den letzten Jahren, habe jedoch noch nie den Gang zum Arzt gewagt. [Ich mag es bis heute nicht, mir helfen zu lassen.. ]

    Nun, das war ein kleiner Einblick in meine Kindheit bzw. Familie.
    Ich würde mich freuen, weitere Kommentare zu lesen.

    Ganz liebe Grüße und einen sonnigen Sonntag wünsche ich euch.

    Füchschen.

  4. Inaktiver User

    AW: Liebe nicht zulassen können. Sich selbst nicht lieben.

    Zitat Zitat von fuechschen_im_wald Beitrag anzeigen

    Meine Frage an euch: Wer von euch kann meine Gefühle nachvollziehe, erlebt sich selbst ähnlich, hat dieses Problem vielleicht sogar überwunden durch eine Therapie oder ähnliches?
    Ja, ich kann das nachvollziehen. Nein, ich erlebe mich nicht ähnlich - nicht mehr. Ich habe eine Therapie gemacht und dann noch ein paar Jahre weiter an den Verhaltensweisen gearbeitet, die ich ändern wollte.

    Ursache war meine Kindheit - obwohl nach außen alles nach harmonischer, glücklicher Kindheit ausgesehen hatte, war dem nach innen ganz und gar nicht so. Ich hatte so wie du eine sehr starke Beziehung zu meiner Mutter, die über lange Jahre hinweg eine Abhängigkeit war. Erst als diese Abhängigkeit gelöst und meine Probleme bearbeitet waren, wurde eine wirklich harmonische Beziehung daraus.

    Gillian

  5. User Info Menu

    AW: Liebe nicht zulassen können. Sich selbst nicht lieben.

    Hallo liebes fuechschen, mein erster Eindruck nach deiner Schilderung war: "Sie wollte für ihre Mutter nicht noch eine Last sein. Sie wollte ihre Mutter entlasten durch ihre Selbständigkeit, evtl. deswegen, weil ihre Mutter ja auch depressiv war!"

    Ich habe den Eindruck, das von daher deine Einstellung kam, so selbständig in allem sein zu wollen, und nicht auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein! Wäre das möglich?

    Ein Stück weit ging es mir ähnlich! Allerdings aus diesem Grunde, das ich von meinen Eltern kaum emotionale Zuwendung bekam, beschloß ich, dann eben für mich selbst da zu sein, mir selbst Gutes zu tun! Das war der Grund für meine emotionale Selbständigkeit, die leider auch negative Auswirkungen für mich durch meine 1. Ehe hatte.

    Das du mit deinen Leistungen nicht zufrieden sein kannst, könnte evtl. damit zu tun haben, das du ohne deinen Vater aufgewachsen bist. Evl. möchtest du dir unbewußt die Anerkennung von ihm erarbeiten, möchtest, das er stolz auf dich wäre! Evtl. steht da auch noch die ungelöste Frage im Raum, warum er dich nicht kennenlernen wollte?

    Sorry, füchschen, ich bin nun mal keine ausgebildete Therapeutin, aber Hilfe anzunehmen finde ich nicht so schlimm. Mittlerweile sehe ich Therapeuten eher so als Lebenscoach, die einen ein Stück weit begleiten. Nur, das man dort hingeht, heißt noch lange nicht, wirklich psychisch krank zu sein. Eine Therapeutin meinte mal, das eigentlich die, die zu ihr kommen, ihre Hilfe gar nicht so nötig hätten. Viele, die wirklich Hilfe bräuchten, würden gar nicht erst kommen. Evtl. würde es dir ja auch helfen, Erklärungen zu finden, warum dieses oder jenes bei dir so oder so ist!

    Erst wenn man mal den Zusammenhang erkannt hat, kann man darangehen, etwas zu verändern. Diese Erfahrung habe ich gemacht!

    Liebe Grüße,
    Geändert von sternschnuppe2 (09.10.2010 um 12:19 Uhr)
    Eine erfolgreiche Beziehung besteht nicht darin, den richtigen Partner zu finden, sondern darin, füreinander die richtigen Partner zu sein!

    Beziehung bedeutet Entwicklung zu zweit, denn was beide angeht, können auch nur beide lösen!

    Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollten und das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.

    Wenn wir anderen mit einer Fackel den Weg erleuchten, bleibt es nicht aus, das wir dabei unseren eigenen Weg auch erleuchten.

