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  1. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Wildblume2008 Beitrag anzeigen
    Sehe ich auch so .

    In meinem Fall sind die "Spätfolgen" so schlimm, dass meine Mutter in der Vergangenheit mich immer wieder verbal auf Familienfesten oder sonst wo aufs Schlimmste versuchte abzuwerten, klein zu machen, lächerlich zu machen etc.. Jeder der nicht ihrer Meinung ist und nicht auf ihrer Seite steht, wird versucht niederzumachen.
    Und hilft es Dir denn, wenn du um die Dynamik weißt, damit für dich besser umzugehen? Könnte mir vorstellen, daß man dadurch nicht mehr so leicht verletzt wird, weil man es nicht mehr so sehr nur auf sich selbst bezieht. Oder aus einem anderen Blickwinkel.

    Ich z.B. muss darüber mittlerweile schmunzeln, wenn mich meine Mutter wieder "füttern" will. Früher bin ich eher zornig geworden, weil sie mein Nein immer geflissentlich überhört hat und mir ohne Unterlass Essen anbot.
    Geändert von Inaktiver User (20.09.2011 um 14:17 Uhr)

  2. gesperrt

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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und hilft es Dir denn, wenn du um die Dynamik weißt, damit für dich besser umzugehen? Könnte mir vorstellen, daß man dadurch nicht mehr so leicht verletzt wird, weil man es nicht mehr so sehr nur auf sich selbst bezieht. Oder aus einem anderen Blickwinkel.

    Ich z.B. muss darüber mittlerweile schmunzeln, wenn mich meine Mutter wieder "füttern" will. Früher bin ich eher zornig geworden, weil sie mein Nein immer geflissentlich überhört hat und mir ohne Unterlass Essen anbot.
    Gute Frage, ich habe den Kontakt abgebrochen, weil ich diese emotionale Misshandlung nicht mehr ertragen möchte und auch mein Kind schützen muss. Sie bleibt weiterhin meine Mutter und ich muss sie als Erwachsene ernst nehmen, damit ihr Verhalten und ihr reden, auch wenn ich weis, dass sie eine Persönlichkeitsstörung hat.

    Ich bin noch nicht an dem Punkt und weis auch nicht, ob ich jemals dahin komme, oder dahin kommen will, über ihre negativen Taten und Worte hinweg zu sehen bzw. es aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Immerhin hat sie mich jahrzehntelang emotional mißbraucht und hat es auch bei meinem Kind versucht.

    Ich glaube, ich differenziere zwischen der Ansicht, dass die Eltern durch den Krieg so geprägt sind und dem Nichtvermögen bzw. Abwehr meiner Mutter vor allen Dingen, therapeutische Maßnahmen zu nutzen, um ein Stück zu heilen und erkennen zu können, was sie mit ihren emotionalen Mißbrauch ihren Kindern und den Enkeln angetan hat und immer noch antut.

    Das ständige Füttern einer Mutter ist ja in meinen Augen harmlos gegen das, was meine Mutter so von sich gegeben hat bzw. getan hat
    Geändert von Wildblume2008 (20.09.2011 um 14:42 Uhr)

  3. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Wildblume2008 Beitrag anzeigen
    ... Das ständige Füttern einer Mutter ist ja in meinen Augen harmlos gegen das, was meine Mutter so von sich gegeben hat bzw. getan hat
    Gut, mit der Schwere kann ich Göttinseidank nicht mithalten. Ich wollte mit dem Beispiel nur veranschaulichen. Die Verweigerung zur Selbstreflektion, das ist sicher ein Generationenthema, an dem ich an anderer Stelle auch resignieren musste. Egal was war, DAS war mein eigentlicher Vorwurf. Dass wir einiges ertragen mussten, worum sich die Elterngeneration im eigenen Psychokostüm einfach nicht kümmerte, sondern auslebte. Bei einigen ein schweres Erbe.

