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  1. Inaktiver User

    Es ist mehr möglich als man denkt

    Ich möchte gerne - sozusagen im Zeitraffer - meine Geschichte erzählen. Vor allem für jene, die so wie ich es vor langer Zeit tat, glauben, man müsse sich mit vielem im eigenen Leben einfach abfinden.
    Da ich schon immer 'eigensinnig' war (was ich lange als nicht so positiv erlebt habe, da es natürlich vor allem in meiner Kindheit nicht gerne gesehen wurde - heute aber sehe ich es sehr wohl positiv), konnte ich mich nie mit etwas abfinden, das mich zu sehr einschränkte.

    Was mich enorm eingeschränkt hat, war meine Prägung in der Kindheit. Ich habe Gewalt erlebt, bekam ein Image verpasst, das mit mir selbst eigentlich weniger zu tun hatte als mit denen, die mir dieses Etikett aufklebten (wie das oft der Fall ist), fühlte mich nie richtig frei und in vielem blockiert, traf eine Menge falsche Lebensentscheidungen und taumelte jahrelang von einer Krise in die nächste.

    Dazu gehörten phasenweise heftige Depressionen bis hin zu Panikattacken, ich fühlte mich in der Welt nicht gut aufgehoben, hatte viele Ängste und sah mich selbst als eine Mischung aus schwierig, anders als andere und eigentlich kämpfte ich mich eher durchs Leben als dass ich es liebte.

    Dazu kam, dass ich mit 30 alleinerziehend wurde und mich anfangs damit völlig überfordert fühlte, mein Kind war auch so "schwierig" und gefühlsintensiv - heute würde man ihm wohl das Etikett ADHS verpassen, nehme ich an. Ich lebte viele Jahre alleine, mir ging es damit gar nicht gut, ich habe Phasen hinter mir, in denen ich aus Verzweiflung abends oft zu viel getrunken habe, ich habe einige gescheiterte Partnerschaften hinter mir und zuletzt noch ein Burnout, das mich monatelang praktisch handlungs- und arbeitsunfähig machte. Freunde hatte ich immer nur wenige, meine Familie kritisierte mich eher weiter, als dass ich von dort Hilfe erhoffen konnte.

    Ich habe nie den Beruf ausgeübt, den ich mir immer zutiefst wünschte (im Bereich Soziologie und Psychologie) und meine Talente, vor allem die künstlerischen waren mir schon von klein auf als so unwichtig dargestellt worden, sodass ich sie selber später auch nicht mehr ernst nahm. Ich dachte lange Zeit, es müsse etwas von außen kommen, damit mein Leben erfüllter sei - ein passender Partner, Anerkennung, Freunde, die immer loyal seien usw. usw. Eine Zeitlang habe ich meine Sinnsuche in esoterischen Richtungen betrieben, aber das Ganze kam mir letztlich so künstlich und kindlich vor, dass ich es wieder fallen ließ. Vor ca. 7 Jahren ging es mir extrem schlecht und meine Therapeutin redete mir zu, es mit Psychopharmaka zu probieren. Was ich allerdings kategorisch ablehnte, da ich nichts zudecken, sondern eher aufdecken wollte. Und ich ging damit durch noch eine heftige Krise, die sehr schmerzhaft war und ich der ich sehr isoliert war.

    Aber jetzt zum Heute: Ich habe seit Jahren niemals wieder Depressionen gehabt, geschweige denn Panikattacken. Ich fühle mich meistens ziemlich gut. Ich habe so viele Interessen, dass mir oft der Tag zu kurz wird, da ich immer auch auf genügend Aus- und Ruhezeiten achte, weil für meine inneres Balance wichtig ist. Ich schlafe gut, fühle mich wohl in meiner Haut, erlebe das Alleineleben samit der zugehörigen Freiheit mittlerweile als sehr bereichernd. Ich habe ein paar gute Freunde, verstehe mich mit meinem mittlerweile erwachsenen Kind (samt eigener Familie) prächtig und ich befasse mich in meiner Freizeit (die sich bedeutend vergrößert hat, seit ich meine Arbeitszeit reduziert habe - da ich ohne Auto und in einer relativ kleinen Wohnung lebe, geht das prima) nur mit Dingen, die mich wirklich interessieren. Ich gehe nirgendwo hin, gehe mit niemand aus, treffe keine Verabredungen, wenn ich das nicht wirklich will, denn es macht mir nichts aus, viel alleine zu sein. Ich fühle dabei keine innere Leere mehr wie früher. Ich freue mich auf meine weitere Entwicklung, die ich mittlerweile bewusst annehmen kann, ohne dagegen anzukämpfen, Altes loszulassen. Ich fühle mich innerlich befreit wie nie und fange an, das Leben wirklich zu lieben.

