Angeregt durch die Bücher von Alice Miller möchte ich mal unabhängig von meiner persönlichen Situation eine Frage stellen:
Können Menschen, die als Kinder nie geliebt wurden als Erwachsene Euerer Meinung /Euerer Erfahrung nach noch "lieben lernen"?
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Ergebnis 1 bis 10 von 65
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18.07.2010, 00:39Inaktiver User
Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
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18.07.2010, 09:47Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Es werden jetzt vermutlich ganz viele Antworten kommen, die sagen: ja, man kann das lernen.
Vielleicht kann man das auch. Die Frage ist vielleicht eher: wie.
Ich komme jedenfalls nicht aus dem Teufelskreis heraus, dass die Männer, in die ich mich verliebe, mich nicht respektieren und sich nicht um mich kümmern.
Es geht wohl, aber nur sehr schwer.
In erster Linie muss man ja sich selbst lieben. Und die Frage kann ich mir nicht wirklich beantworten. Was soll das sein? Sich selbst zu lieben? Den anderen zu lieben? Auf der Suche nach Antworten kommt man ganz schnell in die Klischeeschleuder: man respektiert dann angeblich die Fehler des anderen und so. Man lächelt, wenn man den "Schatz" am frühen Morgen sieht, wie er einem Tee ans Bett bringt. Man hält zusammen in schweren Zeiten, blablabla.
Mir helfen diese Antworten nicht weiter, und sie verfehlen auch ein bisschen das Ziel der Erklärung, finde ich. Für mich geht es eher um Intensität, um den Austausch, den intensiven Fluss zwischen zwei Menschen.
Ich weiß nicht, ob Dir das weiterhilft, aber es kommen ja hoffentlich noch ein paar konstruktive Beiträge aus dem Forum.
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18.07.2010, 10:55Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
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Geändert von Inaktiver User (18.07.2010 um 19:03 Uhr) Grund: keine
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18.07.2010, 11:18Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Hallo Miss_Mut - toller Nick übrigens! -
Interessante, facettenreiche Frage, die du da stellst!
Interessante Antwort, die Ehrensenff da gegeben hat. (Ehrensenff, schön, dass du da bist! habe deine Posts immer gerne gelesen!) Interessant deswegen, weil sie die Frage nach dem Lernen der Liebe schnurstracks auf auf partnerschaftliche Liebe bezogen hat.
Für mich ist das Lieben eines Partners aber erst der zweite Schritt.
Der erste wäre, sich selbst zuerst einmal lieben zu lernen.
Ja, Binsenweisheit. Ich kann es inzwischen fast selbst nicht mehr hören, weil diese Wahrheit so leicht und selbstverständlich über die Lippen kommt, schon 1000mal gehört ("1000mal is' nix passiert"
) und schon reichlich abgegriffen wirkt.
Aber das ist für mich die große Aufgabe:
Zunächst einmal sich selbst lieben zu lernen, obwohl man eine in dieser Hinsicht defizitäre, schwierige Kindheit hatte.
Und auch ich bin der Meinung ,dass man das schaffen kann. Es ist aber nicht ganz einfach. Es kann sogar verdammt schwierig sein. So schwierig, dass man immer wieder aufgeben möchte.
Und da schließe ich mich Ehrensenff an: Wie, verflixt nochmal, bewerkstelligt man das, sich selbst zu lieben?
Ich glaube, die Antworten, oder vielmehr Vorgehensweisen, hierfür sind genauso facettenreich, wie die Frage selbst und ich kann hier auch nur mal ein paar Körnchen meiner Wahrheit dazulegen.
Aber ich glaube, dass es im Kern darauf ankommt, sich selbst so zu behandeln, wie man z.B. einen Menschen behandeln würde, den man sehr sehr gern hat. Also:
- dieser Person (ihn/sie/mich) mit Verständnis zu begegnen
- zu dieser Person (ihm/ihr/mir) liebevoll zu sein
- aufmerksam zu beobachten, zuzuhören, was diese Person (ihn/sie/mich) macht, was sie ausmacht, wie sie tickt. Also: SICH/MICH SELBST BESSER KENNENZULERNEN
- diese Person aber auch sanft aber bestimmt dazu zu bringen, die eigene Wahrheit zu ergründen, auf einen guten Weg zu kommen
