"hohe Erwartungen" - Das kenne ich auch. Nach deinen Buchtips werde ich mal schauen. Ich habe noch keine gefunden, oder gesucht!
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31.05.2010, 22:26
AW: Ich kann negative Gedanken nicht abschalten!
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31.05.2010, 22:28
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01.06.2010, 08:34Inaktiver User
AW: Ich kann negative Gedanken nicht abschalten!
Morgen Champagne!
ich glaube, dieser absolut hohe Erwartungsdruck kommt vor allem aus einer innerer Unzufriedenheit heraus.
Ich selbst habe nämlich auch dieses Problem mit der Überreaktion. Ich schaff' es nicht, meine Grenzen eindeutig und ganz "normal" klar zu machen. Fühle mich auch oft übergangen, ausgeschlossen, dass man mir nicht richtig zuhört etc.
Wenn ich zufrieden mit mir bin, bin ich nämlich viel lockerer. Im anderen Fall macht man sehr stark sein Glück von anderen abhängig. Da bleibt wenig Platz für schöne Überraschungen. Man ist quasi ständig auf der Lauer, sucht fast nach dem Haar in der Suppe, nach Angriffen auf die eigene Person---> der andere hat irgendwann das Gefühl, er mache alles falsch und könne es einem eh nie Recht machen.
Stell' dir das Ganze mal umgekehrt vor: dein Freund würde dir ständig Vorwürfe machen, dass du dieses und jenes falsch machst, dass du ihn im Endeffekt nicht glücklich machst. Da fragt man sich irgendwann: was will der eigentlich von mir, wenn ich so blöd bin?
Liebe Grüße,
caponata
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01.06.2010, 11:25
AW: Ich kann negative Gedanken nicht abschalten!
Hallo liebe champagne,
Ich denke auch, dass jeder Fehler macht, selbst die berühmten und mächtigen und es gehört dazu. Manchmal glaube ich sogar es ist eine Kunst gerade mit seinen Fehlern zu leben.
Ich denke vor allen Dingen, dass man mal angezickt sein darf
schon die schönsten Filmszenen in Hollywoodfilmen lebten davon, dass es mal ein bisschen Terz gibt. Und ich kann überhaupt nicht rauslesen, dass du irgendetwas falsch gemacht hättest. Ich lese nur heraus, dass dein Freund ziemlich nachtragend ist 
Wie ich handel....
Ich habe mich irgendwann an mein Temperament gewöhnt. Ich bin halt eine kleine Dramaqueen. Meine Freunde wissen das inzwischen, und es gab sogar schonmal eine Bedienungsanleitung für mich: wenn sie qualmt und raucht erstmal zuschauen, eine Zigarette parat halten und ihr am besten nicht auf die Schulter klopfen.
Ich habe sogar gemerkt, dass Temperament auch seine Vorzüge hat... aber dafür habe ich eine Therapie gebraucht die ganze 2 jahre ging und immer und immer wieder muss ich diesen bescheuerten Reißwolf im Hirn, der meine Handlungen auseinander nimmt, mit aller Gewalt zum Stoppen bringen.
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01.06.2010, 17:29
AW: Ich kann negative Gedanken nicht abschalten!
Ist genau mein Thema, ich habe auch eine Sache die ich einfach
nicht vergessen kann und wo ich sehr nachtragend bin.
Bei mir ist es so, dass ich Schwierigkeiten habe rechtzeitig der
anderen Person ihre Grenzen aufzuzeigen, das geht mir noch
heute so.
Woran das liegt weiß ich immer noch nicht genau. Zum Einen
zu wenig Übung, das kann man wohl nach und nach lernen
mit viel Ausdauer und einigen Ausrutschern.
Und zum Anderen spielt das Elternhaus wohl eine Rolle. Bei
uns sind Probleme unter den Teppich gekehrt worden und
unser Vater und unsere Mutter haben bei uns Grenzen verletzt.
