Das letzte Mal so richtig fremdgeschämt hab ich mich vor Jahren in Griechenland. Gruppenreise Inselhopping, alles wunderbar.
Essengehen mit 8 Leuten, einer der Mitreisenden bestellt, isst alles auf und beschwert sich über die mangelnde Qualität des Essens auf eine Weise die mir sehr sehr unangenehm war. Wir waren mehrere Abende dort (weil es sehr familiär zuging und das Essen klasse war) und der benimmt sich dermaßen daneben... (Richter von Beruf)
Der Inhaber hat selbst gekellnert und den jungen Mann gebeten nicht wiederzukommen, er wollte kein Geld von ihm. Die Stimmung am tisch kann man sich vorstellen.
Die Vorstellung, man wird von diesen gastfreundlichen Menschen auf eine Stufe mit diesem Wichtigtuer gestellt war mir unangenehm.
Woltera
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29.06.2010, 10:41
AW: Was verbirgt sich hinter "Fremdschämen"?
Das Leben hat keine Generalprobe, wir sind mitten im Auftritt!!
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29.06.2010, 17:09
AW: Was verbirgt sich hinter "Fremdschämen"?
Was meint Ihr: Wenn sich jemand, mit dem Ihr unterwegs seid, in Euren Augen ganz eindeutig daneben benimmt, beschränkt Ihr Euch dann aufs Fremdschämen oder sagt Ihr dem Betreffenden, wie Ihr die Situation wahrnehmt? Manchmal ist das befremdende Verhalten nur auf Gedankenlosigkeit zurückzuführen, manchmal aber eben auch auf unterschiedliche Werte. Und darüber kann man ja durchaus offen sprechen.
Ich würde mir blöd vorkommen, wenn jemand sich für mich nur fremdschämt, aber nicht den Mund aufmacht, sondern sich damit begnügt, sich mir überlegen zu fühlen und mir das dann auch noch zu zeigen. Das finde ich nicht fair.
Natürlich kommt es darauf an, welches Verhältnis man zum anderen hat, aber im einen oder anderen Fall wäre es durchaus möglich, etwas zu dessen Verhalten zu sagen.
Ich denke, andere Menschen sind durchaus in der Lage, wahrzunehmen, dass man als Fremdschämer die Position der beschämenden Person nicht teilt. Man muss nicht immer Angst haben, mit solchen Leuten in einen Topf geschmissen zu werden. Am ehesten wird man das wohl, wenn man das unangebrachte Verhalten eben nicht in irgendeiner Form kritisiert.
Eine gute Frage dazu wäre z.B. „Findest du das wirklich nötig?“ „das“ ist dann evtl. mit dem unangebrachten Verhalten zu erläutern.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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29.06.2010, 20:01Inaktiver User
AW: Was verbirgt sich hinter "Fremdschämen"?
Ich weiss nicht, ob das fremdschämen ist..?
Meine Freundin, die eine ganz zarte Person mit einer zarten Figur ist, hat zu einer Feier ein Kleid gewählt, in dem sie aussah, als wäre sie essgestört, in einer Farbe, die ihren Teint wie Haferbrei aussehen liess.
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30.06.2010, 10:02
AW: Was verbirgt sich hinter "Fremdschämen"?
Latona,
Vielleicht ist das der Knackpunkt, aber ich glaube, bei mir tritt das Gefühl auch auf, wenn ich nicht befürchten muss, mit in einen Topf geworfen zu werden. Mir scheint, gerade dann.Ich denke, andere Menschen sind durchaus in der Lage, wahrzunehmen, dass man als Fremdschämer die Position der beschämenden Person nicht teilt. Man muss nicht immer Angst haben, mit solchen Leuten in einen Topf geschmissen zu werden.
Möglicherweise ist es einfach ein Problem überaktiver Spiegelneurone?
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03.07.2010, 17:45Inaktiver User
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04.07.2010, 07:24
AW: Was verbirgt sich hinter "Fremdschämen"?
Im Falle des Richters, der sich im griechischen Restaurant eindeutig daneben benahm, wäre es doch möglich gewesen, sich beim Wirt für diesen Menschen zu entschuldigen.
Anschließend mit ihm (Richter) ein offenes Wort zu reden.
