@Regenwetter
einiges an deiner Beschreibung kann ich ziemlich gut nachvollziehen. Ganz grundsätzlich kann ich mit diesem sprunghaften Verhalten, was du von deinem Freund beschreibst, eben auch sehr schlecht umgehen, ebensowenig wie mit ständigen einseitigen Rückzügen. Das ist sicher das gute Recht des Anderen, sich so zu verhalten wie er möchte. Aber ich erkenne mehr und mehr für mich selbst, dass ich damit nur bis zu einem gewissen Mass umgehen kann - die Grenze möchte ich dann zukünftig ziehen, wenn es mich emotional belastet.
Das heisst für mich:
Solche Leute nicht ganz so nah an mich heranlassen und nicht zu hohe Erwartungen in sie setzen - bei aller Sympathie!
Mir kam gerade der Gedanke, mal zu überlegen, wie sich das Thema Beziehung für ihn darstellt. Mittlerweile wissen wir ja, dass er zwischenzeitlich eine Beziehung hatte, genaugenommen eine Fernbeziehung (auch das signifikant) und es recht schnell wieder zu einer Trennung kam. (Weisst du eigentlich mittlerweile, wie es dazu kam?).
Jedenfalls dürfte es bei seiner Einstellung auch für ihn nicht unbedingt soooo leicht sein, eine dauerhafte Beziehung einzugehen. Das klingt für mich schon ein wenig nach dem Muster, was ich oben für einige Freundinnen beschrieben habe: Die Suche nach dem Kick!
Das soll überhaupt nicht heissen, dass das unsympathisch wäre - nein, es soll eher zeigen, dass er auf einer ganz anderen Ebene mit dem Beziehungsthema ebenfalls zu kämpfen hat. Und das ist doch interessant!
Jedenfalls klingt das, was du jetzt schreibst, nach einer sehr viel realistischeren Einschätzung seiner Person und dem, was du von ihm ganz neutral erwarten kannst!
Gemeinsame Interessen sind aber nur EIN Kriterium für eine Partnerschaft. Bist du dir wirklich immer noch sicher, dass sein sonstiges Verhalten, was du ja sehr realistisch beobachtest, wirklich DEINE Kriterien erfüllt?Von daher werden wir sowieso nie zusammenkommen, denn er erfüllt meine Kriterien, ich die seinen hingegen nicht.
Das soll keine Entzauberung seiner Person sein, aber mir scheint, dass du wirklich nicht 100 % Grund genug dafür hast, einfach so zu schreiben, dass er wirklich das Ideal für dich ist. Und umgekehrt, wird aus dem "ich die seinen hingegen nicht" eine unbewusste Abwertung deiner selbst, vor der ich dich echt bewahren möchte.
Genau!Ich bin nicht die Frau für eine "amour fou".
Wärst du es denn gerne? Ist es das, was du an ihm vielleicht ein bisschen bewunderst?
Edit: Mir fällt nämlich auf, dass dein Ex dir zwar Beständigkeit und Konstanz gegeben hat, allerdings unter Verlust gemeinsamer Interessen bzw. vielleicht so etwas wie "Erlebnisfähigkeit". Mich wundert es dann nicht, dass dich dein Kumpel jetzt so fasziniert.
100 % signed - ich halte uns für selbstbewusst genug, dass bei einem normalen ausgewogenen Geben und Nehmen keine Verlustangst auftritt!Über meine Verlustangst habe ich mir auch nochmals Gedanken gemacht. Eigentlich tritt diese bei mir nur in Fällen auf, wo das Gegenüber die Tendenz hat, sich zumindest zeitweise zu entziehen. Aus Beziehungen/Freundschaften, die sich für mein Dafürhalten "normal" entwickeln, kenne ich das nicht. "Normal" heisst für mich: man entdeckt gegenseitige Sympathie und lernt sich immer näher kennen, bis sich die gegenseitigen Kontakte bei irgendeinem Level einpendeln.
Wenn das bei ihm so ist, dann braucht er viel mehr Freiraum, als du vielleicht denkst. Es gibt genug Persönlichkeitstypen, bei denen das nun mal so ist. Natürlich haben die weniger Verlustangst, wobei das untergründig natürlich trotzdem Ursachen hat. Meiner Meinung nach bestätigt das auch deine damalige Einschätzung, nämlich dass er sich "unterbewusst" eine Fernbeziehung gesucht hat. Das wird alles eine Gründe haben, denn sein Verhalten ist in seiner Ambivalenz jetzt über Monate "konstant".Bei meinem Freund z.B. war es so, dass er sich in der Anfangszeit, als wir uns näher kennenlernten, sehr um mich bemüht hat und den Kontakt sehr intensiv gesucht hat. Und irgendwann kam dann ein Rückzieher. Der weitere Verlauf der Freundschaft war von seiner Seite sehr unkonstant, und wenn ich das Gespräch gesucht und ihm mein Bedürfnis nach regelmässigem Kontakt zu erklären versucht habe, hat er sich von mir unter Druck gesetzt gefühlt und sich erst recht zurückgezogen.