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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es sind trotz des Schimpfens auf die Kids von heute sehr gute Ansätze zu erkennen, dass die junge Generation - evtl. vergleichbar mit der Nachkriegszeit - wegen der Arbeitsmarktlage auch kaum Zeit hat, sich mit den Kids viel zu beschäftigen und auch nur auf das Nötigste die Versorgung wahrzunehmen, wenn sie kaputt von mehreren Jobs nach Hause kommen
    Ich halte das Problem der mangelnden emotionalen Nähe für die direkt betroffene Kriegsgeneration für erklärbar. Ja. Aber kaum mehr für die Folgegeneration, deren Kinder in den späten 50er - 60er Jahren geboren wurden. Die (wirtschaftliche) Versorgung sehe ich auch nicht als das Hauptproblem an ... es ist eher das fehlen emotionaler Nähe, das ich kennzeichnend finde.
    Apprenti

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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Reduktion Beitrag anzeigen
    Ich glaube auch, dass meine Omas das ihren Kindern (also meinen Eltern) NICHT erzählt haben. Auch haben sie mit offener Liebe gegeizt. Das konnten sie erst bei uns Enkeln.
    Reduktion, das habe ich genau so erlebt (also bei meiner Oma). Und meine Mutter habe ich vor einigen Monaten auf dieses Problem angesprochen und gefragt, wie die Beziehung zwischen ihr und ihrer Mutter war. Die jedoch war eher versorgend, aber herzlos. Also ... wie eine strikte Trennung zwischen Pflichtgefühl als verbleibender Elternteil und emotionaler Zuwendung.
    Apprenti

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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die Verweigerung zur Selbstreflektion, das ist sicher ein Generationenthema, an dem ich an anderer Stelle auch resignieren musste. Egal was war, DAS war mein eigentlicher Vorwurf.
    Es ist keine Verweigerung, so denke ich, es ist ein Nichtkönnen von Selbstreflexion. Ich las mal, dass die Fähigkeit zur Selbstreflexion bei einem Menschen bis zum 12. Lebensjahr ausgeprägt sein muss. Dann ist die Entwicklungsphase beendet. Wer bis dahin diese psychische und emotionale Entwicklung nicht vollzogen hat, wird es später nur sehr schwer und mit Hilfe von Therapie nachholen können.

    Hinzu kommt, dass meine Mutter nur Hauptschulabschluss hat. Sie ist sehr lebenstüchtig, da gibt es nichts zu meckern, aber intellektuell und emotional war sie oft auf dem Niveau eines Teenagers. Daher auch die Weigerung, mit Kritik gesund umgehen zu können und fähig zu sein, auf einer Ebene diskutieren zu können.

    Wie ich hier schon mal schrieb, ist meine Mutter ein weiblicher Narzisst. Ob letztendlich der 2. Welt-Krieg sie dazu gemacht hat, oder ob sie schon vor dem Krieg durch die vielen Geschwister und daher wenige Mutterliebe so geworden ist?, darüber mag man spekulieren.

    Wildblume

  7. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Wildblume2008 Beitrag anzeigen
    (...) Hinzu kommt, dass meine Mutter nur Hauptschulabschluss hat. Sie ist sehr lebenstüchtig, da gibt es nichts zu meckern, aber intellektuell und emotional war sie oft auf dem Niveau eines Teenagers. Daher auch die Weigerung, mit Kritik gesund umgehen zu können und fähig zu sein, auf einer Ebene diskutieren zu können. (...)
    Wildblume,

    ich kenne das von meinen Eltern (beide Jahrgang Anfang '30er) auch so. Die Unfähigkeit zur Selbstreflexion, bzw. ein ganz andere Herangehensweise an die "Probleme des Lebens". Das war/ist eher so eine intuitive, aus dem Bauch heraus gehende Weise, mit dem Leben umzugehen, wobei ich allerdings ziemlich oft über ihre Fähigkeiten staunte, bei Entscheidungen, Einschätzungen (sie haben zusammen einen Betrieb aufgebaut), aber auch Meinungen intuitiv ins Schwarze zu treffen.

