Da hast Du schon recht.
Bei Menschen, die ich sehr liebe, empfinde ich ihr "Klammern" als gar nicht schlimm. Sie sind bei mir, ich fühle mich wohl.
Bei Menschen, die ich jetzt nicht so toll finde, und die laufen mir nach, empfinde ich es als sehr bedrückend.
Manche Menschen können gar keine echte Nähe zulassen, bei denen fühlt man sich immer irgendwie allein und einsam, auch wenn sie da sind. Und wenn ich das Gefühl hätte, würde ich von diesen Menschen abrücken, um nicht zu sehr verletzt zu werden.
Ich muss richtig lieben könnnen und umgekehrt muss ich mich richtig geliebt fühlen.
Und das hat einfach auch damit etwas zu tun, dass wir täglich 24 Stunden beieinander sein könnten oder nur fünf Minuten, es wäre o.k. für beide.
Ich finde es sehr schwierig das zu erklären. Ich versuche es mal so:
Z.B. war ich meinen Eltern nie zu viel und mir die nicht. Mir war ihre Nähe selbstverständlich und meine Nähe ihnen. Das war normal. Und so kann ich auch mit geliebten Menschen umgehen.
Wenn die in meinen Kreis zugelassen sind, dann können die sich bei mir aufhalten, solange die sich wohl fühlen.
Aber das hängt von der Fähigkeit ab, abschalten zu können.
Mich stört einfach keiner, weil ich auch in Anwesenheit anderer mich total isolieren kann und die Anwesenheit der anderen ausblenden kann.
Daher kann mein Partner alles mögliche im Haus machen, ich mache das was ich gerade will, so als ob er gar nicht da wäre.
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Ergebnis 11 bis 20 von 26
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27.08.2010, 17:42
AW: Wer klammert, hat immer verloren...oder?
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27.08.2010, 20:00Inaktiver User
AW: Wer klammert, hat immer verloren...oder?
Hm... klammern ist eben eine subjektive Kategorie und abhängig von den Gefühlen, die der "Geklammerte" hat (hat Dani sehr gut beschrieben).
Was dem einen ersehnte und wohltuende Nähe, ist dem anderen bedrängen und eben - klammern. Wobei es manche schon auch absolut zu weit treiben. Ich kenne ein Paar, die hängen echt ausschliesslich miteinander ab - so verliebt könnte ich gar nicht sein, um das zu ertragen!
Eben genau deswegen gibt es durch "klammern" auch nix zu gewinnen.
Und eigentlich auch nichts zu verlieren - denn man liefe etwas hinterher, was man ja nie "hatte".
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27.08.2010, 20:24
AW: Wer klammert, hat immer verloren...oder?
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28.08.2010, 08:58Inaktiver User
AW: Wer klammert, hat immer verloren...oder?
Ich hab über das Thema "anhaften" (es klingt nicht ganz so aggressiv wie "klammern") vor kurzem auch intensiv nachgedacht, beim wandern.
Dabei hab ich für mich ein Bild gefunden:
Ich sitze in einem Boot auf offenem Wasser werfe meinen Anker an einer Stelle, die mir passend erscheint und die mir gefällt.
Die Stelle, wo ich ein wenig bleiben möchte.
Im flachen Wasser sinkt der Anker schnell auf Grund und ist auch schnell wieder gelichtet. Es macht dann keinen Sinn, noch an der Kette zu zerren - die Fahrt muss weiter gehen, wenn der Anker im Boot liegt.... das Wasser wird nicht tiefer davon, wenn ich den Anker 100 x auswerfe.
Im tiefen Wasser ist die Kette lang, und es dauert länger und ist beschwerlicher, den Anker wieder hochzuhieven um weiter zu fahren.
Das ist keine schnelle Entscheidung und will wohl überlegt sein: das ankern, und das weiter ziehen.
Und immer das Wetter beobachten...
In stürmischen Zeiten gibt der Anker im flachen Wasser keinen Halt, ich fliehe den Sturm, auch wenn der Ankerplatz gut war.
Der tiefe Anker hält mich lange an einer Stelle fest und hemmt meine Bewegung - ich stehe den Sturm durch oder gehe unter.
Sollte ich nur im flachen Wasser bleiben oder nur die tiefen Wasser suchen?
Ich denke: weder noch.
Aber es ist gut zu erkennen, wo ich meinen Anker versenkt habe.
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29.08.2010, 20:59Inaktiver User
AW: Wer klammert, hat immer verloren...oder?
Das ist ein ziemlich entscheidender Punkt, glaube ich.
Ich bin ein Mensch, der regelmäßig allein sein muss. Und allein sein heißt für mich, dass ich mich ganz auf mich selbst konzentrieren kann, ohne dass jemand in der Nähe ist, der irgendetwas von mir wollen könnte.
Das ist eine Art Grundbedürfnis, hat aber nichts damit zu tun, dass ich jemanden zurückstoßen möchte.
Allerdings ist das für Menschen, die kein Problem damit haben, ständig unter Menschen zu sein, schwer nachzuvollziehen. Sie fühlen sich oft zurückgestoßen, ich fühle mich oft eingeengt.
