Oder er wurde sogar ins Gegenteil verkehrt.
Angenommen ein Kind wird immer mit einem Gutenachtkuss ins Bett gebracht. Das Kind hat an einem Abend einen Wutausbruch und wird mit Liebesentzug bestraft, indem es keinen Gutenachtkuss von der Mutter bekommt. Was meint ihr wird sich in diesem Kind verfestigen? Was wenn es öfter geschieht wird in späteren Partnerschaften passieren?
Ich glaube, dass fühlen fühlen ist und die Bedingung darstellt für die Liebe für das eingehen auf einen anderen Menschen. Und zwar jenseits von Bedürftigkeit von ungestillten Gefühlen und Mangelzuständen, die man dem Partner aufbürdet für einen zu efüllen und der das niemals erfüllen kann.Ich würde also sagen: Lieben lernen bedeutet nichts anderes, als fühlen lernen und das ist ein völlig normaler Schritt in der Entwicklung, den viele Menschen machen. Und manche, in ungünstigen Familienkonstellationen, eben nicht. Aber LERNEN kann das tatsächlich jeder. Und auch später noch.
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19.07.2010, 07:12Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
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19.07.2010, 07:45
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Das ist meiner Ansicht nach nichts als eine Schutzbehauptung, um nicht vor sich selber und anderen wie ein armes Würstchen dazustehen.
Vor allem Männer sagen das und tun so, als seien sie noch stolz darauf, alles heldenhaft überwunden zu haben.
Frauen sind viel ehrlicher.
Groß werden Menschen unter den beschissensten Bedingungen, das hat gar nichts zu sagen.Ja ist schon bemerkenswert wenn man sowas selbstverständliches erwähnen muss in unserem Kulturkreis, dass man trotz Misshandlung "gross" geworden ist und nicht gleich daran gestorben wäre.
Ich habe es gerade mit einem Mann zu tun, der auch Lieblosigkeit und Schläge überwunden hat und so tut, als sei er stolz darauf, weil er glaubt, dadurch sehr widerstandsfähig geworden zu sein.
Es ist nicht einfach mit ihm, aber das merkt er gar nicht.
Kiss
Zeit ist das, was verhindert, dass alles auf einmal passiert.
John A. Wheeler
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19.07.2010, 08:22Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Bin da ganz Deiner Meinung, die Schutzbehauptung muss auch sein, weil der Schmerz so gross ist.
Was soll man auch machen ausser Verdrängung und Abspaltung?Groß werden Menschen unter den beschissensten Bedingungen, das hat gar nichts zu sagen.
Ich habe es gerade mit einem Mann zu tun, der auch Lieblosigkeit und Schläge überwunden hat und so tut, als sei er stolz darauf, weil er glaubt, dadurch sehr widerstandsfähig geworden zu sein.
Es ist nicht einfach mit ihm, aber das merkt er gar nicht.
(rhetorische Frage von mir
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19.07.2010, 08:48
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Ich wüde die Fragestellung aufteilen.
Sich selber lieben lernen: ist das Schwierigste was ich bisher in meinem Leben lernen muß. Das schaffe ich nicht ohne Hilfe. Dafür sind die Verletzungen der Kindheit zu tief.
Meine Kinder lieben lernen:Die Liebe kam ganz von selber und hat mich schier umgehauen. Diese Bedingungslosigkeit auf beiden Seiten macht mich immer wieder (bewußt)glücklich.
Die Liebe zum Partner:Ihn zu lieben war sehr einfach, seine Liebe zuzulassen eine ganz andere Kiste. Die ersten Monate waren geprägt von innerlichem Infragestellen der Liebe zu mir. Ich habe ihn *getestet*. Von außen betrachtet voll blöd, für mich notwendig. Die Liebe zu ihm berührt meine innerste Seele und basiert auf größtmöglichem Vertrauen.
Leider gibt es immer noch einen Teil in mir, der glaubt, nicht liebenswert zu sein und das ich für Liebe Leistung bringen muß. Ich arbeite daran...simplemind
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Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte
George Bernhard Shaw
4.6.18

