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    Ich will nicht "da raus"

    Hallo,

    seit einiger Zeit (3-4 Wochen in etwa) merke ich, dass ich wieder vermehrt lustlos auf den Alltag bin. Es ist etwas schwer zu erklären, aber wenn ich morgens aufwache, würde ich am liebsten weiterschlafen; sogar am Sonntag, wenn ich ausgeschlafen spät aufwache, versuche ich mich, zum Weiterschlafen zu "zwingen" und stehe dann letztlich nur auf, weil ich nicht den ganzen Tag vertrödeln möchte.

    Morgens freue ich mich auf den Abend, den ich dann aber auch nicht so wahnsinnig aufregend verbringe. Ich glaube, im Laufe des Abends freue ich mich auf das Zu-Bett-Gehen, andererseits aber will ich nicht ins Bett gehen, weil ja dann als nächster wieder der neue Tag vor der Türe steht.

    Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich den ganzen Tag nicht aus der Wohnung muß und oft denke ich an Arbeitstagen "Ich will da jetzt nicht raus".

    Dabei muss ich aber sagen, dass ich eine durchaus angenehme Arbeit habe, bei der ich mir - dank Selbständigkeit - die Zeit auch in gewissem Rahmen frei einteilen kann. Ist mal wenig los, kann ich ohne schlechtes Gewissen auch mal einen Vormittag rumtrödeln. Ich habe vorwiegend angenehme Menschen in meinem Umfeld, einen netten Freundeskreis, einige Hobbies. Es ist also nicht so, als ob ich Angst vor der Welt "da draussen" haben müsste. - Ich hatte auch ab und an mal Probleme mit Depressionen, allerdings dies schon lange nicht mehr und abgesehen von dieser Unlust auf die Welt vor meiner Wohnungstüre habe ich auch keine Anzeichen, die darauf hin deuten würden, dass die Depression wieder da wäre. Ich bin einfach nur sehr schlapp und faul. Wenn ich viel zu tun habe, kann ich durchaus auch richtig aktiv und effizient sein, ohne daß es mir etwas ausmacht. Mir fehlt auch nicht unbedingt die körperliche Energie.

    Ich weiss nicht, ob man diesem wirren Geschreibsel jetzt ungefähr entnehmen konnte, wie ich mich fühle. Es ist, wie gesagt, nicht leicht zu beschreiben. Was mich aber interessieren würde: kennt jemand von euch so ein Gefühl, so eine anhaltende Unlust? Hat jemand vielleicht sogar Tips, wie das wieder weggeht. Es kann ja irgendwie nicht Sinn des Lebens sein, darauf zu warten, dass der Tag möglichst schnell vorbei geht. Mich ärgert diese Unlust auch ein wenig, ich könnte viel mehr erledigen, wenn ich mich da zusammennehmen würde, nur fehlt mir dazu wohl die Kraft oder Disziplin.

  2. Inaktiver User

    AW: Ich will nicht "da raus"

    Mmmmmhhh, ich kenne das auch, aber das kann wirklich viele Ursachen haben. Mir geht es so, wenn der Alltag ziemlich reizarm ist, fehlt es mir auch schnell und leicht an Antrieb. Das ist aber schlagartig weg, wenn ich wieder eine spannende Aufgabe zu bewältigen habe. Ich bin einfach vom Alltag schnell gelangweilt.
    Aber es kann z.B. auch körperliche Ursachen haben. z.B. Stoffwechselumstellungen wie Frühjahrsmüdigkeit oder Winterdepri. Wie sieht es denn mit den Schilddrüsen aus? Ich kam mal eine zeitlang einfach nicht mehr in die Gänge, hab mich durchchecken lassen und es war eine Entzündung derselbigen.
    Ist immer schwierig herauszufinden, was es sein kann.

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    AW: Ich will nicht "da raus"

    Hi, Darla,
    ich befürchte, es ist eine Depression. Dieses Gefühl von Antriebslosigkeit, nicht Raus-Wollen usw., kenne ich auch. Jetzt wird ja auch das Wetter wieder besser, schau mal ob das Gefühl bleibt oder sich zum Besseren wendet. Wenn nicht, rate ich Dir den Gang zu einem Arzt Deines Vertrauens (wie geschwollen das klingt!). Eine Freundin von mir hat ein hoch dosiertes Johanniskrautpräperat verschrieben bekommen und das lässt sie wieder munterer und kraftvoller werden. Mit Alternativen, was Dir wieder mehr Lebensenergie bringt, kannst Du Dich beschäftigen, wenn Du wieder zu Kräften gekommen bist.

