Das ist wirklich ein sehr schwieriges Thema. Ich erinnere mich, wie ich als knapp 18-Jährige vor dem Psychotherapeuten saß und der mich fragte, wieso ich den Kontakt zu meiner Mutter denn nicht abbrechen könne. Und ich war sprachlos, ich war empört, regelrecht aufgebracht. Was verlangte dieser Mann da von mir?! Meine eigene Mutter verlassen? Das geht doch nicht
Nur diese Frage war der Grund gewesen, dass ich nie wieder zu diesem Therapeuten gegangen bin.
Heute denke ich darüber anders. Nach vielen-vielen leidvollen Jahren, nach komplett sinnlosen Versuchen, mir eine heile Familie nachträglich zusammenzubasteln. Was für ein hirnloses Unterfangen, was für eine verschwendete Energie, was für ein unglaubliches Drama!!!
Aber jeder muss seinen Weg selbst gehen, und ich will dich einfach nur dahin gehend unterstützen, indem ich dir sage: ICH VERSTEHE DICH!!! Alles, was du tust, ist genau das Richtige. Es gibt keinen falschen Weg, es gibt immer nur Möglichkeiten. Niemals wirst du wissen, wie es anders gewesen wäre
Ich will dir übrigens auch danken
Als ich hier im November angefangen habe zu schreiben, da war ich von meinen eigenen Gefühlen so weit entfernt wie das Washington Monument von den Oster-Inseln. Gerade vorhin war ich aber so richtig wütend, ich hatte so viel Mit-Gefühl für deine Situation. Das Schreiben hier, das gnadenlose Offenlegen ohne - inzwischen - Scheu hat mir geholfen, viele meiner Gefühle wieder spüren zu können. Wenn es auch manchmal noch beängstigend ist und ich dem Frieden nicht so recht trauen will.
Aber es ist wohl alles auch immer so eine Gewohnheitssache...
...genauso wie es für dich eine Gewohnheitssache ist, das Verhalten deiner Mutter nicht zu übernehmen, sondern dein ganz eigenes Wesen aufzufinden und auszuleben.
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Antworten
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Thema: Den eigenen Weg gehen
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25.05.2010, 18:42Inaktiver User
AW: Den eigenen Weg gehen
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25.05.2010, 19:51Inaktiver User
AW: Den eigenen Weg gehen
Liebe Zweipulver,
deine Geschichte geht mir nah ans Herz...denn Du wurdest zwei Mal missbraucht von Menschen denen Du Vertraut hast.
Ich kann mir nicht vorstellen wie deine Mutter im Stande war einfach weg zu sehen. Leider werden Kinder viel öfters von Familien Mitglieder sexuell missbraucht als von Fremden.
Oft wird das zugedeckt aus Scham...denn die Außenwelt soll eine heile Familie sehen.
Dein Bruder hat sich nicht nur an eine Schwester vergriffen...er hat ein kleines unschuldiges Kind für seinen Zweck benutzt...ein Kind das sich nicht wehren Konnte.
Zweipulver, dein Bruder ist ein Kinderschänder, und soll als solcher nicht geschont werden...und ja deine Mutter hat total versagt indem sie Dich nicht schützte.
Ich glaube, Du solltest es ansprechen...vielleicht kommst Du dann zur Ruhe,
Wenn Du schreibst...lege bitte ein Kinder-Bild von Dir bei...damit er das Kind vor Augen hat...das kleine Kind das er sich brutal genommen hat.
Ibeth
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25.05.2010, 19:59
AW: Den eigenen Weg gehen
Ich verstehe immer weniger, Zweiplusvier, wieso du diese Familie nicht längst abgeschrieben hast und immer noch Wege suchst, sie dazu zu bringen, dich anzunehmen!
Die schadet dir auch jetzt noch!
Zieh einen Strich, nachdem du ihnen alles gesagt hast, alles!
Aber nicht mit einem Fax. Ein Brief ist der richtige Weg mit Kopie an die Mutter, damit beide wissen, was los ist!
Sie müssen und werden darauf reagieren!
Bereite dich auf anschließende Gespräche vor.
Die SCHULD am Geschehenen kann dir niemand geben, du warst ein kleines Kind!
Schlaflos hat Recht mit allem, was sie sagt!
Und bei der nächsten Frage, wieso du dich denn so rar machst, egal von wem aus der Familie, sage die Wahrheit, ganz einfach!
Du bist nicht die einzige, die Missbrauch erlebt hat, du musst dich auch nicht schämen, dir ist massives Unrecht widerfahren!
Ist natürlich alles nicht so einfach, wenn du bis jetzt den Weg des geringsten Widerstandes gegangen bist, aber es geht um dich und dein Leben.
Leite den Brief ein mit den Worten:
Ich habe die Schnauze voll vom Stillhalten, Einlenken und dem verlogenen Schweigen.
Konfrontiere sie!
Ich hoffe so sehr, dass du den Mut finden kannst, dich endlich auf die Hinterbeine zu stellen!
Alles, alles Gute für dich,
Lalique
Do what makes your heart sing
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26.05.2010, 12:34Inaktiver User
AW: Den eigenen Weg gehen
Hallo Ihr Lieben,
vielen Dank für Euren Zuspruch und auch ich fange an zu fühlen, aber was das ist eher Wut und Trauer. Nicht das was man sich unbedingt wünscht.