    Unseren für uns inzwischen alltäglich gewordenen Umgang mit Selbstreflexion, sowie unsere moderne Diskussionskultur ist zum großen Teil Produkt der '68er Bewegung, wo sich erstmals eine breite Schicht - die jungen Leute - mit sich selbst und mit gesellschaftlichen Fragen auseinandergesetzt hat.

    Dadurch kam erst alles, was im weitesten Sinne mit Selbstreflexion zu tun hatte, also Selbstverwirklichung, Therapien, das ganze bunte Spektrum in der Psychoanalyse mit der Gesellschaft in Berührung und ist inzwischen in ihrer Mitte angekommen und erscheint uns heute als eine Selbstverständlichkeit.

    Unsere Eltern aber sind in ganz anderen gesellschaftlichen Kontexten groß geworden. Da galt noch, dass Kinder ihren Eltern gehorchen müssen, nicht widersprechen dürfen. Da wurde das getan, was befohlen wurde, durch sogenannte "Respektspersonen" eingefordert und verkörpert,was an erster Stelle die Eltern waren, dann sowieso alle Erwachsenen und dann auch die Kirche (Pfarrer/Pastoren), aber auch Lehrer. Da war nichts mit Diskussion und Selbstreflexion. Zumindest nicht bei der breiten Masse der Bevölkerung, und das verstärkt auf dem Lande (meine Eltern sind auf dem Lande geboren und aufgewachsen) ,würde ich mal behaupten. Deshalb bin ich mir so ziemlich sicher, dass man den Mangel/Unfähigkeit an Selbstreflexion nicht an einem Hauptschulabschluss festmachen kann. Wie gesagt, ich sehe das eher als gesamtgesellschaftliches Problem.

    Freud gab es damals zwar auch schon, aber ich denke, die Beschäftigung mit Psychoanalyse war damals nur ganz bestimmten gebildeten und wohlhabenden Gesellschaftsschichten vorbehalten, bzw. die Zeit war in den 30er Jahren einfach nicht reif dafür als breite Bewegung in der Gesellschaft anzukommen. Ganz zu schweigen von Hitler & Co, durch deren Erscheinen auf der Bildfläche Anfang der 30er Jahre sämtliche positiven Entwicklungen und Ansätze in der Gesellschaft brutal gestoppt wurden.

  8. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich finde ja, man sollte sich nicht zu viel davon auf die Schultern laden wollen. Ich kann die Erlebnisse aus der Kriegszeit nicht für meine Eltern verarbeiten. Und das ist auch nicht meine Aufgabe. Hilfreich ist es für die eigene Entwicklung, wenn man durch Familiengeschichte Zugang zu den eigentlichen psychologischen Abläufen in der Familie findet und vor diesem Hintergrund Dinge für die eigene Biographie und seelische Gesundheit für das Heute klären kann. Also Geschichte nur, um für Heute Klarheit zu bekommen, wo etwas klemmt, um gute Weichen für die Zukunft stellen zu können.

  9. gesperrt

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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wildblume,

    ich kenne das von meinen Eltern (beide Jahrgang Anfang '30er) auch so. Die Unfähigkeit zur Selbstreflexion, bzw. ein ganz andere Herangehensweise an die "Probleme des Lebens". Das war/ist eher so eine intuitive, aus dem Bauch heraus gehende Weise, mit dem Leben umzugehen, wobei ich allerdings ziemlich oft über ihre Fähigkeiten staunte, bei Entscheidungen, Einschätzungen (sie haben zusammen einen Betrieb aufgebaut), aber auch Meinungen intuitiv ins Schwarze zu treffen.

    Unseren für uns inzwischen alltäglich gewordenen Umgang mit Selbstreflexion, sowie unsere moderne Diskussionskultur ist zum großen Teil Produkt der '68er Bewegung, wo sich erstmals eine breite Schicht - die jungen Leute - mit sich selbst und mit gesellschaftlichen Fragen auseinandergesetzt hat.

