Ich leide seit meiner 14. Lebensjahr unter Magersucht und war auch bereits in stationärer Behandlung. Doch seit ich eigentlich meine Ausbildung begonnen habe (mit 19 Jahren) bin ich oberflächlich davon geheilt und war nicht mehr in Behandlung. Heute bin ich 26 und weiß, dass ich noch immer krank bin und ich bin auch sehr dünn; aber eben nicht mehr in dem Alter als dass ich mich von irgendwem bevormunden lassen würde. Ich mag dünne Menschen und dünne Körper und ich möchte, dass mein Umfeld das akzeptiert. Ich wiege meistens an die 47 bis 49 Kilogramm auf eine normale Durchschnittsgröße und objektiv betrachtet weiß ich selbstverständlich, dass das viel zu wenig ist. Wie gesagt, ich weiß, dass ich krank bin und ich weiß, dass ich mich deshalb so gut finde, eben weil ich krank bin.
Im Normalfall hat man dann einen Partner, der das beobachtet und sieht dass man wenig isst und einem ins Gewissen redet; Ich hatte Glück (für meine Verhältnisse): Mein Freund ist total abgedreht in der Hinsicht. Seine Traumfrau ist Victoria Beckahm und er sagt mir mindestens 5 Mal die Woche, ich soll auf mein Gewicht achten und habe ganz schön zugenommen. Er ist streng zu mir (und auch zu sich selbst, allerdings eher erfolglos, denn er isst sehr viel und Muskelaufbau schlägt bei ihm fast nicht an)
EIGENTLICH müsste ich ihn hassen für seine Art. Jede Frau würde ihn verabscheuen für seine Kommentare, für seine Unverschämtheit und sein abnormales Körperbild und seine abgedrehte Form einer 'guten Figur'. Aber natürlich weiß niemand davon. Vor einigen Jahren (wir führen seit 5 Jahren schon eine Beziehung) hat meine Cousine mal mitbekommen wie er in der Küche zu mir gesagt hat, ich solle nicht so viel essen und mir dabei in die Hüfte gekniffen hat und sie wurde stinksauer; was ich verstehen kann. Objektiv betrachtet ist das alles ein großer Witz.
Für mich ist dieser große Witz aber ein großes Geschenk. Kein andere Mann wäre je so streng zu mir und wäre so unzufrieden mit mir wie ich es selbst auch bin. Ich muss mich übergeben wenn ich mich im Spiegel betrachte und ich verstehe dass er das auch muss, wenn er mich mit den selben Augen sieht wie ich das tue und offenbar tut er das. Vor anderen Menschen behauptet er immer ich sei dünn und ich soll ruhig ganz viel essen und könne es mir erlauben, aber sobald wir alleine sind, ändert sich das schlagartig. Er ist eigentlich genauso wie ich. Fragen mic handere Leute ob es mir gut geht und ich ausreichend esse, dann sage ich natürlich immer ja, aber ich lüge natürlich und es ist alles Teil eines Plans. In Wirklichkeit leide ich unter meinem Gewicht sehr und bin wahnsinnig unzufrieden.
Der Unterschied ist nur, dass er selbst eben überhaupt nicht auf sen Gewicht achtet und es ihm auch überhaupt nicht interessiert wie er aussieht. Er isst wirklich schon von morgens an nur Zucker (Nutella, Kakao, Marmelade, Honig,...) mittags in der Kantine nochmal eine Portion irgendwas mit Sahensauce und abends koche ich dann noch.
Natürlich kann man jetzt einfach pauschal behaupten: Wenn du gesund werden möchtest, dann musst du ihn verlassen. Aber ich glaube, dass ein ganz großes Problem ist, dass ich überhaupt nicht gesund werden möchte, weil ich weiß, dass gesund werden auch bedeuten würde, dass ich zunehme.
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Ergebnis 1 bis 10 von 19
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29.06.2010, 17:18
Haben wir uns gegenseitig nötig? (Beide psyisch krank)
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29.06.2010, 17:27Inaktiver User
AW: Haben wir uns gegenseitig nötig? (Beide psyisch krank)
Du musst gar nichts.
Du musst Dich noch nicht mal entscheiden wie Du leben möchtest. Du kannst auch weiterhin in diesen Konflikten und Lügen bleiben und damit die Zeit totschlagen.
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29.06.2010, 17:29
AW: Haben wir uns gegenseitig nötig? (Beide psyisch krank)
Nein, eben. Ich muss nur bis zu einem gewissen Punkt der Gesellschaft noch ins Bild passen damit man mich in Ruhe lässt.
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29.06.2010, 17:35Inaktiver User
AW: Haben wir uns gegenseitig nötig? (Beide psyisch krank)

