Ja! Auch ungeliebte Kinder können lieben lernen.
Manchmal braucht das seine Zeit und auch vielleicht die eine oder andere Beziehung. Und manchmal vergehen Jahre, Jahrzehnte bis man selber so weit ist, die Liebe die man sucht und der man vielleicht auch schon mehrfach begegnet ist, zuzulassen. Manchmal hat man doll Federn gelassen, sich auf Kämpfe eingelassen mit den falschen Personen, sich emotional nackig gemacht....Aber! es ist möglich. Und für mich ist es ein stückweit "Heilung"...weil ich so sein darf wie ich bin...auch mit meinen Verletzungen und Wunden.
Ich hab mir auch in frühster Jugend geschworen meinen Kindern eine andere, bessere Kindheit zuschenken. Und die Liebe, die ich von beiden zurückbekomme, ist der beste Beweis dafür, dass wir das gut hinbekommen haben.
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Ergebnis 31 bis 40 von 65
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19.07.2010, 13:41
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
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19.07.2010, 13:44
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Kinder müssen nicht lernen, zu lieben. Sie kommen auf die Welt und wissen was Liebe ist - nur rennen sie dann oft mit weit offenen Herzen direkt ins Messer bei ihren Eltern. Und wie Stecher schreibt: die logische Konsequenz ist, sein Herz zu verschliessen, damit man diesen Schmerz nicht mehr fühlen muss.
Und dann muss man es wieder lernen, sein Herz aufzumachen und wirklich zu lieben. Möglich sicher, aber schwer
Das sehe ich nicht so. Das klingt nämlich so, als seien Kinder in der Lage, die einzige, wahre, reine Liebe zu empfinden und wenn Erwachsene das nicht mehr so können, dann sind sie im Laufe ihrer Sozialisation versaut worden. Das übersieht aber fatalerweise, dass die Liebe, die Kinder empfinden und entgegenbringen können, völlig anders funktioniert, als die Liebe erwachsener Menschen.
Das geht schon damit los, dass sich Kinder nicht als eigenständige Wesen wahrnehmen, sondern als mit den Eltern (oder nächsten Bezugspersonen) verbunden im eigentlichen Sinne. Das Kind kann nicht alleine ohne die Eltern sein. Das wäre vernichtend, über die materielle Versorgung hinaus. Das Entdecken der eigenständigen Persönlichkeit passiert ja erst nach und nach im Verlaufe der Jahre. Solange müssen Kinder gespiegelt und von außen gestützt werden. Das sagt ja auch der Begriff "Bezugsperson". Kinder haben kein Selbst, keine ausdifferenzierte Identität. Sie entwickeln diese erst.
Kindliche Liebe hat auch etwas egoistisches. (Kleine) Kinder sind überhaupt nicht in der Lage, ihre Mütter als Wesen mit eigenen Bedürfnissen wahrzunehmen, sondern sie sind darauf angewiesen, zumindest eine zeitlang, dass sich die Mutter um sie dreht. Kindliche Liebe ist auch überhaupt keine bedingungslose Liebe. Sie zielt darauf ab, die Mutter in der zwingend notwenigen Fürsorge zu halten. Dass die Mutter das als angenehm empfindet, hat die Natur ganz wunderbar eingerichtet.
Aber ein erwachsener Mensch kann doch aus dieser Bedürfnislage heraus überhaupt keine normale Beziehung zu einem ebenfalls erwachsenen Menschen aufbauen. Im Extremfall ist das ja die Bedürfnislage von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, die eine Identitätsstörung zur Folge haben. Hierbei muss man natürlich berücksichtigen, dass diese Menschen als erwachsene kognitiv in der Lage sind, andere Menschen bewusst zu manipulieren, was Kinder nicht können. Aber das extreme Auf-Sich-Selbst-Bezogensein, das Nicht-Wahrnehmen der Bedürfnisse anderer, die vage Gefühlslage - das dürfte der normalen und notwendigen Gefühlslage eines Kleinkindes sehr, sehr nahe kommen.
Einem Kind das Ideal der reinen, wahren Liebe überzustülpen ist die Grundlage für emotionalen Missbrauch und muss ein Kind zwangsläufig überfordern. Ich denke nämlich, dass zu dem Schicksal des "ungeliebten" Kindes gehört, dass die natürlichen und notwendigen Egoismen durch die Eltern als dieser reinen, wahren Liebe entgegenstehend gebrandmarkt wurden. Und genau damit haben sie dafür gesorgt, dass die notwendigen Entwicklungsschritte ausgeblieben sind.Geändert von Dieclou (19.07.2010 um 13:51 Uhr)
Zurück ist ein Ort, den es nicht gibt.