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19.07.2010, 09:21Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Für mich stellt sich dabei die Frage, was die Definition von Liebe ist. Ich denke, die Fähigkeit zu lieben haben fast alle Menschen, unabhängig von Kindheitserlebnissen.
Wieweit man diese Liebe dann leben kann bzw. wie die Ausprägung ist, das ist eine andere Sache.
Bei mir hat sich durch meine Kindheit der Leistungsgedanke (wie von Stecher beschrieben) eingebrannt. Zudem habe ich ein sehr starkes Bedürfnis nach Selbstschutz und nach Abgrenzung, welches ich erst mit den Jahren halbwegs zu regulieren gelernt habe.
Trotz dieser „Behinderungen“ kann ich Liebe empfinden. Aber meine Art, die Liebe zu zeigen und mich darauf einzulassen ist geprägt von meiner Vorgeschichte. Und zu einem gewissen Grad wird das wohl auch so bleiben, trotz Therapie und Aufarbeitung.
Was man glaube ich nicht lernen kann ist dieses Grundvertrauen, was einem die Liebe der Eltern eigentlich mitgeben sollte. Man kann das (je nach Persönlichkeitsstruktur) kompensieren, aber man wird es nie erleben.
Besonders schwierig ist für mich das Thema Liebe im Bezug auf (im Moment noch nicht vorhandene) eigene Kinder. Die Angst, die Fehler meiner Eltern zu wiederholen und ein eigenes Kind nicht lieben zu können sitzt sehr tief.
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19.07.2010, 09:40
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Ich hatte auch furchtbare Angst vor dem "Nichtliebenkönnen" meiner Kinder.
Sie haben es mir beigebracht
Durch Wärme;Blicke,Körperkontakt, ihr Dasein.
Die Angst, Fehler der Eltern zu wiederholen ist sehr gering; du hast dich intensiv damit auseinandergesetzt uns wirst alles tun um alles anders zu machen.
Das bedeutet allerdings nicht, das du keine Fehler machen wirst; aber wenn Eltern sich auseinandersetzen und ihr Verhalten reflektieren ist eine gesunde Basis da.simplemind
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Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte
George Bernhard Shaw
4.6.18

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19.07.2010, 09:52Inaktiver User
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
@tamta,
würde es dir helfen, wenn ich dir sage, dass der Wille es anders zu machen, schon der erste Weg dahin ist?
Ich habe meine Kinder ganz bewußt in vielen Dingen anders erzogen/behandelt als mir das als Kind angedieh.
Meine Eltern lieben mich, gar keine Frage, aber sie hatten auch ein Bild, wie ihre Kinder sein sollten und keinen Grad bitte davon abweichen, sonst...
Ich gehöre also auch zu denen, die Leistung gegen Liebe geben. (Aber meine Eltern sind auch nicht anders erzogen worden)
Mit dem Resultat, ich wusste bereits als Teenager, so wirst du deine Kinder niemals erziehen.
Meine Kinder sind heut Anfang 20, auch sie sind so geworden, wie ich es mir heimlich gewünscht habe.
Aber sie haben vieles selber entscheiden dürfen.
Vielleicht ist mir das mit der Erziehung aber auch leichter gefallen, weil ich 18 Jahre lang alleinerziehend war?
Ich konnte meinen Stiefel fahren, musste mich mit niemandem täglich auseinandersetzen, ob das nun richtig oder falsch war. Es gibt einen Erziehuingsratgeber mit dem Titel: "Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen"
er war viele Jahre mein Handbuch.
Ich liebe meine Kinder über alles, wenn mich jemand nach dem Sinn meines Lebens fragt, dann kann ich aus vollem Herzen antworten: meine Kinder.
Dabei bin ich immer eine vollzeitberufstätige Mutter gewesen ohne Kinderfrau und Haushaltshilfe und eher keine Glucke.
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19.07.2010, 10:26
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Kinder müssen nicht lernen, zu lieben. Sie kommen auf die Welt und wissen was Liebe ist - nur rennen sie dann oft mit weit offenen Herzen direkt ins Messer bei ihren Eltern. Und wie Stecher schreibt: die logische Konsequenz ist, sein Herz zu verschliessen, damit man diesen Schmerz nicht mehr fühlen muss.
Und dann muss man es wieder lernen, sein Herz aufzumachen und wirklich zu lieben. Möglich sicher, aber schwer
*seufz*
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19.07.2010, 12:47Inaktiver User
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19.07.2010, 13:03
AW: Können ungeliebte Kinder "lieben lernen"?
Ich kann deine Angst verstehen. Aus meiner damaligen Angst habe ich damals Erziehungsberatung und Therapie gemacht, um fit zu werden, damit ich mein Kind anders, viel liebevoller erziehe als meine Mutter es bei mir gemacht hat und heute noch mit mir umgeht.
Meine Angst hat mich beflügelt, mich mit dem ganzen Thema mehr auseianderzusetzen und mir beibringen zu lassen, was richtig ist und was nicht. Der mühevolle Weg hat sich gelohnt.
Die Theorie, die ich lernen durfte, hat mir gezeigt, dass ich eigentlich ganz i.O. bin und das Herz auf dem rechten Fleck habe und ich instinktiv wusste, wie es richtig ist. Ich konnte es bloss damals nicht richtig fassen bzw. begreifen und war sehr verunsichert.
Also, Angst kann nicht nur bremsen, behindern oder anders negativ besetzt sein, es kommt auch darauf an, wie man mit der Angst umgeht und ob man Angst nicht als Motor nehmen könnte, um zu lernen
?
Übrigens, ich lerne heute immer noch dazu, schon allein durch die vielen guten Beiträge hier.
Wildblume



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