Hallo zusammen!
Ich weiß nicht genau, ob mein Anliegen hier am besten hinpasst, meine jedoch, dass es sich ursprünglich um eine persönlichkeitsbedingte Fragestellung handelt.
Ich hab für mich das Gefühl, dass ich mich oft nicht meines Alters entsprechend verhalte, sondern in vielfacher Hinsicht unreif, unstet, kindisch, egoistisch, unsouverän. Ich empfinde dies so, weil ich es selbst merke, noch mehr aber, weil es mir von Leuten meines Umfelds auch gespiegelt wird.
Baustelle 1: Ich komme zu keiner definitiven Entscheidung ob ich WIRKLICH ein Kind möchte. Dass ich eigentlich mit 38 sozusagen gar keine Zeit mehr hab, mir das überhaupt noch groß zu überlegen, ist mir komplett klar. Dennoch: Ich lebe nicht so, dass es einem Kinderwunsch wirklich zuträglich wäre...(prinzipiell ist bei uns beiden fortplanzungstechnisch noch alles ok). Wenig sexuelle Frequenz an den richtigen Tagen, Rauchen noch nicht aufgegeben, keine bewusst gesunde Lebensweise an sich.... Ich komme nicht an den Punkt: So, jetzt gilt´s, weg mit den Kippen, mehr Gemüse, Tee statt Massen von Kaffee, mehr Schlaf etc. und vor allem gezieltes Üben!
Wir dümpeln also so rum und darüber vergeht die Zeit, was aber auch daran liegt, dass mein Mann ja schon zwei Kinder hat und in diesem Punkt keine treibende Kraft ist... auch wenn er nicht dagegen ist, ist das ganze doch mehr mein Projekt als unseres... er würde sich jedoch schon freuen, wenn wir zusammen noch ein Kind bekämen, es "muss" aber nicht.
Beispiel 2: Ich kann mit der Familie (zwei volljährige Kinder aus 1. Ehe, seine Brüder und sonstiger Anhang) meines Mannes nicht gut umgehen, es passt mir oft nicht Zeit mit ihnen zu verbringen, weil ich mich mit ihnen und ihren Themen oft langweile und mir die Begegnungen meist als lästige Pflicht erscheinen, ich möchte lieber frei über meine zugegeben auch oft knappe Freizeit verfügen und stelle mich ungern auf die Bedürfnisse meines Mannes ein, d.h. muss mich regelrecht zwingen ihnen nachzukommen... insbesondere momentan ist es noch schwerer, da die Freundin des Sohnes meines Mannes schwanger ist und mir vor Augen gehalten wird, dass man wohl schon in sehr jungen Jahren Entscheidungen von großer Tragweite souverän fällen kann... wozu ich mit 38 noch nicht in der Lage bin... Diese Konfrontation setzt mir zu, also Vogel-Strauss-Taktik - besser nicht treffen... sehr feige. Für meinen Mann sind meine Widerspenstigkeiten in dieser Hinsicht schwierig zu nehmen, was mir wiederum Schuldgefühle beschert, ich fühle mich unzulänglich, falsch, unsouverän...
Baustelle 3: Hängt irgendwie mit den beiden vorangegangenen zusammen, mangelnde Disziplin, Verantwortungslosigkeit, Entscheidungsunfähigkeit oder so. Ich habe einen Job, den ich fast immer gern mache, weil er abwechslungsreich, mit viel Verantwortung und Entscheidungsbefugnissen verbunden und daher fordernd ist. Ich bekomme Rückmeldungen dahingehend, dass ich ihn auch gut mache, und er wird sehr ordentlich bezahlt. Komischerweise macht es mir in diesem Lebensbereich nichts aus, munter Entscheidungen von Bedeutung zu fällen, es gehört irgendwie dazu, privat gelingt es mir nicht. Weiterhin spare ich kaum was, sondern gebe wirklich fast alles aus: neben den üblichen Kosten, die mein Mann und ich uns teilen, geht bei mir alles für kostspieligen Urlaub und Auto sowie nicht gerade minder teures Ausgehen und Klamotten weg. Daran habe ich auch viel Freude, also ich genieße die Dinge, die ich habe, mache, erwerbe!
Gleichzeitig denke ich: Mensch, du lebst irgendwie so ins Blaue hinein und kommst zu nix (Wesentlichem) - also sowas wie: Kind, Eigentum, besseres Verhältnis zur Familie meines Mannes, all diese Wertigkeiten, die soviele Menschen als wichtig(er) erachten und dann auch gezielt angehen.