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19.07.2010, 14:04Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
@jolanda,
ich zähle mich zu den Menschen, denen die partnerschaftliche Liebe nie richtig gelingt, mein Herz ist eigentlich Gulasch oder wer den Begriff nicht kennt, man kennts auch als Geschnetzteltes.
Und immer wieder, immer wieder gehe ich offen auf den zu, der in mir den Funken entfachen kann, der sich zu Vertrauen und Liebe entwickelt.
Ich liebe immer wirklich, ich weiß nur oft nicht, warum gerade diesen Menschen. Und wenn ich wie so oft, die Liebe dieses Menschen verliere, dann trauere ich fürchterlich, aber ich verliere mich nicht mehr selbst. Denn auch dieser Mensch trägt Spuren von mir in seinem Herzen (ob er will oder nicht)
Auch wenn mein Herz dann wieder zu bluten scheint ohne Ende, es gibt viel mehr Dinge auf der Welt, die genauso liebenswert sind wie ein Partner. Ich muss sie sehen wollen, auch das ist wirklich lieben.
So einfach und doch so schwer.
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19.07.2010, 14:09Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Hallo Ehrensenff,
ich meine damit, dass wir alles grundsätzlich in uns drin "haben" und "können". Wer bei sich ein Defizit von lieben können, geliebt werden, Liebe spüren, feststellt, der "lernt es nicht" in dem er die Liebe / den richtigen Mann / die richtige Frau im Außen sucht.
Mit in uns drin haben, meine ich alles das:
Mit dem Ausgraben meine ich:
Sich selbst besser wahrnehmen zu lernen, die eigene Gefühlssuppe zu hinterfragen und innere Differenzierungen zuzulassen. Die Verdrängung und Aufspaltung aufzulösen.
Nicht nur zu sagen: Ich fühle mich unwohl, das will ich nicht, ich geh jetzt mit lustigen Freunden Eis essen, dann geht's mir besser. Oder: mit PeterMaria fühle ich mich gut, das will ich behalten. Sondern beides anzunehmen und das "Urgefühl" dahinter auszumachen. Irgendwo glimmt da auch die Liebe im eigenen Untergrund vor sich hin. Das ist wohl mit dem zu vergleichen, was Dieclou mit Gefühlsbrei bezeichnet. Ich würde nur nicht wie sie sagen, dass es ums "Fühlen lernen" geht, sondern wie stecher: "Fühlen ist fühlen", das kann man. Es geht "nur" um die Verfeinerung davon, um die Wahrnehmung, das Zulassen und die Konsequenz: Mit den Gefühlen umzugehen und sie nicht "weghaben" zu wollen. Weder die unangenehmen noch die angenehmen. Sie kommen und gehen sowieso ständig. Und zwar mit den damit verbundenen Gedanken bzw. Automatismen, die man abspult.
Wobei ich grundsätzlich zwischen z.B. Wut, Neid, Hass, Freude, Stolz etc ... UND Liebe unterscheide. Liebe geht für mich über ein Gefühl hinaus, sie ist für mich mit einer Grundhaltung verbunden. Ich kann jemanden lieben und gleichzeitig wütend auf ihn sein.
Diese Grundhaltung ist für mich jedoch mehr als ein "heute stelle ich mir mal vor, ich bin ein liebender Mensch und dann wird das schon". Es ist schon mit üben verbunden, weil immer wieder Störfeuer allerlei Empfindungen dazwischen kommen. Dieses "Üben" würde ich umschreiben mit: das ist "die Liebe frei zu legen". Nicht mit: "lieben zu lernen". Es geht dabei nicht um eine völlig neue Fremdsprache.
Für mich sind das vor allem innere Prozesse.
Es hilft natürlich, Kinder oder Partner im Außen zu haben, denen man gegenüber "sehr viel empfindet". Oder Tiere. Was davon "Liebe empfinden" und "Liebe empfangen" ist, gilt es im Innen herauszufinden und von den Störfeuern - z.B. Verlustangst zu befreien. Dann hat man nicht nur ein ambivalentes Gesamtgefühl, sondern spürt beides und kann beides annehmen: "Ich liebe UND manchmal habe ich Verlustangst". Oder: "Ich liebe UND mir wird die Nähe oft zuviel".
