Ich bin auch sehr beeindruckt.
Leider lebe ich nicht mehr in Deutschland. Manchmal denke ich, dies hat mit meiner Vergangenheit zu tun,
dieses Raus- einfach nur Fort-Wollen. Und möglichst weit weg
Eure Link-Liste werde ich aber studieren ...
Alles Gute für dieses Projekt
Kitty
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31.05.2012, 23:44
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Coat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
Mae West: Goodness had nothing to do with it...
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10.06.2012, 10:46Inaktiver User
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Ich möchte darauf hinweisen, dass ab 15. Juni unsere neue Webseite zum Thema Kriegstrauma startet. Interessierte können sich bereits als Mitglied anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Seite richtet sich an alle, die sich intensiver mit dem Thema Kriegstrauma befassen wollen. Es wird einen regelmäßigen Newsletter geben sowie interessante Hinweise zu Veranstaltungen, Literatur und Kontaktmöglichkeiten zu Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen.
Geändert von Inaktiver User (15.06.2012 um 09:27 Uhr) Grund: Werbesignatur ausgeblendet
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14.06.2012, 19:19Inaktiver User
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Morgen ist die offizielle Eröffnung unseres Instituts für Kriegstrauma-Forschung. Interessenten können gerne Mitglied werden. Die Mitgliedschaft ist kostenlos.
Geändert von Inaktiver User (15.06.2012 um 09:26 Uhr) Grund: Werbesignatur ausgeblendet
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29.06.2012, 19:53
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Falsch gelandet...Sorry!
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26.07.2012, 11:39Inaktiver User
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Davon bin ich auch überzeugt, da es sich mit meiner Erfahrung deckt.
Nach der Lektüre dieser Bücher (die ich SEHR gut finde), habe ich beim Wehrmachtsarchiv nach meinen "im Krieg gebliebenen" Großvätern geforscht. Über den einen konnte ich Informationen bekommen. Es war sehr interessant aber auch sehr traurig für mich, zu lesen, an welchen Orten er eingesetzt war, wann er verletzt wurde, dass ihm Finger amputiert wurden und wann er für tot erklärt wurde...
Das war bei meinen Eltern auch so!
Ich habe gelernt, dass Frauen stark sind, aber ich habe auch immer so eine Fixierung wahrgenommen, sich möglichst schnell einen Mann zu suchen...
Und auch das Thema Essen war bei uns wichtig. Ich wundere mich heute, wie leicht Menschen Reste auf ihrem Teller lassen. Bei uns wurde immer alles sauber "runtergekratzt" und das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Alles andere erscheint mir als Verschwendung... Sehr seltsam, denn mir wird ansonsten schon mal was an Lebensmitteln schlecht und das tue ich weg wie jeder andere...
Meine Mutter hat viele liebenswerte Seiten, aber sie ist auch so, dass sie immer alles, was sie will, sofort haben muss. Dementsprechend chaotisch war ihr Leben. Ich empfinde sie als beziehungslos und sie ist mir fremd und vertraut zugleich. Es gibt nur eine ungesunde Bindung zwischen uns, nämlich dass ich immer den Druck gespürt habe, für ihr Wohlergehen zu sorgen, mich um sie zu kümmern und sie aufzuheitern. Sie hat sich Mühe gegeben, doch war es ihr am Ende immer viel wichtiger als gute Mutter zu gelten. Sowas hat sie sogar auf Karten geschrieben, die sie mir zu einem Geschenk dazu gegeben hat: "Na, bin ich nicht doch eine gute Mutter?"
Für mich, wie ich bin, hat sie sich selten interessiert, es ging um Selbstbestätigung, weil sie selber emotional ausgehungert war/ist. Irgendwann habe ich mich dann verweigert, weil sie sich zunehmend so verhielt, als sei ich ihre Freundin und nicht ihr Kind, dann aber "Bestätigung als Mutter" einforderte.
Gut, das kann alles auch andere Gründe haben, aber ich glaube, für sie als uneheliches Nachkriegskind mit Hungererfahrung und einer Mutter, die sie allein lassen musste, weil sie in der Fabrik arbeitete, war einfach nicht genügend positive Erfahrung möglich.
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26.07.2012, 16:01Inaktiver User
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Das habe ich mich auch oft gefragt.
Und ich frage mich heute, wenn ich mitbekomme, wie z.B. ein Kind im Hort total austickt, dessen Eltern aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens eingewandert sind, welche Familiengeschichte sich da womöglich Bahn bricht...
In meiner Familie war es sehr seltsam, denn es wurde viel gesprochen über Dinge, über die bei anderen Leuten nicht gesprochen wurde, aber über das, was innerhalb der Familie WIRKLICH wichtig war, wurde auch geschwiegen.
Das war SEHR verwirrend für mich.