Ich kann mich einfach nicht gut entscheiden und wenn ich mich zu irgendwas entschieden habe, hadere ich wieder damit, mache es rückgängig, weil es mir doch nicht ganz behagt oder unbequem ist oder weiß der Kuckuck.
Ich habe mich in privaten Entscheidungen/Dingen immer schon ungern festgelegt, ich war immer sehr freiheitsliebend und somit auch in meinem ganzen Leben ernsthaft nur mit zwei Männern liiert (eine 11-jährige Beziehung und die jetzige mit meinem Mann, nun auch 5 Jahre lang), zwischendrin habe ich nur geflirtet, geküsst, einige One-Night-Stands und einige Kurzzeitbeziehungen durchgespielt, Bindungen sind, insofern sie verpflichtenden Charakter bekommen, des öfteren schwierig.
Ich bewundere oft Leute meines Umfeldes, die sich meiner Wahrnehmung nach in ihrem Privatleben richtig "anstellen", d.h. klar wissen, was sie wollen, ihre Ziele anpeilen und dann auch durchziehen, und diese dann auch klaglos und sogar zufrieden bis glücklich "leben".
Ich lebe privat oft so gedankenlos, so scheinbar unbeschwert wie ich schon vor 10 - 20 Jahren gelebt habe.... und frage mich, ob ich das nicht irgendwann bereue, ob es nicht auf mich zurückfällt, also weniger in den materiellen Fragen, aber in dieser persönlichen Babyfrage sowie in der Frage nach der Beziehung zu den Kindern/ zur Familie meines Mannes. Ich denke immer, ich muss da was tun, ich MUSS Entscheidungen treffen und die dann auch diszipliniert angehen...
Ich danke allen, die bis hierhin gelesen haben.Ich könnte noch mehr schreiben, sicherlich auch noch Erklärendes, aber ich lass das jetzt erstmal so. Ich hoffe, es fällt jemandem etwas dazu ein, also dazu, was mit mir eigentlich ist und was ich tun kann.
Grüße von
Mavie
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Ergebnis 1 bis 10 von 50
Thema: immer noch nicht erwachsen?
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13.09.2010, 19:02Inaktiver User
immer noch nicht erwachsen?
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13.09.2010, 19:15Inaktiver User
AW: immer noch nicht erwachsen?
Bist Du glücklich mit Deinem Leben, so wie es jetzt ist?
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13.09.2010, 19:18
AW: immer noch nicht erwachsen?
Hallo und willkommen im Forum

Ich kenne diese Gedanken aus meinen Dreißigern. Damals bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich alle aufgezählten Dinge eigentlich NICHT möchte und dass mein Lebensmodell, das so ähnlich wie deines ist, vollkommen okay ist.
Eine Ausnahme ist vielleicht der Kontakt zu den Kindern deines Mannes - die aber schon erwachsen sind? Dann brauchen sie dich doch auch gar nicht mehr - oder?
KittyCoat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
Mae West: Goodness had nothing to do with it...
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13.09.2010, 19:34Inaktiver User
AW: immer noch nicht erwachsen?
Danke für deine Antwort!
Ich glaube, ich bin an sich meistens zufrieden mit meinem Leben, "glücklich" scheint mir so´n großes Wort, bin ich sicherlich auch ab und an, z.B. beim Sport oder in schönen Momenten mit meinem Mann oder meiner Familie/meinen Freunden ;-)
Ich fühle jedoch, dass ich zufriedener oder eben auch glücklicher wäre, wenn ich aufhören könnte mich selbst mit anderen meiner +/- Altersgruppe zu vergleichen, also mit jenen, die sich vermeintlich richtig "angestellt" haben und eben all das erreicht haben, von dem ich mitunter meine es auch haben zu wollen.... die aber eben auch entsprechendes dafür getan haben es zu bekommen, was ich nicht wirklich zu tun bereit bin. Weil mir der Antrieb fehlt, die Unterstützung/Motivation, ja und auch der Glaube daran, dass das was ich dann angehen würde, durchweg "gut" und richtig für mich ist...
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13.09.2010, 19:36
AW: immer noch nicht erwachsen?
Nöö, manchmal ist keine Lösung, die beste Lösung.Ich denke immer, ich muss da was tun, ich MUSS Entscheidungen treffen und die dann auch diszipliniert angehen...
Vielleicht kannst Du das "Projekt" Kind ja auch gar nicht aus vollem Herzen verfolgen, weil Du in dieser Konstellation nicht so richtig dahinterstehst.
