na, wozu die aufregung?
vielleicht ists der "stille-post-effekt"
wer weiß tatsächlich, was und in welchem zusammenhang und mit welcher erklärung das gesagt wurde?
manchmal bleibt nur ein satz hängen, der verletzt hat. manchmal sogar nur ein wort. und das löscht oder überschreibt dann alles andere...
so what.
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16.07.2010, 12:30Inaktiver User
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
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16.07.2010, 12:43
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
@dieclou
Ich hab den Begriff "emotionale Verwahrlosung" für mich auseinander genommen. Was ich darunter verstehe. Sicher ist es so, dass meine emotionalen Bedürfnisse im Elterhaus nur zum Teil befriedigt wurden sind...grösstenteils durch meinen Vater. Ich bin mir auch sicher, dass meine Mutter uns bis zu einem bestimmten Punkt auch nicht nur "Versorgt" hat. Ich kann mich halt nur nicht mehr daran erinnern, ob sie mich in den Arm genommen, getröstet...etc hat.
Vielleicht wäre es ratsam meine Erinnerungen in diese Richtung zu aktivieren. Dann wäre der Groll der manchmal noch zum Tragen kommt, vielleicht nicht mehr so gross und ich könnte irgendwann meinen Frieden damit machen. Nur nach diese Erfahrung mit der Psychologin bin ich weit davon entfernt mich nochmal derart "nackig" zu machen.
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16.07.2010, 12:45
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
@dontstopthinking
Tja, da ich ja die unmittelbar "Betroffene" war und mich damit auseinandersetzen musste, denke ich das schon richtig verstanden zuhaben.
Was willst Du mir eigentlich damit sagen?
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16.07.2010, 12:48Inaktiver User
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16.07.2010, 13:00
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
Ich hab schon gelesen, dass die Post an Uli ging.
Uli hat mich zitiert.........und das richtig.
Ich möchte Dir nicht zu nahe treten aber eigentlich mutmasst Du hier, dass es wohl eine "Wahrnehmungsverzerrung" gegeben haben muss.....ich sage was und der 5.te in der Reihe verstehts auf Grund von Weitersagen völlig anders.
Da Uli mich richtig zitiert hat, kannst Du ja nur meinen....ich hätte es bei der Psychologin falsch verstanden...oder?
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16.07.2010, 13:03Inaktiver User
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
Dreamfly, über den Begriff emotionale Verwahrlosung bin ich vor einiger Zeit im Gespräch auch gestolpert. Er bezeichnet wohl wirklich nur das emotionale Bedürfnis des Kindes, das von den Eltern aus vielerlei Gründen nicht befriedigt wird/werden kann.
Ist die Mutter der verweigernde Elternteil, wird dieses Verhalten von der Tochter möglicherweise perpetuiert.
Finde ich ziemlich unsensibel, wenn die Therapeutin das wirklich so ausgesprochen hat und nach dem Schock kann ich Deine Haltung gut nachvollziehen. Ab einem gewissen Punkt sind die Gedanken auch so weit sortiert, dass man sich langsam an die gefühlsmäßige Umsetzung der Erkenntnisse machen kann, und mir scheint, Du befindest Dich schon auf dem Weg.
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16.07.2010, 13:33
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
Liebe Dreamfly,
der Begriff "Verwahrlosung" klingt bei uns nach Unterschichten-Proleten-Kind, das hört im Zusammenhang mit sich selbst keiner gern. Das war wenig einfühlsam von der Therapeutin - so sehr sie in der Sache vielleicht recht hatte. Kannst Du denn die Botschaft dahinter für Dich akzeptieren, das kleine Mädchen sehen, das emotional zu kurz gekommen ist? Das betrifft ja nicht nur das In-den-Arm-genommen-Werden. Es betrifft auch Stabilität, Verlässlichkeit, Berechenbarkeit. Ich würde es heute als eine Form emotionaler Vernachlässigung bezeichnen, wenn eine Mutter auf Verhalten X je nach Stimmungslage zum Zeitpunkt t1 völlig anders reagiert, als zum Zeitpunkt t2. Ich empfinde es zum Beispiel als eine krasse Grenzverletzung, wenn eine Alkoholikerin ihre Kinder losschickt, das Suchtmittel zu holen. Wie hast Du Dich in der Situation gefühlt? Was meinst Du, wäre passiert, wenn Du Dich geweigert hättest?