Geht es im Grunde darum, dass Du Deine Ruhe willst?
Vor der Gesellschaft?
Inwiefern willst Du trotzdem "mit und in der Gesellschaft" leben?
Warum klinkst Du Dich nicht konsequenter aus?
Ruhe vor Dir selber hast Du ja schon geschafft: Dein Freund übernimmt Deine Selbstkasteiung und Beschimpfung.
Wenn Du das als Geschenk siehst, 'diesen großen Witz', bist Du auf dem destruktiven Weg. Ist auch eine Möglichkeit.
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29.06.2010, 17:42
AW: Haben wir uns gegenseitig nötig? (Beide psyisch krank)
Ich kann es objektiv ja auch immer nur in Situationen betrachten, in denen ich in einer Phase stecke, die mein Umfeld als gesund bezeichnen würde. Das tue ich nicht immer. Ich sehe mich meistens als übergewichtig und unförmig an und ich kann ihm nicht widersprechen, wenn er das auch tut. Die Ruhe vor mir selbst habe ich dennoch nicht, weil mein Kopf rattert und das tut er immer.
Mir geht es vielleicht darum dass ich selbst oft nich weiß, wer hier die Guten und wer hier die Bösen sind. Oft denke ich: Lass es doch mal anders herum sein, lass meinen Freund doch mal wen sein, der sagt "Ich stehe mehr auf die kräftigen Mädchen"; keienr würde ihm das übel nehmen, dass er eine Freundin möchte, an der "was dran ist"; egal wie unsportlich sie vielleicht wäre oder wie ungesund und wie belastet ihre Gelenke.
Aber man darf nicht sagen "Ich stehe auf Frauen mit Untergewicht", weil niemand das akzeptiert. Ich akzeptiere es, weil ich selbst auf Körper mit Untergewicht stehe und alles andere als umutung empfinde. Aber ich darf es nicht äußern, weil ich weiß, es würde nicht akzeptiert werden. Mein Umfeld redet mir ein, ich sei dünn und ungesund und das alles sei dringend in Behandlung zu geben und so weiter und so fort. Mein Freund redet mir ein, ich sei tatsächlich so wie ich mich sehe: Etwas pummelig um die Hüfte rum und alles andere als zu dünn. Je nachdem wo ich selbst gerade emotional stecke, passe ich mich an.
Ich darf mich nicht dünn haben wollen, weil es krank ist, sagen die einen. Ich bin nicht dünn, sagen zwei andere Personen und eine davon bin ich und ich spinne nicht, weil ich nicht die Einzige bin, die das so sieht.
Die Möglichkeit bestünde, dass die Gesellschaft lügt und einem sagt, man sei dünn, vielleicht aber in Wirklichkeit denkt wie mein Freund und wie ich selbst eben auch.
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29.06.2010, 17:48Inaktiver User
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29.06.2010, 17:48
AW: Haben wir uns gegenseitig nötig? (Beide psyisch krank)
Mit dem letzten Satz hast du die Sucht der Magersucht ziemlich prägnant in Worte gefasst.Natürlich kann man jetzt einfach pauschal behaupten: Wenn du gesund werden möchtest, dann musst du ihn verlassen. Aber ich glaube, dass ein ganz großes Problem ist, dass ich überhaupt nicht gesund werden möchte, weil ich weiß, dass gesund werden auch bedeuten würde, dass ich zunehme.
Es ist deine Entscheidung, nur deine, ob du in dieser Beziehung aus perfekter Abhängigkeit und aktiver Co-Abhängigkeit verharren willst.aufgewacht und umgezogen: befriendsonline.net

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29.06.2010, 17:50
AW: Haben wir uns gegenseitig nötig? (Beide psyisch krank)
Natürlich. Du hast eben einen anderen Geschmack. Es wird mir selbst aber wirklich schlecht, wenn ich Frauen sehe, die 60 Kilogramm wiegen und ich muss zugeben, dass selbst Heidi Klum mir viel zu dick ist und ich so wirklich niemals aussehen möchte. Alleine damit dazustehen ist die eine Sache; zu zweit zu sein und das Gefühl zu haben, dass das eben tatsächlich eine Geschmackssache ist und man durchaus damit gar nicht alleine auf weiter Flur ist, tut gut.
Umso schwerer ist es, sich immer wieder umstellen zu müssen, damit man möglichst alle Leute bedienen kann.
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29.06.2010, 17:59
AW: Haben wir uns gegenseitig nötig? (Beide psyisch krank)
Das ist auch so ein Trugschluß: du musst nicht "alle Leute bedienen". Denen bist du zimlich egal. So wie es auch einer Heidi Klum völlig wuppe sein dürfte, ob du sie schön oder zu fett findest.Umso schwerer ist es, sich immer wieder umstellen zu müssen, damit man möglichst alle Leute bedienen kann.
Wie klappt das denn in deinem Beziehungsalltag? Hast du da nicht auch bereits das "fette Grausen" ständig vor Augen?aufgewacht und umgezogen: befriendsonline.net

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29.06.2010, 18:04
AW: Haben wir uns gegenseitig nötig? (Beide psyisch krank)
Naja, eben doch. Meine Eltern fragen bei jedem Besuch ob ich abgenommen hätte und was soll ich sagen? Ich muss sagen, was sie hören müssen, damit ich eben meine Ruhe habe. Also sagen ich "Nein, ich habe zugenommen!" Also sind sie zufrieden. Ich werde oft angesprochen von Leuten, oft auch von Freunden und ich MUSS sie bedienen. Was wäre denn, wenn ich sagen "Ach, wisst ihr was, ich muss echt kotzen, wenn ich so aussehen würde wie ihr. Ich fühle mich sehr wohl und ich möchte noch zwei bis drei Kilo verlieren bis zum Hochsommer". Damit ernte ich kein Verständnis; Das würde ich nie.
Die Beziehung ist im Alltag sehr schön. Wir reisen sehr gerne und unternehmen viel und wir haben eigentlich auch normal viel Sex, worunter ich zumindest drei bis vier Mal die Woche verstehe. Ich fühle mich auch wohl dabei und schäme mich nicht vor meinem Freund, falls du darauf hinaus willst. Ich rede mir oft ein, wenn ich so furchtbar wäre, dann wäre er ja auch nicht da und dann würde er ja auch von meinem Körper nicht erregt werden. Er ist eben kritisch, aber er findet mich nicht abstoßend. Und ich selbst muss mich ja beim Sex nicht ansehen.
Ansonsten passt eigentlich alles. Ich koche jeden Abend frisch und wir essen auch gemeinsam und er isst auch sehr gerne und sehr viel. Ich selbst eben nicht so gerne.


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