Hallo, lese hier auch ab und zu mit und die Fragen als auch die Antworten sind meistens sehr interessant.
Deshalb wende ich mich mal an euch mit der Bitte, mir vielleicht den einen oder anderen Denkanstoß zu geben.
Ich bin vierzig Jahre und seit fast drei Jahren getrennt lebend, habe zwei Kinder.
Vom Vater habe ich mich eher im Guten getrennt, ich habe die Trennung initiiert, da ich mich einfach immer lebloser an seiner Seite gefühlt habe. Wir sind auch sehr verschieden. Es war einfach keine Liebe mehr da.
Nun habe ich momentan immer wieder das Gefühl, dass mein Leben derzeit nicht besser, sondern eher trauriger wird, obwohl von außen gesehen, vieles eigentlich stimmt: Ich habe einen Job, der aber eher mein "Brötchen-Job" ist, meinen Hobbies gehe ich auch mit Vergnügen nach, meine Kinder sind lieb und lustig und gesund.
Doch ein Signal, dass irgendetwas an meinem leben nicht stimmt, das ist für mich die vermehrte soziale Isolation. Ich bin dieses Problem in den vergangenen Monaten aktiv angegangen, über Internet-Börsen, aktives auf-LEute-zu gehen, doch die "Ernte" ist immer nur vorübergehen da, bis es wieder zu einem fast Nichts verschwindet.
Mir fehlt einfach eine warme, echte Freundschaft. An eine Beziehung wage ich zur Zeit gar nicht mehr zu denken. Immer wenn ich dachte, jetzt könnte es mal bisschen in die Richtung gehen, verlief alles wieder im Sande.
Ja, es klingt depressiv, habe auch bisschen Angst, dass ich es langsam werde. Dabei weiß ich, dass mir das auch nicht weiterhilft.
Habt ihr vielleicht eine Idee, woran so eine Lebenssituation liegen könnte?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 25
Thema: Stagnation
-
15.06.2010, 15:04
Stagnation
-
15.06.2010, 15:21
AW: Stagnation
Hallo Corazon,
Mir geht es durchaus ähnlich. Trotz objektiv guter Situation kommt da nichts an bzw. bleibt das ganze ein Null-Summengeschäft.
Zur "Ernte": Freundschaften brauche Zeit und bei den wenigsten neuen Bekanntschaften wird mehr daraus. Insofern genieße ich den Augenblick und erwarte da kein Ergebniss.
Trotz diverser Aktivitäten und Lernprozesse fühle ich mich immer noch in einer Sackgasse. Ich habe mir aber angewöhnt, diese nicht als Endpunkt zu sehen sondern als Startpunkt, von dem ich mir in Ruhe eine neue Richtung aussuchen kann.
Bei mir liegt vieles darin begründet, das mir die Ziele und Pläne ausgegangen sind. Die, die ich hatte haben keine Bedeutung mehr. Neue habe ich nicht gefunden. Außerdem fehlt mir die Energie. Daran arbeite ich aber. Schritt für schritt und so lange wie es dauert.
Gruß Axel
Mal ganz nebenbei, mag ich deinen Nick."Ein Mann kann mit jeder Frau glücklich werden, solange er sie nicht liebt." (Oscar Wilde eigentlich Oscar Fingal O'Flahertie Wills)-------------------------------------------------------------------------------------------
Für mehr
anstelle von
.
Tut mir leid, Hühner...ein Hahn tut, was ein Hahn tun muss.
(by carene)
Hey Axel!!!! Zauber dir ein Lächeln ins Gesicht!
(by kazzayyee)
-
15.06.2010, 15:48
AW: Stagnation
Hi Corazon,
mag es vielleicht auch am Alter liegen...?Nahende midlife crisis?
Gr
SevenIch bin ein Capulcu
-
15.06.2010, 15:56Inaktiver User
AW: Stagnation
Ganz spontan ist mir die Frage eingefallen, ob sich da nicht schon viel länger etwas bemerkbar macht, als Du meinst:
Was es sein könnte, weiß ich nicht.Vom Vater habe ich mich eher im Guten getrennt, ich habe die Trennung initiiert, da ich mich einfach immer lebloser an seiner Seite gefühlt habe.
Wenn es aber so ist, lag es nicht (nur) an Deinem Mann bzw. der vergangenen Liebe bzw. der Unterschiedlichkeit ...
