Also offiziell läuft die Therapie unter Tiefenpsychologische Gesprächstherapie. Bei mir geht es sowohl um aktuelle Probleme als auch um die Vergangenheit. Die Therapie hilft auf jeden Fall, aber es geht in ganz kleinen Schritten voran.
Da ist sicherlich viel dran. Ich denke, man strahlt es schon irgendwie aus, wenn man mit sich selbst nicht im Reinen ist. Bei mir merke ich zum Beispiel ganz oft, dass ich instinktiv versuche, mich meiner Umwelt anzupassen, und dann manchmal garnicht mehr weiß, wer ich eigentlich bin.Ist Einsamkeit nicht auch immer die fehlende Verbindung zu sich selbst?
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Ergebnis 31 bis 40 von 73
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30.09.2010, 21:40Inaktiver User
AW: Nicht alleine – aber trotzdem einsam
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04.10.2010, 08:58
AW: Nicht alleine – aber trotzdem einsam
@sweetchocolate
Ja, die fehlende Verbindung zu mir selbst hat sehr viel mit meiner Einsamkeit zu tun. Ich versuche daran zu arbeiten. Leider nicht ganz einfach und schmerzhaft. Als ich diesen Punkt wahrgenommen habe, habe ich mich gleich noch eine Ecke einsamer gefühlt.
Ich habe mir selbst jetzt mal eine Phase "verordnet", in der ich in dieser Einsamkeit verharren darf, um zu "heilen". Ich versuche nicht mehr in Gruppen zu gehen oder Leute kennen zu lernen. Ich versuche jetzt erst einmal selbst mein Freund zu werden.
Dann kann ich hoffentlich irgendwann ein besserer Freund für andere sein.
@tamta
Dann machst Du offensichtlich die gleiche Art von Therapie.
Ja, man strahlt es aus, wenn man nicht mit sich in Reinen ist. Nicht immer auf die gleiche Art. Es gibt Menschen, die drehen auf und welche, die sich zurück ziehen. Ich gehöre letzterer Gruppe an. Ich hatte eine langjährige Beziehung mit einem Mann, der erster Gruppe angehört hat. Ich habe ihn immer bewundert für seine lockere Art und es hat lange gedauert, bis ich durchschaut habe, dass es seine Art war mit Schmerz und Unsicherheit umzugehen.
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06.10.2010, 11:26
AW: Nicht alleine – aber trotzdem einsam
@Echo
ich hoffe du liest noch mit!
Dein Strang hat mich sehr berührt, es gibt eine gewisse Problematik darin, die ich auch kenne und über die ich ein paar Mal nachgedacht habe, ohne gleich zu schreiben.
Ich glaube nicht, dass dein Problem eine "echte" Einsamkeit ist. Schliesslich führst du eine intakte Beziehung und scheinst auch genauso viele (oder wenige) engere Freunde oder Bekannte zu haben, wie jeder andere auch. Die mögen dich, du kommst mit ihnen klar...also das ist keine "echte" Einsamkeit".
Ich sehe eher ein sehr konkretes Problem:
Du hast ganz allgemein Schwierigkeiten mit Gruppen, d.h. mit dem Umgang mit Gruppendynamik!
Das Gefühl, dich nicht gut in Gruppen integrieren zu können, verursacht genau dieses Gefühl vermeintlicher Einsamkeit. Dieses Gefühl, in Gruppen nicht so schnell auf Anerkennung und Integration zu treffen, belastet dich sehr und "stört" deine Fähigkeit, ohne Angst alleine zu sein.
So seltsam es auch klingt, das kenne ich ähnlich und habe auch schon oft an meiner Fähigkeit, allein zu sein, gezweifelt, trotz guter Beziehung und einiger guter Freunde.
Läuft es aber zeitweilig in Gruppen gut, dann habe ich mit dem Alleinsein nämlich überhaupt keine Schwierigkeiten.
Für mich erscheint es sehr klar, dass Mobbing-Gefühle, ständige Auseinandersetzungen in für dich wichtigen Gruppen, sowie andere, nicht sonderlich befriedigende Gruppenerlebnisse jemanden gewaltig als ungelöstes Problem begleiten und am allgemeinen Selbstwert nagen.
