Hallo
Das ist mein erstes selbsteröffnetes Thema; ich habe es eröffnet weil ich nicht weiter weiß:
Mein Leben bricht völlig auseinander oder eigentlich breche ich gerade völlig auseinander oder zusammen. Es gibt mehrere Einzelprobleme, ich versuche mal das gebündelt darzustellen:
Mein Körper:
Ich hasse ihn und wünschte mir, ich könnte ihn abschaffen, nur noch meine Intelligenz und meine Seele behalten. Ich bin nicht übergewichtig und nicht hässlich und nicht krank, das weiß ich zwar, aber dennoch fühle ich mich ekelhaft fett, kann streckenweise weder meinen Anblick noch das Anfassen meines Körpers ertragen und habe das Gefühl unter all dem Fett, das ich an meinem Körper fühle, obwohl ich vom Kopf her weiß, dass ich wirklich nicht dick bin, zu ersticken. Ich bin so angewidert von mir, dass ich mich selbst verletzte, mich schlage oder mit Brotmessern schneide. Dabei habe ich oft eine wahnsinnige Wut, die nicht zielgerichtet ist, sondern sich gegen alles richtet, was da ist, Mobiliar, meinen Körper, wenn ich nicht beherrscht wäre auch gegen andere Menschen. Ich würde dann am liebsten jemanden mit irgendwas zu Brei schlagen oder einfach in eine Menge schießen, und konnte mich bisher noch immer davon abhalten jemanden im Ernst zu schlagen, außer mir selbst.
Ich würde gerne abnehmen, aber ich schaffe es nicht, mein Hunger ist immer wieder stärker. Ich verwende auch ziemlich fragwürdige Methoden zum abnehmen, habe gehungert, nur flüssige Nahrung zu mir genommen, gekotzt, essen gekaut und ausgespuckt, aber wenn es dann mal wieder nicht klappt mit dem dünner werden, hasse ich mich umso mehr. Ich bin nicht mehr bereit, mit mir selbst zusammenzuleben, mit dieser unbeherrschten, widerlichen Person. Ich denke, ich habe eine Art Essstörung nur habe ich inzwischen aufgehört zu kotzen (mit ging’s mir aber deutlich besser) und ich schaffe es einfach nicht mehr zu hungern. Aber das Hungergefühl macht mich glücklich. Ich bin aber nicht magersüchtig dünn. Dennoch glaube ich, dass ich im Grunde eine Art Magersucht, aber auf jeden Fall eine Form von Esstörung habe, aber man scheint 39 Kilo wiegen zu müssen, damit einem das einer abkauft. Das ist eine exzellente Überleitung zum nächsten Problem.
Mein Umfeld, meine sozialen Beziehungen
Ich bin nicht besonders unterhaltsam oder angenehm im Moment- logischerweise und deshalb ist niemand in der Nähe, mit dem ich unvoreingenommen reden kann. Meine Freunde und Familie sind zurzeit alle in einer anderen Stadt. Wenn ich doch mal jemandem von meiner Situation erzähle, dann habe ich nicht das Gefühl, dass mir geglaubt wird oder das meine Probleme für besonders ernst gehalten werden. Einer Freundin habe ich zum Beispiel erzählt, dass ich teilweise zwei Mal am Tag gebrochen habe, als das noch so war, aber sie hat darauf nicht besonders stark reagiert. Es war als hätte ich gesagt. „Ich finde mich manchmal zu dick, deshalb esse ich abends gelegentlich nur Karotten und Gurken“. Sie sagte solche Dinge wie: „ach du bist doch nicht dick“, „Erbrechen ist doch gar nicht gesund, lass das besser und versuch dich gesünder zu ernähren“, als wäre ich einfach eine Frau die drei Kilo abnehmen will. Im Prinzip reagiert jeder so. Wenn ich anspreche, dass ich mich todunglücklich und verzweifelt fühle heißt es: „Ja, du bist auch in einer schwierigen Situation, das wird schon…“ Wenn ich sage, dass ich mich so ohnmächtig und grundlos zornig fühle und teilweise am liebsten Amoklaufen würde, dann kommen Kommentare wie „Ja, du bist halt Stress, da wird man manchmal aggressiv, das vergeht“ oder „Mhh, ja du sagst, du würdest die Leute, die nachts zu laut sind, sodass du nicht schlafen kannst, am liebsten umbringen. Ich kenne dieses Gefühl, dass man so wütend ist, dass man solche Dinge im übertragenen Sinne sagt. Fühl dich deshalb nicht schuldig etc“. Mir gelingt es nicht, rüberzubringen, wie ich mich fühle. Mein Umfeld hält meinen Selbstekel für das typisch weiblich „ach, meine Oberschenkel sind zu fett“, meine maßlose Wut, die mir Angst einflösst und die jederzeit dazu bringen könnte, die Kontrolle zu verlieren für „naja, es ist ja auch nervig, wenn Leute im Flur nachts laut sind, da wird man halt leicht aggressiv“ Wenn ich sage, wie unfähig, klein und minderwertig ich mich fühle, wird mir erklärt meine Noten seien doch gut und die Angst vor Prüfungen hätte doch jeder. Ich finde offenbar keine Worte, um mich mitzuteilen, um auszudrücken, wie sehr meine Gefühle für meinen Körper über zu dick hinaus gehen, wie instabil ich bin und wie zerstörerisch sich meine Wut anfühlt, wie wenig gewachsen ich mich den Anforderungen meines Studiums und des Lebens im Allgemeinen fühle. Es heißt nur immer, ja kenne ich, vor meinem schriftlichen Abitur war mir ganz übel. Was soll das? Vielleicht bin ich nur sehr weinerlich, aber ich fühle mich so als ob meine Ängste, mein Zorn und meine Unzufriedenheit mit meinen Körper über ein „Habichauch-hatdochjedermal“ Maß weit hinaus gehen.