Denn Du hast die Kurve nach der Trennung nicht so richtig geschafft, wieder in die "Lebendigkeit" zu kommen.
Meine Theorie: Die Trennung und die Einrichtung des neuen Lebens haben ein bisschen überbrückt und jetzt bist Du mit Dir selbst wieder ungefähr dort, wo Du vor der Trennung warst.
Klingelt da was?
Wenn ja, musst Du in Dir selbst suchen. In Deiner Geschichte - die zugehörigen "depressiven" / lebensverneinenden Muster aufdecken und verändern .....
Bist Du denn ganz weit weg gezogen?
Bzw. hattest Du schon jemals längere,tragende Freundschaften?
Was ist aus denen geworden?
-
15.06.2010, 18:30Inaktiver User
AW: Stagnation
Liebe Corazon,
wie hast Du denn die Trennung verarbeitet? Ich finde Ledas Hinweis durchaus hilfreich: Gibt es ein "Level an Unlebendigkeit", an das Du Dich womöglich gewöhnt hast? Wie "abgetrauert" ist die Erfahrung, dass Deine Ehe gescheitert ist? Ich meine: Selbst wenn Du die Trennung initiiert hast und einen guten Grund dafür hattest, ist das Verarbeiten dessen, was zur Trennung geführt hat und das Verarbeiten des Gefühls des Scheiterns noch mal ein Paket, das durchaus Gewicht haben kann.
Was wir noch einfällt: Ich glaube, es ist heutzutage nicht immer ganz einfach, Freundschaften zu schließen. Viele Menschen müssen zunehmend flexibler zwischen Beruf und Privatleben hin- und herswitchen. Manchmal fehlt manchen die Kraft (v.a. mit zunehmendem Alter), neue Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Vielleicht nimmst Du Dir da mal etwas Druck raus, wenn Du Dir das klar machst.
Tja, und was mir noch aufgefallen ist: Du beschreibst Dein Leben als ein eher ruhiges Dahinplätschern. Job zur Existenzsicherung, nette Kinder, nette Hobbies. Aber nichts, wofür Dein Herz brennt!!! Gibt es vielleicht so etwas? Hast Du es schon mal erlebt? Musik, Kunst, Sport, ein anderes Hobbie?
Wenn Du so etwas in Dir entdeckst und pflegst, bringst Du damit schon mal viel Lebendigkeit in Dein Leben. Das andere ist, dass Du darüber noch mal Kontaktmöglichkeiten bekommst - mit anderen Menschen, die ebenfalls für etwas brennen. Gemeinsame Leidenschaften können sehr verbinden...
-
15.06.2010, 20:11
AW: Stagnation
@Leda
Danke dir für deine Gedanken.
So ähnlich habe ich auch schon gedacht. Das ist es ja, was mich so wahnsinnig macht. Ich bin auch schon froh, wenn man mir nicht das Buch: "Liebe dich selbst, dann kannst du heiraten, wen du willst" empfiehlt, obwohl es durchaus viele Wahrheiten enthält! (Ich habe es gelesen.)
Ja, ich bin genauso wie ich vor meiner Trennung war, nur habe ich nicht mehr diesen "Spiegel" meiner Unlebendigkeit vor Augen ...
Ich habe auch schon an Psychotherapie gedacht: lebensverneinende Muster und so.
Was die Freundschaften betrifft, ich hatte früher gute Freundschaften. Nicht ich bin weggezogen, sonder einige gute Freundinnen. Klar, man besucht sich, telefoniert, aber mir fehlen eben Menschen in meiner Umgebung, mit denen ich mich über das Hier und Jetzt austauschen kann.
Und irgendwie habe ich sogar bei den wirklich guten Freundinnen das Gefühl, unsere Bindung verwässert langsam.
-
15.06.2010, 20:15
AW: Stagnation
@Nancissima
auch dir: Danke für deine Anstöße!
Die Trennung verarbeitet habe ich glaube ich noch nicht, ich denke das braucht auch mehr Zeit.
Ja, das stimmt, das klingt wirklich etwas "langweilig", was ich so beschrieben habe. Und ich frage mich selbst, warum ist es so?
Vielleicht brauche ich zu viel Sicherheit, das was ich eigentlich auf der einen Seite verabscheue.