    Alles Gute, Unbequeme.

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    AW: Ich will nicht "da raus"

    Hallo Darla,

    ich habe immer mal wieder solche Phasen... Find ich aber nicht weiter bedenkenswert, so lange es sich nicht über Wochen hinzieht und ich nicht selbst bei den schönsten Dingen "Nee, lieber nicht" sage... Manchmal ist das Leben etwas eintönig, dafür gibt es aber wieder Zeiten, in denen ich so viel vor habe, das es fast zu viel ist...

    Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber ich denke, so lange sich das die Waage hält, ist da noch nicht viel schlimmes dran....

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    AW: Ich will nicht "da raus"

    Herzlichen Dank für eure Antworten!

    Jede davon war sehr hilfreich und hat mir gute Punkte zum Nachdenken gegeben.

    Was Du erwähntest, Uli, kenne ich auch - wenn ich wenig zu tun habe, dann bin ich völlig antriebslos und mache dann noch nicht mal das Wenige, was ich zu tun hätte. Wenn ich richtig viel zu tun habe, drehe ich auf und kriege viel geschafft. Hier ist es momentan so, daß ich beides habe, sowohl Tage, an denen viel zu tun ist, aber auch Tage, an denn eher weniger ansteht (und diese überweigen auch). Wobei ich bei mir momentan auch eher das Gefühl habe, dass mein Gehirn sich am liebsten - unabhängig von der Arbeitsleitung - einfach gemütlich zu Hause einkapseln würde.

    Schilddrüse ist auch ein guter Punkt. Ich habe seit Jahren eine Unterfunktion, die auch lange falsch behandelt wurde. Dies ist seit Ende letzten Jahres behoben und da konnte ich auch gleich eine Steigerung von Energie und Stimmung feststellen. Allerdings habe ich seitdem meine Werte auch nicht mehr kontrollieren lassen. Das wäre also definitiv ein Schritt, den ich mal tun sollte.

    Unbequeme, ja, so ein wenig fürchte ich das auch, dass es vielleicht doch wieder eine Depression ist. Ich werde es mal beobachten, denn falls es das wieder ist, will ich nicht zu lange warten, bis ich zum Arzt gehe. Das habe ich mal gemacht, und es war sehr kontraproduktiv, so lange zu warten. Was Du das zum-Kräfte-kommen schreibst, stimmt natürlich. Vielleicht will mein Körper und mein Geist auch einfach mal eine Weile Ruhe. Emotional waren die letzten Jahre sehr anstrengend.

    Lilith, das hat mich beruhigt, dass auch andere das erkennen und erfahren. Und Du hast auch recht, es hält sich ja noch die Waage - ich gehe ja, wie geschrieben, zum Sport und freue mich auch, wenn ich Freunde treffe. Das war zu Zeiten meiner tiefsten Depression nicht so.

    Eure Antworten haben sich also sehr gut ergänzt und mir erst mal die nächsten Schritte gezeigt: Schilddrüsenwerte testen lassen und, falls diese normal sind, erst mal eine Weile beobachten, wie sich mein Rückzugdrang entwickelt. Sollte es überhand nehmen, dann doch mal einen Arztbesuch zur Abklärung von Depression in Betracht ziehen.

    Ganz lieben Dank an euch!

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    AW: Ich will nicht "da raus"

    Hallo liebe Darla,

    ich kenne diesen Zustand, den du da beschreibst, nur zu gut. Mir geht es ganz ähnlich. Es kommt schon mal vor dass ich das ganze Wochenende nicht vor die Türe gehe, verbringe die meiste Zeit mit meinem Laptop im Bett und es fehlt mir... NIX! Dabei war ich früher absolut gesellschaftsfähig, ein Wirbelwind, war immer sehr gerne unter Leuten und bin von einer Veranstaltung zur anderen unterwegs gewesen.