Genau so konstant, wie das Verhalten von Junebugs Kumpel oder meinem Kumpel - jetzt nach Monaten, in denen wir das alle gemeinsam hier beobachten, zeigt sich, dass das definitiv Persönlichkeitsmuster sind. Und die kann man nur sehr sehr sehr schwer beeinflussen oder sich entsprechend zurechtbiegen bzw. sich daran anpassen. Da wir das immer wieder mit verschiedenen "Taktiken" versucht haben, scheint es wohl einfach Grenzen in der Eigenart des Anderen zu geben.
Ich würde sagen, es ist sowohl deine Eigenart als auch die komplementäre Eigenart anderer entsprechender Menschen und tritt auch nur dann auf, wenn du direkt auf komplementäre Menschen stösst und noch dazu (wie ich) bei diesen sehr stark emotional beteiligt bist.Ich weiss nicht, ob das wirklich Verlustangst ist oder weshalb ich mich mit so Menschen, die sich immer wieder entziehen, so schwer tue.
Ich habe mich anlässlich meiner Situation sehr intensiv damit auseinandergesetzt und komme einfach zu dem folgenden Schluss. Bis zu einem gewissen Grad kann ich mich anpassen und die "Ängste" herausnehmen bzw. bearbeiten, d.h. heisst über die Schaffung anderer Inhalte und Foci auf verschiedene Menschen ein wenig daran feilen. In Freundschaften bis zu einem gewissen Grad kein Problem - es bedeutet aber auch gesunde emotionale Distanz und das Wahren von Grenzen zu deutlich komplementären Menschen und Stärkung meines eigenen Selbstwertes aus eigener Kraft!
Ob und wieweit der Grad an Verlässlichkeit und Konstanz, den du brauchst, für dich zu einer echten Partnerschaft dazugehört, kannst du dir nur selbst eingestehen. Für mich ist das so!
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23.02.2011, 10:01
AW: Bester Freund frisch verliebt - ich bin traurig
Geändert von Elwyn (23.02.2011 um 11:13 Uhr)
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23.02.2011, 10:33
AW: Bester Freund frisch verliebt - ich bin traurig
@Sportsfrau
Wow, vielen Dank für deinen langen einfühlsamen Text und ein "Wiederlesen" mit dir!
Ja, das stimmt auf jeden Fall - allerdings möchte ich das differenzieren. Die ganze Situation hat mir klargemacht, dass es wohl nie so wichtig geworden wäre, wenn ich grundsätzlich meine Energie auch in andere Inhalte und Freundschaften gesteckt hätte. Der Ärger/Angst an einer Stelle frisst bei mir schnell alles andere auf - das möchte ich wirklich ändern und besser relativieren.
Ob es allerdings immer im Leben so etwas wie einen totalen "Sinn" gibt, weiss ich nicht. Auch nicht, ob es immer etwas geben muss, was einen total vom Stuhl haut. Ich sehe es mehr so, dass ich bewusster leben möchte und auch in Kleinigkeiten wieder etwas Erfüllendes wahrnehme. Da geht es im Spirituellen schon eher um das Thema "Achtsamkeit" und auch "Anhaftung", was der Buddhismus ja stark in den Mittelpunkt stellt.
Ein bisschen geht es auch um das Überwinden eines "inneren Schweinehundes", Dinge, die man sowieso schon lange tun wollte, auch endlich aus sich selbst heraus zu verwirklichen - insbesondere dann, wenn bestimmte Erwartungen und Wünsche an andere eben von diesen nicht erfüllt werden - wie eben diese Freundschaft. Das wird immer wieder passieren, darauf hat man nicht viel Einfluss - aber man hat Einfluss darauf, wie man das bewertet und für sich selbst neben vielen anderen Aufgaben und Zielen einordnet.
Ganz profan suche ich derzeit eher Gleichgesinnte für meine wirklichen Interessen und Hobbies, relativiere das Thema "Freunde" und "Bekannte" und suche/schaffe Situationen, in denen ich mich einfach ohne Verbiegen und Kämpfen wohl fühle mit den entsprechenden Menschen.
