Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 20
  1. Inaktiver User

    Wohin mit dem "Seelen-Müll"?

    Liebe BriCom,

    vor einigen Monaten hatte ich hier schon einmal über meine Überlastung gepostet. Viele von Euch haben mir wertvolle Anregungen gegeben - Danke dafür!

    Inzwischen habe ich gehandelt. Ich werde meine Weiterbildung unterbrechen und habe wahrscheinlich die Möglichkeit, auch beruflich meine Richtung so zu ändern, dass es mehr meinen Kompetenzen entspricht. Vielleicht lässt sich auf Dauer auch die Pendlerei deutlich reduzieren, das wird sich aber erst zeigen.

    Ich bin am Aufatmen! Und habe das Gefühl, auf einem guten Weg zu sein.

    Jetzt beobachte ich bei mir aber folgendes: Wenn ich mal Zeiten habe, in denen ich zur Ruhe komme, kann ich die nicht immer gut genießen, sondern merke, dass ein Gewimmel an Gefühlen an die Oberfläche drängt. Ich kann sie noch nicht weiter beschreiben und einsortieren. Habe aber für mich das Gefühl, dass das all das ist, was ich in den letzten Monaten, vielleicht auch Jahren, mit meiner ganzen Aktivität nicht habe "zu Wort kommen lassen". Wenn das so ist, möchte ich mir eigentlich die Zeit nehmen, um "nachzuverdauen". Ja, ich komme mir gerade vor wie eine Kuh, die wiederkäut.

    Aber ich weiß nicht, WIE ich damit umgehen soll. Es nervt mich etwas an, dass freie Zeit, die ich jetzt genießen könnte und mit Dingen füllen könnte, die mir gut tun, von diesen Gefühlen und Stimmungen geprägt sind. Beispiel: Im Mai waren mein Mann und ich ein paar Tage weg und haben uns eine nette Zeit gegönnt. Ausstellungen besucht, die interessant waren, Cabarett geguckt - alles Dinge, die normalerweise meine Seele streicheln und mir gut tun. Ich war aber während der gesamten Zeit in einer eher gedrückten Stimmung. Habe es wahrgenommen, wie schön das alles ist, aber es nicht gefühlt.

    Zurzeit sehne ich mich nach Zeit für mich allein. Spätestens, wenn in einer Woche mein Urlaub beginnt, wird der ein oder andere Tag auch für mich sein bzw. ich werde mir die Zeit bewusst nehmen. Trotzdem bin ich etwas hilflos, wie ich mit diesem "Seelen-Müll" umgehen kann, der jetzt an die Oberfläche drängt, und möchte nicht nur "Trauertage" haben, sondern die Zeit auch nutzen, mir etwas Gutes zu tun...

    Ist nachvollziehbar, was ich meine? Schreibe etwas konfus...

    Ich würde mich freuen, von Euren Erfahrungen zu lesen, oder auch den ein oder anderen Tip...

    Schöne Grüße von einer etwas verwirrten
    CittyCat

  2. User Info Menu

    AW: Wohin mit dem "Seelen-Müll"?

    Liebe CittyCat

    Obwohl ich deinen alten Thread nicht kenne (und jetzt nicht nachgelesen habe), glaube ich zu verstehen, was du beschreibst. Und ich bekomme den Eindruck, dass du dir und deiner Seele einfach noch etwas mehr Zeit zugestehen musst, den ganzen Stress der Vergangenheit zu verarbeiten.

    Ich kenne das von mir: nach Zeiten extremer Be- und Überlastung habe ich immer mehrere Monate (oder sogar Jahre!) gebraucht, bis ich mich wieder ganz erholt und voller Tatendrang gefühlt habe. Und bis es soweit war, gabe es auch mal Phasen, wo ich stundenlang zu Hause vor dem PC rumgehängt oder was auch immer bin, statt die freie Zeit, die nun endlich wieder da war, möglichst gut und "effizient" zu nutzen. Etwas, das eigentlich völlig untypisch für mich ist, da ich normalerweise ein aktiver und unternehmungslustiger Mensch bin.
    2009 war für mich so ein Jahr mit viel zu grosser Belastung (beruflich und privat). Über den letzten Jahreswechsel konnte ich mich dann beispielsweise ewig nicht entscheiden, ob ich zu meiner Freundin in Ferienhaus fahren soll, weil der Wetterbericht unsicher, meine Ferientage zu knapp etc. waren. Am Ende bin ich zu Hause geblieben. Heute, nach einem halben Jahr, in dem ich zur Ruhe kommen konnte, würde ich mir das nicht zweimal überlegen und einfach losfahren.