Vielleicht hilft dir zunächst mal dieser Ansatz...
Worauf ich dann gerne hinausmöchte, ist, dass möglicherweise unterbewusst deine Wahrnehmung von Gruppen, ihrem Zweck, ihrer gemeinsamen Ziellsetzung, ihrer Gruppendynamik und den verschiedenen Rollen darin verzerrt ist. Das kann tatsächlich auf Kindheitserlebnisse usw. zurückzuführen sein.
Dazu gerne mehr, wenn es hier noch weitergeht. Wird jetzt zu lang...
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06.10.2010, 11:51
AW: Nicht alleine – aber trotzdem einsam
Ich hab mal zwei Stellen herausgesucht, über die ich gestolpert bin:
Das deutet auf mich auf folgende Problematik:
Mal abgesehen von deiner relativ negativen Erwartungshaltung (die aber einfach nur ängstlich ist, nichts weiter), scheinst du innerhalb von Gruppen im Grunde eine direkte Bezugsperson zu suchen, die dich dort sozusagen "aufnimmt", oder aber zu der du ein direktes Verhältnis herstellen möchtest.
So funktionieren Gruppen aber nicht. Eigentlich sind Gruppen lockere Zusammenschlüsse, die erstmal dem Zweck des Zusammengehörigkeitsgefühls dienen. Abgesehen von der Hierarchie, die sich schnell bildet aus "Anführern", "Mitläufern" usw., verbindet da erstmal der Zweck.
Eigentlich erwartet die Gruppe dann auch, dass sich Aussenstehende integrieren, d.h. erstmal den Zweck unterstützen.
Du hättest im Grunde bei simpel gestrickten Gruppen (VHS etc.) leichtes Spiel, wenn du einfach nur "dabei" bist und erstmal nur positiv über den jeweiligen Zweck sprichst und die anderen beobachtest.
Vielleicht suchst du dann zu schnell engeren Anschluss an bestimmte Personen (dafür gibts verschiedene Gründe), dafür ist die Gruppe aber zunächst mal gar nicht da.
Ich hoffe, das wurde schon mal verständlich.
Ja, das geht mir auch so. Ich "bewundere" Leute, die so locker in Gruppen intergriert sind, gar dort die "Anführerrolle" übernehmen können.Ich habe ihn immer bewundert für seine lockere Art und es hat lange gedauert, bis ich durchschaut habe, dass es seine Art war mit Schmerz und Unsicherheit umzugehen.
Mal ganz abgesehen davon, dass diese "Anführerrolle" wieder auf einem anderen gruppendynamischen und psychologischen Blatt steht, habe ich sehr oft festgestellt, dass diese Menschen wiederum nicht immer befriedigende und enge Beziehungen zu Einzelpersonen haben müssen.
Eine Kollegin, die ich immer für ihre selbstsichere Art in Gruppen, für ihren "Beliebtheitsfaktor" bewundert habe, hat mir genau dies gebeichtet: Dass sie im Grunde einsam ist und keine Freunde hat.
Siehst du, so kann die Wahrnehmung täuschen!
Geändert von Elwyn (06.10.2010 um 11:59 Uhr)
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06.10.2010, 13:25
AW: Nicht alleine – aber trotzdem einsam
@elwyn
Vielen Dank für Deine interessanten Gedanken! Hier im Forum bekommt man wirklich tolle Anregungen.
Ja, es stimmt. Es ist keine "echte" Eisamkeit im Sinne von "alleine sein". Es ist eine Einsamkeit in Gruppen, aber manchmal auch eine Einsamkeit/Unsicherheit/Angst, wenn ich mit Freunden/Familie zusammen bin. Der Gedanke ist dann: ich biete den anderen zu wenig, ich bin zu verschlossen, zu langweilig....