    Vielleicht hört sich das alles danach an, als hätte ich ein Rezept gefunden, etwas, das wirkt, eine Technik vielleicht oder eine Methode, einen bestimmten Glauben. Aber so ist es nicht. Ich suchte nie die schnelle Lösung, schon gar nicht irgendwelche Manipulationstechniken, um mir etwas aus- oder einzureden. Was ich gemacht habe, war ein Weg aus tausenden von Schritten zu mir selbst. Ich habe - da es ohnehin meinem Interesse entsprach - viele psychologische Bücher gelesen. Ich wollte begreifen, was sich im Inneren von Menschen abspielt, die Probleme mit ihrem Leben haben, denen es nicht gut geht. Dazu las ich Unmengen an Büchern, aber wirklich wichtig waren rückblickend gesehen nur wenige. Mit der Zeit begriff ich, dass jede Krise eine Riesenchance war, Neues über mich zu entdecken, auch wenn es oft sehr hart war, mich dem zu stellen. So habe ich - meistens alleine, zeitweise aber ich in Begleitung von Therapeuten (ich bin nur bei jenen geblieben, bei denen ich ein wirklich gutes Gefühl hatte) Stück für Stück meiner Vergangenheit aufgearbeitet und habe mich immer wieder zu den Ursachen der Beeinträchtigungen durch gekämpft.

    Es gab immer wieder Rückschläge und Zeiten, in denen ich dachte, das schaffst du nie, die alten Sichtweisen klebten zu zäh an dir. Aber dann gab es wieder einen Durchbruch und etwas Altes fiel ab. Wo es am meisten weh tat, wo es am aussichtslosesten erschien, waren die allergrößten Entwicklungen versteckt. Irgendwann wurde mir klar, dass "Zulassen" das Um und Auf aller Entwicklungen ist und dass der Kampf dagegen, die Fixierung auf bisherige Überzeugungen die Schmerzen weit größer machten als sie sein mussten. Seit ich das begriffen habe, geht es viel, viel leichter. Meist ohne nennenswerte Krisen.

    Ich habe mein Leben umgekrempelt, mich von allen Menschen getrennt, die mich ohne Wertschätzung behandelten (inkl. meiner Familie bzw. dem Rest davon, den es noch gibt), bin in eine neue kleine Wohnung umgezogen, in der ich mich absolut wohl fühle, lebe nach meinem Rhythmus und nach meinen Bedürfnissen und habe damit aufgehört, mir andere als Maßstab zu nehmen. Je sicherer ich darin wurde, umso herzlicher wurden meine Kontakte zu anderen Menschen, umso einfacher war es, meiner inneren Stimme zu folgen, umso weniger widersprachen sich Gefühle und Verstand. Ich bin sehr intuitiv geworden (war ich früher zwar auch, traute dem aber nicht) und treffe heute Entscheidungen nicht mehr entweder vom Gefühl oder vom Verstand her, sondern beides passt zusammen (solange ich nicht wieder in alte Muster verfalle und mir selber Kopf-Argumente liefere, warum etwas so oder so sein müsste).