Liebe Grüße
KleineBlume
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13.09.2010, 20:00Inaktiver User
AW: immer noch nicht erwachsen?
Lieben Dank für die Antwort.
Nein die Kinder meines Mannes brauchen mich nicht, sie sind so gut wie erwachsen und selbständig. Meinen Mann brauchen sie natürlich als ihren Vater und Ansprechpartner, was ja auch selbstverständlich ist. Ich lasse mich da aber ungern einbinden, da ich für sie auch keine Mutterersatzrolle einnehme (sie haben ja auch noch ne Mutter). Da der Altersunterschied zwischen ihnen und mir nicht so rasend groß ist, bewegen wir uns auch viel mehr auf einer freundschaftlichen als auf einer Stiefmutter-Kind-Ebene. Wir verstehen uns auch miteinander, so ist es nicht. Aber es ist kein inniger, wirklich herzlicher Kontakt. Aber den Anspruch muss man evtl. ja auch nicht haben - ich habe da vermutlich auch bloß so einen hohen Anspruch, dass die Beziehung viel besser sein müsste.
Die schwangere Freundin des Sohnes versucht mir - sicher gutgemeint von ihr - so eine zukünftige Oma-Rolle einzureden - sorry, aber das geht echt gar nicht.... daher auch Vermeidungsstrategie ;-)
Ich bin sehr froh zu hören, dass auch andere mit anderen Lebensmodellen als den konventionellen glücklich geworden sind! Wie bist du denn zu dieser Erkenntnis gekommen - war die auf einmal da oder hast du ihr länger nachgespürt?
Wie ich oben schon schrieb: ich vergleiche mich viel mit anderen, die anders leben.
Meine alten Schulfreundinnen und so ziemlich alle jüngeren und älteren Frauen in der Familie meines Mannes haben Kinder, die kleinen davon finde ich auch sehr süß und nett, wenn ich sie mal ein paar Stunden sehe. All diese Frauen gehen in dieser Mutterrolle voll auf, z.T. sind sie sogar zu regelrechten Muttertieren mutiert - ich glaub, die wüssten gar nicht, was sie tun und wie sie leben sollten, wenn sie diese Kinder nicht hätten! Ich könnte das so nicht leben, viel zu egoistisch... ;-)
Dass ich mir in dieser Angelegenheit nichtmals sicher bin, verstehen diese Frauen überhaupt nicht... was mich wiederum frustriert und verunsichert, ich denke dann immer: Ticken die falsch oder ich? Vermutlich keiner von beiden, aber augenscheinlich lassen manche nur manche Lebensmodelle gelten... ;-)
Ich selbst stamme aus einer eher akademisch geprägten und ziemlich kinderarmen Sippe, kaum einer hat da mehr als ein Kind - dass finanzielle Unabhängigkeit der Frauen höchstes Gut ist, haben mir meine Eltern subtil schon sehr frühzeitig vermittelt.
Ich hab nur immer Angst, dass ich - wie erwähnt - meine Haltung/Lebensweise irgendwann als falsch erkenne. Dass ich Mitte 40 bin und so vieles von dem, was man so zwangsläufig hat, nicht haben werde.... und bereue. Gleichzeitig frage ich mich, ob mich all meine Aktivitäten/Dinge, die mein Leben ausmachen, auch in vielen jahren noch so ausfüllen werden. Oder ob sich da dann die große Lücke auftut, die große Leere?
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13.09.2010, 20:01
AW: immer noch nicht erwachsen?
hallo mavie,
ich kann dich gut verstehen
bin auch noch dabei, "erwachsen" zu werden. aber ich glaube, es ist auch typabhängig... gerade ob kind oder nicht kind und überhaupt und sowieso 
ich bin jetzt 36, als meine 7 jahre jüngere schwester schwanger geworden ist, war das erst mal ein stich ins herz. der lütte ist jetzt fast zwei und ein goldstück
sie ist aber KOMPLETT anders als ich. "vernünftig", immer in langen partnerschaften, schon immer ein sehr familärer mensch.
mit anfang 30 hatte ich sehr starken kinderwunsch, jetzt, nach einer gescheiterten beziehung, hält sich das noch im rahmen. ich überlege auch, ob ich überhaupt "fähig" wäre, eine gute mutter zu sein. bestimmt, mit einem passenden partner. man wächst ja auch an seinen aufgaben...
schwierig!
