Hallo zusammen,
seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, mich immer mehr zurückzuziehen. Ich bin am liebsten für mich allein, da ich mich unter Menschenansammlungen völlig unsicher fühle.
Ich habe Angst:
*etwas dussliges zu sagen
*als "Spaßbremse"dazustehen
*ausgeschlossen zu sein
Ich denke:
*die anderen sind viel interessanter
*beherrschen den small-talk--->ich kann dies nur schwer
Hab oft das Gefühl:
* dass mich die Leute "so komisch ansehen" und gucke dann weg und denke: hast du irgendwas an Dir, oder warum gucken Dich die Leute so an"
*mich an andere total anpassen zu müssen, aber ich kann und will das nicht
Ich weiß manchmal nicht, wie ich mich richtig verhalten soll, also vermeide ich immer mehr, unter Leute zu gehen. Das ist natürlich der falsche Weg...
aber ich stehe mir selbst im Wege... :-(
mein Partner trägt leider dazu noch weiter bei. Er ist sehr klug (großes Wissen), ist aber auch nicht grad kontaktfreudigt. Er braucht nur selten meinen Rat und wenn ich doch etwas sage, dann weiß er es am ende scheinbar doch selbst am Besten. Das verunsichert mich zunehmend. Wenn bei mir etwas schief geht, dann läßt er durchblicken: ich habs ja gleich gewußt....
spreche ich ihn darauf an, schimpft er mit mir: was du dir nur immer einbildest.
Ich glaube, dass ich leider leicht zu manipulieren bin, die Fehler automatisch bei mir suche.
Ich weiß, dass es so nicht weitergehen kann, bin aber wie gelähmt und komme nicht vom Fleck.
Danke fürs zuhören
KM
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Ergebnis 1 bis 10 von 13
Thema: Der Weg zum Eigenbrötler
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11.07.2010, 08:02
Der Weg zum Eigenbrötler
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11.07.2010, 08:11
AW: Der Weg zum Eigenbrötler
Ein klein wenig vom Fleck bist du ja schon gekommen, liebe Kaffeemütze, indem du das hier geschrieben hast.
Wann begann denn dieses Gefühl? Gab es da etwas in deinem Leben, das passiert ist oder hat sich etwas verändert?
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11.07.2010, 09:08Inaktiver User
AW: Der Weg zum Eigenbrötler
Hallo

Ich finde auch, dass du schon einen riesigen Schritt heraus aus deiner für dich unbefriedigenden Situation getan hast. Zunächst bist du in der Lage, dich selbst zu reflektieren. Viele suchen ja lieber bei allen anderen nach "Fehlern" - und haben auch sofort ein Konzept parat, wie diese "Anderen" sich dann zu ändern hätten
Dann dieser Satz hier:
Den wandel mal vielleicht in eine Zukunftsaussage um: "So geht das nicht weiter!!!!"Ich weiß, dass es so nicht weitergehen kann, bin aber wie gelähmt und komme nicht vom Fleck.
Prinzipiell ist ja gegen Rückzüge gar nichts einzuwenden. Ich bin auch viel lieber nicht unter Menschen und mache mein eigenes Ding. Es gilt also gar nicht: Hopp oder Top. Du könntet aber etwas gegen deine einsamen Momente tun, und da hilft immernoch am allerbesten Aktivität.
Für mich war mal der Supergau, alleine ins Kino zu gehen
Ich kam mir dermaßen komisch vor - aber ich wusste auch sofort, welche wirklichen Ängste dahintersteckten. Heute gehe ich sogar viel lieber alleine ins Kino, wenn mich ein Film wirklich interessiert. Hat nämlich auch was 
Möglicherweise könntest du deine wahren Ängste ja auch herauskristallisieren und so mit gezielten Gegenfragen etwas zu deren Rationalisierung beitragen?!