    Gib deiner Seele die Zeit, die sie braucht, und lass diese Stimmungen zu. Ich glaube, dass du dir so etwas Gutes tust, auch wenn du momentan nicht den Eindruck hast. Ich wünsche dir jetzt schon einen schönen und wirklich erholsamen Urlaub!

  3. Inaktiver User

    AW: Wohin mit dem "Seelen-Müll"?

    Zitat Zitat von regenwetter Beitrag anzeigen
    Ich kenne das von mir: nach Zeiten extremer Be- und Überlastung habe ich immer mehrere Monate (oder sogar Jahre!) gebraucht, bis ich mich wieder ganz erholt und voller Tatendrang gefühlt habe. Und bis es soweit war, gabe es auch mal Phasen, wo ich stundenlang zu Hause vor dem PC rumgehängt oder was auch immer bin, statt die freie Zeit, die nun endlich wieder da war, möglichst gut und "effizient" zu nutzen. Etwas, das eigentlich völlig untypisch für mich ist, da ich normalerweise ein aktiver und unternehmungslustiger Mensch bin.
    Genau das erlebe ich bei mir auch. Da ist dann mal ein Sonntag ganz ohne Termine und Verabredungen, es liegen viele gute Bücher im Regal, schöne DVDs, die Wanderschuhe sind geputzt, das Kulturprogramm liegt auf dem Tisch - und ich daddel stundenlang im Internet.

    Ich kann mir das aber nur schwer "verzeihen", sondern schimpfe mich selbst einen Dummbatz, dass ich das so tue.

    Vorhin habe ich noch mal die letzten Monate Revue passieren lassen. Es gab eine große Anzahl an Momenten, an denen ich gedacht habe: `Das ist jetzt deine Pflicht, auch, wenns weh tut: Augen zu und durch.´ In einer Situation, die ich eigentlich als sehr belastend empfinde, beispielsweise weil Fehler meines Vorgängers auf mich zurückfallen (und gegenüber Kunden oder Mitarbeitern schimpft man ja nicht auf den Vorgänger). Viel Pflicht, sehr selten Lust. Und es fühlt sich an, als ob die Trauer hoch kommt...

    Ja, Zeit lassen... Aber wie oben beschrieben: Ich würde gerne mal wieder das aufnehmen, was mir gut tut. Stattdessen: Daddeln etc. ...

  4. User Info Menu

    AW: Wohin mit dem "Seelen-Müll"?

    @ CittyCat

    Man kann sich nicht zur Ruhe zwingen... Der Stress von aussen ist plözlich weg, da entsteht so eine Art Loch.
    Die füllt man wieder ( diesmal mit hausgemachtem ) Stress...

    Es wird dir nichts übrig bleiben, als die Zeit für dich arbeiten zu lassen. Das wird schon wieder, gib dir Zeit

  5. Inaktiver User

    AW: Wohin mit dem "Seelen-Müll"?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    . Trotzdem bin ich etwas hilflos, wie ich mit diesem "Seelen-Müll" umgehen kann, der jetzt an die Oberfläche drängt, und möchte nicht nur "Trauertage" haben, sondern die Zeit auch nutzen, mir etwas Gutes zu tun...
    Dann trauere und verarbeite Deinen Seelen-Müll - damit tust Du Dir was Gutes.

    Statt die Zeit, die Du jetzt durch berufliches Downgraden gewinnst, wieder mit anderen Aktivitäten zuzumüllen. Das ist das Gleiche in grün.

  6. User Info Menu

    AW: Wohin mit dem "Seelen-Müll"?

    hey liebes,

    sei nett zu dir

    ich denke auch: rumgammeln braucht die seele gerade. einfach so. nichts. tun.

    und was das nicht greifbare gefühlschaos angeht: mir hilft bei so etwas tagebuchschreiben, bzw. eine art "literarischer" verarbeitung. malen wäre evtl. auch was. also nicht mit künstlerischem anspruch, sondern wirklich nur als ausdrucksmittel. und: schlafen. schlafen. schlafen.

    wie gesagt: sei nett zu dir!

    lg von
    der ratte

  7. Inaktiver User

    AW: Wohin mit dem "Seelen-Müll"?

    Danke, ihr Lieben!

    Es fällt mir aber tatsächlich schwer bzw. ich habe echt ein schlechtes Gewissen, Zeit einfach "zweckfrei" zu verbringen. Sooooo vieles könnte getan werden... und dann daddeln??? Ist mein Empfinden, denn vom Verstand her kann ich schon nachvollziehen, was ihr meint.