Ob da ein Ehrenamt schon in Frage kommt, weiss ich gerade noch nicht!
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23.02.2011, 19:59Inaktiver User
AW: Bester Freund frisch verliebt - ich bin traurig
Hallo Sportsfrau,
oh mann, was für ein Post.
Selbst der Teil, der nur mich betrifft ist ja schon ein halber Roman
Ich versuche mal es ein wenig zu zerlegen ...
Da gebe ich Dir insofern recht, als das wirklich nichts für mich ist. Mit Religion und vor allem mit Kirche (ich finde das sind zwei verschiedene Dinge) habe ich schon vor langer Zeit gebrochen. Um hier keine Gefühle zu verletzten möchte ich mich zu der Institution Kirche besser gar nicht äussern und für Religion (zumindest die christliche) fehlt mir einfach der Bezug, da bin ich zu kopflastig.
Also ein "reboot" um im EDV Sprachgebrauch zu bleiben?ist nicht vielleicht eine radikale kehrtwende im vergleich zu den ausgetrampelten pfaden, die du in den letzten x jahren beschritten hast, genau das richtige für dich? als eine art "boot"?
Ja, da hast du vollkommen recht. Das ist in der Tat der beste Ansatz. Praktisch das löschen nahezu aller verinnerlichten Glaubenssätze, ein aufbrechen der Konditionierung, das hinterfragen des eigenen, automatisierten Verhaltens. Neue Dinge nicht intuitiv abzulehnen, sondern mal völlig neutral und neu zu bewerten. Das ist, wie ich festgestellt habe, verdammt schwierig.
Wie das wäre? komisch, schwer vorstellbar, irgendwie schön, aber auch beengend und endgültig.wie wäre für dich die vorstellung, eine frau und kinder zu haben?
Bei diesem Gedanken wird sofort wieder diese standartisierte Gefühlsvorlage geladen (sorry, schon wieder IT-Slang). Da merkt man z.B. wie eng bestimmte Vorstellungen und Situationen mit dem dazu "passenden" Gefühl verknüpft sind.
Ich denke ich verstehe das richtigsind es vielleicht gar nicht frauen, die dich interessieren, du traust dich aber aus gesellschaftlichen oder sonstwelchen gründen nicht, authentisch zu sein?
Aber nein, das kann ich (auch mir selbst gegenüber) ehrlich ausschliessen.
Nicht unbedingt. Ich bin wohl eher ein Einzelgänger aber keine Eremit.oder ist dir menschlicher kontakt z. b. generell zu wenig ergiebig?
Ich diskutiere z.b. gern mit anderen, auch kontrovers. Eigentlich sogar am liebsten kontrovers, solange die Einstellung des anderen nicht so weit "neben der Spur" liegt, dass es gar keine Basis gibt.
Allerdings brauche ich unbedingt mein Rückzugsgebiet, einen Ort nur für mich.
Spiritualität ist mir ein wenig zu eng mit Religion und Esoterik verbunden.
Ich möchte diesen Bereich aber auch nicht von vornherein abstempeln.
Auch wenn ich mir derzeit kaum vorstellen kann eine gewisse Zeit im Kloster zu verbringen, finde ich den Grundgedanken ganz sinnvoll.
Vielleicht sollte ich mich ein wenig mit dem Thema Meditation beschäftigen.
Da ist sicher was dran, ich stimme Dir voll zu.paul, ich denke, dass du dir selbst in den letzten jahren nicht mehr (richtig) zugehört hast. ich finde die idee von alvorada prima, in die abgeschiedenheit zu gehen, wo du mit dir selbst allein bist. entweder führt das ganze zu einer tieferen entspannung, oder du hörst plötzlich vielleicht wieder ein leises stimmchen in dir rufen, das anfängt, dir zu erzählen, wofür es sich zu leben lohnt.
Alvorada's Idee fand ich schon bei ersten mal sehr gut.
Ich werde das auch in Angriff nehmen, derzeit plane ich noch wie bzw. wann ich mir diese Freiräume nehmen kann.
Liebe Regenwetter,
dieser Satz hätte auch von mir sein können.
Auch ich hatte noch nie diesen berühmten "Blitzeinschlag", sondern habe immer sehr lange gebraucht bis die Frau wirklich mein Inneres berührt hat. Das macht es nicht grade leichter einen Partner zu finden, aber sowas kann man nun mal nicht steuern.
