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    AW: Mein Leben auf dem falschen Dampfer...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Elinborg, ich finde es sehr wichtig, was Du geschrieben hast!

    Dennoch: Es gibt einen Unterschied, ob man einen Job macht, um seine Brötchen zu verdienen, oder ob man Spaß an der Arbeit hat. In letzterem Fall zieht man nämlich viel Energie aus der Arbeit selbst, man kann auch zeitweise mal 50, 60 Stunden die Woche arbeiten und trotzdem (seelisch) gesund bleiben, weil man eben Freude an der Arbeit empfindet. Intrinsische Motivation nennt man das. Deswegen finde ich es wichtig zu überprüfen, wie man zu seiner Arbeit steht. Ist ja auch okay, nur seinen Unterhalt damit zu verdienen, aber dann muss der Ausgleich eben anders geartet sein als in einem Fall, wo jemand sein Hobby zum Beruf gemacht hat.
    Solange es bei "zeitweise mal" bleibt, habe ich damit im Prinzip kein großes Problem. Habe ich ja auch schon gemacht; in der Endphase der Diss, vor wichtigen Konferenzen, etc. Aber als Dauerlebenskonzept lehne ich diese Einstellung ab bzw. ich könnte so gar nicht leben; irgendwann wäre ich nicht mehr funktionsfähig.

    Und, wie schon gesagt, ich habe eben mehr als nur ein Hobby. Und idealerweise würde ich gerne eines davon zum Beruf machen, und dann immer noch Zeit haben für das andere...

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    AW: Mein Leben auf dem falschen Dampfer...

    Zitat Zitat von Kisskiss Beitrag anzeigen
    Lehrerin ist wohl auch keine Alternative für dich, Desert?
    Da könntest du auch mal kürzer treten und Mathe-, Bio- und Chemielehrer werden händeringend gesucht.
    Danke für den Vorschlag, Kisskiss, aber nee - das ist definitiv keine Alternative! Das ist sozusagen Version 0.1 der "sicheren Karriere", die mir schon der Studienberater anno dazumal schmackhaft zu machen versuchte: "Also ich will ihnen ja nicht zu nahe treten, Frau Solitaire, aber wollen Sie sich das mit dem Lehramt nicht noch mal überlegen? Gerade so als Frau, wenn Sie später vielleicht mal Kinder kriegen wollen..."

    Ich wär' vielleicht keine so ganz schlechte Lehrerin, aber ich weiss einfach, dass ich nicht die richtige Motivation zum Lehrerinnen-Dasein mitbringe. Vereinfacht gesagt, wenn ich Lehrerin würde, wäre das aus Begeisterung an meinem Fach und dem Bedürfnis, diese Begeisterung weiterzuvermitteln, nicht aus Interesse an den Schülern. Und ich glaube, letzteres ist doch das Ausschlaggebendere in der Schule (oder sollte es sein).

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    AW: Mein Leben auf dem falschen Dampfer...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das hier gegebene Beispiel ist sehr anschaulich, denn es zeigt imho, was Leute, die sich über Leistung definieren, bereit sind in Kauf zu nehmen. Auch im Privatleben spielt bei diesen beiden die Leistungsethik eine große Rolle. Daraus, dass sie alles so toll schaffen, scheinen sie eine Menge Energie zu ziehen und ihre Bestätigung zu finden.

    In der Wissenschaft trifft man des öfteren solche Leute, mir sind auch einige bekannt.