Fällt jemandem nochwas dazu ein bzw. hat jemand gute
Tipps wie man lernt dem anderen rechtzeitig seine Grenzen
aufzuzeigen. Wenn mir jemand zu nahe tritt bin ich entweder
wie betäubt oder ich reagiere über.Geändert von putznicht (01.06.2010 um 18:23 Uhr)
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01.06.2010, 22:30
AW: Ich kann negative Gedanken nicht abschalten!
hallo putznicht,
ich kann deinen beitrag voll unterschreiben.
nachtragend bin ich bei dieser sache auch, aber nicht aus bosheit, sondern weil sie mich einfach wirklich verletzt hat. und noch immer traurig macht.
und auch beim elternhaus haben wir parallelen - meine mutter hat immer alles akzeptiert (tut sie noch immer), nie gegen meinen vater aufbegehrt (tut sie noch immer nicht) und bei meiner oma war es schon genauso. meine mutter hat ihren frust dann runtergeschluckt, oder an uns kindern ausgelassen. aber nie gegenueber meinen vater "ueberreagiert". daran habe ich gar nicht gedacht, dass das zusammenhaengen koennte.
ein anderer punkt ist auch, dass meine oma und mutter nie wuensche aeussern konnten, oder dinge "verlangt" haben (ist jetzt noch so - sogar wenn sie ueberfordert sind bleiben sie lieber stumm). deswegen faellt mir das wohl auch schwer, rechtzeitig "grenzen aufzuzeigen".Geändert von champagne (01.06.2010 um 22:33 Uhr) Grund: verschrieben
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01.06.2010, 22:32
AW: Ich kann negative Gedanken nicht abschalten!
hallo caponata!
richtig, du hast mit allem was du sagst recht. vielen lieben dank fuer deinen beitrag.
allerdings war mir das nicht so klar. und ich denke, es kommt auch von den beduerfnis nach liebe und dem geliebt werden, dass offen gezeigt wird. oder nach anerkennung wenn andere menschen (nicht mein freund) involviert sind.
und natuerlich wuerde ich mich auch fragen was das soll, wenn ich der empfaenger dieser reaktionen waere. allerdings kann ich es eben (noch) nicht besser handhaben.
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01.06.2010, 22:36
AW: Ich kann negative Gedanken nicht abschalten!
hallo lina!
darf ich fragen, wie du diesen "reisswolf" zum stoppen bringst? damit habe ich naemlich echte probleme! total - die gedanken drehen sich stundenlang und das zieht mich wirklich runter.
und was fuer eine therapie hast du gemacht? speziell wegen deiner ueberreaktionen?
deine freunde scheinen diese reaktionen ja gut zu handhaben - darf ich fragen, wie sie anfangs darauf reagiert haben? hast du offen mit ihnen darueber gesprochen?
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08.06.2010, 13:08
AW: Ich kann negative Gedanken nicht abschalten!
Das kommt mir alles ziemlich bekannt vor und ich hab mich lange (auch therapeutisch) damit auseinandergesetzt.
Hohe Erwartungen und das Gefühl, mit Enttäuschungen nicht so richtig umgehen zu können, kommen mit ziemlicher Sicherheit aus alten Kindheitsverletzungen und einem geringen Selbstwertgefühl - ich kenn das mehr als gut!
Sowas hat immer mit Vertrauen in die anderen Menschen und mit Vertrauen in den eigenen Wert zu tun.
Fühlt man sich wertvoll (wie das funktioniert, dazu später), dann hat man meistens nicht so sehr das Gefühl, dass einen andere Menschen mit Kleinigkeiten verletzen können.
Das klingt banal, aber das Vertrauen kommt bei vielen Menschen aus einem Urvertrauen heraus und das wird in der Kindheit gelegt.
Bei vielen stimmt das, bei vielen stimmt das aber nicht - ohne im Einzelnen darauf einzugehen, warum und weshalb, bei dem einen mehr bei dem anderen weniger.
Ich denke, das ist ein Schema:
Irgendein Verhalten erinnert einen an eine Situation in der Kindheit (unterbewusst), mit dem man nicht umgehen konnte, was Ängste und Machtlosigkeit erzeugt und unterschwellig immer noch Angst macht. Ganz oft sind das Dinge wie Verluste oder aber auch Kritik.
Als Kind hat man dann ein Verhalten entwickelt, diesen Konflikt nicht so stark zu spüren, oder wegzudrücken. Das kann zum Beispiel eine erhöhte Wachsamkeit sein, um die nächste Enttäuschung sozusagen "vorherzusehen", damit verbunden dann eine Art "Vermeidungsstrategie", sagen wir mal:
überhohe Erwartungen und Aufstellung von "Verhaltensregeln" für den anderen: "ich muss mich ständig rückversichern, ob der andere auch hält, was er verspricht, schliesslich hab ich schon oft das Gegenteil erlebt"
vorschnelle Wut und Aggression, falls dies nicht erfüllt wird: um die Angst zu betäuben und sich vor erneuter Verletzung zu schützen, "ich mach das lieber gleich kaputt, damit es nicht so schlimm ist, wenn der andere das tut"
Trotz: "wenn ich das nicht kriegen kann, dann will ich gar nichts"
Angst: "ich zieh mich zurück und lass das gar nicht an mich dran"
Das waren jetzt mal Beispiele, die ich alle an mir kenne!