  6. User Info Menu

    AW: Liebe nicht zulassen können. Sich selbst nicht lieben.

    Liebes fuechschen,

    hab gerade von meinem Freund ein ausgeliehenes Buch zurückbekommen, das ist wirklich sehr gut!
    Der Autor schreibt, das viele unserer alltäglichen Probleme eine gemeinsame Wurzel haben: eine unverarbeitete Kindheit!

    Er beschreibt die verschiedenen Auslöser/Ursachen in der Kindheit und ihre Auswirkung auf unser jetziges Leben und unsere Beziehungen. Evtl. hilft dir dieses Buch ein bißchen weiter, alles Liebe
    Geändert von sternschnuppe2 (09.10.2010 um 12:20 Uhr)
    Eine erfolgreiche Beziehung besteht nicht darin, den richtigen Partner zu finden, sondern darin, füreinander die richtigen Partner zu sein!

    Beziehung bedeutet Entwicklung zu zweit, denn was beide angeht, können auch nur beide lösen!

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  7. Inaktiver User

    AW: Liebe nicht zulassen können. Sich selbst nicht lieben.

    Hallo fuechschen,
    für mich liest sich das so, als könntest Du einfach nicht glauben, in der Welt willkommen zu sein.

    Stimmt das?

    Wenn es so ist, müßtest Du da nachschauen, warum das so ist. Dass dein Vater nie den Kontakt zu Dir gesucht hat, wie hat sich das für dich angefühlt? Und war er bei Dir zuhause Thema auch in Abwesenheit? Wie steht deine Mutter dazu? Du schreibst, Du hattest eigentlich eine schöne Kindheit. Wie ist es mit deiner Mutter? Fühlst Du dich von ihr denn geliebt?

    Ich weiß nicht, wie es ist, was Du beschreibst, aber irgendwie würde ich Dir gerne helfen, die richtigen Antworten und somit Ansätze zu finden, dass Du dich in deinem Leben wohler fühlst.
    Wir kennen uns nicht, aber ich hab' Mitgefühl mit dem, was Du schilderst. Und weißte, woran das liegt? Weil es Menschen gibt, die Dich in dieser Welt willkommen heißen. Und wie Du schreibst, kennst Du sogar welche persönlich. Aber warum kannst Du das nicht spüren?

    Liebe Grüße, Uli

  8. User Info Menu

    AW: Liebe nicht zulassen können. Sich selbst nicht lieben.

    Zuerst einmal möchte ich euch für eure lieben Antworten danken.
    Ich hatte in den letzten Tagen den Kopf nicht frei zum Schreiben.

    Ob ich meine Mutter entlasten wollte, weiß ich nicht genau. Als Kind habe ich nicht viel von ihrem Leid mitbekommen, sie war eine Art Super-Mami für mich und meinen Bruder. Von ihren Depressionen erfahren, habe ich erst mit ca. 16, als sie ihren Tiefpunkt erreicht hatte.
    Allerdings war die Beziehung zu meiner Mutter immer sehr gut [bis auf die Zeit während meiner Pubertät.. ;)]. Sie hat mich immer einbezogen, wenn es um Entscheidungen ging und mich schon früh als kleine Erwachsene behandelt. Gleichzeitig war sie immer für mich da. Und das ist sie auch heute noch. Mit ihr kann ich wirklich alles besprechen und wir respektieren einander sehr.

    Warum mein Vater keinen Kontakt zu mir wollte, weiß ich. Er war damals bereits verheiratet, als er meine Mutter kennen lernte und erklärte ihr, er wolle sich scheiden lassen, eine Familie mit ihr gründen usw.
    Als er aber erfuhr, dass sie schwanger war, war er weg und meldete sich nie wieder persönlich bei ihr.
    Ich habe keine Ambitionen ihn kennen zu lernen, weil ich dieses Verhalten nicht nachvollziehen kann. Er war immerhin schon Mitte 40 als meine Mutter schwanger wurde und keine 20 mehr.

