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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    @ Eurynnia

    naja,auch wenn du das nicht so toll findest,ist das nun mal so.wenn man heute schaut ist das manchmal nicht anders,mit dieser politisch-diplomatischen zurückhaltung.
    klar kann man so einiges nicht nachvollziehen was damals geschah,ich denke "opelius" kann das besser rüberbringen,da miterlebt.
    alles was man sonst erzählt bekommt oder liest wird nie die gleichen empfindungen auslösen als das was man selbst erlebt hat.
    und die jüdischen einwanderer wollten so einige nicht,weil unbeliebt.und ich kann mich des gefühls nicht erwehren das auch heute so manch einer unter vorgehaltener hand menschen mit jüdischen glauben hasst.ist wie mit den sinti/roma...naja,wie auch immer,lies mal...befriedigende antworten wirst du aber so nie erhalten.
    lg

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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Ich kann nichts zu der politischen Haltung der Menschen im 3. Reich beitragen, da ich da noch Säugling war.

    Ich kann nur von der Restauration der Nachkrieggesellschaft berichten. Ich als Jugendlicher habe außer den Flüchtlingsdramen und den Berichten über Bombennächte nichts erfahren, was die Menschen vor und während des Krieges gefühlt haben. Eigentlich niemand berichtete von dieser Zeit. Kriegsheimkehrer erzählten nur von den Qualen während der Gefangenschaft, nichts über ihr Tun als Soldaten. Und wie am besten in den Nürnberger Prozessen zu sehen war, gab es keine Verantwortlichen, alle haben nur auf Befehl von ganz oben gehandelt.
    Der Film "die Brücke" zeigte mir das erste mal als Schüler, mit welcher Brutalität und Sinnlosigkeit Menschen geopfert wurden. Das Thema Konzentrationslager war jahrzehntelang im Nachkriegsdeutschland tabu. Erst der Vierteiler "Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss" 1978 eröffnete die Diskussion in Deutschland. Zum ersten Mal berichteten alte Männer, dass sie an solchen Aktionen beteiligt gewesen waren.
    Die witzigste Reaktion in Deutschland allerdings war der SechsTageKrieg 1967. Die Israelis schlugen die Armeen von Ägypten, Jordanien und Syrien in 6 Tagen, eroberten Ostjerusalem, die Westbanks, die Golanhöhen und den ganzen Sinai. Es herrschte Begeisterung über diesen "Blitzkrieg". Spötter meinten damals, dass die Deutschen damit den Juden die Vernichtungslager von Ausschwitz, Treblinka und Bergen-Belsen verziehen haben.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  3. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    zum thema.

    meine eltern haben den krieg erlebt, genauso wie meine schwiegereltern.

    leider leben meine eltern nicht mehr, aber meine schwiegereltern - beide ü/90.

    tja, unterschiedlicher könnte die kindheit meines mannes und mir nicht sein.
    ich wurde nie!!! zum essen gedrängt, ganz im gegenteil, es hiess oft, wenn du nicht aufessen willst, lass es nur liegen. so ess ich heute noch, ich lass immer was auf dem teller liegen.
    so hab ich das wiederum an meine kinder weiter gegeben.

    nun meine schwiegereltern.
    ALLES wird aufgegessen, ob es schmeckt oder nicht.
    so haben die beiden das an ihre kinder wiederum weiter gegeben.

    unsere jüngste ist geprägt davon.
    sie war mal in den ferien bei oma und opa und ich sagte vorher - ich bereue es heute noch - dass sie den nudelsalat von oma sehr mag.
    das kind musste täglich!!! diesen nudelsalat essen, bis er eben aufgegessen war..ich glaube so 5 tage lang. fazit: sie isst keinen nudelsalat mehr, ekelt sich total, isst fasst garnichts mehr bei oma und opa.

    so, das ist nun ein harmloses beispiel, aber genauso läuft das immer!!! ab.
    es wird nichts weggeworfen.

    ich glaube der krieg und je nachdem WAS der oder diejenigen erlebt haben hat ALLE aus dieser generation geprägt.

    wir - also die generation d a n a c h - ist ein glück nicht mehr so geprägt.
    manche schon, die sich so garnix gönnen, obwohl ein gewisser wohlstand da ist, aber doch die meisten.

    also so meine erfahrung aus meinem umfeld.