    Die Frage ist ja aber, ob die TE sich da einreihen kann. Ich glaube, nicht.
    Hallo Mar-Lene, zu meiner Einstellung zu Leistung allgemein habe ich ja weiter oben schon was geschrieben. Zu diesem konkreten Szenario wollte ich noch sagen, dass ich mir so etwas bis zu einem gewissen Grad vorstellen könnte. Soll heissen: Fernbezeihung, okay, wenn die Jobs gerade so toll sind, dass es für beide der Beteiligten ein riesiges Opfer wäre, den Job dem Partner zuliebe aufzugeben, und wenn klar ist, dass das nicht für die Ewigkeit so gedacht ist. Aber mit Kindern: Ganz klar nein! Denn "sie werden sich auf absehbare Zeit räumlich trennen müssen" in obigem Szenario heisst ja wohl auf gut Deutsch, sie wird alleinerziehend sein mit zwei kleinen Kindern, oder? Das wäre mir a) zu viel, und b) stelle ich mir Familienleben anders vor. (Wenn die Kinder dann schon wieder größer wären, vielleicht im Teenie-Alter, wo sie sowieso anfangen, sich so langsam von den Eltern abzunabeln, dann würde ich so etwas vielleicht eventuell in Erwägung ziehen - aber auch mit einer gehörigen Portion Skepsis, und nur unter Miteinbeziehung der Kinder!)

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Genau das scheint mir der Zwiespalt ("Leben auf dem falschen Dampfer") zu sein. Im Wissenschaftsbetrieb stechen die Leistungsethiker hervor. Wenn man selbst nicht so tickt, stellt sich einem die Frage, ob die Wissenschaft das richtige für einen ist.

    Das fände ich spannend zu diskutieren.
    Das fände ich auch sehr spannend - aus gegebenem Anlass...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ist es nicht ein gangbarer Weg, den Gegenstand der eigenen Forschung als sinnstiftend für sich selbst zu sehen? Das, was man macht, hat doch immer viel mit einem selbst zu tun.

    Oder empfindest Du eine Art Entfremdung, weil Du in einem Projekt bist, an dessen Konzeption Du nicht beteiligt warst?
    Ja, diese Entfremdung oder zumindest Distanz ist definitiv da. Was mir auch aufgefallen ist beim Nachdenken, ist, dass ich im Laufe meiner "Karriere" immer fremdbestimmter geworden bin. Ich hatte immer große Schwierigkeiten, mich für ein Thema zu entscheiden bzw. mir eine sinnvolle Fragestellung für mich selbst auszudenken, und so bin ich jetzt schon zum zweiten Mal in ein vorgefertigtes Projekt "hineingehopst" - ich wusste so vage, in die-und-die Richtung will ich gehen, und da gab es was: Also zugegriffen! Und, ja, ich glaube schon, dass ich wesentlich motivierter (gewesen) wäre, wenn ich mich mit einem Projekt beschäftigen würde, dass ich mir ganz und gar selbst ausgesucht hätte.

  4. Inaktiver User

    AW: Mein Leben auf dem falschen Dampfer...

    Zitat Zitat von DesertSolitaire Beitrag anzeigen
    Dazu kommt, dass ich in vielen Dingen, gerade auch in der ganzen Herangehensweise an unsere Fragestellung, anderer Meinung bin. Grob gesagt versuchen wir in unserem Projekt sowohl eine Messmethode weiterzuentwickeln als auch diese neue Methode auf unsere (ebenfalls neuen) Datensätze anzuwenden, aber es gibt überhaupt keine systematische Evaluierungsmethode ausser "Dann probieren wir die Methode mal an ein paar Datensätzen aus, und wenn es gut aussieht, nehmen wir diese Einstellungen!" - aber was "gut aussieht" ist, ist nirgendwo klar definiert! (Zahlen bitte! Messwerte bitte!!! ) Mein Chef scheint das nicht als notwendig zu erachten (klar wäre es bedeutend aufwendiger!), und da kann ich dann nur noch frustriert die Schultern zucken und sagen, "Na gut!" Aber innerlich identifiziere ich mich damit halt überhaupt nicht...
    Dieses hemdsärmlige Ausprobieren bis die Werte stimmig scheinen, das Du beschreibst erinnert mich doch stark an in Garagen praktizierten Methoden statt an wissenschaftliches Arbeiten. Dass Du hieraus keine Befriedigung ziehst, ist vollkommen verständlich.