    Es ist nicht so, dass ich heute in einer heilen Welt lebe. Ganz im Gegenteil - ich sehe sehr klar die Probleme, sowohl eigene als auch die anderer und jene in unserer Gesellschaft. Aber es zieht mich nicht mehr ständig runter. Ich erlaube mir Trauer, wenn ich traurig bin und Müdigkeit, wenn ich müde bin. Ich versuche, nichts mehr zu erzwingen, sondern lebe aus mir heraus. Ich weiß, dass ich mein Bestes gegeben habe und dass es richtig war. Ich verzeihe mir meine Fehler und schäme mich nicht mehr in Grund und Boden darüber, ich bin anderen gegenüber tolerant, aber meine Toleranz hat auch Grenzen, wenn mir etwas zu sehr gegen den Strich geht. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich endlich begonnen habe, als ich selbst zu leben und das Gefühl ist so gut, zieht so viel Positives nach sich, dass ich es gegen nichts mehr eintauschen möchte.

    Ich bin überzeugt davon, dass das Wichtigste überhaupt ist, um diesen Weg zu gehen, daran zu glauben, dass es möglich ist. Man muss sich das zutrauen. Natürlich ist es auch wichtig, viel zu verstehen. Aber wenn keine Motivation dazu da ist - eine Zeitlang fand ich sie auch nur darin, dass ich allein verantwortlich für mein Kind war und deshalb nicht aufhören wollte, zu kämpfen - geht gar nichts. Man kann sich Hilfe holen, es kann einem auch immer wieder ein Stück geholfen werden und es ist ganz wichtig, dass man immer wieder jemand findet, dem man vertraut (das kann auch ein guter Therapeut sein, oft ist das sogar hilfreicher als Freunde, die selber subjektiv in ihren Sichtweisen stecken), aber den Weg muss man einfach selber gehen. Schon Viktor Frankl sagte: "Ein Warum verträgt fast jedes Wie" und ich kann dem nur zustimmen.

    Ich sehe in unserer Gesellschaft sehr viel Oberflächlichkeit und ein Drüber-hinweg-gehen über so vieles. Oft, weil es anders zu unbequem erscheint, weil wir es eben so gewohnt sind oder weil es 'alle' so machen. Man kann aber nicht zu sich selbst finden, wenn man sich danach richtet, was andere tun oder sagen oder irgendwelche Methoden, Glaubensrichtungen oder sonstigen vorgefertigten Sichtweisen vorzieht. Das kann nie funktionieren. Es kann eine Zeitlang hilfreich sein, um über die Runden zu kommen, aber letztlich können wir uns selbst nur in uns selbst finden. Weil den Weg niemand anderer kennt, niemand kann uns sagen, wer udn wie wir wirklich sind, denn das müssen wir irgendwann spüren und erleben.

    Jedenfalls kann ich nur jedem sagen, der sich mit ähnlichen Problemen herum schläft, dass so viel möglich ist, viel, viel mehr als es oft im Moment aussieht. Ich mag Menschen heute immer mehr, ich kann vieles so gut nachvollziehen, weil ich es selber erlebt habe. Aber - obwohl man mutlos werden darf - darf man es nicht auf Dauer bleiben. Ich sehe das im Bekanntenkreis ringsum, dass das Schlimmste ist, wenn die Hoffnung verschwindet. Und oft ist diese Hoffnung auf die falschen Zielen fixiert. Es ist meist eine "Wenn ... dann"-Geschichte. Und genau das hält in der Krise fest. Man erkennt das zwar erst immer nach dem Loslassen, aber es ist schon wichtig, dass man das überhaupt weiß. Wenn man es dann einige Male erlebt, geht es immer leichter.

    Warum ich das hier alles geschrieben habe, möchte ich zuletzt noch sagen. Es geht mir um die Verbindung zu anderen Menschen. Das brauchen wir alle. Aber nicht nur auf eine oberflächliche Weise, sondern ehrlich. Es ist genau so wichtig für jene, denen es gut geht wie für jene, denen es schlecht geht, weil Menschen einander brauchen. Aufrichtige Kontakte ohne Fassade, wo man sich verstellen muss. Das hilft oft mehr als alles andere.

    Herzliche Grüße
    Lena

  2. User Info Menu

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Liebe Lena,

    ich bin seit langem stumme Stammleserin hier im Bri-Forum.