  4. User Info Menu

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich habe einen Bruder, der vor lauter Betonung des Mitgefühls, das man meinen Eltern gegenüber zu haben hat, sich selbst darüber ganz vergessen hat und ein sehr unglücklicher Mensch ist. Das macht mich sehr traurig und auch wütend. Schon wieder wütend....
    Das was du beschreibst, und speziell der letzte Teil sorgen bei mir für ein Deja Vue. Das kommt mir alles so bekannt vor, das Reduzieren der Liebe zu den Kindern auf die "Fütterung" und andere materielle Dinge, immer wieder "uns gings damals so schlecht" (löst Schuldgefühle aus) und unterschwellig "wenn du nicht machst was ich will habe ich die nicht mehr lieb". Vor allem das Letzte sehe ich als Ursache für die Probleme deines Brüders (übrigends auch meine). Man wird konditioniert dass man nur geliebt wird, wenn man sich selbst zu Gunsten Anderer aufgibt.
    Vieles, wenn nicht alles davon hat seinen Ursprung in den Traumatas der Kriegszeit, die völlig unreflektiert an die nächste Generation weitergegeben wird. Etwas in Frage zu stellen war in der Kindheit meiner Eltern nicht gerade populär.
    Ich kann allerdings keine Wut meinen Eltern gegenüber empfinden. Sie (in meinem Fall hauptsachlich meine Mutter) haben das nicht mit Absicht oder gar böswillig getan. Oft ist es dieser Generation nicht einmal bewusst, dass sie ein recht heftiges Problem haben. Und mit dieser Generation (meine Mutter ist weit über 70) kann man im Regelfall nicht mehr sinnvoll darüber diskutieren. Bleibt also nur, es für sich selbst aufzuarbeiten und, so man welche hat, den gleichen Fehler bei seinen Kindern nicht zu machen.
    Ich denke dieser Strang hat so manchem/r die Augen geöffnet. So auch mir.

    Dafür aufrichtigen Dank an die/den TE
    All we are, is more than in the mirror
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    All we are, is what we got together

  5. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Lexx Beitrag anzeigen
    Ich kann allerdings keine Wut meinen Eltern gegenüber empfinden. Sie haben das nicht mit Absicht oder gar böswillig getan.

    Oft ist es dieser Generation nicht einmal bewusst, dass sie ein recht heftiges Problem haben.

    Bleibt also nur, es für sich selbst aufzuarbeiten und, so man welche hat, den gleichen Fehler bei seinen Kindern nicht zu machen.
    jede Generation hat es zum jeweiligen Zeitpunkt so gut sie es konnte gemacht, mit den Möglichkeiten, mit der eigenen Kraft und mit dem Wissen zu der Zeit - nicht mehr oder weniger egoistisch als jede Folgegeneration es für sich in Anspruch nimmt.

    Auf die wesentliche Versorgung reduziert, gab es eben nicht mehr "für ne Mark" und gut wars! Es war aber auch entsprechend viel Raum und Zeit und klare Übersicht über das Vorhandene und den überschaubaren Auswahlmöglichkeiten.

    Die junge Generation, sprich die Enkel der Nachkriegsgeneration, hat einen extrem hohen Level für "normalen Lebensanspruch". Sie lernten es in der fast-food-Form, dass alles jetzt sofort und immer geht.

    Jede Reduzierung auf Normalität des Grundbedarfes eines Menschen bedeutet erst einmal für sie "Rückschritt und Verzicht", was aber andererseits ihre einzige Chance ist, die nachhaltigen Auswirkungen des Wohlstands und Überflusses wieder auszugleichen.