Im Grunde genommen läuft es aber darauf hinaus, Dir klar zu werden, was genau HEUTE Deine Bedürfnisse sind, zu akzeptieren, dass Du nun mal DIESE Mutter hattest und zu schauen: Wo krieg ich meine Bedürfnisse stattdessen erfüllt? Aktiv unter älteren Frauen nach einem solchen Umfeld zu suchen, in dem Du Dich wohl fühlen kannst, ist doch eine super Schritt. Wenn Du heute merkst, oh, ich bin traurig, ich möchte in den Arm genommen werden, kannst Du doch gezielt Leute darauf ansprechen. Deinen Mann? Freundinnen?
In dem Zusammenhang fand ich für mich einen Satz sehr passend: Irgendwann muss man sich auch mal von dem Ziel verabschieden, eine bessere Vergangenheit gehabt zu haben. Deine Mutter war so. Deine Kindheit war so. Aber Du bist jetzt ja kein Kind mehr und der Situation längst nicht mehr ausgeliefert.
LG,
BabetteZurück ist ein Ort, den es nicht gibt.
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16.07.2010, 14:14
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
@dieclou
Wie schon gesagt, habe ich mich natürlich mit dem Begriff auseinandergesetzt und viel darüber nachgedacht. Die Psychologin an sich gab mir die Aufgabe (für das geplante nächste Treffen) mich damit auseinander zusetzen und versuchen zu verstehen, was sie damit meinte. Nur so wie das damals ankam und auch in der Situation, dass ich ja Hilfe suchte, hat mich diese Aussage völlig überfordert.
Es gibt auch keine permanente Beschäftigung meinerseits mehr mit dem Thema. Früher war das schon ein klein wenig anders. Es gibt halt nur so kleiner Phasen, wenn ich mich an irgendetwas erinnere oder z.B. einen Bericht über solche Themen sehe oder lese...dann holt mich meine Vergangenheit schon noch ein. Und da kommt dann schon halt noch der Groll...aber bei weitem nicht mehr so schlimm wie früher.
Tja, was hätte sie gemacht, wenn wir uns geweigert hätten. Sie hätte uns bestraft, je nach Laune....entweder den ganzen Tag ohne Essen im Bett bleiben oder Schläge.
Wie hab ich mich gefühlt? Ich hab mich geschämt, sehr sogar...aber ich hatte eben mehr Angst vor der Bestrafung und deshalb gab es da keinen Widerspruch oder Verweigerung. Wenn ich gerade darüber nachdenke, ist es ganz schön schwer darüber zureden, was sie manchmal alles so gemacht hat.
Als ich 17 war hab ich mich meinem Klassenlehrer anvertraut, weil er der Einzige war der richtig hingesehen hat. Ihm hab ich es zu verdanken, dass ich dann zu meinem Vater durfte. Meine Mutter hat danach 1 Jahr lang nicht mehr mit mir gesprochen, "Ich hatte sie verraten"
Das schlimme ist ja auch, dass keiner was gemerkt hat oder zumindest haben alle weggesehen. Mein Vater hat lange Zeit interveniert...ohne Erfolg. Er war vor Gericht der Sündenbock, weil er fremdgegangen war. Zu Ostzeiten Scheidung nach Schuldprinzip...Sorgerecht Mutter.
Das Jugendamt hat damals schon auch nachgefragt...bei der Oma, den Verwandten, der Schule.....wir waren Vorzeigekinder, höflich, gut erzogen, gut in der Schule, immer sauber und adrett. Blaue Flecken kamen halt vom spielen, wir waren Dorfkinder, immer auf Achse, haben keinen Baum ausgelassen....
Verletzungen die z.t. beim Arzt behandelt werden mussten, kamen halt vom Toben.
Und der Vater wollte der betrogenen Exehefrau die Kinder weg nehmen. Punkt.
Das "bekloppte" ist ja auch, dass man es selber ( Jahre danach) erstmal schön geredet hat....ach so schlimm wars ja doch nicht...andere waren schlimmer dran.
Ansonsten...klar nimmt mein Mann mich in den Arm.....oft und ausgiebig. Er merkt auch wenn ich mal wieder am zergrübeln bin.
Meine Tochter nimmt mich auch gern in den Arm....:-) aber anders...sie weiss ja nichts davon.
Ich hab mal bei einem Spaziergang mit meiner Schwiegermama ein wenig darüber geredet.....sie hat geweint......
Diese Reaktion hat das auch beim ersten erzählen bei meinem Mann gegeben.
Es ist auch irgendwie richtig schwer jemandem davon zu erzählen und ihm dabei ins Gesicht zusehen...weil es fassungslos und sprachlos macht.
Vielleicht hab ich ja das Glück und "finde" mal eine mütterliche Freundin.................