Mein Ich:
Mein Zustand macht es mir natürlich auch schwer, neue, tiefe und damit hilfreiche Freundschaften zu schließen, denn wer hat schon Lust sich mit solchen Problem auseinanderzusetzen, von Menschen, die ihm noch nicht viel bedeuten? Ich brauche aber gerade Gespräche um meine Gefühlslage zu sortieren, denn sie entspricht ungefähr einer Landschaft nach einem Wirbelsturm oder Vulkanausbruch oder einer Flut und genauso stark, unberechenbar, zerstörerisch und willkürlich sind auch meine Gefühle, die mich aus heiterem Himmel anfallen. Es gibt tagelange Ruhephasen, in denen ich glaube, dass alles in Ordnung ist und ich mich wieder im Griff habe, dann werfen mich meine Gefühle erneut nieder. Außerdem erlebte ich mich im Moment als sehr aufgespalten. Mein Kopf wüsste, was zu tun ist, steht den Gefühlen, dich als Heimsuchung von außen empfinde aber machtlos gegenüber, während mein Körper sich anfühlt als gehöre er mir gar nicht, als wäre es eine Art schreckliches Versehen, dass ich in diesem klobigen fetten Ding stecke. In meinen Wutanfällen brülle ich machmal „Ich will hier raus.“, und meine meinen Körper, ich empfinde ihn wie eine Last, die ich mit mir rumtragen muss oder wie einen Kerker, als würde mich mein Körper ersticken. Es fühlt sich so an, als würde ich aufgespalten, ich erlebe meine Gefühle, meinen Körper und auch manche Gedanken als ob sie gar nicht von mir stammen. Meine Gefühle machen mir Angst, ebenso zahlreiche Gedanken, mir kommen manchmal mitten am Tag ganz ungebeten und zusammenhanglos düstere Bilder in den Kopf, solche Dinge wie eine Frau deren Scheide von einem Küchenmixer zerfleischt wird oder so. Ich habe keine Ahnung, was das soll und wieso mir sowas einfällt, es ist, als würde ich mich an einen Film erinnern, aber ich kenne keinen solchen Film. Es ist als kämen diese Gedanken gar nicht aus mir, als wäre da noch jemand in meinem Kopf, der mich in eine albtraumartige Welt führt. Ich empfinde mich als völlig auseinandergelöst und inkoherent. Mein Ich zerbröselt und zerfällt geradezu. Manchmal habe ich buchstablich das Gefühl, ich muss mich zusammenreißen, alle Fetzen und Bruchstücke meiner Person zu einem Ganzen bündeln und einschnüren, da sonst meine Person vollkommen zersplittert, ich weiß nicht mehr, wer ich bin, was „ich“ ist und was nicht und wo ich eigentlich in diesem Chaos bin, wo ich meine Person in den Dingen, die durch meinen Kopf gehen verorten kann. Dieser Zustand ist kaum zu ertragen, ich habe Angst vor mir selbst, traue mir nicht und fühle mich, als wäre ich dabei, meinen Kern oder mein Wesen zu verlieren oder „verrückt“ und „wahnsinnig“ oder „irre“ zu werden. Ich habe ziemlich viele Worte auf die Beschreibung dieses Zustandes verwandt, weil er sehr schwer zu beschreiben ist und ich so etwas noch nie erlebt oder gehört habe. Das Gefühl, sich vor dem eigenen Körper zu ekeln und ihn abzulehnen ist zwar nicht schön, aber das kann ich irgendwie einordnen. Diese gefühlte oder tatsächliche Auflösung meines Wesens ist mir schrecklich unheimlich.