    Es sind trotz des Schimpfens auf die Kids von heute sehr gute Ansätze zu erkennen, dass die junge Generation - evtl. vergleichbar mit der Nachkriegszeit - wegen der Arbeitsmarktlage auch kaum Zeit hat, sich mit den Kids viel zu beschäftigen und auch nur auf das Nötigste die Versorgung wahrzunehmen, wenn sie kaputt von mehreren Jobs nach Hause kommen.

    Jede Zeit hat ihre Qualität und ihre herausfordernden Aufgaben, denen wir uns stellen mussen, ob Krieg mit Knarren an der Front oder Kampf des Bestehens in dieser korrupten Welt von heute - auch die hat schöne Nischen, in denen man noch merken kann, dass es sich unterm Strich immer wieder lohnt, den neuen Tag zu begrüßen.

  6. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    j

    Jede Zeit hat ihre Qualität und ihre herausfordernden Aufgaben, denen wir uns stellen mussen, ob Krieg mit Knarren an der Front oder Kampf des Bestehens in dieser korrupten Welt von heute - auch die hat schöne Nischen, in denen man noch merken kann, dass es sich unterm Strich immer wieder lohnt, den neuen Tag zu begrüßen.
    du sprichst mir aus der seele, danke.

  7. User Info Menu

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Danke für die interessante Diskussion. Aufgrund derer habe ich mir das Buch "Seelische Trümmer - Kindheit in den 50/60 Jahren" bestellt. Werde es selber lesen und dann evtl. meinem Vater oder Mutter (die Mitte der 50er geboren wurden) schenken.

    Ich selber habe einen intellektuellen Großvater, der nicht zum Krieg eingezogen wurde und - auf der anderen Seite - einen sehr militaristischen Großvater, der diese militärischen Werte sehr hoch hing. Doch beide Großväter haben nicht über den Krieg gesprochen.

    Meine Omas hingegen haben mir viel vom Krieg erzählt: ich ein kleines Mädchen, angekuschelt an die Oma, gemütlich im Bett und die jeweilige Oma erzählte "von früher": vom Luftschutzbunker, vom Arbeitsdienst, Einmarsch der Amerikaner bzw Russen, Verstecken aus Angst vor Vergewaltigungen (das wurde mir damals noch nicht so detailliert erzählt), Tod von Angehörigen, Hunger nach dem Krieg etc.

    Das waren für mich "gemütliche" Geschichten, ähnlich wie Räubergeschichten. Erst viel später habe ich verstanden, was die Erzählungen eigentlich für ein Leid bedeuteten.

    Ich glaube auch, dass meine Omas das ihren Kindern (also meinen Eltern) NICHT erzählt haben. Auch haben sie mit offener Liebe gegeizt. Das konnten sie erst bei uns Enkeln.

  8. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    jede Generation hat es zum jeweiligen Zeitpunkt so gut sie es konnte gemacht, mit den Möglichkeiten, mit der eigenen Kraft und mit dem Wissen zu der Zeit - nicht mehr oder weniger egoistisch als jede Folgegeneration es für sich in Anspruch nimmt.

    Auf die wesentliche Versorgung reduziert, gab es eben nicht mehr "für ne Mark" und gut wars! Es war aber auch entsprechend viel Raum und Zeit und klare Übersicht über das Vorhandene und den überschaubaren Auswahlmöglichkeiten.

    Die junge Generation, sprich die Enkel der Nachkriegsgeneration, hat einen extrem hohen Level für "normalen Lebensanspruch". Sie lernten es in der fast-food-Form, dass alles jetzt sofort und immer geht.

    Jede Reduzierung auf Normalität des Grundbedarfes eines Menschen bedeutet erst einmal für sie "Rückschritt und Verzicht", was aber andererseits ihre einzige Chance ist, die nachhaltigen Auswirkungen des Wohlstands und Überflusses wieder auszugleichen.