vllt hilft intensives nachforschen, was frau will, vom leben noch erwartet, ob ein leben ohne kind vorstellbar wäre, wie es in zehn jahren aussehen würde mit kind und ohne kind... und wenn kind, sollte es ein herzenswunsch sein, nicht weil "alle" eins (oder zwei, drei...) haben 
vllt hast du auch nur so ein gesellschaftliches bild in dir, dass kind nun mal dazugehört. das ist bei mir glaube ich so. in meiner kindheit hatten einfach ALLE frauen kinder! und die, die keine hatten, waren "komisch".
na, ich sach ja: schwierig!
und das mit den beruflichen entscheidungen kenne ich auch gut - da entscheide ich schnell rational mit bauchgefühl und liege damit meist richtig. im privaten zögern sich wichtige entscheidungen schon mal raus und werden von allen seiten beleuchten. vllt weil ich privat mehr zu verlieren hätte? im job würde ja die firma verlieren, wenn ich mich falsch entscheide. oder der chef "rettet". privat rettet mich keiner...
hm!
fly„Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören.
Glaube ist der Mut, in der Gegenwart danach zu tanzen.“
(Peter Kuznic, kroatischer Theologe)
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13.09.2010, 20:15Inaktiver User
AW: immer noch nicht erwachsen?
Danke für die Rückmeldung!
So ist es auch.
Mir erscheint es irgendwie auch total komisch, mit meinem älteren Mann, der nun ja beinahe Opa ist, noch ein Kind zu bekommen... irgendwie ist das doch schräg, oder...? Es fühlt sich nicht richtig an.
Ich hab auch voll Angst, dass wir kein gesundes Kind bekämen. Vermutlich habe ich diesen Zug einfach verpasst. Und sollte das jetzt einfach mal so hinnehmen...
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13.09.2010, 20:15
AW: immer noch nicht erwachsen?
Das denke ich allerdings auch. Was wäre, wenn es diese Menschen nicht gäbe oder du mehr Menschen kennen würdest, die wie du mehr in den Tag hineinleben? Würdest du dir dann immer noch diese Gedanken machen?
Du bist nicht ganz Mainstream und du machst den Fehler dich mit anderen zu vergleichen, deren Ideale für dich eigentlich gar nicht erstrebenswert sind.
Klar, es könnte sein, dass du es eines Tages bereuen wirst, kein Kind zu haben, kein dickes Sparkonto und kein Haus. Aber deswegen kann man doch nicht in vorauseilendem Gehorsam auf Vorrat ein Kind bekommen, obwohl man nicht bereit ist und sparen, obwohl es einem widerstrebt.
Ich habe auch so manchmal ein leises Gefühl, dass ich vielleicht später bereuen könnte, nicht dieses oder jenes gemacht zu haben. Aber das würde mir jetzt Entscheidungen und Veränderungen abverlangen, zu denen ich jetzt einfach nicht bereit bin, also mache ich so weiter wie bisher."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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13.09.2010, 20:27Inaktiver User
AW: immer noch nicht erwachsen?
mit anfang 30 hatte ich sehr starken kinderwunsch, jetzt, nach einer gescheiterten beziehung, hält sich das noch im rahmen.
....
vllt hast du auch nur so ein gesellschaftliches bild in dir, dass kind nun mal dazugehört. das ist bei mir glaube ich so. in meiner kindheit hatten einfach ALLE frauen kinder! und die, die keine hatten, waren "komisch".
....
privat rettet mich keiner...
Ich auch! Das war in meiner damaligen Beziehung, ca. 2 Jahre bevor die auseinanderging - seinerseits (ich binde mich schlecht, aber wenn, dann trenne ich mich auch nicht mehr). Damals hätte es gut gepasst, es wäre mir auch so unglaublich richtig erschienen... so richtig wie danach nie wieder...
Genau. Alle haben Kinder. so kommts einem jedenfalls mitunter vor. und die, die keine haben, haben was falsch gemacht ;-) Man muss von dieser Denke weg - das macht einen echt krank!
Ja, berufliche Sicherheit und beruflicher Erfolg sind viel leichter zu etablieren - für mich jedenfalls auch - als private Stabilität und Zufriedenheit, das empfinde ich exakt so wie du! Insbesondere seit ich mit damaliger Trennung von langjährigem Partner auch viel an sowas wie Urvertrauen, dass mit mir alles gut gehen wird, komplett verloren habe. Diese Leichtigkeit/Unbeschwertheit, die damals noch echter Teil meiner Persönlichkeit war, lebe ich nun bloß noch "nach", indem ich private Entscheidungen mit Bedeutung vermeide, dann gibt´s auch keine großen Herausforderungen und somit auch keine Konflikt/Pleiten - das ist irgendwie so schön bequem...


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