-
15.06.2010, 20:17
AW: Stagnation
-
16.06.2010, 03:29Inaktiver User
AW: Stagnation
Wie wirkt sich das denn aus bzw. woran erkennst Du die Krise?corazon69;7154743]Ja, "Midlife crisis" habe ich schon länger, seit etwa zwei Jahren. Ich möchte mich aber nicht damit abfinden, dass es eine Krise ohne Ausweg ist.
Klar, ich frage mich, was hast du erreicht in deinem Alter?
Es klingt für mich ein bisschen als ob du eine bestimmte Vorstellung davon hast, wie es eigentlich sein sollte. Oder wie es sein könnte. Worauf schaust du denn, wenn du dir diese Frage beantwortest: Warum muss man denn etwas 'erreichen'? Hast Du die ganze zeit nach etwas bestimmtem gestrebt, dass du dich jetzt irgendwie am Ziel siehst?
Schaust Du darauf, was du geleistet hast: du ziehst Kinder gross, du kannst dich selbständig ernähren usw. oder schaust du, was andere angeblich haben und du nicht?
Ich weiss gar nicht lange ich (unter anderem) geglaubt habe, alle hätten einen grossen, interessanten Freundeskreis - weit gefehlt.
Das mit der Lebendigkeit: die kommt aus einem heraus. Aus Leidenschaft für irgendwas - und wenn es Teetassen sammeln ist. Als ich mir meinen Kindheitstraum erfüllt hatte, fühlte ich mich so lebendig wie nie zuvor. Ich zehre jetzt noch davon, obwohl ich diesem Hobby nicht mehr nachgehe.
einen lieben Gruss
esperanza
-
16.06.2010, 12:11Inaktiver User
AW: Stagnation
Hallo corazon,
das war bestimmt nicht meine Absicht Dir zu unterstellen, Du hättest Deine Ehe leichtfertig weggeworfen.
Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass viel mehr gilt: Liebe dich selbst und du heiratest nicht mehr jeden, den du davor gewollt hast.
Man kommt eben nicht selbst an sich vorbei. Man leidet so lange an anderen bis man merkt, dass man eigentlich an sich selbst leidet.Ja, ich bin genauso wie ich vor meiner Trennung war, nur habe ich nicht mehr diesen "Spiegel" meiner Unlebendigkeit vor Augen ...
Ich habe auch schon an Psychotherapie gedacht: lebensverneinende Muster und so.
Was machst Du mit dem Impuls eine Therapie o.ä. zu machen?
Ich meine, das ist mal grundsätzlich ein konstruktiver Impuls.
Nimmst Du sowas auf und machst was draus oder verschwindet das im destruktiven Sumpf?
Wenn Du während Deiner Ehe kein freundschaftliches oder anderweitig soziales Netzwerk - wie groß oder klein auch immer - gepflegt hast / nicht pflegen konntest, dann sind die fehlenden Freundschaften jetzt wahrscheinlich nicht Ursache für Deine empfundene zunehmende Isolation, sondern Symptom - und irgendwann beißt es sich natürlich in den Schwanz. Es verstärkt sich und der Leidensdruck wächst. Vielleicht wird es wirklich schwieriger mit zunehmendem Alter, aber vielleicht macht man es sich auch schwerer als notwendig - das gilt es herauszufinden.Was die Freundschaften betrifft, ich hatte früher gute Freundschaften. Nicht ich bin weggezogen, sonder einige gute Freundinnen. Klar, man besucht sich, telefoniert, aber mir fehlen eben Menschen in meiner Umgebung, mit denen ich mich über das Hier und Jetzt austauschen kann.
Ich sage mal so: wenn alle "Bemühungen" nicht fruchten: Trennung, neues Leben, gute Zeit mit Kindern, grundsätzliche Freude an Hobbies, neue Kontaktversuche, dann ist meiner Meinung nach irgendwo grundsätzlich der Wurm drin; im Erleben, in den Erwartungen, in der Bewertung, in der Anstrengung, in der eingeschlagenen Richtung, im Hormonhaushalt. Oder sonstwo.
Hast Du eine Idee?
Wann war Dein Leben denn zum letzten Mal richtig rund?
Und an was lag das, meinst Du?
Das wäre mit 40 ja auch ein bisschen früh, schon so gut wie tot zu sein. Was hat Dich früher angeregt / weiter gebracht?


Zitieren