Schlaflos
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11.07.2010, 09:44
AW: Der Weg zum Eigenbrötler
Hallo,
wenn du genug geld hast, würde ich an deiner stelle, eine kurze psychotherapie beginnen, einfach so, um deinen selbstwert zu stärken. das hilft oft sehr, andere sichtweisen, andere herangehensweisen an problemstellungen, ein besseres gefühl für sich selbst zu gewinnen und dadurch wieder anders auf zu treten.
es ist kein wundermittel, aber es sind oft die kleinen "stupser" die man braucht, um die lage wieder völlig anders zu sehen und sich anders zu geben.
man kann sich da in erstgesprächen, so 2 bis 3 therapeuten "ansehen", um zu checken, wer und welche methode für einen am besten zu passen scheint. ratsam scheint mir in deinem fall fast ne frau zu sein, weil dir scheinbar so ein weibliches starkes "vorbild" fehlt.
lg Mikro
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11.07.2010, 09:52
AW: Der Weg zum Eigenbrötler
Soweit ich weiß, übernehmen die Krankenkassen 25 Sitzungen (soweit sich das nicht geändert hat).
Verhaltenstherapie und Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie werden wohl getragen. Beim Pal Verlag z. B. gibt es da nähere Informationen.
Aber ich denke, das muss Kaffeemütze selber entscheiden, ob das der Weg für sie ist.
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11.07.2010, 11:51Inaktiver User
AW: Der Weg zum Eigenbrötler
Hallo Kaffeemütze,
ich persönlich fand ja diesen Satz hier sehr wichtig ...
Du fühlst doch genau, was Du momentan willst. Das muss ja nicht der unweigerliche Weg in die Eigenbrötlerei für immer sein. Ich finde, wenn ich etwas so deutlich spüre, sollte ich mir das auch erlauben. Es mal zulassen und sich darauf einlassen. Vielleicht mußt Du erst diesen Schritt machen, dich mit irgendetwas auseinandersetzen, was diesen Wunsch so stark werden lässt und kannst dann, wenn Du das für dich geklärt hast, stärker daraus hervorgehen und wieder auf Menschen zugehen. Dieses Alleinseinwollen ist doch auch eine Grundvoraussetzung, um sich zu finden zu können.
Ich merke immer mal, dass ich den kürzesten Weg zwischen zwei Punkten im Kopf habe, aber ich das, was ich für eine andere Richtung hielt als notwendigen "Umweg" gehen mußte. Wie ein Bach, der durch die Landschaft mäandert, mal nach Osten, mal nach Westen und insgesamt nach Süden.
Ich habe insgesamt und leider immer wieder festgestellt, wenn man so deutliche Gefühle als Wegweiser ignoriert, weil der Kopf die gerade Linie haben will, und sich dazu zwingen will, ,erzeugt das nur Spannungen, bringe ich mich nicht weiter damit und es dauert nur viel länger, bis ich es einsehe, den ungeraden Weg doch einzuschlagen und zu gehen.
Oder anders gesagt, vielleicht mußt Du ja erst mal zum Eigenbrötler werden, um dann die werden zu können, die Du sein möchtest?
Meine Erfahrung ...
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11.07.2010, 13:05
AW: Der Weg zum Eigenbrötler
ich denke, man muss für sich erkennen/ erkunden, ob das zurückziehen so ein natürliches bedürfnis ist (weil nicht jeder mensch ist so der event-typ, der wöchentlich herausragende events erleben muss, um selbst glücklich zu sein und was cooles zu erzählen zu haben) oder ob es so ein innerliches zeichen dafür ist, dass man mit irgendwas nicht zurecht kommt.
Geändert von ellisa (11.07.2010 um 14:46 Uhr)
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11.07.2010, 13:36
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11.07.2010, 18:48Inaktiver User
AW: Der Weg zum Eigenbrötler
Diesen Hinweis finde ich sehr wichtig. Wenn ich das hier lese:
habe ich den Eindruck, dass Du Dich sehr nach außen orientierst und Dein Selbstwert(gefühl) stark danach ausrichtest, so zu sein, wie Du meinst, dass andere es von Dir erwarten.