    Angefangen hat das bei mir nach der Trennung von meinem Freund und tja...depressiven Verstimmungen. Habe auch Johanniskraut in hohen Dosen eingenommen und zeitweise wurde es doch besser. Das Gefühl, auf nichts mehr Lust zu haben und sich auf rein gar nichts mehr zu freuen, macht mir aber auch jetzt wieder zu schaffen. Es fehlen mir einfach Höhepunkte im Leben momentan. Und ich versuche nun, mir diese selbst zu verschaffen. Bin zum Beispiel für eine Woche mit meiner Tochter ans Meer geflogen...es war ein Mutter-Tochter-Traumurlaub! Habe das in vollen Zügen genossen und dennoch blieb meine Stimmung gedämpft... Hatte auch das Johanniskraut abgesetzt wegen der Nebenwirkungen in Verbindung mit der Sonne. Nun nehme ich es aber wieder, denn so richtig komme ich ohne noch immer nicht "in die Puschen".
    Und nach dem Urlaub beginne ich wieder mich einzuigeln... echt blöd.

    Am Ende bin ich dankbar, dass ich meinen Jobb habe und regelmäßig ins Büro "muss", sonst würde ich mich wohl total isolieren. An manchen Tagen bin ich richtig froh, wenn ich nach der Arbeit endlich wieder zuhause sein darf...endlich wieder ins Bett und schlafen...nicht spüren zu müssen, dass ich am Leben da drausen irgendwie nicht teilhaben kann... Ich zwinge mich förmlich dazu Freunde zu treffen, zum Sport zu gehen, Rad zu fahren...nur um mich selbst und diesen Zustand auszutricksen, in der Hoffnung es wird alles wieder wie früher, wenn ich nur "will".

    Bei einem Arzt war ich allerdings noch nicht, aber das werde ich nun auch mal in Angriff nehmen, da mir dieser Zustand schon zu lange andauert und meine Maßnahmen nur bedingt helfen.
    Wo ist nur meine Energie, meine Lebenslust, mein Feuer geblieben???

    Liebe Darla, wie geht es dir heute? Lass mal hören, was dein Arztbesuch gebracht hat.


    LG Pepperminza
    Geändert von Pepperminza (15.06.2010 um 13:32 Uhr)

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    AW: Ich will nicht "da raus"

    Pepperminza, es war sehr interessant, Dein Posting zu lesen. Deine Wochenendbeschreibung - das ist haargenau die Art, wie ich am liebsten meine Wochenenden verbringe. Ich stelle dann sogar das Telefon ab, um wirklich ungestört zu sein. Diese Neigung, gerne alleine zu sein, hatte ich aber schon immer. Deshalb bin ich mir auch nicht sicher, ob das momentan bei mir eine Depression ist - bei Dir ist es ja wohl Zeichen einer Depression. Ich treffe durchaus auch gerne Freunde, bin morgen zB eingeladen und freue mich schon sehr drauf. In meinen schweren depressiven Phasen möchte ich überhaupt niemanden treffen.

    Hast Du schon mal überlegt, Antidepressiva zu nehmen? Johanniskraut hat bei mir keine Wirkung gezeigt. Ich habe ziemlich viele Antidepressiva durch und wenn jetzt auch keines *die* Lösung war, so hat eines doch merklich geholfen. (Die richtige Schilddrüsenmedikation hat auch viel ausgemacht).

    Diesen Satz von Dir fand ich sehr aussagekräftig: "endlich wieder ins Bett und schlafen...nicht spüren zu müssen, dass ich am Leben da drausen irgendwie nicht teilhaben kann... "
    Ich schlafe ausgesprochen gerne. Und bin morgens auch immer ein wenig enttäuscht, dass das echte Leben mich wieder hat (also nicht, dass ich nie mehr aufwachen möchte, das meine ich nicht). Und ich habe auch oft das Gefühl, dass andere mehr am Leben teilnehmen. So viele Dinge, die für andere normal sind und/oder denen Spass machen, sind für mich undenkbar oder eine Qual.