Ich hoffe es geht euch allen soweit gut
Liebe Grüße (natürlich auch an Elwyn, Alvorada, June und Destiny)
Paul
Geändert von Inaktiver User (23.02.2011 um 20:47 Uhr)
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23.02.2011, 21:11
AW: Bester Freund frisch verliebt - ich bin traurig
Hallo Elwyn
Ohne zu sehr auf die Details eingehen zu wollen (ich mag meinen Kumpel und seine Beziehungen hier nicht öffentlich "sezieren"), schliesse ich mich deinen Vermutungen vorbehaltslos an. Ich bin zwar keine Anhängerin von "Küchentischpsychologie" und Schubladisierung, aber ich habe schon einiges über Beziehungsängste gelesen und habe die starke Vermutung, dass da bei meinem Freund einiges im Argen liegt. Aber das wäre dann sein Problem, falls es für ihn überhaupt eines darstellt.
Von mir war das überhaupt nicht wertend gemeint, sondern lediglich als nüchterne Feststellung. Ich stehe zu meiner Art und zu meinen Empfindungen und möchte nicht anders sein. Und nein - ich bewundere seine Suche nach den ganz grossen Emotionen nicht, weil ich der Sache nicht traue. Für mich hat das etwas von Strohfeuer - schnell und heftig entfacht, aber ebenso schnell wieder erloschen. Ich möchte einem Menschen wirklich kennen, bevor ich die ganz grossen Gefühle zulasse. Denn ich glaube, dass meine Gefühle erst dann wirklich dem Gegenüber gelten und nicht dem, was ich gerne in ihm sehen möchte.
Das klingt jetzt vermutlich etwas abwertend, und vielleicht tue ich meinem Kumpel und allen anderen AnhängerInnen der "Liebe auf den ersten Blick" hier unrecht. Aber die Menschen sind nun mal verschieden, und für mich ist das so.
Ich denke, dass auch in einem für uns auf den ersten Blick unkonstanten Verhalten mit der Zeit eine Art von Konstanz, eine regelmässige Wiederholung bestimmter Verhaltensmuster, auftritt. Es braucht nur viel länger, bis sie zu erkennen sind. Und deshalb braucht es für uns, die wir Konstanz brauchen, länger, bis wir das Vertrauen entwickeln "irgendwann taucht er/sie schon wieder auf". Als reine Freundschaft ohne emotionale Verstrickungen kann das für mich durchaus funktionieren. Aber bei meinem Freund, da funktioniert es für mich nicht wirklich, und das liegt an mir. Im Moment bin ich sowieso an einem Punkt, an dem er mich langsam nur noch nervt mit seiner Unverbindlichkeit.
Liebe Grüsse, auch an allen anderen


regenwetter
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24.02.2011, 09:08
AW: Bester Freund frisch verliebt - ich bin traurig
Guten Morgen ihr lieben hier,
willkommen zurück Sportsfrau! Schön Dich "wiederzulesen".
Danke für den Beitrag.

Liebe Regenwetter,
ja und da sind wir wieder am entscheidenden Punkt......Ich bin zwar keine Anhängerin von "Küchentischpsychologie" und Schubladisierung, aber ich habe schon einiges über Beziehungsängste gelesen und habe die starke Vermutung, dass da bei meinem Freund einiges im Argen liegt. Aber das wäre dann sein Problem, falls es für ihn überhaupt eines darstellt.
Das Erkennen, dass das alles vllcht wirklich SEIN Problem ist - allerdings das entsprechende Verhalten auf DEINER Seite dazu zufinden, ist dann eine Möglichkeit mit der Situation aktiv und vllcht anders umgehen zu können.
Du schreibst, Du willst deinen Freund hier nicht "blosstellen- seine Beziehung nicht sezieren".... Mach doch mal!
Entmystifiziere ihn endlich mal! Mach die Augen auf und schau in sein wahres Gesicht - ohne Wertung - so wie es ist.
Das "Bild" das ich Euch hier von meinem Freund gegeben habe ist sicherlich extrem überzeichnet - aber es entspricht auch der Realität. Es hat mir geholfen, ihn endlich als das zu sehen, was er ist. Und nicht, wie ich es gerne hätte.
Liebe regenwetter, sicherlich habe ich einen subjektiven Eindruck von Dir, wenn ich deine Beiträge lese.
Es ergibt sich für mich vor meinem inneren Auge ein Bild von Dir. Wenn du allgemein schreibst, empfinde ich dich als unabhängige selbstbewusste Frau, die im Leben steht. Erwachsen, klar strukuriert und auch - kontrolliert.
Wenn Du dann über Dich direkt schreibst, entsteht bei mir immer das Gefühl, Du empfindest Dich als nicht wertvoll genug, ein wenig unter deinem Freund stehend, passiv, abwartend. Ein wenig kleines Mädchen, mit innerer Traurigkeit, die einsam ist und geliebt werden will.