Man kann so auf der Basis der Liebe mit den anderen Dingen umgehen und muss nicht wild um sich schlagen und z.B. aus eigener Verletztheit den anderen wegstoßen und auch verletzen. Deshalb bin ich ja der festen Überzeugung:
Liebe macht gelassen, frei und stark und sie schmerzt nie.
Wenn Liebe schmerzt, ist es z.B. Liebe UND Sehnsucht.
Oder Liebe UND Verletzung. Manchmal ist es auch nur Sehnsucht oder nur Verletzung und wir meinen, das sei Liebe.Geändert von Inaktiver User (19.07.2010 um 14:14 Uhr)
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19.07.2010, 14:15
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Nicht ganz das, was ich geschrieben habe, aber ungefähr, ja.
Das übersieht aber fatalerweise, dass die Liebe, die Kinder empfinden und entgegenbringen können, völlig anders funktioniert, als die Liebe erwachsener Menschen.
Völlig richtig. Und wenn man als Kind nicht die Erfahrung macht, dass man immer und unter allen Umständen (bedingungslos) geliebt wird, geht was kaputt und die "normale Weiterentwicklung" ist nicht möglich. Die Entwicklung hin zum liebenden Erwachsenen funktioniert dann nicht. Wir lernen häufig, daß wir nur geliebt werden, wenn wir Bedingungen erfüllen, Wenn wir "brav" sind.
Der Erwachsene sollte frei von jeder Bedürftigkeit lieben können. Oft lieben wir aber immer noch als das bedürftige, liebeshungrige Kind in uns. Und das kann in einer "erwachsenen" Partnerschaft nicht funktionieren.

Genau wegen dieser Abhängigkeit ist es so schrecklich, wenn ein Kind die Erfahrung macht, daß es nur "unter bestimmten Bedingungen" geliebt wird. Es lernt: so wie ich bin, bin ich nicht richtig, nicht gut genug, nicht liebenswert. Und es wird sein Leben lang Selbstwertprobleme haben und versuchen, sich Liebe durch "Wohlverhalten" zu "erkaufen". So funktioniert Liebe aber eben nicht.Das Kind kann nicht alleine ohne die Eltern sein. Das wäre vernichtend, über die materielle Versorgung hinaus.
Jein. Selbst Kinder, die misshandelt werden, "lieben" ihre Eltern. Es bleibt ihnen halt auch keine Wahl, da sie abhängig sind. Schon klar.Kindliche Liebe ist auch überhaupt keine bedingungslose Liebe.
Aber sie lieben. So wie sie es als Kinder können. Und verlernen es nach und nach, anstatt es weiterzuentwickeln. In eine erwachsene, unabhängige Liebe.
Da sind wir uns ja einigAber ein erwachsener Mensch kann doch aus dieser Bedürfnislage heraus überhaupt keine normale Beziehung zu einem ebenfalls erwachsenen Menschen aufbauen.

Ich denke nämlich, dass zu dem Schicksal des "ungeliebten" Kindes gehört, dass die natürlichen und notwendigen Egoismen durch die Eltern als dieser reinen, wahren Liebe entgegenstehend gebrandmarkt wurden. Und genau damit haben sie dafür gesorgt, dass die notwendigen Entwicklungsschritte ausgeblieben sind.
ah - ich merk grad, ich hab Dich wohl falsch verstanden
Ganz genau. Auch wenn ich es noch ein wenig anders ausdrücken würde.
Dir fehlt nur ein ganz kleines Quentchen, um zu verstehen, wie ich es mein.
Kinder lieben. Eine bedingungslose göttliche Liebe. Das heißt nicht, daß sie perfekt sind oder perfekt sein müssen. Oder sich perfekt verhalten müssen.
Daß sie auch "schlechte" Gefühle haben, wie Wut, Trauer, etc. beeinträchtigt diese Liebe nicht (so wie Leda es auch beschreibt). Aber die Erwachsenen sprechen ihnen diese Gefühle "ab". Weil "man" ja nicht zornig sein darf. Vor allem den "gesunden" Egoismus. Der ist ja nun gar nicht erlaubt. Und ja, das ist falsch. Klar muss ein Kind ein paar Regeln lernen. Sich in der Familie und der Gesellschaft "integrieren". Aber die lernt es auch, wenn man die eigene Liebe zum Kind nicht ständig an Bedingungen knüpft, man ihm nicht ständig seine Gefühle für falsch erklärt.
