Jetzt habt ihr mich zum Nachdenken angeregt, wie ich das eigentlich handhabe mit Berührungen...
Ich kann das für mich gar nicht so klar sagen, dass ich es prinzipiell mag oder nicht mag - ich finde das immer sehr situationsbezogen.
Es gibt Momente, da erscheint mir eine Berührung so etwas von natürlich, dass ich gar nicht auf die Idee käme, es könnte auch ohne sie gehen. Auf der anderen Seite kenne ich aber auch Situationen wo ich ganz klar signalisiere - jetzt darf mich niemand anfassen.
Ich sehe es so, dass eine Berührung dann ok ist, wenn sie von den Beteiligten in dem Moment als richtig empfunden wird! Dafür braucht es viel Feingespür - einmal für mich selbst, ob ich jemanden berühren mag, wenn ja in welcher Weise oder ob ich berührt werden will, wenn ja, wie und ganz wichtig das Gespür für den anderen, ob der jetzt berührt werden mag oder die Distanz braucht, ob er Nähe sucht oder meidet.
Beruflich habe ich jeden Tag mit vielen Menschen zu tun - den Senioren, die mir anvertraut sind, ihre Angehörigen, Ärzte, Therapeuten, meine Kollegen und der Chef.
Manchmal ist der Körperkontakt zu meinen Senioren hilfreich, weil ich sie im wahrsten Sinne des Wortes damit stütze und oftmals ist eine dankende Umarmung für mich mehr wert als jedes Wort. So wird die Berührung zu einem gegenseitigen Geben und Nehmen - ein wundervolles Wechselspiel!
Manchmal muss ich den anderen berühren, wo ich weiß, es ist ihm nicht so einfach, Berührung zuzulassen - z.B. wenn ich Intimpflege bei jemandem machen muss. Da ist dann ganz klar, dass es darauf ankommt, wie ich eine Berührung gestalte - nämlich so, dass der andere sie annehmen kann, tolerieren kann.
Es kommt aber auch mal vor, dass Senior mich gerne mehr berühren täte, als mir lieb ist - da braucht es klare Abgrenzung von meiner Seite, aber ohne den anderen zu verletzen - denn schließlich ist klar, dass wir jeden Tag aufs neue miteinander konfrontiert sein werden und einen gemeinsamen Weg finden müssen, was an Berührung für jeden akzeptabel ist.
Ich habe langjährige Kollegen - die ich auch heute noch distanziert begrüße und andere Kollegen, mit denen es Umarmungen und Wangenküsse gibt. Das macht keinen Unterschied ob männlich oder weiblich, sondern hängt einfach von der Person an sich ab. Bisher habe ich mich noch niemals schräg angebaggert gefühlt von einem Kollegen, der mich berührt.
Wenn nun aber morgen der Chef mir freundschaftlich die Hand auf den Hintern legt, dann käme ich doch sehr ins Grübeln, was er mir damit signalisieren will, denn er und ich wir reichen uns die Hand, es gibt mal ein anerkennendes Schulterklopfen, aber eben keine vertrauten Berührungen.
Zu meinem Bruder habe ich ein sehr herzliches Verhältnis, den umarme ich sehr gerne, erst recht,wenn wir uns lange nicht gesehen haben. Nun lebe ich schon eine Weile im Süden des Landes, wo gerne Umarmungen und Bussi ausgetauscht werden in der Öffentlichkeit, somit stürzte ich schon freudig auf meinen Bruder zu, der mich völlig perplex abwehrte und meinte, das ginge doch nicht jetzt, weil er noch bei der Arbeit war, obwohl gerade niemand im Laden war, der hätte dumm gucken können ob der Vertrautheit zwischen uns.
Ich kenne das auch von mir selbst, dass es Momente gibt, wo mich einfach niemand anfassen darf, nicht mal der Partner.
Das ist so ein breites Feld - Berührungen - und ich merke, ich muss das jedes Mal für mich und mit dem anderen neu entscheiden, was erlaubt ist und was nicht. Das geht einfacher, wenn ich klare Signale sende, vor allem, wenn ich etwas nicht mag und ich muss gut auf die Signale des anderen achten!
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Ergebnis 21 bis 21 von 21
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11.05.2010, 01:03
AW: Körperlichkeit und körperliche „Grenzen“
LG WhiteTara


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