#270 Fourthhandaccount, es tut mir leid, Familie scheint für dich ein schwieriges Thema zu sein.
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10.07.2013, 21:16Inaktiver User
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
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11.07.2013, 00:16Inaktiver User
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Eines der Probleme ist: ich weiß nicht, wer steht im Ernstfall wirklich hinter mir. Wer bekommt im letzten Moment noch Angst. Wer ist manipulierbar. Wer spielt ein falsches Spiel.
Oder das Prinzip "Teile und herrsche". ( Einfach gesprochen.)
Es ist nicht einfach, alle hinter sich zu bringen, obwohl alle dasselbe wollen.
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11.07.2013, 00:18Inaktiver User
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11.07.2013, 00:21Inaktiver User
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11.07.2013, 05:34
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
ich war nicht im krieg.
ich konnte einem menschen nicht helfen, dem von einem kriegsgeschädigten, oder besser, von einem in dem der krieg nie geendet hatte, schreckliches angetan wurde.
ich war für das wohlergehen eines menschen verantwortlich, und war im entscheidenden augenblick nicht da, ihm zu helfen.lg
legrain
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11.07.2013, 07:28
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14.07.2013, 15:57
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Ich kann jedem, der sich für dieses Thema interessiert, das Buch "Der Schattenmann" der Journalistin Ruth Andreas Friedrich empfehlen (hat nichts mit dem Film mit Mario Adorf zu tun). Friedrich lebte in Berlin und begann 1938 mit ihren Tagebuchaufzeichnungen. Zusammen mit ihrem Partner, dem Dirigenten Leo Borchard, gehörte sie dort einer kleinen Widerstandsgruppe an. Im späteren Vorwort vermerkt sie, nichts Inhaltliches an den Aufzeichnungen geändert zu haben, sie geben also genau das wider, was ihr und anderen damals bekannt war. Und das war: Eine ziemliche Menge, jenseits aller Propaganda. Wenn man sich mit dem Thema näher beschäftigt, merkt man ohnehin, dass viele diese ohnehin nicht abkauften ...
Ich weiss, dass das hier nur OT ist, mir hat das Buch aber sehr geholfen, einen Einblick in das damalige Denken zu bekommen...
KittyCoat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
Mae West: Goodness had nothing to do with it...
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15.07.2013, 01:23Inaktiver User
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Das damalige Denken... - wir können es nicht beurteilen geschweige denn verurteilen. Ich bin vorsichtig: wenn ich in dieser Zeit gelebt hätte, wie hätte ich mich verhalten, was hätte ich gedacht ?
Man darf nicht von dem ausgehen, was man heute weiß, wie man eingestellt ist. Welche Möglichkeiten hatte man denn schon, sich zu wehren ????
Ihr redet aber schon wieder über die Situation der Großeltern. Wie ist es mit den Eltern bestellt, die die Kriegsjahre als Kind erlebten ? (Zumindest meine waren Kleinkinder zu der Zeit.)
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15.07.2013, 06:19
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Ich denke, man darf nicht alle Städte/Gegenden über einen Kamm scheren. Berlin und das Dorf in der Pampa - das waren sicher zwei verschiedene Sachen, was man sah, mitbekam ...
Kein denkender Mensch wird dem Normalbürger vorwerfen, den Mund gehalten zu haben, selbst, wenn er etwas wusste. Hier finden sich Stränge, da trauen sich Dorfbewohner noch nicht einmal, ein buntes Kleid zu tragen oder am Feiertag Unkraut zu jäten ...
Ich habe kein Problem zu sagen, dass ich nichts gemacht hätte. Ich hänge nämlich an meinem Leben. Ich hätte mich so verhalten, wie Millionen von Menschen. Schauen, dass man irgendwie durchkommt und hoffen, dass es irgendwann vorbei ist. Und man dann noch da ist.
Ein großer Teil der Diskussion beschäftigt sich mit dem "Wie ging man nachher damit um" bzw. "Wie wirkte sich die Kriegserinnerung auf das spätere (Familien)Leben aus".
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15.07.2013, 07:16Inaktiver User
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Ich "erwarte" ja von meinen Vorfahren gar nichtmal, daß sie sich aktiv im Widerstand hätten engagieren sollen.
Was mich an meiner Großmutter nur so wahnsinnig machte, war die Behauptung, sie hätten von all dem nichts gewußt, was ich ihr schlicht und ergreifend nicht glaube.
Durch ihren Bruder war seit dem 1. Weltkrieg eine recht enge Verbindung zu Herrmann Göring da, sie selbst hörte Telefongespräche von der Front nachhause ab und ihre Heimatstadt tat sich schon sehr früh durch besondere Grausamkeiten gegen Juden hervor - und da will sie nichts mitbekommen haben ???????
Dieses Leugnen bis zu ihrem Ende kam mir immer wie ein neuerlicher Mord der Opfer vor und ich habe sie dafür aufrichtig gehasst.
Sehr, sehr berührend und erschütternd finde ich übrigens in diesem Zusammenhang das Buch "Die Welt war so heil" von Angelika Grunenberg über die Familie von Else Ury (der Autorin der "Nesthäckchen"-Bücher), die mit Ausnahme ihres jüngsten Neffens und dessen Schwester alle im KZ umgekommen sind und vorher zigfache Möglichkeiten der Emigration verstreichen liessen, weil sie sich einfach nicht vorstellen konnten, daß ihr deutsches Vaterland ihnen als Juden nicht nur einen immer repressiveren Alltag aufzwingt, sondern ihnen tatsächlich letztlich nach dem Leben trachtet.
Was ich selber gemacht hätte, ist relativ klar: Spätestens meine Schwester und ich wären durch unseren osteuropäischen Vater nun wirklich nicht mehr als "Arier" durchgegangen ( die Generationen vorher waren schon ein wildes polnisches/böhmisches/deutsches Gendurcheinander ), ich war jahrzehntelang in der SPD aktiv und habe mich politisch vor allem für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben eingesetzt, die leiblichen Eltern meiner Adoptivschwester gehören zu den Zeugen Jehovas - braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, wie es mir und meinen Schwestern vermutlich ergangen wäre.


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