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16.07.2010, 14:23
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
@Nathalie
Nein fortgeführt hab ich das Verhalten meiner Mutter nicht. Ich hab mir als Kind schon geschworen eine andere Mutter zusein als sie. Und ich denke, dass ist mir weitestgehend auch geglückt. Meine Kinder wissen garnicht, was elterliche Schläge sind....sie kennen auch keinen Psychoterror.
Klar hat es, wenn es angebracht war auch Bestrafungen gegeben...aber anders. z.B. Fernsehverbot...oder eben doch mal ein geplatzter Spielenachmittag mit der Freundin.
Immer in seiner Vergangenheit rumzukramen tut freilich nicht gut...und ändern kann man sie, wie Du sagst ja eh nicht.
Aber diese kleine Sehnsucht nach einer richtigen Familie...mit Eltern..bleibt eben doch.
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16.07.2010, 14:44
AW: Seit 24 Jahren fehlt mir EINE Mutter
Liebe Dreamfly,
vielen Dank für das, was Du geschrieben hast. Das war sehr mutig - und offen. Es war auch berührend. Ich denke, dass viele der Schreiber hier es zu schätzen wissen, wenn sich jemand ihnen gegenüber so offen zeigt. Ich tue das zumindest.
Das verstehe ich absolut. Und das ist auch nicht bekloppt. Es ist ein völlig normales Verhalten, weil: Was wäre denn passiert, wenn Du als Kind völlig klar gesehen hättest, dass das ein unhaltbarer Zustand war? Du hättest reagieren müssen. Wo hättest Du denn aber hingekonnt? Wie viel Vertrauen konntest Du denn nach all den Erfahrungen noch naturgegeben haben, dass Du Hilfe bekommen könntest? Wie sehr hat es denn auf ein Kind, das auf Orientierung angewiesen war, gewirkt, von außen ständig signalisiert zu bekommen, alles sei okay? Da ist es doch ein sehr naheliegender Weg, sich das alles schönzureden. Eigentlich der einzige.Das "bekloppte" ist ja auch, dass man es selber ( Jahre danach) erstmal schön geredet hat....ach so schlimm wars ja doch nicht...andere waren schlimmer dran.
Hinzu kommt noch etwas anderes, denke ich und merke ich gerade an mir selbst. Es macht einen verletzbar, sich einzugestehen, ein Opfer von Gewalt und Missbrauch gewesen zu sein. Aber verletzbar zu sein war in der Familie ein großes Risiko, weil es offene Flanken bot. Hach, es ist so verwoben, alles miteinander. Ich habe jetzt etwa ein Jahr einer wirklich guten, einfühlsamen Therapie hinter mir (meine Therapeutin hat mich nie, zu keinem Zeitpunkt derart überfordert), und der Satz: "Meine Kindheit war geprägt von systematischer psychischer (und manchmal auch physischer) Gewalt" fühlt sich immer noch komisch und fremd an. Aber es ist auch ein Gutteil Erleichterung dabei. Im Verleugnen liegt ja auch ein Leugnen der eigenen Wahrnehmung, ein Sich-Selbst-Nicht-Vertrauen-Können, wenn ich offenbar eine Situation so derart falsch einschätze. Seitdem ich mir klar darüber bin, dass hier wirklich vieles im Argen lag und liegt, kann ich meiner Wahrnehmung wieder trauen. Das ging sogar sehr, sehr fix.
Meine Therapeutin hat mir mal die Frage gestellt: Was hätte die kleine Babette in einer solchen Situation denn gebraucht? Schutz, völlig klar. Ich habe keine mütterliche Freundin gesucht, aber beschützende Männer (was meist ziemlich katastrophal war). Mein Ansatz ist es nun, mich selber zu schützen. Das bedeutet: Anzuerkennen, dass es in mir ein kleines, tief verletztes Kind gibt, auch wenn das zu meiner bisherigen äußerlichen Darstellung der coolen, toughen Babette überhaupt nicht passt (sich aber auch sehr gut und weich anfühlt). Das bedeutet auch,für mich klarzubekommen, was von dem, was in meiner Familie passiert ist, mit mir überhaupt nichts zu tun hatte. Das bedeutet auch, Situationen konsequent zu verlassen, in denen mich meine Eltern bis heute abwerten und kränken. Also heute nicht mehr, ich habe den Kontakt vor einigen Monaten abgebrochen. Das war wichtig für mich, für meinen Selbstschutz.
Aus Deinen Beschreibungen klingt, dass Du ein sehr liebevolles, tragendes Umfeld hast. Kannst Du eventuell einen Teil des Bedürfnisses nach der Mutter Deiner Schwiegermutter offenbaren und dort erfüllt bekommen?
LG,
BabetteZurück ist ein Ort, den es nicht gibt.



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