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  1. Inaktiver User

    AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Ich bin der Überzeugung, es gibt nicht beliebig viele Arten, Liebe zu zeigen. Man erkennt sie immer. Manchmal leise, manchmal lauter, aber sie ist nie unterdrückend.
    Leda,
    nun rollen bei mir die Tränen, weils genau das ist, was ich bei meinen Kindern gewollt habe. Ich sage bewußt nicht, versucht.
    Die bisherigen Feedbacks, die ich von ihnen bekomme, bestätigen mir, es hat funktioniert.

  2. Inaktiver User

    AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?

    LEDA:
    Also, ich habe verstanden:
    Die Fähigkeit zu lieben ist grundsätzlich in mir, ich muss sie nur leben und zulassen und freilegen. Und die Metapher mit dem Störfeuer finde ich gut. Da kann ich in mich hineinhorchen und –fühlen und mich auf das Wesentliche konzentrieren.

    Ich finde die Fähigkeit zu verdrängen aber grundsätzlich manchmal sinnvoll! (Auch wenn ich so ein Selbstaufklärungsjunkie bin.)
    Und was die Elternschaisze anbelangt, kann die Liebe mit völlig verqueren Vorstellungen vermengt sein, wie man Liebe zu zeigen hat, dass es wirklich schwer zu trennen ist. Angst und mangelnde Eigenliebe spielen da auch eine Rolle, so dass die Eltern möglicherweise in Konflikt geraten zwischen der Liebe zu sich selbst und zu ihren Kindern...?

  3. Inaktiver User

    AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Leda,
    nun rollen bei mir die Tränen, weils genau das ist, was ich bei meinen Kindern gewollt habe. Ich sage bewußt nicht, versucht.
    Die bisherigen Feedbacks, die ich von ihnen bekomme, bestätigen mir, es hat funktioniert.
    Also, im Forum kommst Du auf jeden Fall so rüber, dass Du zu Deinen Gefühlen stehst und darin stark bist und ruhst. Das ist klasse!

  4. Inaktiver User

    AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?

    Danke Ehrensenff.

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    AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?

    Es geht "nur" um die Verfeinerung davon, um die Wahrnehmung, das Zulassen und die Konsequenz: Mit den Gefühlen umzugehen und sie nicht "weghaben" zu wollen. Weder die unangenehmen noch die angenehmen. Sie kommen und gehen sowieso ständig. Und zwar mit den damit verbundenen Gedanken bzw. Automatismen, die man abspult.
    Ja und nein. Das ist es, was ich meinte mit: Wir werden mit der Software geliefert. Für mich ist aber das entscheidende: Wie ist diese Software tatsächlich eingerichtet? Was nützt mir die prinzipielle Fähigkeit zu fühlen, wenn ich meine Gefühle nicht wahrnehme? Es gehört zu den schockierendsten Erfahrungen, die ich im Rahmen meiner Therapie gemacht habe, mir selber einzugestehen, dass ich schlichtweg an den Rand meiner Kraft gekommen bin, einfach nicht mehr konnte - und diese Erschöpfung immer mit Liebeskummer verwechselt habe. Überleg doch mal, wie weit das eigentlich auseinanderliegt, zudem lag der Quell meiner Erschöpfung zuerst im beruflichen Bereich. Ich hab das echt nicht kapiert, dass ich keine Kraft mehr hatte. Ich merke ja auch für mich, wie leer meine Gefühlswelt war - und was im Vergleich heute passiert. Aber das waren bewusste Prozesse von Assoziationen. Und was ist mit Gefühlen wie Respekt, Mitgefühl? Die sind, so habe ich beobachtet, keineswegs ein Automatismus - sondern eng damit verknüpft, ob ich das mir selbst gegenüber empfinden kann.

    Aber eigentlich ist das ja auch bloß eine begriffliche Haarspalterei. Die Antwort auf die Ausgangsfrage lautet in jedem Fall: Es gibt vermutlich keinen Menschen, der tatsächlich genetisch bedingt oder so überhaupt nicht in der Lage ist, zu lieben.

    @ Jolanda

    Ich weiß nicht, ob Kinder automatisch lieben. Aber hier kann ich Dir nur meine eigenen Erfahrungen berichten: Ich lag nachts im Bett und war schon halb eingeschlafen. Da knallte ein Gedanke durch mich: Ich liebe meine Eltern nicht. Ich weiß nicht, woher der plötzlich kam. Ich war in dem Moment hellwach, aber auch erleichtert. Es hat Klick gemacht. Es stimmt nämlich. Ich liebe meine Eltern nicht. Klar, hätte ich das vor zwei Jahren anders gesagt. Vor zwei Jahren war ich aber auch extrem an dem orientiert, was ich gefälligst zu empfinden habe. Inkl. Unnormal-Fühlens, wenn ich die Norm nicht bedienen konnte.

