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  1. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    #270 Fourthhandaccount, es tut mir leid, Familie scheint für dich ein schwieriges Thema zu sein.

  2. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Fourthhandaccount Beitrag anzeigen
    Ein anderes Beispiel aus dem Job. 600 Mitarbeiter, kein Betriebsrat. Diverse Versuche, einen Betriebsrat zu gründen. 600 Mitarbeiter gegen eine Geschäftsführung von 4 Personen. Reihenweise kippen die Mitarbeiter um ... Hätten alle an einem Strang gezogen ...
    Eines der Probleme ist: ich weiß nicht, wer steht im Ernstfall wirklich hinter mir. Wer bekommt im letzten Moment noch Angst. Wer ist manipulierbar. Wer spielt ein falsches Spiel.
    Oder das Prinzip "Teile und herrsche". ( Einfach gesprochen.)
    Es ist nicht einfach, alle hinter sich zu bringen, obwohl alle dasselbe wollen.

  3. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    #270 Fourthhandaccount, es tut mir leid, Familie scheint für dich ein schwieriges Thema zu sein.
    Sorry, dass ich mich an dieser Stelle reinhänge: Diese Frage in Bezug auf dein genanntes Posting verstehe ich nicht.

  4. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Fourthhandaccount Beitrag anzeigen
    Einen zu manipulieren ist schon einfacher, als eine ganze Nation. Andererseits sieht man auch heute im Alltag, wie paralysiert die Gesamtheit sein kann. Ich erinnere an Übergriffe in U-Bahnen, auf den Bahnhöfen etc. Keiner greift ein, erst dann, wenn endlich einer anfängt ...
    Auch hier die Frage, Angst um die eigene Sicherheit, Angst, aus der Masse hervorzutreten?
    Und auch hier wissen die Täter darum und nutzen es für sich.
    Zu Faschismus-Zeiten war es zentral gesteuert. Bei U-Bahn-Übergriffen gibt es keinen Chef, der bestimmt, was zu tun ist. (Auch sehr einfach von mir gesprochen.)

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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das ist ja furchtbar, legrain. Hast du den Krieg miterlebt? Ich habe es jetzt nicht so in Erinnerung, was du dazu geschrieben hast.
    ich war nicht im krieg.
    ich konnte einem menschen nicht helfen, dem von einem kriegsgeschädigten, oder besser, von einem in dem der krieg nie geendet hatte, schreckliches angetan wurde.

    ich war für das wohlergehen eines menschen verantwortlich, und war im entscheidenden augenblick nicht da, ihm zu helfen.
    lg
    legrain

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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    #270 Fourthhandaccount, es tut mir leid, Familie scheint für dich ein schwieriges Thema zu sein.
    Dem kann ich nicht folgen?


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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Fourthhandaccount Beitrag anzeigen
    Es gibt vermutlich nicht "den" Grund. Auch, wenn meine Mutter es mir anders erzählt, ich stelle mir die Zeit als eine mit einer gedrückten Atmosphäre vor. Die Angst, selbst in Schwierigkeiten zu geraten, Existenzangst, Angst, Haus und Hof zu verlieren, Angst vor dem Postboten, der die Trauerbriefe bringt und ja, auch ein harter Alltag, der nicht mehr viel Raum für den Blick nach links und rechts lässt.
    Und natürlich das letztendlich gar nicht so richtig alles wissen wollen.
    Und wenn. Wer hätte im Einzelnen etwas tun können? Manche haben zur Flucht geholfen und sich und ihre Familien damit in Gefahr gebracht. Wir reden hier aber nicht über Unternehmer mit Verbindungen, sondern unsere Mütter, die ihre Jugend im System verbracht haben ...
    Ich kann jedem, der sich für dieses Thema interessiert, das Buch "Der Schattenmann" der Journalistin Ruth Andreas Friedrich empfehlen (hat nichts mit dem Film mit Mario Adorf zu tun). Friedrich lebte in Berlin und begann 1938 mit ihren Tagebuchaufzeichnungen. Zusammen mit ihrem Partner, dem Dirigenten Leo Borchard, gehörte sie dort einer kleinen Widerstandsgruppe an. Im späteren Vorwort vermerkt sie, nichts Inhaltliches an den Aufzeichnungen geändert zu haben, sie geben also genau das wider, was ihr und anderen damals bekannt war. Und das war: Eine ziemliche Menge, jenseits aller Propaganda. Wenn man sich mit dem Thema näher beschäftigt, merkt man ohnehin, dass viele diese ohnehin nicht abkauften ...