Ja, es stimmt, dass ich in Gruppen eine "Bezugsperson" suche, wenn ich alleine dort bin. Ich beobachte, dass viele andere das auch machen und oft sehr schnell jemanden finden. Ich erinnere mich z.B. an die Spielgruppe von meinem Kind. Dort waren wir knapp 10 Mütter. Es hat ca. 3-4 Termine gedauert bis sich ca. 3 Untergruppen gebildet haben, die sich dann auch privat getroffen haben. Ich habe versucht mit einer Mutter in Kontakt zu kommen, die bei mir in der Nähe wohnte. Ich habe sie zwei mal angerufen und gefragt, ob sie Lust auf einen Spaziergang hat. Zwei mal Absage. Umgekehrt hat sie nie gefragt. - Von diesen Beispielen könnte ich jetzt eine ganze Liste aufstellen, also leider kein Einzelfall.
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06.10.2010, 14:19Inaktiver User
AW: Nicht alleine – aber trotzdem einsam
Hallo echo,
mir liegt schon die ganze Zeit eine Frage auf der Zunge, und in deinem letzten Beitrag ging es ja schon in die Klärung dieser Sache. Trotzdem stelle ich die jetzt mal:
Was bräuchtest Du denn konkret, um Dich nicht mehr einsam zu fühlen?
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07.10.2010, 08:44
AW: Nicht alleine – aber trotzdem einsam
@Uli_F
Eine "einfache", aber wirklich gute Frage!
Bis vor nicht allzu langer Zeit hätte ich gesagt, ich bräuchte positive Rückmeldungen anderer. Sprich: man spricht mit mir, man beachtet mich, man begrüßt mich freundlich. Im nächsten Schritt: Personen, mit denen man sich gut versteht, möchten sich auch mal privat mit mir treffen. Es kommt jemand auf mich zu und sucht meinen Kontakt.
- Das wären die Wünsche, die ich an andere Menschen stelle.
Das alleine ist es jedoch nicht. Ich fühle mich ja auch oft mit Menschen, die mich mögen einsam. Ich habe dann das Gefühl, ich bin nicht amüsant genug, bin nicht einfühlsam etc.
Für mich ist es momentan wichtig, den Kontakt zu mir selbst herzustellen. Mit mir alleine und zufrieden sein zu können. Die anderen nicht dafür zu "benutzten", dass ich mich selbst gut fühle. Ich hoffe, ich schaffe diesen Schritt und vielleicht hängt an dieser Entwicklung dann mehr als nur "mit sich selbst im Reinen sein"......
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07.10.2010, 10:52
AW: Nicht alleine – aber trotzdem einsam
@Echo
ich verstehe dich absolut.
Zunächst: Meine Arbeitssituation ist auch nicht die Beste - ich bin recht isoliert, was am Job selbst liegt!
Was Freundschaften angeht - in den letzten zwei Monaten bin ich von einer engeren "Freundschaft" und einigen oberflächlichen Bekanntschaften sowie im weiteren Familienkreis masslos enttäuscht worden.
Im ersten Fall wurde der Kontakt mehr oder weniger absichtlich abgebrochen bzw. lief deutlich einseitig aus, im zweiten Fall habe ich mich gemeinsam mit meinem Mann sehr bemüht, ein lockeres Community-Treffen samt Übernachtungen und Sightseeing schön zu gestalten, aber das wurde nicht einmal im Ansatz gewürdigt, sondern nur passiv hingenommen, im dritten Fall (der Familie) haben wir beide auf einer Familienfeier festgestellt, dass nichts Herzliches zurückkam, welches Thema wir auch immer angeschnitten haben.
Der erste Fall setzt mir sehr zu, denn da wurden freundschaftliche Lippenbekenntnisse nicht eingehalten.
Die anderen Fälle sind zwar schade, aber nicht ungewöhnlich - da wir das beide (mein Mann und ich) so wahrnehmen, ist es wohl so, dass diese Menschen einfach zu uns keine Wellenlänge haben. Es liegt also nicht an mir, sondern an der Wellenlänge. Mein Mann ist sowieso diplomatischer als ich und beide sind wir immer sehr offen für viele Themen (von Film, über Sport, über Gesellschaft bis zu was den anderen interessieren könnte).