Und weil das alles auf die Dauer sehr schwierig ist, wenn man alleine vor dieser Aufgabe steht, schließlich braucht man Personen und Situationen, die einen selbst spiegeln, um zu lernen, würde ich mir konsequent solche Personen und Situationen suchen.
Personen, das können sein: Therapeut, Coach, Freunde, Menschen mit denen man sich wohlfühlt (obwohl man auch von Menschen, mit denen man sich unwohl fühlt, gespiegelt wird
)
Situationen: d.h., etwas tun, was einen dazu bringt, ganz tief nach der eigenen Energiequelle zu graben, so lange, bis man sie findet. Jeder hat sie nämlich, diese Quelle, leider ist sie oft "nur" verschüttet.
Das kann durch Malerei, Tanz, Gesang, also kurz: Kunst, sein (nicht umsonst gibt es Therapieformen, die mit all'diesen Kunstformen arbeiten) geschehen, das können Aufenthalte in der Natur sein, das kann Sich-mit-Tieren-beschäftigen sein, das kann eine konsequent durchgeführte Sportart sein, das kann Meditation, Gebet, etc. sein.
Und: Auch die Arbeit gehört dazu: Konsequente, ernstgemeinte und ernsthaft durchgeführte Arbeit (siehe z.B "Flow")
Man muss sich also nur etwas aussuchen...
Übrigens interessiere ich mich in diesem Zusammenhang gerade für "Resilienz". Es gibt nämlich Menschen, die es trotz eines sehr schwierigen Lebensstartes schaffen, ihr Leben positiv zu gestalten, sich selbst und ihr Leben anzunehmen. Kennt jemand Literatur dazu?
Einen schönen Sonntag noch!
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18.07.2010, 11:26Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Aus biologischer Sicht ist Liebe eng verknüpft mit der Sexualität, also dem Erhaltungstrieb des Menschen. Aufgrund diverser Faktoren fühlen wir uns zu Menschen hingezogen. Dagegen ist "kein Kraut gewachsen".
Das, was du ansprichst jedoch, ist die Ausgestaltung der auf diese Art entstandenen Beziehung. Und da wird es kompliziert.
Alice Miller hat auch mich inspiriert - und wie
Durch meine Kinder habe ich einen Eindruck davon gewonnen, was Liebe wirklich ist. Das wiederum erst hat mir geholfen zu erkennen, dass ich in genau so einem Dilemma feststecke wie es Ehrensenff hier beschrieben hat, wenn es um die Liebe zu einem Mann geht. Aus diesem Kreislauf bin ich noch nicht heraus, werde es vielleicht nie sein. Doch ich habe es zumindest erkannt!
Wenn Kinder nicht geliebt werden von ihren Bezugspersonen, dann hat das unerhörte Auswirkungen auf die Qualität ihrer späteren erwachsenen Liebesbeziehungen. Und die haben dann mit Liebe des öfteren absolut nichts zu tun.
Schlussendlich meine ich jedoch: JA, Liebe kann das ungeliebte Kind lernen
Schlaflos
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18.07.2010, 11:30Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Tante Wiki kann helfen: Resilienz (Psychologie und verwandte Disziplinen) ? Wikipedia
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18.07.2010, 11:40Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Danke schlaflos!

Hätte ja auch, in letzter Instanz sozusagen, mal bei der Tante angeklopft, aber persönliche Empfehlung/Austausch ist natürlich viiiieeeeel schöner!
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18.07.2010, 20:51Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Hallo Miss_Mut, ich denke, dass jeder Mensch die Liebe in sich trägt, sie muss nur aktiviert werden. Ich wurde als Kind nicht geliebt und mir wurde keine Zuneigung gezeigt oder gegeben. Ich kann lieben und bin in der Lage Liebe anzunehmen. Es war ein langer Weg, aber es geht. Also würde ich deine Frage zu 100% bejahen.
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18.07.2010, 20:58Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
JA, es geht.
der weg ist sehr steinig, aber zu bewältigen.
miss_mut, hast du schon mal eine therapie gemacht, um überhaupt festzustellen, wer du eigentlich bist / wen du da als allererstes mit all seinen facetten an- und ernstnehmen musst?
was genau sind deine schwierigkeiten im umgang mit anderen?
lgS
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18.07.2010, 20:59Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Seewespe hat ihren Beitrag gelöscht.

Schade!


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