    Trotzdem hätte ich mir natürlich einen Vater gewünscht. Ich habe mir meinen Traumvater in all den Jahren irgendwie selbst erdacht. Wie er sein würde, was er für Hobbies hätte, was er mit mir alles unternehmen würde etc. Ich weiß nicht, das erscheint mir irgendwie hilfreich. Ich kann versuchen, es "besser" zu machen. Ich glaube auch, dass ich bezüglich meiner Partnerwahl immer auf genau diese Dinge besonders achte, die ich mir von meinem Vater immer gewünscht hätte. Meine Kinder sollen einen tollen Vater haben! :)

    In der Welt fühle ich mich schon willkommen. Trotz meiner häufig sehr direkten Art habe ich das Gefühl, bei anderen Menschen gut anzukommen. Ich bekomme häufig positives Feedback von anderen aus meinem Umfeld. Ich habe eher Schwierigkeiten damit, andere Menschen wirklich nah an mich heran zu lassen. Eben weil ich gar nicht so cool und locker bin, wie es nach außen hin wirkt.
    Viele Menschen wären überrascht, wüssten sie, wie sensibel und verletzlich ich bin. Aber um ehrlich zu sein, ich möchte das nicht jedem auf die Nase binden. Ich bekomme dann das Gefühl, dass die Leute nicht um meinetwillen nett zu mir sind, sondern nur, weil sie Mitleid mit mir haben. Und weil sie Angst um mich haben.

    So wie mein Freund, als er unsere Beziehung beenden wollte, weil er das Gefühl hatte, ich könne es nicht ertragen von ihm getrennt zu sein [er studiert seit diesem Monat in einer anderen Stadt]. Er wollte nicht, dass ich mich schlecht fühle und er nicht für mich da sein kann. Im Grunde wollte er einfach seine Verantwortung abgeben.
    In dem Moment habe ich mich sehr geärgert, dass ich mich ihm gegenüber so sehr geöffnet hatte.
    Naja, das ist ja auch eigentlich gar nicht das Thema.

    Mein Problem ist ja eigentlich [und das ist sehr aktuell], dass ich manchmal nicht weiß, ob ich einfach nur extrem gute Antennen für andere Menschen habe, dass ich also einfach merke, wenn sie es nicht gut mit mir meinen und daraufhin dann reagiere, oder ob diese Gedanken aus dem Nichts kommen und ich die Beziehungen zu anderen Menschen daraufhin selbst manipuliere.

    Beispiel: Ich habe das Gefühl, dass mein Freund bedeutend weniger für mich empfindet als ich für ihn. Das macht mich fertig und ich mache mir aufgrund dessen häufig Gedanken über uns, bin sehr empfindlich, fahre meine Antennen aus, um jedes kleine Zeichen erfassen zu können und bin ihm gegenüber vieleicht etwas unfair in manchen Situationen.
    Ich weiß aber nicht: ist das Problem ["Er liebt mich nicht"] wirklich vorhanden und meine Zweifel berechtigt, oder reagiere ich über und nerve ihn einfach unendlich mit meinen ständigen Zweifeln, sodass er sich aufgrund dieser Tatsache von mir entfernt?
    Also wie eine selbsterfüllende Prophezeihung: Wenn ich glaube, dass mich niemand mag, dann wird mich auch niemand mögen, weil ich mit einer negativen Aura den anderen gegenüber treten werde.

    Versteht ihr dieses Dilemma? Ich habe langsam das Gefühl, meiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen zu können.
    Ich will ihm [meinem Freund] ja vertrauen und mich auf ihn verlassen können, dass er sich seiner Gefühle mir gegenüber sicher ist, aber es ist schwierig, sich von jemandem auf diese Art und Weise abhängig zu machen.

    Das Thema ist schwierig für mich zu formulieren. Ich beende diesen Beitrag jetzt und hoffe, es war nicht allzu verwirrend für euch.

    Ich bedanke mich bei euch fürs Lesen und freue mich auf eure Antworten.

    Ganz liebe Grüße.
    Füchschen.

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    AW: Liebe nicht zulassen können. Sich selbst nicht lieben.

    Liebes fueschen,

    schon mal gehört, das 20% der Menschen zu den hochsensiblen Persönlichkeiten gehören? Dazu gibt es auch ein paar Infos im Internet, z.B. kannst du mal auf der Seite "Beratung bei Hochsensibilität" nachschauen. Evtl. hilft dir das ja ein bißchen weiter, dich selbst besser kennenzulernen. Wie bei allem, gibt es Vorteile, aber auch Nachteile, wenn man hochsensibel ist. Nur, wenn man diesen Wesenszug erst mal erkannt hat, kann man einiges auch anders beurteilen und für sich selbst besser auch verstehen.