Auch so Aussagen wie "Du musst Dich doch nicht fürchten" ..... Das Kind fürchtet sich. Aus irgendeinem Grund. Wenn nun die erwachsene Bezugsperson dem Kind dieses Gefühl nur abspricht, womöglich noch ungeduldig wird, lernt es wieder: ich bin falsch. ich muss besser werden. Ich darf mich nicht fürchten.
Gäbe noch gaaanz viele Beispiele dazu. Manche Dinge richten wenig Schaden an, andere sehr viel
Geändert von Jolanda_40 (19.07.2010 um 15:47 Uhr)
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19.07.2010, 14:30
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19.07.2010, 15:24Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Liebe Leda,
ich habe Deinen Beitrag gelesen, ich kann nur nicht darauf antworten. Deshalb lege ich ihn mal zur Seite und lass' ihn in mir arbeiten.
Vielen großen Dank dafür!
Ehrensenff
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19.07.2010, 18:33Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?

Bitte, gerne.
Biste jetzt komplett verwirrt?
Ich füge noch mal was an, was mir nicht aus dem Kopf geht, es ist ein Satz, der so ähnlich öfter fällt, wenn sich ehemals ungeliebt gefühlte Kinder über ihre Eltern äußern, auch hier im Forum: Meine Eltern haben mich durchaus geliebt, eben auf ihre Art.
Mir gefällt dieser Satz überhaupt nicht, da bekomme ich sehr zweifelnde Fragezeichen ins Gesicht. Ich will nicht ausschließen, dass Eltern ihre Kinder lieben UND gleichzeitig missachten / misshandeln etc. können.
Aber ich würde nie behaupten, dass die schlechte Behandlung durch Eltern deren besondere Art ist, ihrem Kind ihre Liebe zu zeigen oder gar "nur das Beste für das Kind zu wollen".
Das schwingt mir aber bei diesem Satz immer mit.
Liebe zeigen ist Liebe zeigen. Da gibt es für mich kein Vertun.
Wer seine Kinder missachtet / schlägt (oder Schlimmeres) der zeigt keine Liebe, der zeigt ... eine Menge anderes ... Überforderung / Wut / Verzweiflung / Angst / sonstige Missempfindungen / Übertragungen ... was auch immer. Aber Liebe ist das für mich nicht.
Es mag auch Liebe da sein, aber dann eine sehr klein glimmende und eine sehr ungerichtete Liebe, die von der, für mich, damit verbundenen Grundhaltung sehr abweicht.
Ich bin der Überzeugung, es gibt nicht beliebig viele Arten, Liebe zu zeigen. Man erkennt sie immer. Manchmal leise, manchmal lauter, aber sie ist nie unterdrückend.
Was ich verstehe, ist:
Als Kind liebt man erstmal.
Und später ist es unvorstellbar in einem nicht liebenden Umfeld aufgewachsen zu sein. Sondern in einem gleichgültigen oder gar gewalttätigen. So will man seinen Stall nicht bezeichnen.
Ich denke aber, genau so ist es oft und nicht anders.
- Wieso sollten ausgerechnet die Eltern, deren Kinder sich später fragen ob sie als Erwachsene noch lieben lernen können liebender gewesen sein als die Fragenden?
Manche Menschen tun es einfach nicht.
Obwohl sie die grundsätzliche Fähigkeit dazu hätten und sich selbst genau danach sehnen.
(Das sind meine Überzeugungen)
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19.07.2010, 18:57Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Mich wundert das nicht, man müsste sich ehrlich eingestehen, dass die "liebenden" Eltern einen überhaupt nicht geliebt haben zumindest nicht in den Situationen wo man misshandelt und missbraucht wurde.
Dieses sich eingestehen reisst eine tiefe Wunde auf, die man sorgsam hinter diesen verständlichen Entschuldigungen versteckt hat.
Und sie stellt ein komplettes Wertesystem in Frage an dem man sich bisher orientiert hatte. Das Ego suggeriert einem, dass man sich den Boden unter den Füssen wegziehen würde und dann ins bodenlose fallen.
Ja ich kanns verstehen wenn man das schützen will!Geändert von Inaktiver User (19.07.2010 um 19:03 Uhr)
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19.07.2010, 19:19


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