    Meine Eltern haben sich mir niemals gezeigt. Sie wollten mich niemals sehen, ich habe frühzeitig gelernt, ihnen auch nur das zu zeigen, was irgendwie in die Familienfassade passt. Zudem waren meine Eltern so unberechenbar, dass ich ihnen eigentlich niemals vertraut habe, würde ich rückblickend sagen, auch anhand der Verhaltensmuster, die ich ausgeprägt habe. Da war natürlich viel Hoffnung, dass es besser wird, da war auch ganz viel Abhängigkeit. Aber Nähe und Vertrauen gab es nie. Meine Eltern hat das ganz fuchsig gemacht, ich denke, sie haben das genau gespürt, mich für anormal erklärt und ständig etwas von mir abverlangt, was sie im Grunde genommen selbst untergraben haben. Was überhaupt nicht bedeutet, dass es da nicht auch positive Gefühle gab.

    Es gibt übrigens eine für mich sehr einleuchtende Erklärung, warum Kinder aus kaputten Familien so an ihren Eltern festhalten: Ein Kind, das seine Abhängigkeit deutlich spürt, müsste in ständiger Todesangst leben, wäre ihm bewusst, wie unberechenbar seine Eltern sind. Es überwindet die Todesangst, indem es die Schuld auf sich nimmt und die Ursache für das Verhalten der Eltern bei sich sucht. Ich bin schlecht, deshalb reagieren meine Eltern so. Meine Eltern haben mir ihre Ausfälle ausdrücklich als Liebe verkauft. Sie schimpfen nur mit mir, weil ich ihnen nicht egal bin.
    Zurück ist ein Ort, den es nicht gibt.

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    AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?

    Zitat Zitat von Dieclou Beitrag anzeigen
    Ja und nein. Das ist es, was ich meinte mit: Wir werden mit der Software geliefert. Für mich ist aber das entscheidende: Wie ist diese Software tatsächlich eingerichtet? Was nützt mir die prinzipielle Fähigkeit zu fühlen, wenn ich meine Gefühle nicht wahrnehme?
    Naja, wenn Du es schon so vergleichst - die Handhabung einer Software will auch irgendwo gelernt sein



    Ich weiß nicht, ob Kinder automatisch lieben. Aber hier kann ich Dir nur meine eigenen Erfahrungen berichten: Ich lag nachts im Bett und war schon halb eingeschlafen. Da knallte ein Gedanke durch mich: Ich liebe meine Eltern nicht.

    Ich möchte aber wetten, Du warst mindestens 6 Jahre alt - oder ?

    Kinder lieben so lange, bis sie aus der schlechten Erfahrung heraus ihr Herz verschliessen müssen, um sich selber zu schützen.

    Ich denke, ganz tief drinnen gibt es aber trotzdem die Hoffnung nicht auf, die Eltern würden es doch lieben - und das wird dann später häufig auf den Partner übertragen. Diese tiefe Sehnsucht, bedingungslos geliebt zu werden.



    Ich weiß nicht, woher der plötzlich kam.
    Selbstschutz


    Es gibt übrigens eine für mich sehr einleuchtende Erklärung, warum Kinder aus kaputten Familien so an ihren Eltern festhalten: Ein Kind, das seine Abhängigkeit deutlich spürt, müsste in ständiger Todesangst leben, wäre ihm bewusst, wie unberechenbar seine Eltern sind. Es überwindet die Todesangst, indem es die Schuld auf sich nimmt und die Ursache für das Verhalten der Eltern bei sich sucht. Ich bin schlecht, deshalb reagieren meine Eltern so. Meine Eltern haben mir ihre Ausfälle ausdrücklich als Liebe verkauft. Sie schimpfen nur mit mir, weil ich ihnen nicht egal bin.
    So ähnlich läuft das wohl ab, ja, denk ich auch

  7. Inaktiver User

    AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?

    Was für eine Diskussion! Hier wurde inzwischen eigentlich alles geschrieben oder gefragt, was mich zu diesem Thema beschäftigt.

    Ich komme auch immer wieder an den Punkt, dass man es wohl irgendwie erst schaffen muss sich selbst zu akzeptieren, zu mögen und sogar zu lieben, bevor man sich für andere Menschen öffnen kann.

    Die Erfahrung der Liebe zu Kindern, habe ich selbst nicht und ich traue es mir bis jetzt auch nicht zu, da ich ebenfalls Zweifel habe, ob ich meinen Kindern das geben könnte, was meine Eltern mir schon nicht geben konnten und ob ich es schaffe, diesen Funken, diese Glut unter meinem persönlichen Aschehaufen rechtzeitig für mein Kind auszugraben. Denn wenn ich es nicht schaffe, wäre das in meinen Augen ein wirklich schlimmes Verbrechen an diesem Kind und damit möchte ich nicht leben müssen. Vielleicht ist es auch einfach Feigheit, dass ich davor bisher flüchte.