Oder bist Du in dem Moment nur traurig darüber, dass Du nicht die Frau für ihn bist, bei der es "WUMS" macht und er alles stehen und liegen lässt, um sich dem - wie Du schreibst dem "Strohfeuer" hinzugeben?
Gefühle kann man nicht kontrollieren, man kann sie fühlen, in all ihren Facetten und dann damit leben.. sonst läuft man in einer Endlosschleife im Kreis.
Und bei Dir und Deinem Freund habe ich oft das Gefühl, es ist genau wie bei uns nur VOR unserer ganzen Geschicht, die ja ausreichend bekannt ist.
Er als Person ist doch mittlerweile eigentlich uninteressant - oder?
Und Du erkennst langsam - da ist irgendwas, etwas das Dich aufwühlt und beschäftigt -vielleicht auch etwas, das Du nicht im Griff hast? Und es fängt an Dich zu nerven, denn wie "vernünftig" Du dich auch verhälst, es ändert sich nicht unbedingt. Dieses Gefühl ist gut - es bewegt sich etwas in Dir.
Dein "Freund/Arbeitskollege" benötigt in seinem Leben wahrscheinlich einfach auch eine "regenwetter" neben seinen "Strohfeuer-Damen".
Und Du denkst im Moment vllcht noch, Du brauchst ab und zu mal ein "strohfeuer" von ihm gegen dein persönliches "regenwetter"?
Liebe Regenwetter - ich glaube auch nicht an Liebe auf den ersten Blick - aber meistens entscheidet es sich innerhalb der ersten Zeit, wie wir füreinander empfinden.
Und bei meinem Freund habe ich von der ersten Woche an, die wir näher miteinander verbracht haben, gemerkt, dass da mehr sein könnte - aber niemals - wirklich niemals geglaubt, dass könnte mal so werden, wie es jetzt ist.....damals war ich auch noch glücklich verheiratet.
Trotzdem spürte ich, dass die Gefühle anders waren. Ich wollte es nicht wahr haben und habe mich auch ein wenig hinter dieser "Freundschaft" versteckt.
Liebe Grüße,
June
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24.02.2011, 10:43
AW: Bester Freund frisch verliebt - ich bin traurig
Ich finde, es hat nichts mit "Küchentischpsychologie" zu tun, wenn man bestimmte Verhaltensmuster bei anderen zu erkennen versucht. Ich habe das nicht nur gelesen, sondern auch therapeutisch über mein und das Verhalten anderer intensiv gesprochen, um erstmal überhaupt zu erkennen, an welchen Punkten des Gegenübers und mir selbst ich mich definitiv aufreibe.
Es ist - wenn man nicht mehr so emotionsgeladen ist - auch wirklich keine Abwertung mehr - dazu neigt man aus einem verletzten Gefühl heraus - , sondern eine eher nüchterne Erkenntnis: Ich kann mit bestimmten Verhaltensmustern umgehen, mit anderen nicht oder nur unter sehr sehr grossen Schwierigkeiten. Und daher schraube ich an meiner Erwartungshaltung aber auch an meinen Grenzen.
@Junebug, genau so ist es.Und es fängt an Dich zu nerven, denn wie "vernünftig" Du dich auch verhälst, es ändert sich nicht unbedingt.
Seit über einem halben Jahr habe ich (haben wir alle) die verschiedensten Handlungsmuster ausprobiert, versucht, Gemeinsamkeiten aufrechtzuerhalten, Abstand zu nehmen, Erwartungen herunterzuschrauben, Wünsche, aber auch Dankbarkeit geäussert...
...hat alles nichts geändert, meinen Kumpel (oder eure) weder zuverlässiger noch interessierter gemacht.
Irgendwann nervt das zu Recht und jeder muss sich dann fragen, meinetwegen auch mal sezieren, was ihm das bringt! Mit der Erkenntnis bin ich übrigens wieder viel gelassener geworden, denn ich erkenne, dass ich nichts mehr weiter tun kann für diese Freundschaft.
Jetzt tu ich was für mich gut ist!
Hat trotzdem Grenzen, ein "irgendwann taucht er/sie schon wieder auf" muss trotzdem eine Basis haben, die auf die Bedürfnisse des anderen auch mal Rücksicht nimmt. Nur warten...bis jemand nach einseitigem Gutdünken einen Kontakt mal wieder braucht...über diese Grenzen steht einiges im Freundschaftsforum.Ich denke, dass auch in einem für uns auf den ersten Blick unkonstanten Verhalten mit der Zeit eine Art von Konstanz, eine regelmässige Wiederholung bestimmter Verhaltensmuster, auftritt. Es braucht nur viel länger, bis sie zu erkennen sind. Und deshalb braucht es für uns, die wir Konstanz brauchen, länger, bis wir das Vertrauen entwickeln "irgendwann taucht er/sie schon wieder auf". Als reine Freundschaft ohne emotionale Verstrickungen kann das für mich durchaus funktionieren.