    Schau dir doch mal das Post 95 von Destiny unter "Der gebrauchte Mann" von "bohnenfrau" mit dem Thema "Alles andere ist viel wichtiger .." an. Evtl. erkennst du da einiges wieder in den Beschreibungen. Dazu gibt es auch entsprechende Bücher zu dem Thema Hochsensibilität. Die haben mir damals auch geholfen! Im Post 44 schreibt Destiny auch noch von einem anderen Buch zum Thema von Andrea Brackmann: "Hochbegabt und Hochsensibel"

    Liebe Grüße,
    Geändert von sternschnuppe2 (09.10.2010 um 12:21 Uhr)
    Eine erfolgreiche Beziehung besteht nicht darin, den richtigen Partner zu finden, sondern darin, füreinander die richtigen Partner zu sein!

    Beziehung bedeutet Entwicklung zu zweit, denn was beide angeht, können auch nur beide lösen!

    Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollten und das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.

    Wenn wir anderen mit einer Fackel den Weg erleuchten, bleibt es nicht aus, das wir dabei unseren eigenen Weg auch erleuchten.

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    AW: Liebe nicht zulassen können. Sich selbst nicht lieben.

    Zitat Zitat von sternschnuppe2 Beitrag anzeigen
    Liebes fueschen,

    schon mal gehört, das 20% der Menschen zu den hochsensiblen Persönlichkeiten gehören? Dazu gibt es auch ein paar Infos im Internet, z.B. kannst du mal auf der Seite "Beratung bei Hochsensibilität" nachschauen.
    gibt es dazu eigentlich belastbare, seriöse wissenschaftliche untersuchungen und belege?

    ich finde diese inflationäre erwähnung angeblicher hochsensibilität ausgesprochen suspekt (ich habe mich auch damit befasst und bin größtenteils auf diffises gestoßen).

    was ich allerdings verstanden habe - und da helfen solide englischkenntnisse - hsp steht ursprünglich für highly sensitive person. ursprünglich sage ich deshalb, weil der begriff im englischen sprachraum geprägt wurde.

    sensitiv bezieht sich hierbei in erster linie auf eine größere sensitivität = empfindlichkeit auf mehrere äußere reize. wichtig ist dabei: "empfindlichkeit" ist hier bitte sehr als neutraler begriff zu sehen, und nicht zu deuten im sinne von: "ich bin ja so sensibel und muss deswegen mit samthandschuhen angefasst werden. immer." das ist nicht gemeint.

    es geht mehr darum, dass ein bestimmer personenkreis mehr umwelt einflüsse mit den sinnen erfasst als andere. das kann ein besonders ausgeprägtes gehör sein (zu dieser gruppe gehöre ich z.b.; ich habe eine hyperakousis. nicht sehr angenehm; ich filtere viele geräusche nicht aus). niemals würde ich mich allerdings als hsp bezeichnen. ganz vereinfacht gesagt: auf einen bestimmten prozentsatz der bevölkerung stürmen mehr eindrücke ein als auf andere.

    ein nebeneffekt kann sein, dass diese größere menge an aufgenommenen informationen in hohem maße kombiniert wird, also besonders schnell logische schlüsse gezogen werden. auf diesem hintergrund ist wohl auch der möglicherweise bestehende bezug zur hochbegabung zu sehen. ich betone: möglicherweise.

    was will ich mit all dem sagen? ich finde es höchst bedenklich und auch ärgerlich, wenn leute an bestimmten punkten von diskussionen, in denen es darum geht, sich dem leben und seinen realitäten zu stellen, den joker "hochsensibilität" aus dem ärmel ziehen. mir kommt das allzuhäufig so vor, als ob etlichen dieser "befund" gut in den kram passt, weil sie sich dann auf ihre engebliche hochsensibilität (die korrekterweise hochsensitivität heißt und eben etwas völlig anderes ist) berufen und sich damit den verantwortungen des erwachsenenlebens entziehen: "ich bin ja soo empfindlich und muss geschont werden."

    das ist zu einfach, und es ist unfair denen gegenüber, die einfach mehr arbeit aufgebürdet bekommen. die angebliche hochempfindlichkeit ist meiner erfahrung nach allzuoft ein sich-drücken vor der begegnung erwachsener menschen auf augenhöhe und der wunsch, eine kindlichkeit aufrecht zu erhelten, eine abhängigkeit von den entscheidungen anderer.

    das liegt mir schon sehr, sehr lange auf der seele, und ist mir sehr wichtig zu sagen.


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