ICH hätte es getan, so viel Zivilcourage habe ich allemal!
Man muss nicht stillschweigend alles dulden!
LG
LaliqueDo what makes your heart sing
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04.07.2010, 08:00Inaktiver User
AW: Was verbirgt sich hinter "Fremdschämen"?
Ich kenne fremdschämen eigentlich nur im Zusammenhang mit Menschen, die ich nicht persönlich kenne.
Ich schäme mich fremd, wenn ich sowas wie die Castings bei DSDS sehe oder diese fiesen Talkshows, wo sich die Leute zum Affen machen. Ganz schlimm finde ich aber dabei eigentlich, dass man die Naivität (Dummheit) dieser Menschen so ausschlachtet. Ich muss dann immer gleich wegschalten, vor allem wenn jemand anfängt, ein Gedicht vorzutragen.
Es gibt Dinge, die sind mir zu intim, die will ich eigentlich nicht wissen.
Vielleicht hat das ja etwas damit zu tun, dass andere Menschen einfach die eigenen, inneren Grenzen überschreiten? Und man ist dem dann irgendwie ausgesetzt? Klar, man kann wegschalten, man kann sich davon distanzieren, aber letzten Endes muss man aktiv werden. So geht es mir zumindest.
Oh, jetzt fällt mir doch noch eine Situation ein. Wir waren auf einer Exkursion, und eine der Teilnehmerinnen war, ich sage es mal nett, sozialgestört. Sie hat bei jeder Gelegenheit ihre für keinen nachvollziehbare eigene Meinung zu Gruppenunternehmungen kundgetan und wollte den Rest der Gruppe ständig zu irgendwelchen Grundsatzdiskussionen zwingen. Letzten Endes hat sie vor allen anderen den Professor angeschrien. Das war zu viel - nicht nur für mich.Geändert von Inaktiver User (04.07.2010 um 08:01 Uhr) Grund: vertippt - zu heiß.
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04.07.2010, 09:04
AW: Was verbirgt sich hinter "Fremdschämen"?
Was Deine Mitmenschen über Dich denken, kannst Du nicht beeinflussen. Vielleicht hat er Dich auf die gleiche Stufe gestellt wie den Reklamierer, vielleicht hat er differenziert.
Ich versuche, mich so zu benehmen, wie ich es für richtig halte. Damit bin ich vollkommen ausgelastet; fremdschämen ist mir fremd. :-) Ich würde vielleicht sogar so weit gehen zu behaupten, wer sich fremdschämt, ist sehr weit von seinem eigenen Inneren entfernt, kann nicht in sich ruhen und ist damit anfällig für Dinge, die ihn nicht betreffen und nichts angehen.
Nicht mal für meine Teenager schäme ich mich fremd, obwohl das noch am naheliegendsten wäre. Ihnen sage ich einfach, was mir nicht gepasst hat. Was sie daraus machen, kann ich letztendlich auch nicht beeinflussen. Und wenn sie mal keine Teenager mehr sind, muss ich schauen, dass ich es schaffe, sie einfach machen zu lassen.
Fremdschämen ist ein völlig unnötiger Aufwand mit dem Hintergrund, einen anderen erziehen zu wollen.....oder so.....
Brava
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04.07.2010, 09:35Inaktiver User
AW: Was verbirgt sich hinter "Fremdschämen"?
Ich würde soweit gehen, und das Gegenteil behaupten. Identität entsteht ja nicht aus dem luftleeren Raum und mit welchen Menschen wir uns umgeben, sagt sehr wohl etwas über uns selbst aus. Und das hat auch nichts damit zu tun, dass man die Verantwortung für das Handeln anderer übernimmt.
Mit Leuten, deren Verhalten ich unmöglich finde, möchte ich auch nicht persönlich in Verbindung gebracht werden. Deshalb distanziere ich mich von ihnen. Klar, ob ein anderer von dem Verhalten dieses Richters daraus folgert, ich wäre damit einverstanden und somit ähnlich gepolt, kann mir letzendlich egal sein. Schließlich kennt der andere mich nicht.
Aber mit Leuten, deren Werte und Vorstellungen von Höflichkeit nicht mit meinen übereinstimmen sind auch nicht meine selbstgewählten Freunde.


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