Bei einem potentiellen Partner funktioniert das überhaupt nicht. Auch dazu kann man hier einiges nachlesen. Bis zu einem gewissen Grad kann man sich an die Bedürfnisse anpassen, aber auch das muss beidseitig sein.Aber bei meinem Freund, da funktioniert es für mich nicht wirklich, und das liegt an mir. Im Moment bin ich sowieso an einem Punkt, an dem er mich langsam nur noch nervt mit seiner Unverbindlichkeit.
Wie meinst du das? Es "liegt an mir"?
Ich finde, das liegt überhaupt nicht an dir!
Und "Schuld" hat auch keiner - die Vorstellungen passen nicht zusammen! Das ist aber für denjenigen schwieriger, der emotional stärker beteiligt ist, und daher "darf" der auch irgendwann mal ausser "verletzt" auch "genervt" sein.
Das brauchts, um drüber wegzukommen!
Geändert von Elwyn (24.02.2011 um 11:03 Uhr)
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24.02.2011, 11:29
AW: Bester Freund frisch verliebt - ich bin traurig
Das empfinde ich ähnlich. Daher habe ich mich auch gefragt, was es ist, was er dir gibt! Du schreibst zwar, dass du die Art "Strohfeuer", die er liebt, nicht magst, aber du würdest dich trotzdem freuen, wenn er - ja, was genau? - tun würde, um dir seine Wertschätzung zu zeigen. Was genau wünscht du dir denn von ihm, wenn er doch "nur" der Strohfeuer-Typ ist? Und eure Vorstellungen von Nähe und Distanz nicht so recht passen wollen? Und welchen Halt gibt er dir?
Gemeinsame Interessen habt ihr zweifellos, aber die kannst du auch alleine oder sogar ohne mühsame Terminfindung mit anderen Menschen erleben (das tust du ja!
) und auch mit ihm als - meinetwegen unzuverlässigem - Nur-Freund.
Ich schreibe das, weil ich versuche, das, was ich an meinem Kumpel so anziehend fand, in mein Leben zu integrieren, etwas mehr selbst zu verwirklichen: seine Motivationskraft, seine spontanen Ideen und seine optimistische, nach aussen immer fröhliche Haltung. Ihm mag anderes fehlen, aber das hat er zweifellos.
Aber das brauch ich doch gar nicht von ihm, das habe ich doch auch - nur zermürbende Kämpfe und Ängste und eine gefühlte Unzulänglichkeit ihm gegenüber hindern mich dran, das wieder ganz klar zu sehen. Bis mir eine Freundin total lapidar und wie selbstverständlich auf den Kopf sagte: Das, was du bei ihm so klasse findest, kannst du doch genauso!
Daher die Frage allgemein, was macht die Faszination an solchen Menschen aus, dass wir glauben, wir hätten das nicht selbst auch ein Stück weit in uns und bräuchten das jetzt von denen?
Genau! "Unter ihm stehend" wrüde ich jetzt vielleicht nicht sagen, aber ich glaube, du hälst dich gefühlt für weniger dynamisch als er und brauchst irgendetwas von ihm, auch als Freund bislang, was dich durchträgt! Wieso? Mit dir kann man Pferde stehlen, du hast diese wunderbaren Interessen und Projekte, aber du wertest dein vernünftiges "Kontrolliert-Sein" innerlich eher ab oder hälst dich für nicht sehr spannend! Das ist die Falle! Vielleicht bist du nur kontrolliert, weil er dich dazu bringt durch seine Unzuverlässigkeit und weil du seine Lücke sozusagen mit Kontrolle "gegenfüllen", "ergänzen" musst, auch bisher in eurer Freundschaft. Und weil du das als starken, noch dazu emotional belastenden Kontrast zu dir erlebst.Wenn Du dann über Dich direkt schreibst, entsteht bei mir immer das Gefühl, Du empfindest Dich als nicht wertvoll genug, ein wenig unter deinem Freund stehend, passiv, abwartend...
...Und Du denkst im Moment vllcht noch, Du brauchst ab und zu mal ein "strohfeuer" von ihm gegen dein persönliches "regenwetter"?