Schaue ich mich um, so geht es fast allen, die etwas mehr als nur oberflächlichen Smalltalk erwarten, genauso. Es geht bisweilen (das schrieb ich ja schon) sogar denen so, die hervorragende Partylöwen abgeben. Die haben viele Bewunderer, die sich die Energie abziehen, aber oftmals keine Freunde. Wobei Partylöwen oft selbst oberflächlich sind/sein können.
Liebe Echo, ich gebe dir Recht. Es ist sehr anstrengend, immer wieder auf Menschen zuzugehen und sicherlich einfacher, wenn man sich zunächst auf sich selbst oder die wenigen wirklich guten Freunde beschränkt.
Für die anderen, eben diese oberflächlichen Fallle, habe ich kein echtes Rezept.
Ich weigere mich aber auch langsam, nachdem ich Gruppendynamik, Selbstwertgefühl, Alleinsein usw. beinahe schon "studiert" habe, ständig bei mir selbst den Grund zu suchen. Ich hab Hobbies, Interessen, Themen hoch zehn, arbeite mehr als andere an mir und gebe mir Mühe - was noch?
Gut, man könnte am "Smalltalk völlig ohne Erwartungen" arbeiten, das macht einen vielleicht "beliebter", aber ist es das, was du (oder ich) wirklich wollen?
Vielleicht sind es generell (bei jedem) eher wenige Menschen, mit denen man etwas Tieferes entwickelt.
Wenn ich es schaffe, genau davon auszugehen, dann wird vielleicht im Kopf klarer, was man verpasst und was man wirklich nicht verpasst!
Und das könnte einem mehr, natürlich freundliche "Scheiss-Egal-Was-Draus-Wird-Haltung" verleihen...überspitzt gesagt...
Oberflächliche Leute legen diese Haltung sowieso an den Tag!
Geändert von Elwyn (07.10.2010 um 11:02 Uhr)
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07.10.2010, 12:55
AW: Nicht alleine – aber trotzdem einsam
@ elwyn
Schlechte Erfahrungen mit "Freunden" habe ich auch gemacht. Meine ehemals beste Freudin hat mich hintergangen, belogen und fallen gelassen als ich mich in einer tiefen Krise befand. Ich hatte länger vorher schon gemerkt, dass sie keine Freundin war (trotz vieler Lippenbekenntnisse ihrerseits), aber ich habe an ihr festgehalten. Da bin ich Gott sei Dank einen Schritt weiter. Lieber keine Freund als solche.
Vielleicht sind - wie bei Dir- die Erwartungen an Freundschaft auch sehr hoch und ich werde deshalb immer wieder enttäuscht. Für mich gehören Zuverlässigkeit, Zeit haben, Zeit nehmen, regelmäßiger Kontakt zu einer Freundschaft dazu. Das sehen viele nicht so.
Für viele heißt Freundschaft heute auch "Netzwerken", d.h. viele Kontakte sammeln, die man für seine Zwecke nutzen kann (und es auch tut). (siehe Facebook und Co.), absolut nicht mein Ding. Klar sollte so etwas auf Gegenseitigkeit beruhen. Bei vielen "Netzwerkern" tut es das nach meinen Erfahrungen oft nicht.
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07.10.2010, 14:18
AW: Nicht alleine – aber trotzdem einsam
Netzwerken
auch so ein Begriff.
Klassischerweise versteht man darunter ja eher zweckgebundene Kontakte - heute irgendwie alles und nichts...
Von Facebook & Co. halte ich nach kurzem Selbstversuch nichts mehr und bin mir darin irgendwie mit den meisten meiner Bekannten einig.
Erst heute erzählte mir eine Bekannte, die erst begeistert war, dass sie ihren Account so wie ich ebenfalls löschen möchte. Die - ach so tollen - Kontakte über Facebook melden sich grösstenteils nie richtig bei ihr. Die wirklich engeren Freunde brauchen das Medium nicht und rufen gleich an, wenn sie Kontakt suchen.
Ein anderer Freund von mir meinte, ich könnte alle seine Facebook-Freunde (ca. 60) gerne geschenkt haben...



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