    Es sind trotz des Schimpfens auf die Kids von heute sehr gute Ansätze zu erkennen, dass die junge Generation - evtl. vergleichbar mit der Nachkriegszeit - wegen der Arbeitsmarktlage auch kaum Zeit hat, sich mit den Kids viel zu beschäftigen und auch nur auf das Nötigste die Versorgung wahrzunehmen, wenn sie kaputt von mehreren Jobs nach Hause kommen.

    Jede Zeit hat ihre Qualität und ihre herausfordernden Aufgaben, denen wir uns stellen mussen, ob Krieg mit Knarren an der Front oder Kampf des Bestehens in dieser korrupten Welt von heute - auch die hat schöne Nischen, in denen man noch merken kann, dass es sich unterm Strich immer wieder lohnt, den neuen Tag zu begrüßen.
    Ja, stimmt. So sehe ich das zum größten Teil auch.

    Nur:
    Das entbindet die Kriegsenkelgeneration nicht von der Aufgabe, die von den Eltern weitergegebenen psychischen Verletzungen aufzuarbeiten. Es ist eine Aufgabe, die nicht nur getan werden muss, sondern auch getan werden darf. Zumindest von denen, die die Not_wendigkeit dazu verspüren. Kann dazu die Lektüre der Bücher von Sabine Bode wirklich nur empfehlen, um das zu verstehen.

    Besser als Leda kann man es übrigens nicht ausdrücken, wenn man Antwort geben will, auf die Frage, was das (dieser "Psycholuxus") alles soll:

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ein sehr weitblickender Mensch hat auf die Frage, welche Aufgabe unsere Generation heute in unserer 'so bequemen, so ungewöhnlich lange friedlichen Zeit, mitten in Europa' hat, gesagt:
    Die Zeiten davor zu verdauen, wofür die direkt betroffene Generation weder die Möglichkeiten, noch die Zeit hatte.
    Geändert von Inaktiver User (20.09.2011 um 11:31 Uhr)

  9. Inaktiver User

    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Ich finde ja, man sollte sich nicht zu viel davon auf die Schultern laden wollen. Ich kann die Erlebnisse aus der Kriegszeit nicht für meine Eltern verarbeiten. Und das ist auch nicht meine Aufgabe. Hilfreich ist es für die eigene Entwicklung, wenn man durch Familiengeschichte Zugang zu den eigentlichen psychologischen Abläufen in der Familie findet und vor diesem Hintergrund Dinge für die eigene Biographie und seelische Gesundheit für das Heute klären kann. Also Geschichte nur, um für Heute Klarheit zu bekommen, wo etwas klemmt, um gute Weichen für die Zukunft stellen zu können.

  10. gesperrt

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    AW: Spätfolgen des Krieges - wie sehr sind wir selbst noch betroffen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich finde ja, man sollte sich nicht zu viel davon auf die Schultern laden wollen. Ich kann die Erlebnisse aus der Kriegszeit nicht für meine Eltern verarbeiten. Und das ist auch nicht meine Aufgabe. Hilfreich ist es für die eigene Entwicklung, wenn man durch Familiengeschichte Zugang zu den eigentlichen psychologischen Abläufen in der Familie findet und vor diesem Hintergrund Dinge für die eigene Biographie und seelische Gesundheit für das Heute klären kann. Also Geschichte nur, um für Heute Klarheit zu bekommen, wo etwas klemmt, um gute Weichen für die Zukunft stellen zu können.
    Sehe ich auch so .

    In meinem Fall sind die "Spätfolgen" so schlimm, dass meine Mutter in der Vergangenheit mich immer wieder verbal auf Familienfesten oder sonst wo aufs Schlimmste versuchte abzuwerten, klein zu machen, lächerlich zu machen etc.. Jeder der nicht ihrer Meinung ist und nicht auf ihrer Seite steht, wird versucht niederzumachen.

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