[Mich erinnert das - nur zur Veranschaulichung - an beispielsweise die extrovertierte Freundin im Mittelpunkt und das gefühlte Mauerblümschen an ihrer Seite - wobei letztere sich mit der Zeit schlimmstenfalls noch mehr so "Mauer" fühlt.]
Denk ihn dir mal total weg aus deinem Leben, bist du dann immer noch kontrolliert oder könntest du bei anderen, dir entsprechenden Menschen, die dir den Raum dafür geben, nicht bestimmt genauso dynamisch und emotional sein wie er, ganz ohne sein Zutun? Und noch dazu mit gesunder Kontrolle über dein Leben!
Ui, das war jetzt kompliziert für mich zu schreiben. Ich hoffe, es ist ein Ansatz für dich darin!
Geändert von Elwyn (24.02.2011 um 11:58 Uhr)
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24.02.2011, 21:57
AW: Bester Freund frisch verliebt - ich bin traurig
Liebe June
Weisst du, das mache ich durchaus - für mich allein oder auch im Gespräch mit meinen Freundinnen. Ich würde es auch dir oder den anderen Frauen und Männern hier in einem persönlichen Gespräch erzählen. Es geht mir überhaupt nicht darum, dass ich nichts Schlechtes über ihn denken oder sagen möchte. Aber ich möchte diese Gedanken und auch Details zu den Beziehungen meines Freundes nicht hier öffentlich preisgeben. Denn bei aller Anonymität, man weiss dennoch nie, wer hier mitliest. Vielleicht bin ich ja etwas paranoid?
Und so ganz fair finde ich es auch nicht, hier über ihn abzulästern, wo er sich nicht wehren kann...
Diese Ambivalenz spürst du wohl richtig, sie hat aber nichts mit meinem Freund zu tun. Ich empfinde ihn nicht als "besser" als ich, dieser Gedanke ist mir fremd. Meine gelegentliche Selbstabwertung hat ihre Wurzeln in meiner Teenager-Zeit, wo ich jahrelang die gehänselte Aussenseiterin war. Auch wenn ich das Gefühl der absoluten Wertlosigkeit in den Jahren zwischen 30 und 40 langsam überwunden habe, so gibt es doch hin und wieder Rückfälle. Und so ganz wird man das wohl nie los.
Ich bin eher traurig darüber, dass er in dieser Hinsicht so ist, wie er ist, denn ich möchte auch nicht eines seiner Strohfeuer sein, das rasch verlöscht. Das wäre dann noch viel schlimmer (dann wäre ich wohl in deiner Situation). Ich habe aber auch nicht die Illusion, dass sich das ausgerechnet bei mir ändern würde.
Ich weiss nicht, ob er mich überhaupt braucht. Im Moment spiele ich in seinem Leben eine sehr kleine Rolle. Und es gibt genügend andere Frauen, die ebenfalls eine Rolle in seinem Leben spielen möchten.
Das, was ich am meisten vermisse, sind unsere gemeinsamen Unternehmungen (Wochenenden, Urlaube, Tagesausflüge). Das tun zu können, was Spass macht, und erst noch in Begleitung eines attraktiven Mannes - diese Kombination habe ich bisher nicht wiedergefunden. Ausserdem hat er bei diesen Unternehmungen meist alles organisiert, so dass ich mich zurücklehnen und geniessen konnte. In der Regel bin ich diejenige, die das tun muss, und wenn ich was alleine unternehme, dann sowieso.
Das war bei uns ähnlich, eine grundsätzliche Sympathie zwischen uns war immer da. Aber es hat sich jahrelang nicht ergeben, dass wir uns privat näher kamen, weil wir beiden in festen Beziehungen waren und sich unsere Freizeit in völlig getrennten Bereichen abgespielt hat, vor allem auch geografisch. Und ich hätte mir nie gedacht, dass ich mich einmal in ihn verlieben würde...
Liebe Grüsse
regenwetter
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24.02.2011, 22:24
AW: Bester Freund frisch verliebt - ich bin traurig
Liebe Elwyn
Wenn es um meine eigene Person geht, so mache ich das durchaus. Aber ich habe Hemmungen, Menschen aus meinem Umfeld Dinge wie Beziehungsstörungen, ADS oder was auch immer anzuhängen, nur weil ich irgendwo darüber gelesen habe und das Beschreibene gerade gut auf jemanden zutrifft. Ich habe mich nicht professionell mit diesen Dingen auseinandergesetzt, habe auch keine persönliche Erfahrung mit Therapie und möchte mir das deshalb nicht anmassen. Aber ich habe das überhaupt nicht als Kritik an dir gemeint, deine Auseinandersetzung damit ist sicher viel fundierter.