Ich hoffe, ich konnte halbwegs klar machen, was ich meine, wobei es gerade da ziemlich zu hapern scheint. Ich fühle mich oft, als spräche ich die Sprache meiner Mitmenschen nicht oder würde einem Tauben die Schrecken des Fluglärms erklären. Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau , was ich mir von diesem Post erhoffe, aber es tut mir gut, meine Gefühlslage zu sortieren und da ich wenige Vertraute habe, die greifbar sind, wollte ich, in einer guten Minute diese Möglichkeit nutzen, mir Anregungen zu holen, was ich tun kann. Wenn ich in einem solchen Zustand bin, bin ich so blockiert, dass ich nichts zustande kriege. Bin ich aber gerade „funktionstüchtig“ versuche ich, Lösungen zu finden. Ich will den Rest meines Lebens nicht so verbringen. Ich will mich wieder bei mir selbst zuhause fühlen, nur schaffe ich es nur in den hellen Minuten, das überhaupt noch zu erkennen, geschweige denn Auswege zu sehen und auch zu begehen.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 15
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23.05.2010, 14:50
Angst vor mir selbst, Aggression, Selbstekel (lang)
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23.05.2010, 15:14
AW: Angst vor mir selbst, Aggression, Selbstekel (lang)
Puuh...
ich weiß nicht, ob ich dir einen wirklich guten Rat geben kann.
Hast du eine Idee, woher dein enormer Selbstekel kommt? Gibt es in deiner Vergangenheit irgendetwas, mit dem du dich nicht so wirklich auseinandersetzen kannst, weil das zu schmerzhaft wäre?
Ansonsten kann ich nur den Rat geben, professionelle HIlfe zu suchen. Hier deine Gefühle aufzuschreiben, ist auch schon ganz gut, um deine Gedanken zu ordnen, aber eine LÖsung ist dies noch lange nicht. Und die Menschen in deinem Umfeld sind nun mal nicht deine Therapeuten. Sie werden ihre eigenen Probleme haben und verstehen dich vielleicht auch ganz einfach nicht - das ist momentan bitter für dich, weil du so gar keine Schulter zum Ausheulen hast, andererseits kannst du auch von NIchtprofis nicht erwarten, dass sie dir wirksam beistehen können, denn dafür sind deine Probleme wohl zu massiv.
Vielleicht sind die Ursachen ja auch physiologisch und Medikamente könnten helfen... Was hält dich davon ab, zum Arzt zu gehen?
Susanne
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23.05.2010, 15:15Inaktiver User
AW: Angst vor mir selbst, Aggression, Selbstekel (lang)
Hallo,
doch irgendwie kann ich Dich verstehen, aber ich kenne die Ursache nicht, wie Du sicherlich auch nicht oder noch nicht. Ich kann eigentlich nur raten, dass das Flashbacks sind. Hast Du viele Erinnerungen an Deine Kindheit? Gibt es Zeiten die ausgeblendet sind? Gibt es irgendeinen Zusammenhang in Deinen Gedanken, die wie ein Film ablaufen, denen die Sprache fehlt zu irgendwelchen einmal real gewesenen Personen oder Räumen? Gab es irgendwas Traumatisierendes in Deiner Kindheit?
Oft fangen diese Flashbacks in der Pubertät an und irgendwann weiß man normalerweise und wenn ich jetzt nicht total am Thema vorbei bin, worum es sich handelt. Ich habe das auch erst mit Anfang 20 rausgefunden. Diese ganze Esserei brauchst Du dann einfach um diese zu deckeln, um Dich von etwas was hoch kommt an Erinnerung abzulenken.
Und ich weiß gar nicht, ob ich Dir was Gutes rate damit nachzuforschen ohne therapeutische Hilfe. In jedem Fall solltest Du Dir viel Hilfe holen in Form einer Therapie, dass Du das dann ggf. im geschützten Rahmen aufarbeiten kannst, auch die Wut lässt sich dort rauslassen und anschauen und konkretisieren an Hand der erlebten Situationen und damit verarbeiten.
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23.05.2010, 15:19Inaktiver User
AW: Angst vor mir selbst, Aggression, Selbstekel (lang)
Hallo!
erstmal: ich finde es gut, dass du hier mal deine Gedanken, einfach genau so, wie sie sind, aufschreibst.
ich muss aber auch sagen, dass die Probleme, die du beschreibst, jeden Freund überfordern. ich glaube auch nicht, dass Freunde in dieser Hinsicht die richtigen Ansprechpartner sind.