Aber es hilft auf jeden Fall, wenn man seine Bedürfnisse offen kommuniziert und auch dem Gegenüber wirklich zuhören kann. Das ist zwar eine Binsenweisheit, aber nicht so einfach
.
Inwieweit man es einfach hat, wenn man andere Menschen nicht so sehr "braucht" kann ich nicht beurteilen. Ich kann gut alleine sein und brauche selten Menschen, um meine Gefühle zu validieren oder um Entscheidungen zu treffen. Ich mache viel mit mir selber aus.
Aber ich mag Menschen (manche zumindest
), diskutiere und lache gerne mit anderen und will auch kein Einsiedler-Leben führen.
Für mich ist es oft schwierig, Leuten näher zu kommen, weil eben bestimmte Punkte (siehe oben), die gerade in Frauenfreundschaften oder in der Partnerschaft für viele im Vordergrund stehen für mich nur eine untergeordnete Bedeutung haben.
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29.08.2010, 23:21
AW: Wer klammert, hat immer verloren...oder?
Evtl. solltest du das nicht unter dem Aspekt "Klammern" sehen, sondern unter dem Aspekt, das gemeinsame Zeit deine Liebessprache ist! Hab ein Buch von Gary Chapman:Die 5 Sprachen der Liebe! Die sind praktische Hilfe, Geschenke, Lob und Anerkennung, gemeinsame Zeit und Gespräche, Berührungen! Also, man kann durchaus auch 2 Liebessprachen sprechen, evtl. nicht in der gleichen Priorität.
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29.08.2010, 23:56
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30.08.2010, 10:10
AW: Wer klammert, hat immer verloren...oder?
Erst einmal vielen Dank für eure superlieben Beiträge.

Bei dem ein oder anderen höre ich heraus, dass es vielen von euch wie mir geht. Loslassen, auf Klammern verzichten, Veränderung akzeptieren ist so oft leider unumgänglich, aber es fällt schwer und tut weh.
Ich glaube auch, dass es spätestens dann, wenn man bei sich selbst spürt, dass man so sehr an etwas hängt, dass man überhaupt "klammert", dringend notwendig ist, auf Abstand zu gehen und Abstand auszuhalten.
Nach wie vor glaube ich, dass - so schwer es auch ist, das einzusehen - Dinge, Menschen, Beziehungen Abstand brauchen. Klammern ist nicht die richtige Strategie, es zögert nur einen notwendigen Veränderungsprozess heraus und schwächt (zumindest mein) Selbstwertgefühl. Es ist soooo einseitig!
@Laluna-x
Dein Bild mit dem Schiff und dem Anker hat mich sehr sehr berührt, die Notwendigkeit von Veränderung zu verstehen. Ja, so könnte man es beschreiben, das Schiff muss manchmal weiterfahren und...wenn es in einem Sturm wegfährt, dann kann es ja vielleicht sogar wieder zurückfahren, wenn sich der Sturm gelegt hat.
Ein wirklich sehr schönes Bild.
Ein ähnliches Bild hab ich vor kurzem gelesen:
Zwischen zwei Menschen gibt es ein Band, das man sich wie ein Gummiband vorstellen kann. Zieht man es zu weit auseinander, so kann es reissen, lässt man es zu locker, so hängt es schlaff und ohne Spannung herunter. Nur dann, wenn es im richtigen Abstand gespannt ist, stimmt es für beide und hält eine positive Spannung.
@Tamta
Du scheinst ein Mensch zu sein, der nicht so sehr zum Klammern neigt. Eine Voraussetzung dafür scheint ja zu sein, dass du gut alleine zurechtkommst und dafür nur selten andere Menschen beanspruchst.
Wie ist das denn bei dir? Wurdest du schon einmal enttäuscht? Hast du das aus Erfahrung gelernt, dass du bei dir bleiben musst? Und wie und wann merkst du das, wann du auf Abstand gehen solltest?
Vielleicht kann ich mir ja eine Scheibe davon abschneiden...
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30.08.2010, 11:16
AW: Wer klammert, hat immer verloren...oder?
Gary Chapman schlägt vor, das jeder Partner ein Stück weit lernt, die Liebessprache des anderen zu sprechen, Schritt für Schritt eben. Dazu muß man sich ja selbst erst einmal bewußt werden, was man braucht, was einem selber gut tut und dann eben mit dem Partner darüber reden!
Natürlich muß ich auch, wenn meine Liebessprache gemeinsame Zeit ist, darauf Rücksicht nehmen, das mir mein Partner nicht jederzeit zur Verfügung stehen kann! Bei mir ist es schön, das wir einfach gemeinsame Hobby´s wie das Tanzen für uns entdeckt haben, das Singen, in einer Band, gem. Fahradtouren, Spaziergänge etc.
Im Endeffekt geht es darum, eine Win-Win-Lösung zu finden, in der beide Partner in der
Beziehung etwas von dem bekommen, was Sie brauchen.Geändert von sternschnuppe2 (30.08.2010 um 11:23 Uhr)
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30.08.2010, 12:17
AW: Wer klammert, hat immer verloren...oder?
"Ich habe eine ganz einfache Philosophie: Fülle, was leer ist. Leere, was voll ist. Kratz dich, wo es juckt."
Alice Roosevelt Longworth (1884-1980), amerikanische Gastwirtin



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