    Es ist echt nicht einfach. Nächste Woche beginnt mein Urlaub, bei der Arbeit gibt es gerade nicht viel zu tun (das Sommerloch ist spürbar, viele Ansprechpartner nicht da, vieles bleibt so oder so liegen). Ich werde in den verbleibenden Tagen alles schaffen können, was noch geplant ist und sogar ein Computer-Absturz, der zwei Stunden Arbeit zunichte gemacht hat, ist nicht wirklich dramatisch, weil ich´s nacharbeiten konnte. Trotzdem: Jetzt sitze ich zuhause und denke: "Die Präsentation kannst du ja mal eben noch weiter ausarbeiten.", "Lies noch mal eben den Fachaufsatz." - stattdessen daddel ich (anders übersetzt: ich lese hier mal wieder nach, was hier in der Zwischenzeit geschrieben wurde) und denke, das ist "Zeit 2. Klasse".
    Ist es so schwer, umzuschalten?

    Bisamratte, Deinen Tipp werde ich mal umsetzen. Tagebuch schreiben hat mir schon mal geholfen (wurde wegen Zeitnot wieder abgeschafft ), weil man irgendwie seine Gedanken so sortieren muss, dass Sätze dabei herum kommen.

  8. Inaktiver User

    AW: Wohin mit dem "Seelen-Müll"?

    CittyCat schau mal hier
    Vielleicht kannst Du Dir Dein Nichtstun so besser gönnen.

  9. Inaktiver User

    AW: Wohin mit dem "Seelen-Müll"?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    CittyCat schau mal hier
    Vielleicht kannst Du Dir Dein Nichtstun so besser gönnen.
    Danke, Nathalie! Ein schöner Artikel! Und bringt wirklich zum Nachdenken...

    Na, ich werde mir Mühe geben, mir persönlich die "Erlaubnis" zum kreativen Nichtstun zu geben. Und dabei die Geduld nicht zu verlieren...

  10. User Info Menu

    AW: Wohin mit dem "Seelen-Müll"?

    Unangenehme Gefühle aus- und abschalten zu wollen bzw. zu meinen, es zu können und auch zu sollen halte ich mit Verlaub für eine Geißel unserer Zeit.

    Wie viele Menschen bekommen die dollsten Krankheiten, weil sie ihr Leben lang verdrängten, was sie eigentlich bewegte.

    Man sollte sich selbst den Gefallen tun, und sie durchstehen. Sagen "Ach du wieder, dich kenn ich - na gut, dann bis du heute mal mit an meinem Tisch". Wissend: Morgen kann es komplett anders aussehen. Wofür die Wahrscheinlichkeit umso höher ist, je mehr man auch mal einen Tag mit unangenehmen Gefühlen akzeptiert hat. Wut und Trauer bahnen sich ihren Weg - irgendwann, irgendwie. Panikattacken können so z.B. entstehen, wenn man dann auch nicht gegensteuert, weiten Ängste sich immer mehr aus. Also - annehmen. So wie einen Blähbauch ;-) , denken "soso, so ist das heute, na gut, dann stelle ich mich darauf ein".

    Klingt jetzt vielleicht blöd, aber bei mir hat es einer Art Therapie bedurft, um diese Prägung "leiste was, dann biste was" erstmal überhaupt als solche zu erkennen und später dann
    ausschalten zu können (nicht immer, aber immer öfter). Das Gehirn arbeitet ja in eingefahrenen "Schienen", da kommt man u.U. nicht so einfach raus, indem man sich vornimmt "ich ändere jetzt meine Bewertung von Zustand A".

    Das früher gebräuchliche Wort "Muße" besagte ja, dass man sinn- und zweckfrei "herumhängen" konnte, tat, wonach einem war. Um sich zu entspannen, aufzutanken, später zu neuen kreativen Gedanken zu kommen.

    Sowas gilt heutzutage ja als faul.

    Stört mich nicht.

    Ich wünsche jedem meiner Lieben in Geburtstags- und sonstwas für Briefen "...und genug Muße für alles, was dir gut tut".

    "Was macht ihr am Wochenende?".
    "Voraussichtlich: Nichts".
    Brigitte hatte glaube ich auch mal einen Artikel dazu, müsste man mal anfragen.

    Loriot hat das Phänomen herrlich skizziert:
    In einem Sessel sitzt der Ehemann. Im Hintergrund läuft die Hausfrau in der Küche auf und ab. Er gibt an "ich möchte hier einfach nur sitzen!", sie aber zählt ihm 1001 Möglichkeiten auf, was er schönes tun könnte. Der arme Kerl muss laufend wiederholen "ich möchte hier einfach nur sitzen!".



    Soweit meine Gedanken dazu, vielleicht ist etwas Brauchbares für dich dabei.

    LG Karla
    The original Karla
    est. 2006


Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •