Vielleicht kann mich jemand verstehen?!?
Als ich 20 Jahre alt war, starb meine Mutter. Wir hatten früher ein sehr angespanntes Verhältnis. Sie war Alkoholikerin und starb auch an dieser verhängnisvollen Krankheit. Die Jahre vorher waren geprägt durch Bestrafungen, Verbote, Forderungen...ihre Launen. Eine Kindheit, Teenagerzeit, die man sich eigentlich anders vorstellt.
Seit einigen Jahren fehlt mir EINE Mutter. Ich schreibe EINE, weil ich damit nicht wirklich meine Mutter meine. Ich weiss, dass klingt irgendwie grausam aber auch nach 20 Jahren hadere ich noch mit meiner Mutter und doch fehlt mir EINE.
Jemanden mit dem Du reden kannst, der sich über seine Enkel freut, den man anrufen kann und fragen kann, "Na Mutsch wie geht es Dir heute, was machst Du so, wann kommst Du uns wieder besuchen?" oder ähnliche Dinge.
Nach so vielen Jahren bin ich sehr traurig darüber, keine Mutter zu haben.
Ich habe eine tolle Familie, ich verstehe mich gut mit meiner kleinen Schwester oder auch mit meinem jüngeren Bruder. Ich hab eine Schwiegermutter, die sehr nett ist, die aber sehr ihr eigenes Leben lebt und nicht wirklich eine enge Beziehung zu ihren beiden Söhnen hat.
Mein Vater, den ich sehr geliebt habe, lebt nun auch schon seit 3 Jahren nicht mehr.
Ich beneide meine Freundinnen, um ihr gutes und vertrauenvolles Verhältnis zu ihren Eltern. Sie haben nahe Vertraute, die sie um Rat fragen können, mit denen sie schöne Momente erleben dürfen.
Mir fehlt das, je älter ich werde immer mehr. Ich habe Momente, da spüre ich sehr viel Traurigkeit und auch Sehnsucht nach solch einer vertrauten Person.
Geht es jemandem vielleicht ähnlich?
LG dreamfly
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13.07.2010, 15:53
Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
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13.07.2010, 21:20Inaktiver User
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
Hallo Dreamfly,
was meinst Du genau, wenn Du sagst, Dir fehlt die Mutter?
1. Fehlt Dir (Bluts-)Verwandtschaft?
Ein wenig Querlesen hier im Forum zeigt Dir, dass das keine Garantie dafür ist, ein gutes Verhältnis zueinander zu haben. Und es ist doch sehr schön, dass Du Dich mit Deinen Geschwistern gut verstehst! Vielleicht habt ihr auch die Möglichkeit, mal über Eure Mutter zu sprechen? Wie haben Deine Geschwister die Familiensituation erfahren?
2. Fehlt Dir das Bemuttert-werden?
So hart es klingt, aber Deine Mutter ist tot. Sie war Dir in dem Sinne keine Mutter, dass sie Dich bemuttert hat, Dir Geborgenheit, Schutz, Nähe und bedingungslose Liebe gegeben hat. All diese Erfahrungen fehlen Dir wahrscheinlich zu einem großen Teil. Und so hart auch das klingt: Es wird Dir niemand ersetzen können. Du kannst nur eins machen: Dir bewusst machen, woran es Dir durch diese Situation gemangelt hat, und genau darauf aufpassen. Sei wachsam, wenn Du beispielsweise Verantwortung für jemanden anderen übernehmen willst - wie Du es vielleicht bei Deiner Mutter getan hast, weil ihre Alkoholkrankheit verhindert hat, dass sie ihre Verantwortung übernimmt. Sei wachsam, wenn Du beispielsweise Deine Bedürfnisse zurücknimmst - wie Du es vielleicht tun musstest, um Dich um Deine Mutter zu kümmern. Etc.pp.
3. Fehlt Dir Vertrautheit?
Was ist mit Freunden? Was mit Deinem Partner? Wo erlebst Du Vertrautheit und Nähe? Wo lässt Du sie zu?
Oder ist es noch etwas ganz anderes?
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13.07.2010, 22:03Inaktiver User
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
liebe dreamfly,
dein post hat mich sehr berührt und an meine jugendfreundin erinnert. bei ihr war es nicht die mutter sondern der vater der gefehlt hat, auch er alkoholkrank (nicht agressiv) - er war halt einfach nie da für sie.
als er im krankenhaus war - kurz vor seinem tod - haben die zwei sich ausgesprochen und er hat bitterlich geweint - denn auch er wußte um seine versäumnisse - er war sich , dem alkohol einfach ausgeliefert. die zwei hatten glücklicherweise die chance sich auszusöhnen. das nahm nicht die "ohnevaterzeit" weg, aber es hat ihr geholfen, ihn zu verstehen und ihn auch als vater zu sehen - nicht vollkommen- nicht perfekt - aber ein mensch mit gefühlen und lastern. sie konnte sich aussöhnen.
Kannst du nicht versuchen, mit deiner mutter ein zwiegespräch zu führen - in deinen gedanken - vll. war es für sie ähnlich.
der vater meiner freundin hatte sich auch sehr geschämt und sich auch daher schon sehr abgeschottet. der bruder meiner freundin hadert heute noch mit seinem verstorbenen vater.
weißt du, du hast natürlich eine mutter -wenn die auch nicht so war, wie dus dir gewünscht hast und es kanntest von deinen freundinnnen - aber es war deine mutter!!!, die dich als kleine maus gefüttert und gewickelt hat und deine ersten schritte beobachtet hat usw. vergess das nicht.
weißt du, warum deine mutter sich in den alkolhol geflüchtet hat - wie war die ehe deiner eltern (ich möcht dir aber nicht zu nahe treten) - oft sieht man als kind diese dinge nicht und später auch nicht.
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13.07.2010, 22:18
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
Liebe dreamfly,
lies mal im Strang "schwierige Mutter". Da wirst Du sehen, wie viele Töchter unter ihrer Mutter leiden. Auch wenn sie schon sehr erwachsen sind.
Wie sehr hätte ich mir auch eine M u t t e r gewünscht.
Aber ich weiß, dass das in diesem Leben nicht mehr passieren wird. Auch wenn meine Mutter noch lebt.
Und manches, was Du neidvoll ansiehst, ist ein Abhängigkeitsverhältnis und schaut nur von außen so prima aus.
Da heißt es nur, darauf achten, dass es einem selbst besser gelingt.
Alles Liebe
angie
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14.07.2010, 11:37
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
Hallo,
erst einmal vielen Dank für eure Antworten.
Gefühle sind manchmal so schwer zu beschreiben!
Mir fehlt die elterliche Geborgenheit, die Vertrautheit, das sich Kümmern um den anderen. Eigentlich hatte ich all das seit meiner frühsten Kindheit nicht mehr wirklich.
Meine Eltern liessen sich scheiden als ich 10 Jahre alt war. Mein Vater war fremd gegangen, konnte sich aber lange Zeit weder für meine Mutter, noch für die andere Frau ( meine spätere Stiefmutter) entscheiden.
Ich weiss sicher, dass das für meine Mutter eine schwierige Situation war aber ich weiss auch aus eigener Erfahrung dass zu einer kaputten Ehe halt immer 2 Menschen gehören.
Ich will nicht rechtfertigen, dass mein Vater nicht treu war aber meine Mutter war immer eine sehr streitbare Frau. Jeden Tag hat es irgendwelchen Zoff gegeben, den auch wir Kinder oft ausbaden mussten. (Alles im Detail zu beschreiben würde hier den Rahmen sprengen.)
Ich weiss nicht genau, wann sie angefangen hat zu trinken, ich weiss nur, dass sie das lange Jahre tat und dass das unser Leben sehr bestimmt hat. Ich hatte nicht die Möglichkeit über all das mit ihr zu sprechen, weil sie es bis zum Schluss noch geleugnet hat. Sie starb auch sehr plötzlich, nur wir Kinder wussten wirklich wie es um sie steht, wir konnten und sollten es ihr auf Wunsch des Arztes nicht sagen.
Jetzt nach so vielen Jahren, hab ich schon einen Weg gefunden nicht mehr allzuoft darüber nach zudenken. Das Schlimme für mich ist halt auch, dass ich in Verbindung mit ihr, mich nur an negative Erlebnisse in meiner Kindheit erinnere. All die schönen Sachen, die es sicherlich auch gab, sind irgendwo vergraben.
In Verbindung mit meinem Vater hab ich viele schöne Erinnerungen, an die ich heute sehr gern zurück denke.
Mein Vater war lange Jahre krank, er hatte Darmkrebs...allerdings trank er auch sehr viel und über eine sehr lange Zeit. Aber er war trotzdessen soweit er konnte da.....und er war vorallem nie aggressiv gegen uns Kinder. Sein Tod war für mich sehr schmerzlich, bei ihm habe ich sehr lange getrauert und tue das auch heute noch.
So schlimm es auch klingt, bei meiner Mutter war es eher Erleichterung, das das Ganze ein Ende hatte. SIE fehlt mir auch nicht.
Vielleicht ist es deshalb auch so, dass mir EINE Mutter fehlt. Weil ich eigentlich nie wirklich eine richtige Mutter hatte, zumindest fühlt sich das für mich so an. Die schönen Erinnerungen an sie, gibt es so gut wie garnicht.
Mit meinen Geschwistern rede ich schon darüber aber jeder hat das Ganze auch zum Teil sehr subjektiv für sich erlebt. Eigentlich sind wir auch 4 Geschwister aber zu meiner grossen Schwester haben wir anderen alle keinen Kontakt.
Ich rede natürlich auch mit meinem Mann darüber, weil ihn auch interessiert wie ich aufgewachsen bin. Bei ihm spüre ich natürlich auch eine grosse Geborgenheit....aber es ist trotzdem etwas anderes.
Ich erlebe oft das innige Verhältnis einer meiner besten Freundinnen zu ihrer Mutter, sie sehen sich oft, obwohl sie in verschiedenen Städten wohnen, sie gehen ins Theater, feiern Familienfeste, gehen zusammen shoppen...etc.
Meine andere Freundin fährt mit ihrer Tochter so oft es geht "nach Hause" und verbringt dort Zeit mit ihren Eltern, sie sind an allen Feiertagen zusammen.
Wir als Familie...sind mein Mann und ich, meine Tochter, mein Sohn und seine beiden Kinder aus erster Ehe (die bei der Mutter leben..uns aber öfter besuchen). Meine Kinder sind schon erwachsen und führen fast ihr eigenes Leben. Meine Tochter wohnt noch bei uns, ist aber gerade dabei aus dem Nest zuflattern, mein Sohn lebt bei meinem Exmann, wir sehen uns aber oft.
Mein Bruder ist ca 2mal im Jahr bei uns, meine Schwester eher selten. Sie wohnen beide weit weg aber wir telefonieren regelmässig.
Ich bin sehr dankbar für meine Patchworkfamilie. Und ich bin auch stolz darauf zu meinen Kindern ein sehr gutes Verhältnis zu haben.
ABER! und da sind sie die Gefühle...das mir trotzdem etwas fehlt. Es ist so schwer das zu beschreiben.
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14.07.2010, 12:33Inaktiver User
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
Ohne, dass ich weitere Beiträge hier gelesen habe.
Den Austausch mit der TE kann nur jemand führen, der ebenfalls keine Mutter mehr hat.
Was einem fehlt? Egal, in welchem Alter man seine Mutter verloren hat. Egal, wie die Mutter gewesen ist.
Man ist kein Kind mehr!
Auch, wenn Dreamflys Mutter nicht einigen Vorstellungen einer Mutter entspricht, auch sie hat ihr Kind geliebt und das wird Dreamfly gespürt haben. Und wenn es nur die Erinnerungen an die guten Zeiten sind. Wenn die Mutter sie in den Arm genommen hat, der Duft von ihrem Haar, das Gefühl ihrer Brust, wenn man sich in den Arm genommen hat.
Geborgenheit....
Liebe Dreamfly,
ich habe meine Mutter auch früh verloren, nicht so früh, wie Du. Ich hatte selbst schon ein Kind, aber ich bin fast daran verzweifelt, dass ich keine Mutter mehr habe.
Ich habe geweint vor Trauer und auch vor Wut auf meine Mutter, dass sie einfach gegangen ist. Während einer Autofahrt habe ich diese Wut rausgeschrien.