Ich versetze mich gerne mal in die Lage eines Kindes, um das zu begreifen. Kinder haben keine Wahl, sie müssen irgendwas tun, um den Schmerz oder Verletzungen zu meistern, obwohl sie nicht genau wissen können, wieso es zu solchen Situationen kommt und das, was mit ihnen geschieht, was sie um sich herum erfahren, nicht hinterfragen können.
Genau zu diesem Verhalten, das für einen als Kind eine Art "negativer" Ausweg war, neigt man dann oft auch als Erwachsener, wenn wunde Punkte getroffen werden.
Als Erwachsener hat man aber einen entscheidenden Vorteil:
Man kanns hinterfragen!
Man kann also nachfragen, sich in den Anderen hineinversetzen, erstmal abwarten, bis die Wut oder Enttäuschung verraucht ist, bevor man Porzellan zerschlägt, abwägen, ob die eigenen Erwartungen wirklich erfüllt werden können, nachschauen, ob die andere Person nicht will oder nicht kann (ein himmelweiter Unterschied), ob man sich weiterhin dieser Situation aussetzen möchte oder nicht.
Entscheidend ist dabei, die "Ängste" und die erste Machtlosigkeit, die hochkommen, wenn man mal nicht das kindliche Verhalten ausführt, sondern bewusst davon abweicht, auszuhalten - und das sind diese negativen Gedanken, die dann ohne Ventil immer wieder hochkommen und extrem schwer auszuhalten sind.
Es lohnt sich aber, denn oft funktioniert es dann mit anderen Menschen bei Enttäuschungen besser, was einen bestärkt, umzulernen.
Zur Stärkung des Vertrauens in sich und in andere hilft aber grundsätzlich nur:
Vertrauen verteilen auf viele Personen, Erwartungen nicht nur von einer Person abhängig machen, eigene Hobbies und Interessen pflegen, lernen, mit sich selbst etwas anfangen zu können, anderen Freiraum geben und für sich selbst sorgen...
...und akzeptieren, dass dieses Gefühl zu einem gehört und nur nach und nach durch schmerzhafte Lernprozesse verändert werden kann.Geändert von Elwyn (08.06.2010 um 13:19 Uhr)
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08.06.2010, 13:21
AW: Ich kann negative Gedanken nicht abschalten!
Hallo Guter Tropfen!
ich habe eine Verhaltenstherapie gemacht, da ich dachte mein handeln wäre verquer...und die Pragmatik und Lösungsorientiertheit hat mich auch wirklich weitergebracht. Naja, vor einem Jahr hätte ich das nicht gesagt, sondern gejammert: "schon ein Jahr Therapie und ich bin immer noch das Emotionsbündel"
Das lustige ist: selbst nach zwei Jahren Therapie, bin ich immer noch das Emotionsbündel, sogar wieder fast auf dem Level wie damals... nur fühl ich mich gut dabei. Ich habe eine Menge Freunde aussortiert, oder nennen wir es lieber: umsortiert. Leute die von Kontrolle leben und Emotionen verachten, werden nie mit mir klar kommen. Müssen sie auch nicht, also warum sollte ich sie behelligen.
ich hatte gute und schlechte Freunde, die guten haben sowieso immer gelacht und haben mich unterstützt. Die schlechten haben mich verurteilt, wie kann sie nur, wie nervig, so benimmt sich kein Mädchen. Klar das hat mich in Zweifel gestürzt, war ich komisch?deine freunde scheinen diese reaktionen ja gut zu handhaben - darf ich fragen, wie sie anfangs darauf reagiert haben? hast du offen mit ihnen darueber gesprochen?
Eine weitere Sache die mir geholfen hat, war dass ich im Ausland war, in einem Land in dem Temperament nicht verpönt ist. Dort habe ich gesehen, dass meine Art Dinge zu handhaben einfach eine Art ist Dinge zu handhaben. nicht mehr und nicht weniger. Ich bin garkeine Aussätzige
Grüßle!
Lina


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