    Momentan ist es auch ein seltsamer Zwischenzustand bei mir: einerseits bin ich wieder aktiver, kann auch Menschen wieder mehr ertragen und dann wird mir das selbstgewählte Alleinsein dann wieder zu viel und deprimiert mich. Andererseits aber ist das Nicht-Alleinsein dann wieder mit so viel Aufwand verbunden, dass ich lieber alleine bin. Ich habe einige Freunde, die ich auch kurzfristig besuchen/treffen könnte. Aber dann will ich mein kostbares Alleine-Wochenende auch wieder nicht aufgeben. Ach, irgendwie stehe ich mir wohl selbst im Weg.
    Am glücklichsten bin ich weiterhin einfach auf meinem Sofa oder in meinem Bett, wo ich die Welt einfach vergessen kann. Was mich eigentlich ärgert, denn meine Welt ist denkbar angenehm. Es gibt keine Grund, vor ihr flüchten zu wollen.

    Pepperminza, Dein Posting klingt sehr traurig, sehr verzweifelt. Ich erkenne da einiges wieder, gerade auch aus meiner ersten depressiven Phase. Ich kann einen Besuch beim Arzt wirklich empfehlen. Auch wenn diese Meinung umstritten ist: es gibt Depressionen, die schlicht auf ein chemisches Ungleichgewicht im Hirn zurückzuführen sind. Da kann dann ein Medikament sehr helfen. Ich weiss nicht, ob das bei Dir der Fall ist und ich will kein gedankenloses Pillenschlucken propagieren. Aber probieren sollte man es schon. Ich kenne einige, denen das sehr geholfen hat.

    Ich hoffe, dass Du Deine Lebenslust, Dein Feuer und Deine Energie bald wieder findest!

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    AW: Ich will nicht "da raus"

    Guten Morgen Darla,

    ich möchte keineswegs verzweifelt rüberkommen, das bin ich nicht. Vielleicht stehe ich der ganzen Situation ein wenig hilflos gegenüber, weil zu all meinen Unternehmungen mir der Antrieb fehlt und ich das nicht einordnen kann. Ich nehme es mittlerweile hin und denke "is halt so!"

    Auch ich kenne diese Wochenenden von früher, an denen ich gern mal alleine bin. Nur gibt es diese in der letzten Zeit wahrscheinlich zu oft. Ich sagte ja, es fehlt mir nix. Ich kann es auch unheimlich genießen mal nur mit mir zu sein...die Welt draussen zu lassen und einfach so in den Tag hinein zu leben ohne irgendwelche Pläne zu machen und ständig nach Uhr zu leben. An solchen Wochenenden ist es völlig egal, wie spät es ist...ich esse, wenn ich Hunger habe (koche mir was schönes)...ich bade wenn mir dannach ist...oder ich liege den ganzen Tag im Bett mit einem guten Buch oder surfe im Internet...
    Dass ich mich zuviel allein und nur mit mir beschäftige, bekomme ich spätestens dann mit, wenn mein Freundeskreis beginnt sich darüber zu wundern und mir das auch so sagt. Die fragen mich dann, was mit mir los ist und ob ich krank bin und was mir denn fehlt? Ich verstehe auch, dass diese sich wundern, weil sie mich eben auch ganz anders kannten...
    Mir fehlt einfach, wie du es auch schreibst, die Energie und die Lust für Unternehmungen und manches empfinde ich ne richtige Qual...

    In einem anderen Thread habe ich gestern was schönes gelesen, dass es von meinem Empfinden her gut auf den Punkt bringt: Es fehlt mir etwas, wofür mein Herz wieder so richtig schlägt! Eine Leidenschaft. Das bringt, glaub ich, den Motor wieder zum Starten und zum laufen... und lockt heraus aus dem Schneckenhaus.
    Nur wie finden, wenn einem alles so schwer fällt und die Lust fehlt...

    Wäre auch alles halb so wild, wenn mich dann nicht immer in regelmäßigen Abständen diese Traurigkeit befallen würde. Diese macht dann alles fürchterlich zäh... Und die möchte ich gerne raus haben aus meinem Leben. Und dafür hätte ich gerne ne Pille, weil ich das Gefühl habe, dass ich das allein nicht bekämpfen kann, dem hilflos ausgesetzt bin.


    Nun gut, immerhin bin ich jetzt ein wenig erleichtert, dass es noch eine Dame gibt hierzulande, der es sehr ähnlich geht wie mir...

    LG Pepperminza

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