Sie fehlt mir heute nach 10 Jahren immer noch. Ich sehe sie noch genau vor mir, ich kann mich an ihren Duft erinnern. Ein Gemisch aus Parfüm, Haarspray, wenn sie gerade geraucht hatte, dann roch sie auch noch nach Zigarettenrauch.
Ich ertappe mich dabei, dass ich viele Handgriffe so mache, wie sie es auch getan hat. Und dann sehe ich sie vor mir.
Ich möchte sie in den Arm nehmen und von ihr ebenfalls gedrückt werden.
Weder Mann, noch Kinder, noch gute Freunde können das Muttergefühl ersetzen.
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14.07.2010, 12:51Inaktiver User
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14.07.2010, 13:28
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
@Nancissima
Danke für Deine Antwort! Du hast mir wichtige Fragen gestellt: Blutsverwandschaft? JA...ich denke, das zielt vielleicht auch irgendwo darauf. Ich bin ein Familienmensch und meine Wurzeln sind mir wichtig.
Geborgenheit? auch das ein Thema, weil ich das erst jetzt bei meinem zweiten Mann wirklich spüre...und natürlich auch durch meine Kids. Ich hab ein gutes Verhältnis zu meinen zwei für mich präsenten Geschwistern...aber Geborgenheit, spüre ich bei ihnen nicht.
Deine Fragen sind gut für mich auch darüber nach zudenken, was mir vielleicht....NOCH ANDERES fehlt. Das wird es sein, was es heraus zufinden gilt.
DANKE für Deine Anregungen....LG dreamfly
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14.07.2010, 13:28
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
aber es war deine mutter!!!, die dich als kleine maus gefüttert und gewickelt hat und deine ersten schritte beobachtet hat usw. vergess das nicht.
weißt du, warum deine mutter sich in den alkolhol geflüchtet hat - wie war die ehe deiner eltern (ich möcht dir aber nicht zu nahe treten) - oft sieht man als kind diese dinge nicht und später auch nicht.
Die "kleine Maus" zu füttern und zu wickeln ist eine sehr unvollständige Beschreibung der Aspekte guter Mutterschaft. Emotionale Stabilität, Verlässlichkeit, Gesehenwerden sind ebenso wichtige Bedürfnisse eines Kindes. Emotionale Vernachlässigung ist nichts anderes, als körperliche Vernachlässigung. Mit sehr ähnlichen Folgen was die Zukunft des Kindes betrifft.
Was die Gründe dafür gewesen sein mögen, ist für Dreamfly völlig egal. Es wäre nämlich die volle Verantwortung der Mutter gewesen, damit so umzugehen, dass ihr Kind keinen Schaden nimmt. Die war ja schließlich erwachsen.
Heute ist es eben die Verantwortung von Dreamfly, mit den Verwundungen der Kindheit umzugehen. Davon spricht sie ja auch - zu Recht! - keiner frei.Zurück ist ein Ort, den es nicht gibt.
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14.07.2010, 13:39
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
@flip-flop
Danke auch für Deine Antwort!
NEIN....ich vermisse nicht MEINE Mutter! Ich vermisse einen Menschen, der meine MUTTER, wie man sich es im schönsten Sinne vorstellt, hätte sein können.
Vermisse ich, dass meine Mutter mal sagte, "es wäre besser, sie hätte mich nicht zur Welt gebracht." ? Ich war ein Unfall.
NEIN, das vermisse ich nicht!
Ich vermisse auch nicht, dass sie mich mit Besenstiel und Gürtelschnalle verprügelt hat.
Ich weiss nicht, wie sie gerochen hat. Ich weiss, wie sich meine Angst angefühlt hat, nach Hause zukommen und ihren Schatten hinter der Tür zu sehen.
Ich spüre noch die Panik die ich hatte, wenn es an der Tür klingelte ( nach dem sie tod war) und ich dachte, sie ist zurück! Ich weiss, das klingt paranoid.
Sie hat mich sicher ( und auch meine Geschwister) auf ihre Art geliebt, nur gespürt hab ich das kaum.
Vielleicht verstehst Du was ich meine?!


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