    Dadurch kam erst alles, was im weitesten Sinne mit Selbstreflexion zu tun hatte, also Selbstverwirklichung, Therapien, das ganze bunte Spektrum in der Psychoanalyse mit der Gesellschaft in Berührung und ist inzwischen in ihrer Mitte angekommen und erscheint uns heute als eine Selbstverständlichkeit.

    Unsere Eltern aber sind in ganz anderen gesellschaftlichen Kontexten groß geworden. Da galt noch, dass Kinder ihren Eltern gehorchen müssen, nicht widersprechen dürfen. Da wurde das getan, was befohlen wurde, durch sogenannte "Respektspersonen" eingefordert und verkörpert,was an erster Stelle die Eltern waren, dann sowieso alle Erwachsenen und dann auch die Kirche (Pfarrer/Pastoren), aber auch Lehrer. Da war nichts mit Diskussion und Selbstreflexion. Zumindest nicht bei der breiten Masse der Bevölkerung, und das verstärkt auf dem Lande (meine Eltern sind auf dem Lande geboren und aufgewachsen) ,würde ich mal behaupten. Deshalb bin ich mir so ziemlich sicher, dass man den Mangel/Unfähigkeit an Selbstreflexion nicht an einem Hauptschulabschluss festmachen kann. Wie gesagt, ich sehe das eher als gesamtgesellschaftliches Problem.

    Freud gab es damals zwar auch schon, aber ich denke, die Beschäftigung mit Psychoanalyse war damals nur ganz bestimmten gebildeten und wohlhabenden Gesellschaftsschichten vorbehalten, bzw. die Zeit war in den 30er Jahren einfach nicht reif dafür als breite Bewegung in der Gesellschaft anzukommen. Ganz zu schweigen von Hitler & Co, durch deren Erscheinen auf der Bildfläche Anfang der 30er Jahre sämtliche positiven Entwicklungen und Ansätze in der Gesellschaft brutal gestoppt wurden.
    Danke für deine sehr interessanten Zeilen. Das mit dem Hauptschulabschluss habe ich deswegen so hingestellt, weil ich einige Frauen kennengelernt haben, die genauso alt sind wie meiner Mutter und eine Form von Selbstreflexion hingelegt haben, es war der Hammer...... Diese Frauen waren genauso vom Krieg etc. betroffen, aber kamen alle aus gut qaulifizierten und für die damalige Zeit relativ emanzipierten Elternhäuser und haben auch eine sehr positive Kommunikation gehabt bzw. haben sie immer noch.

    Meine Mutter kommt aus heutiger Sicht aus gut bürgerlichen Verhältnissen, aber auch hier sieht man wieder, dass das gar nichts zu sagen hat.

    Einer dieser besagte Frauen habe ich erzählt, was meine Mutter so regelmäßig an bösen Sprüchen mir gegenüber von sich gegeben hat. Diese fast gleichaltrige Frau war entsetzt und hat mich in den Arm genommen und getröstet. Das hat meine Mutter z.B. nie gemacht.

    Wildblume

  10. User Info Menu

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Hallo Wildblume,

    ich denke, die Erkrankung deiner Mutter wird nicht viel mit den Auswirkungen des Krieges zu tun haben.

    Jeder Mensch ist von der Persönlichkeitsstruktur her anders und auch mit dem Umgang von Problemen/ Lösungsansätze finden/Selbstreflexion.

    Wie ich oben schon schrieb, habe ich beruflich heute viel mit den jungen Menschen von damals zu tun. Das Grauen hat sich eingebrannt, aber deren Kinder und Kindeskinder haben einen neue Lebensform gefunden und kann sich mit dem Krieg und dessen Folgen nicht identifizieren, geschweige denn nachfühlen oder verstehen.Das liegt auch überhaupt nicht im Interesse der heute alten Menschen.
    simplemind
    _____________________________________

    Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte
    George Bernhard Shaw
    4.6.18

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