Das kann meiner Meinung nach nur bei Menschen funktionieren, von denen ich überhaupt nichts erwarte, mich aber freue, wenn sie sich melden. Natürlich gehören die dann nicht zu meinem engsten Beziehungsnetz.
Damit wollte ich ausdrücken, dass ich bei meinem Freund nicht damit klarkomme, weil meine Erwartungen an ihn höher sind als das, was er mir geben kann. Bzw. weil ich überhaupt Erwartungen an ihn habe.
Als potentiellen Partner betrachte ich ihn allerdings nicht (mehr).
Gestern hätte ich an dieser Stelle fast geschrieben, dass er heute garantiert angedackelt kommt und nach einem gemeinsamen Mittagessen fragt. Das macht er nämlich immer genau einen oder zwei Tage nachdem ich mich über ihn zu nerven beginne, weil ich finde, es wäre langsam mal wieder an der Zeit, dass er Initiative zeigt. Ratet mal, was heute passiert ist
Vielleicht erschliesst sich mir langsam sein Rhythmus?
Alles Liebe
regenwetter
-
24.02.2011, 23:14
AW: Bester Freund frisch verliebt - ich bin traurig
Zum Teil habe ich das in meiner Antwort an June schon zu beantworten versucht. Er hat mich dazu gebracht, Seiten an mir wiederzuentdecken, die jahrelang verschüttet waren. Und er hat meine Dynamik nicht gebremst, sondern dadurch, dass er ebenso dynamisch ist wie ich, noch unterstützt.
Er hat mir Halt gegeben, weil er trotz aller Distanz dann für mich da war, wenn ich es gebraucht habe (z.B. indem er mich regelmässig angerufen hat, als eine mir nahestehede Person schwer erkrankt war). Das ist heute nicht mehr so, weil ich ihn nicht mehr zu meinem engen Vertrauten mache.
Motivationskraft, Ideen und nach aussen optimistische Haltung - das trifft auch auf meinen Freund zu und macht ihn allgemein zu einem sehr beliebten Menschen. Allerdings reizt es mich auch, mal hinter die Fassade zu blicken (das lässt er selten zu).
Hm, vermutlich ist manches über ihn oder uns beide etwas falsch rübergekommen.
Emotional ist er nicht, ganz im Gegenteil. Vermutlich sucht er gerade deshalb das Drama?
Ich kannte ihn jahrelang nur als total kontrollierten, verlässlichen, ruhigen, überlegten Menschen, denn so ist er bei der Arbeit. Durchaus mit Charme, Phantasie und Humor, aber nie emotional, laut oder sich in den Vordergrund drängend. Dies hat mich angesprochen, und ich habe mich auch unter dieser Voraussetzung näher auf ihn eingelassen. Sein "sich nicht festlegen wollen" und sein Unabhängigkeitsdrang traten erst zutage, als wir uns schon besser kannten und ihm sein (von ihm vorgegebenes) tempo plötzlich "zu eng" wurde.
Dynamisch und unternehmungslustig sind wir beide, gerade deshalb hatte ich mich so darüber gefreut, jemanden gefunden zu haben, der mit mir mithalten kann.
Wenn ich ihn mir wegdenke, ändert sich wenig, da er nur noch einen verschwindend kleinen Platz in meinem Leben hat. Wir begegnen uns - sofern keiner Urlaub hat - an zwei, wenn es hoch kommt auch mal drei Tagen der Woche bei der Arbeit. Manchmal unterhalten wir uns dann darüber, was wir in der Freizeit erlebt haben, oder diskutieren sonst irgendwas, oft über die Arbeit. Es gibt aber auch Tage, an denen wir uns überhaupt nicht unterhalten. Und so einmal pro Monat gehen wir gemeinsam Mittagessen, aber Mittagspause ist für mich sehr nahe an der Arbeit. Bei der Arbeit bin ich übrigens grundsätzlich kontrolliert, und zwar allen Menschen gegenüber.
Mein Leben hingegen findet vor allem ausserhalb der Arbeit statt (auch wenn ich meine Arbeit liebe). Und dort hat er seit Juni letzten Jahres absolut nichts mehr verloren!
Ich wäre nicht plötzlich ein anderer Mensch, wenn ich keinen Kontakt mehr zu ihm hätte. Hingegen wäre ich ihm gegenüber anders, wenn wir wieder Kontakt ausserhalb der Arbeit hätten (nämlich eben nicht mehr kontrolliert). Das vermisse ich immer noch ein wenig...
So, aber nun muss ich dringend
Gute Nacht!
regenwetter





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