    Meine Eltern waren selbst ungeliebte Kinder, die sich so weit sie es konnten bemühten, mir das zu geben, was sie nicht hatten. Es ist grausam, wenn ich heute trotzdem sage, aber sie konnten mir doch nicht geben, was ich gebraucht hätte. Ich weiß, dass sie sich bemüht haben und dafür respektiere ich sie sehr. Mehr kann man nicht verlangen, als dass Menschen sich bemühen zu tun, was sie können. Heute, als Erwachsene, glaube ich ihnen, dass sie nicht mehr konnten. Trotzdem bin ich keinen Schritt weiter als sie in ihrem Leben gekommen sind. Ich arbeite weiter und lese weiter, auch hier. Danke für die wunderbaren Gedanken!

    Kennt jemand diese Situation: ich stelle fest, dass ich mich am wenigsten mag, wenn ich mit anderen Menschen insbesonder mit einem Partner zusammen bin. Wenn ich alleine bin und "ganz bei mir", dann fühle ich mich im Einklang mit mir und mag mich wirklich so wie ich bin, auch mit meinen Schwächen. Nicht immer, aber die meiste Zeit. Aber wenn mir ein Partner nahe kommt, mag ich mich immer weniger, werde immer kritischer mit mir, unsicherer und unglücklicher und bin dann fast erleichtert, wenn er wieder weg ist, weil ich dann relativ schnell wieder meinen inneren Frieden finde. Ohne ihn. Trotzdem sehne ich mich nach Nähe. Das ist mein Dilemma.

    Ich glaube die meisten meiner Beziehungen sind an Erschöpfung zerbrochen. Es war so anstrengend für mich und irgendwann wollte ich einfach wieder meinen Frieden haben.
    Geändert von Inaktiver User (19.07.2010 um 22:49 Uhr)

  8. Inaktiver User

    AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Kennt jemand diese Situation: ich stelle fest, dass ich mich am wenigsten mag, wenn ich mit anderen Menschen insbesonder mit einem Partner zusammen bin. Wenn ich alleine bin und "ganz bei mir", dann fühle ich mich im Einklang mit mir und mag mich wirklich so wie ich bin, auch mit meinen Schwächen. Nicht immer, aber die meiste Zeit. Aber wenn mir ein Partner nahe kommt, mag ich mich immer weniger, werde immer kritischer mit mir, unsicherer und unglücklicher und bin dann fast erleichtert, wenn er wieder weg ist, weil ich dann relativ schnell wieder meinen inneren Frieden finde. Ohne ihn. Trotzdem sehne ich mich nach Nähe. Das ist mein Dilemma.
    Ja man ist dann im Vergleichen, im Messen mit dem anderen. Der andere spiegelt ja auch die eigenen Empfindungen, die man vielleicht alleine gar nicht so spürt.
    Dann kommt noch ein Batzen Erwartungsdruck und vielleicht auch Verlustangst hinzu und schon entsteht der Druck in einem.

    Diese Nähe auszuhalten ist nicht leicht aber es geht.

  9. Inaktiver User

    AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    In erster Linie muss man ja sich selbst lieben. Und die Frage kann ich mir nicht wirklich beantworten. Was soll das sein? Sich selbst zu lieben? Den anderen zu lieben? Auf der Suche nach Antworten kommt man ganz schnell in die Klischeeschleuder: man respektiert dann angeblich die Fehler des anderen und so. Man lächelt, wenn man den "Schatz" am frühen Morgen sieht, wie er einem Tee ans Bett bringt. Man hält zusammen in schweren Zeiten, blablabla.
    Mir helfen diese Antworten nicht weiter, und sie verfehlen auch ein bisschen das Ziel der Erklärung, finde ich. Für mich geht es eher um Intensität, um den Austausch, den intensiven Fluss zwischen zwei Menschen.
    Ich weiß nicht, ob Dir das weiterhilft, aber es kommen ja hoffentlich noch ein paar konstruktive Beiträge aus dem Forum.
    Dieser Beitrag hat mir sogar ganz besonders geholfen, weil Du endlich auf den Punkt gebracht hast, was ich auch immer wieder erlebe. Diese ganzen Klischees. Natürlich respektiere ich meinen Partner, natürlich unterstütze ich ihn und höre ihm zu, natürlich unternehmen wir vieles zusammen, wir lachen uns an, wir verbringen Zeit zusammen, wir erzählen uns was uns bewegt..und immer ist da dieser Zweifel. Ist das jetzt Liebe? Spiele ich nur "Liebe"? Ist das echt? Spielen wir beide? Muss ich ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber haben oder spielt er mir etwas vor? Ist das nur Vertrautheit? Gewohnheit? Sympathie und Sex? Wie fühlt sich "Liebe" an? Ich weiß es einfach nicht.

  10. Inaktiver User

    AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ja man ist dann im Vergleichen, im Messen mit dem anderen. Der andere spiegelt ja auch die eigenen Empfindungen, die man vielleicht alleine gar nicht so spürt.
    Dann kommt noch ein Batzen Erwartungsdruck und vielleicht auch Verlustangst hinzu und schon entsteht der Druck in einem.
    Du meinst also, diese Empfindungen wie Unsicherheit und Unzufriedenheit sind immer da, man spürt sie nur alleine nicht?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Diese Nähe auszuhalten ist nicht leicht aber es geht.
    Wie?

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