Oh ja! Meine Mutter hat mir immer das Beste gewünscht, aber ich habe heute noch das Gefühl, ich dürfe Dinge eigentlich nicht "erreichen" (einen guten Job mit gutem Verdienst, eine glückliche Beziehung, gute Gesundheit), damit meine Mutter und meine Oma sich nicht schlecht (traurig, neidisch...) fühlen. Das meiste davon gibt es dennoch in meinem Leben, aber es fühlt sich unbehaglich an. Natürlich weiß ich, so als erwachsene Frau, dass ich das darf, aber ganz tief im Inneren gibt es dagegen einen Widerstand, eine Art "Selbstentsagung". Ich darf es eigentlich nicht besser haben. Ich darf sie nicht "überholen".
Geändert von Inaktiver User (26.07.2012 um 17:56 Uhr)
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26.07.2012, 16:35Inaktiver User
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Wenn ich über Krieg im Allgemeinen nachdenke, wird mir gerade von diesen Dingen einfach nur übel. Vergewaltigung gehört einfach zu Krieg dazu und ich glaube, das macht sehr viel mit allen beteiligten Menschen. Ich habe von einer Freundin gehört, ihre Oma und Mutter seien nicht von Russen vergewaltigt worden, weil sie sich verstecken konnten. ABER wie verarbeitet man es, davongekommen zu sein? Verzweiflungsschreie gehört zu haben? Ich glaube, es gibt nur verschwindend wenige Menschen, die ohne Trauma aus dem Krieg herausgekommen sind.
Ja, daher kommt die gefühlte "Beziehungslosigkeit" und die emotionale Einsamkeit, die damit einhergeht...
Danke für dieses Posting!
Ich habe mal die Eltern eines Freundes über ihre Kriegserlebnisse (sie waren bei Kriegsende Teenager) sprechen hören und mir wurde auch ganz schlecht davon. Es lag daran, dass sie so gänzlich ohne Mitgefühl für sich selber waren. Sie haben von entsetzlichen Erlebnissen gesprochen, als wären sie emotional gar nicht beteiligt. Diese Abspaltung konnte ich erst nur diffus, dann aber klar fühlen. Das tut weh, weil es so absurd ist, wenn man selber nicht ebenso abgespalten von seinen Gefühlen ist.
Ich erinnere mich noch an Grundstücke, auf denen zerstörte Häuser/Ruinen standen. Und ich bin 1965 geboren...
Es gibt wirklich viel zu betrauern und zu verarbeiten.
Ich wünsche mir sehr, dass das Elend wiederkehrender Kriege irgendwann ein Ende haben wird...
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26.07.2012, 17:21Inaktiver User
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
In unserer Familie wurde viel über den Krieg, vor allem aber auch über die verlorene Heimat, die verlorenen Nachbarn und Freunde gesprochen. So hatte ich das Gefühl dazuzugehören, in diese Geschichte mit hinein zu gehören. Aber es war schwer Teil dieser Geschichte zu sein; denn auch mir durfte es nie besser gehen als meiner Mutter oder meiner Schwester, die ein richtiges Kriegs- und Flüchtlingskind war. Mein Handeln war beeinflußt von ihren Erfahrungen und Gefühlen Ich fühlte mich verantwortlich für ihr Wohlbefinden und schaffte es doch nicht ihnen das zu geben, was sie brauchten. Ich war ja ein Kind. Aber es blieb so, auch als Erwachsene, dass ich mich sorgte und mich an ihrer Befindlichkeit orientierte. Ich habe sogar damals in weiß und kirchlich geheiratet, obwohl ich es haßte so im Mittelpunkt zu stehen. Aber meine Mutter litt darunter, dass sie nur eine kleine standesamtliche Trauung hatte, weil ihr Mann am selben Tag noch an die Front geschickt wurde. Und dass meine Schwester in einem schwarzen Kostüm in einer Dorfkirche getraut wurde, nur mit den engsten Familienangehörigen als Gäste, darüber kam sie kaum hinweg. Also blieb mir keine andere Wahl, ich mußte ins weiße Kleid. Mir blutete zwar die Nase, wegen all der Aufregungen, ich war ja auch erst 20 Jahre alt, die ein so großes Fest mit sich bringt, aber alle waren zufrieden. Und ich dann auch. Es war wirklich ein schönes Fest.