Ja, so richtig wütend war ich und ich habe das offen gemacht an meinen Bruder. Er hätte ja auch schon Jahrzehnte mit meiner Wut rechnen müssen? Nun ist sie eingetroffen. Was daraus entsteht in der Familie meines Bruders, liegt in deren Hand. Hätte ich viel früher gesprochen, hätten sie es viel früher erfahren.
Ich habe irgendwie diese frech weiterlebenden Gutmenschen satt, die noch ihre Opfer verunglimpfen und 1000 Strategien haben sich gut darzustellen und andere zu manipulieren.
Was ich meiner Mutter schreiben werde, weiß ich noch nicht ganz, aber ich werde mir es überlegen. Schon lange Jahre habe ich nicht das Gefühl, dass ich gern zu ihr Kontakt habe. Es lässt mich eher in der Luft schweben wie ein Pendel zwischen Gut und Böse, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen einfach verzeihen und das eigentlich gar nicht können, zwischen eine gute Tochter sein und gar nicht die Tochter dieser Frau sein wollen und dieses schwere Los tragen wollen. Und irgendwie macht mich diese Unentschiedenheit schwach, dieses Hin- und Her.
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26.05.2010, 12:45Inaktiver User
AW: Den eigenen Weg gehen
Du kannst das ändern in dem Du handelst...Du hast das Recht, deinen Bruder und deine Mutter zu konfrontieren.Und irgendwie macht mich diese Unentschiedenheit schwach, dieses Hin- und Her.
Ibeth
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26.05.2010, 15:07Inaktiver User
AW: Den eigenen Weg gehen
Manchmal hilft einfach nur der konsequente Schnitt. Ich habe ja auch versucht, meine Mutter in meinem Leben wenigstens soweit zu belassen, dass es einigermaßen funktioniert. Aber das hat sich nicht bewährt. Sobald auch nur die Rede von ihr war, zog es mich innerlich so sehr zusammen, ich fühlte mich ihr stets irgendwie ausgeliefert. Sie hat mir dadurch so viel Energie entzogen, dass mir die für den Rest meines Lebens schlicht fehlte und mich teilweise handlungsunfähig machte. Immer war ich auf der Hut, was als nächstes kommt. Wird sie diesmal friedlich sein und Ruhe geben oder wird sie wieder wie aus heiterem Himmel explodieren und alle Welt zusammenschreien... Nein, es ging nicht mehr, beim besten Willen nicht!
Bei meinem Bruder ist es anders, er bereut zutiefst und ist kein Schwein, sondern höchstens ein ganz armes. Mit ihm geht es einigermaßen gut. So wirklich nahekommen wird er mir nie dürfen, aber ich gestatte jedem, dass er sich entwickelt. Und ER hat sich gut entwickelt. So kann ich mit ihm umgehen.
Viel Kraft, liebe zweiplusvier, du machst das gut, und du bist mutig
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26.05.2010, 15:55
AW: Den eigenen Weg gehen
Do what makes your heart sing
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27.05.2010, 10:40
AW: Den eigenen Weg gehen
Liebe Zweiplusvier!
Ich möchte mich in die Reihe Deiner Unterstützerinnen eingliedern!
Ich gehöre auch zu denen, die Dich aufgrund eigener schlimmer Erfahrungen gut verstehen! Es war so schwer, so schwer für mich, mich von meinen Eltern zu trennen. Ich war sehr verwirrt, ich konnte nicht klar denken und erkennen, wie die Beziehungsstrukturen funktionierten. Ich fühlte mich einfach nur betäubt und handlungsunfähig.
Zweiplusvier! Als Opfer von Misshandlung und Manipulation brauchst Du vor allem Klarheit - jedenfalls traf das auf mich zu - um Dein eigenes Leben leben zu können.
Das wünsch ich Dir! Und: Schreib weiter hier, wenn Dir das hilft, auch wenn Du das Gefühl hast, nicht voranzukommen. Bei mir haben diese Prozesse lange Jahre gebraucht. Ich hätte das ohne therapeutische Hilfe auch nicht geschafft. Aber es kann funktionieren!
Massashi
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28.05.2010, 08:57Inaktiver User
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28.05.2010, 09:08Inaktiver User
AW: Den eigenen Weg gehen
Ich denke, dass das unter einigermaßen normalen Umständen auch sehr schwer zu verstehen ist. Wahrscheinlich habe ich mich damals wie in einer Rolle gefühlt, dass ich ja trotzdem wichtig bin für meine unfähige Mutter und habe sehr sehr viel im Haushalt übernommen. Manchmal hat sie mir mit Selbstmord gedroht. Hätte ich das nicht viel eher machen sollen?
Ich habe das mit meiner Mutter glaube ich sehr sehr lange Zeit gar nicht so wahrgenommen. Das war einfach so. Klar habe ich mich auch gewundert, was andere Kinder so für eine Kindheit hatten und wie umsorgt sie wurden und ich war sehr viel mehr in der Pflicht für meine Mutter.




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