    In einer vergleichbaren Situation kannst Du Dich in der freien Wirtschaft auch wieder finden. Und genau hier kannst Du ansetzen, welche Hilfsmittel es für Dich gibt, diese Vorgänge zu vereinheitlichen und automatisieren, um Dir den benötigten Freiraum für das Entwickeln einer neuen systematischen Herangehensweise zu verschaffen.
    Alternativen wie Lehrerberuf scheinen für Dich auszuscheiden, dann bleibt die Frage, wie Du Dein Umfeld so weit beeinflussen kannst, dass Du Dich darin wohl fühlst.

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    AW: Mein Leben auf dem falschen Dampfer...

    Zitat Zitat von HansDampf Beitrag anzeigen
    Der akademische Mittelbau als Beschäftigungsbasis für Post-Postdocs ist in Deutscland seit etwa 15 Jahren Schritt für Schritt eliminiert worden. Mit Mitte 40 ist dann Schluss, entweder man macht Karriere oder man sucht sich eine Nische außerhalb der Unis.
    HansDampf, du nimmst mir die Worte aus der Tastatur! Es gibt (in Deutschland!) keinen Mittelbau mehr, auf dem man "hängenbleiben" könnte - die akademische Karriere ist ein "alles oder nichts"-Pokerspiel: Entweder man schafft es auf eine unbefristete Stelle (auf gut Deutsch: wird Professor(in), denn darunter gibt es nichts Unbefristetes), oder man muss sich mit Anfang 40 etwas anderes suchen... wenn man dann überhaupt noch etwas findet...

    (Und ist das nicht mit dem neuen Hochschulrahmengesetz noch viel verschärfter geworden? Maximal 12 befristete Jahre an der Uni, und wenn man danach keine feste Stelle hat, ist man für immer raus aus dem System? Ich hab's nicht so mitverfolgt...)

    Zitat Zitat von HansDampf Beitrag anzeigen
    Bei einem befreundetes Paar (er Physiker, sie Biologin) hat sie etwa ein Jahr vor ihm promoviert, bis zu seiner Promotion haben sie geheiratet uhnd ihr erstes Kind bekommen. Anschließend drei Jahre in Holland (seine Post-Doc Stelle), inzwischen 5 Jahre in Süddeutschland (wieder war es seine Stelle, die den Umzug triggerte). Er habilitiert zur Zeit, seine Frau bleibt mit halben Post-Doc-Stellen notdürftig im Geschehen, hat aber realistisch keine Karrierechancen. Sie haben inzwischen drei Kinder, die Priorität ist klar seine Karriere. Scheitert diese, hängen 5 Leute in der Luft.
    Genauso war das damals bei meinen Eltern - mit dem Unterschied, dass meine Mutter nicht in der Wissenschaft tätig war und kein Problem hatte mit ein paar Jahren Kinderpause (sie konnte im Ausland nicht arbeiten). Und schwuppdiwupp hing die ganze Familie an der Karriere des Mannes - da war es dann auch selbstverständlich, dass für eine Stelle umgezogen wurde... (Deswegen meinte ich auch, mir ist das vorgelebt worden, dass man sich nach dem Beruf richtet... )

    Ich danke euch allen für eure Beiträge!

    Viele Grüße,

    DesertSolitaire

  6. Inaktiver User

    AW: Mein Leben auf dem falschen Dampfer...

    Zitat Zitat von DesertSolitaire Beitrag anzeigen
    (Und ist das nicht mit dem neuen Hochschulrahmengesetz noch viel verschärfter geworden? Maximal 12 befristete Jahre an der Uni, und wenn man danach keine feste Stelle hat, ist man für immer raus aus dem System? Ich hab's nicht so mitverfolgt...)
    heute nur ganz kurz:

    Jein. Das Gesetz ist aufgeweicht worden in der Weise, dass man danach unbefristet auf Drittmittelstellen angestellt sein darf. Heißt, Du kannst als PD bis zur Rente bei irgendwelchen DFG-Projekten mitarbeiten.

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