Ein Rückzug, eine bewusste (zeitweilige) Isolation kann ein guter Weg sein, um Dir bewusst zu werden, wer Du bist, welche Ansichten Du hast, was Dir wichtig ist etc. - eben: Dich selbst kennenzulernen.
Wenn Du mal Gespräche beobachtest, wirst Du feststellen, dass es nicht darum geht, die "absolute Wahrheit" herauszuarbeiten. Menschen tun ihre Meinungen kund. Sei es die, dass Spanien es verdient hat, Weltmeister zu werden, sei es die, dass Gauck der bessere Bundespräsident wäre, sei es die, dass Italien ein schöneres Reiseland ist als Frankreich...
Daher kannst Du auch nichts "falsch machen". Und Du kämest natürlich ins Schwimmen, wenn Du es allen Recht machen möchtest, denn alle haben ihre eigene Meinung. Zeigen damit Profil und äußern etwas von sich.
Dies nicht zu tun, ist ein Zeichen Deiner eigenen fehlenden Wertschätzung Deines eigenen "Profils". Oder eben: Du weißt nicht, welche Meinungen Du vertrittst.
In beiden Fällen wäre es tatsächlich erst mal gut, dass Du Dich etwas zurück ziehst. Auch, um Dich nicht noch mehr Situationen auszusetzen, in denen Du Dich nicht wohl fühlst. Wenn Du merkst, dass Du allein nicht mit diesem Thema weiterkommst, dann hole Dir Hilfe. In der Tat finanzieren die Krankenkassen Therapien.
Alles Gute!!!
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13.07.2010, 15:59
AW: Der Weg zum Eigenbrötler
@ Kaffeemütze
Du hast Angst, von anderen abgelehnt zu werden, wenn Du etwas tust, was Dir entspricht.
Damit machst Du ihren Maßstab Deines Verhaltens automatisch zu Deinem eigenen, obwohl das keineswegs angebracht ist. Du musst Deinen eigenen Maßstab finden.
Wenn Du denkst, jemand hält Dich für eine Spaßbremse oder findet das, was Du sagst, dusslig, dann geh ruhig in Dich und frag Dich: Stimmt das überhaupt? Gibt es nicht gute Gründe, diesen blöden Spaß nicht mitzumachen? Gibt es nicht gute Argumente für meine dargelegte Meinung? So wirst Du Dich weniger verunsichern lassen, und bist daher auch nicht mehr so leicht manipulierbar.
Gerade jemand wie Du, der sich von außen leicht verunsichern lässt, braucht ab & an den Rückzug, um sich seiner selbst zu vergewissern. Es nützt Dir nichts, wenn Du in der Menge mitschwimmst und Dich nur anpasst. Pass Dich nur da an, wo Du es selbst für richtig und sinnvoll hältst!
Sicher wird es immer irgendwelche Leute geben, die damit nicht klar kommen, die über Dich lästern oder komisch gucken. Lass das doch deren Problem sein und mach es nicht zu Deinem eigenen! Du kannst nicht von allen gemocht werden.
Wichtig ist, dass Du von den richtigen Menschen gemocht wirst. Das sind die, die Dich mögen, ohne Dir dauernd Anpassungsleistungen abzuverlangen. Die gilt es für Dich, zu finden, und nicht von möglichst vielen gemocht zu werden.
Übrigens wünschte ich, Dein Freund würde etwas liebevoller mit Dir umgehen. „Das bildest du dir nur ein“ ist keine Aussage, die Deine Wahrnehmung sonderlich ernst nimmt. Kann es sein, dass Dein Freund sich Dir gerne überlegen fühlt? Dann wäre er nicht unbedingt der Richtige für Dich, denn so einer ist immer versucht, Dich klein zu halten.
Ich denke, es wäre nicht verkehrt, wenn Du Dir für die Stärkung Deines Selbstbewußtseins psychologische Beratung holst. Eine Psychotherapie brauchst Du nur, wenn das nicht ausreicht bzw. wenn Du allein absolut nicht weiterkommst. Manchmal sind solche Probleme so tiefsitzend, dass man selbst nicht weiß, wie man da herangehen kann.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!


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