    Ich weiss, dass das hier nur OT ist, mir hat das Buch aber sehr geholfen, einen Einblick in das damalige Denken zu bekommen...

    Kitty
    Coat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
    Mae West: Goodness had nothing to do with it...

  8. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Das damalige Denken... - wir können es nicht beurteilen geschweige denn verurteilen. Ich bin vorsichtig: wenn ich in dieser Zeit gelebt hätte, wie hätte ich mich verhalten, was hätte ich gedacht ?
    Man darf nicht von dem ausgehen, was man heute weiß, wie man eingestellt ist. Welche Möglichkeiten hatte man denn schon, sich zu wehren ????
    Ihr redet aber schon wieder über die Situation der Großeltern. Wie ist es mit den Eltern bestellt, die die Kriegsjahre als Kind erlebten ? (Zumindest meine waren Kleinkinder zu der Zeit.)

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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Ich denke, man darf nicht alle Städte/Gegenden über einen Kamm scheren. Berlin und das Dorf in der Pampa - das waren sicher zwei verschiedene Sachen, was man sah, mitbekam ...
    Kein denkender Mensch wird dem Normalbürger vorwerfen, den Mund gehalten zu haben, selbst, wenn er etwas wusste. Hier finden sich Stränge, da trauen sich Dorfbewohner noch nicht einmal, ein buntes Kleid zu tragen oder am Feiertag Unkraut zu jäten ...
    Ich habe kein Problem zu sagen, dass ich nichts gemacht hätte. Ich hänge nämlich an meinem Leben. Ich hätte mich so verhalten, wie Millionen von Menschen. Schauen, dass man irgendwie durchkommt und hoffen, dass es irgendwann vorbei ist. Und man dann noch da ist.

    Ein großer Teil der Diskussion beschäftigt sich mit dem "Wie ging man nachher damit um" bzw. "Wie wirkte sich die Kriegserinnerung auf das spätere (Familien)Leben aus".


  10. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das damalige Denken... - wir können es nicht beurteilen geschweige denn verurteilen. Ich bin vorsichtig: wenn ich in dieser Zeit gelebt hätte, wie hätte ich mich verhalten, was hätte ich gedacht ?
    Man darf nicht von dem ausgehen, was man heute weiß, wie man eingestellt ist. Welche Möglichkeiten hatte man denn schon, sich zu wehren ????

    Ich "erwarte" ja von meinen Vorfahren gar nichtmal, daß sie sich aktiv im Widerstand hätten engagieren sollen.

    Was mich an meiner Großmutter nur so wahnsinnig machte, war die Behauptung, sie hätten von all dem nichts gewußt, was ich ihr schlicht und ergreifend nicht glaube.
    Durch ihren Bruder war seit dem 1. Weltkrieg eine recht enge Verbindung zu Herrmann Göring da, sie selbst hörte Telefongespräche von der Front nachhause ab und ihre Heimatstadt tat sich schon sehr früh durch besondere Grausamkeiten gegen Juden hervor - und da will sie nichts mitbekommen haben ???????

    Dieses Leugnen bis zu ihrem Ende kam mir immer wie ein neuerlicher Mord der Opfer vor und ich habe sie dafür aufrichtig gehasst.


    Sehr, sehr berührend und erschütternd finde ich übrigens in diesem Zusammenhang das Buch "Die Welt war so heil" von Angelika Grunenberg über die Familie von Else Ury (der Autorin der "Nesthäckchen"-Bücher), die mit Ausnahme ihres jüngsten Neffens und dessen Schwester alle im KZ umgekommen sind und vorher zigfache Möglichkeiten der Emigration verstreichen liessen, weil sie sich einfach nicht vorstellen konnten, daß ihr deutsches Vaterland ihnen als Juden nicht nur einen immer repressiveren Alltag aufzwingt, sondern ihnen tatsächlich letztlich nach dem Leben trachtet.


    Was ich selber gemacht hätte, ist relativ klar: Spätestens meine Schwester und ich wären durch unseren osteuropäischen Vater nun wirklich nicht mehr als "Arier" durchgegangen ( die Generationen vorher waren schon ein wildes polnisches/böhmisches/deutsches Gendurcheinander ), ich war jahrzehntelang in der SPD aktiv und habe mich politisch vor allem für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben eingesetzt, die leiblichen Eltern meiner Adoptivschwester gehören zu den Zeugen Jehovas - braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, wie es mir und meinen Schwestern vermutlich ergangen wäre.

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