In der Familie meines Mannes war es ganz anders. Da gab es Geheimnisse, die bis zum Lebensende bewahrt wurden. Es wurden nur Bruchteile preisgegeben, das meiste wurde verschwiegen und bahnte sich erst in Krankheit, im Leid einen Weg nach außen. Aber auch dann so leise, dass man es kaum hören konnte. Mich rissen die zu Tage gekommenen Wahrheiten beinahe um, ich war aufgewühlt und erschreckt, mußte mir Unterstützung suchen, um damit umzugehen. Die Kinder, also mein Mann und seine Schwester, nahmen es anders auf, nach außen gelassen und ruhig. Mein Mann hat auch tatsächlich selbst Wege gefunden seine Familiengeschichte neu einzuordnen, seine Schwester hat es damit viel schwerer; denn sie spaltet ab, was sie doch eigentlich wegen ihrer Problematiken für sich bearbeiten müßte.<sie hat viele Therapien hinter sich gebracht, nie kam sie jedoch in der Therapie voran. Ich denke, es lag daran, dass niemand sie über die Familiengeschichte aufgeklärt hatte, sie also ihrem Leiden nicht auf die Spur kam. Jetzt wäre eine andere Basis für eine erneute Therapie, die vielleicht mehr Aussicht auf einen Erfolg hätte.Geändert von Inaktiver User (26.07.2012 um 18:04 Uhr)
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26.07.2012, 17:52Inaktiver User
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
Ein Teil meiner Familie konnte, weil sie doch "so viel Schlimmeres erlebt" haben, überhaupt nicht mit meinen normalen, kindlichen Schwierigkeiten und Ängsten umgehen. Und ich habe mich viele Jahre lang "falsch" gefühlt, weil ich nicht so hartgesotten war. Ich denke, meine Aufgabe ist es, aus diesen Verstrickungen herauszuwachsen. Meine Oma ("Unkraut vergeht nicht.") war die Harte, meine Mutter die Unvernünftige ("das will ich jetzt und sofort und die Konsequenzen sind mir sch**ßegal und übermorgen will ich was anderes jetzt und sofort.") und ich versuche es mit Ausgewogenheit.
Mit Mitte 20 habe ich mich mit der Nazizeit beschäftigt und als ich nachfragte, erzählte meine Oma (Jahrgang 1917), dass sie 1936 Mitglied in der NS-Gewerkschaft geworden war. Mein Stiefopa, den sie erst kennen gelernt hatte, als ich 9 Jahre alt war, antwortete, er sei seit 1931 Mitglied der NSDAP gewesen. Sie hatte das nicht gewusst und es war ihr auch egal.
Mich hat das erschüttert, weil mir klar wurde, dass wohl die Mehrheit der Deutschen entweder Mitläufer oder aber Täter gewesen sind, denn die übrigen wurden ja größtenteils ermordet...
Eine beklemmende Erkenntnis.
Klar, viele haben einfach nur "weggeguckt", viele aber eben auch nicht. Und es wurde eben nicht ausgiebig reflektiert und bedauert. Das hat meines Erachtens auch einen sehr negativen Einfluss auf die Gesellschaft.
Heute können wir dementsprechend gut verdrängen, dass z.B. viele Menschen an den Grenzen der EU zu Tode kommen oder dass Deutschlands Wirtschaftskraft zu einem beträchtlichen Teil aus Rüstungsgeschäften stammt.
Weshalb die Menschen ohnehin dazu neigten, ihre Gefühle zu verdrängen.

Das ist leider wahr und ist besonders für die Kriegskindergeneration sehr traurig, denn durch die Traumata konnte oft keine emotionale Bindung zu den Kindern entstehen.
Und die Enkel weinen um die emotionale Verlorenheit...
Mein Vater ist pädophil. Inwieweit das mit seiner frühen Kriegskindheit (Jg. 1942), dem Verlust seines Vaters (verschwunden an der Ostfront) und einem dominanten Dreigestirn von "Alleinerziehenden" (Mutter, Tante, Oma) zu tun hatte, kann ich nicht beurteilen. Sehr wohl war es ihm lieber sich "auszuagieren" und sich nie mit dem auseinanderzusetzen, was er angerichtet hat (bei mir und anderen). Und er hat schon lange die Gelegenheit dazu, weil er zu den 68ern gehört und gebildet und reflektiert genug sein könnte, um eine Therapie deswegen zu machen. Auch hier: Gefühllosigkeit, die sehr tief sitzt und die auch der Kontaktabbruch von meiner Seite vor mehr als 20 Jahren nicht durchdringen konnte. Manche Menschen sind leider so.
Aber oft eben nur mit den Dingen, die nicht wirklich unangenehm sind... Verständlich, aber im Rahmen der "Eigenverantwortung" nicht hinnehmbar.
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26.07.2012, 20:03
AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?
kann ich nicht bestätigen. Weil den jungen Müttern am Ende des Krieges die Männer fehlten, waren sie sehr emotional mit ihren Kindern umgegangen. Diese waren oft die einzige Möglichkeit, Liebe zu empfinden und zu zeigen. Und sie haben um ihre Kinder gekämpft, die sie nicht selten in ganz Deutschland wieder zusammensuchen mussten.Das ist leider wahr und ist besonders für die Kriegskindergeneration sehr traurig, denn durch die Traumata konnte oft keine emotionale Bindung zu den Kindern entstehen.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel



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