War dein Selbstbild denn schon immer so? Oder hat das erst irgendwann angefangen?
Ich möchte dir dringendst raten, dich zu einem Therapeuten überweisen zu lassen. Da bist du gut aufgehoben und da kann man dir helfen!
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23.05.2010, 15:37
AW: Angst vor mir selbst, Aggression, Selbstekel (lang)
Liebe Kay ...,
vermute, Du bist unter 20 Jahre und gehst noch zur Schule?
Ich finde auch, dass Deine Freunde mit Deiner Problematik überfordert sind.
Prima, dass Du jetzt nach Lösungen sucht = erster Schritt.
Meine Empfehlung:
Richtige Behandlungsmöglichkeiten findest Du in einer psycho-somatischen Klinik mit Hilfe Deines Hausarztes.
Ratschläge aus einem Forum können Dir nicht weiter helfen.
FG von Helga
„Nehmen sie die Menschen wie sie sind, denn andere gibt es nicht“
Konrad Adenauer
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23.05.2010, 16:44
AW: Angst vor mir selbst, Aggression, Selbstekel (lang)
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Geändert von Minimal (29.05.2010 um 11:10 Uhr)
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23.05.2010, 17:12
AW: Angst vor mir selbst, Aggression, Selbstekel (lang)
Sorry, das hatte ich übersehen. Die Antwort auf die Frage, warum Du Dir bisher noch keine Hilfe gesucht hast.
Die Hemmschwelle, sich in Therapie zu begeben, ist möglicherweise erst mal groß. Ich weiß nicht, wo Du lebst, aber in den meisten größeren Städten gibt es mittlerweile Selbsthilfegruppen für Frauen/ Menschen mit Ess-Störungen - zum Teil werden diese auch von Therapeuten begleitet. Vielleicht ist das für Dich ein guter erster Schritt.
LG MinimalGeändert von Minimal (29.05.2010 um 11:09 Uhr)
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23.05.2010, 19:36Inaktiver User
AW: Angst vor mir selbst, Aggression, Selbstekel (lang)
kayleighflux,
bitte begib Dich UMGEHEND in ärztliche Behandlung, such einen Facharzt für Psychiatrie auf, oder wende Dich an eine Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, wenn Du so etwas in der Nähe hast.
Die Symptome, die Du schilderst, weisen auf eine dringend behandlungsbedürftige Situation / Störung hin. Du beschreibst Depersonalisation und Derealisation, es gibt starke Hinweise auf eine Essstörung, mögliche Flashbacks, dissoziative Phänomene, autoaggressives Verhalten. Ich möchte hier keine möglichen Diagnosen nennen, aber ich schätze die Situation als ernst ein, und möchte Dich daher dringend bitten, Dir Hilfe zu suchen - sofort!
Alles Gute wünscht Dir
die Seewespe
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23.05.2010, 21:46Inaktiver User
AW: Angst vor mir selbst, Aggression, Selbstekel (lang)
Eine Freundin von mir ist auch lange Jahre magersüchtig gewesen und erzählt aus der Zeit ähnliches aus ihrem Bekanntenkreis.
Es ist für mich heute noch schwer mit ihr über Themen wie Essen, Körperempfinden, Figur zu sprechen weil ich nie weiß wie es aufgefasst wird (obwohl sie das rund 8 Jahre hinter sich hat).
Neulich kniff sie sich die Haut am Bauch zusammen und meinte sie hätte aber ganz schön zugenommen... (objektiv vielleicht 200 Gramm in Summe). Ich versuche dann das Gesagte umzulenken auf ihr Gefühl, frage wie es ihr denn zur Zeit geht und ob eine eventuelle Gewichtszunahme für sie jetzt problematisch wäre. Wir reden dann darüber wie sie sich fühlt. Mit "Quatsch, du bist doch nicht dick" brauch ich ihr sowieso nicht kommen. Mit 49 Kilo kann man nicht zu dick sein...
Ich rate Dir ganz dringend zu einem Arzt zu gehen damit Du die Möglichkeit hast eine Therapie zu machen. Aufschreiben hilft, aber ein Forum oder auch Freunde können Dir mit diesen gravierenden Problemen nicht helfen.
LG, Käfer
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23.05.2010, 22:32
AW: Angst vor mir selbst, Aggression, Selbstekel (lang)
Ich sehe es auch so, wie Seewespe, dass du dringend professionelle Hilfe brauchst.
Wir hier können dir nicht helfen. Auch Freunde oder Verwandte verstehen nicht das Ausmaß deiner Not, wie du schon selbst festgestellt hast.
Also begib dich so schnell wie möglich in psychiatrische Hände!


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