    Die Themenvielfalt hier ist unglaublich - es gibt hier wohl keinen Aspekt des Lebens, zu dem sich kein Thread findet.
    Ich nutze das Forum hauptsächlich, um mir Anregungen und Kraft für meinen persönlichen - seelischen - Lebensweg zu holen (Themen wie "welcher Rock passt zu dieser Bluse?" sind für mich derzeit nicht so relevant, nichtsdestotroz finde ich, wie gesagt, die Bandbreite der Themen hier wichtig und gut).

    Schon öfter hat es mich in den Fingern gejuckt, in dem einen oder anderen Thread mitzuschreiben - und jetzt habe ich mich registriert, um auf deinen wunderbaren Beitrag antworten zu können.

    Erstmal - vielen Dank für deinen Beitrag!

    Es freut mich immer sehr, aufbauende, Mut machende Geschichten zu lesen, und du hast deinen Beitrag sehr ausführlich, behutsam und ehrlich formuliert.
    Ich bin beeindruckt und freue mich darüber, was du geschafft hast, und daß du deinen Weg mit anderen teilen möchtest.

    Vieles, was du geschrieben hast, hat in mir eine Saite angeschlagen... zum Beispiel "tausend kleine Schritte zu mir selbst...".

    Vielleicht magst du noch mehr davon berichten, wie es dir so ergangen ist?

    Ich habe jetzt gerade leider nicht die Ruhe, um länger zu schreiben (ich sollte dieses Wochenende eigentlich meinen Umzug vorbereiten ). Es war mir aber ein Bedürfnis, dir für deine Worte zu danken.

    Alles Gute,

    Susa

  3. Inaktiver User

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Liebe Susa,

    danke für deine Antwort. Ich freue mich ganz besonders, dass du schreibst, in dir sind Saiten angeklungen. Ich bin davon ausgegangen, dass es vielleicht anderen genau so gut tut wie mir selbst, wenn ich lese, was möglich ist, ohne dass es ein Patentrezept dafür gibt. Es gab eine Zeit, da suchte ich sogar gezielt nach Büchern, in denen Menschen ihre Geschichte aufgeschrieben haben, die viel Leidvolles erlebt haben und trotzdem (oder sogar dadurch) sehr gereift sind und zu authentischen Menschen wurden. Das hat mir immer wieder Kraft und Hoffnung gegeben.

    Was soll ich noch schreiben, wie es mir ergangen ist? Mir ist es oft elendsschlecht gegangen. Am Beginn meines erwachsenen Lebens war ich einfach orientierungslos. Ich wusste nicht, was ich wollte, ich wusste nicht, wo ich hin gehörte und mein Horizont war ziemlich beschränkt. Er war eben jener, mit dem ich aufgewachsen bin und viel weiter ist da wohl kaum jemand, wenn er beginnt, sein eigenes Leben zu leben.

    Ich war abhängig von Beziehungen, dachte, ich könne alleine seelisch nicht überleben und bin daher aus diesem Grund, natürlich unbewusst, Partnerschaften eingegangen, die genau so unreif waren wie ich selbst. Mit den entsprechenden Partnern, denn andere nimmt man gar nicht wahr und sie einen wohl auch nicht. Oder zumindest nur selten, denn man sucht sich schon irgendwie immer das "Passende". Doch habe ich auf Dauer immer gespürt, dass ich innerlich extrem "unfertig" bin, dass mir so viel fehlt, dass ich micht nicht rund in mir selbst fühle. Ich war zwar lebenstüchtig und leistungsfähig, habe eigentlich in meinem Umfeld auch ein gewisses Selbstbewusstsein ausgestrahlt (das tief innen aber gar nicht vorhanden war), aber es war auf eine Art ein flaches Leben. Ich wusste aber nicht, wie ich das ändern konnte.

    Als ich mein Kind bekam, hat sich viel verändert. Diese Liebe war authentisch, das spürte ich ganz deutlich. Aber wie meistens, versucht man dann, ohne dass man es selber durchschaut, dem Kind genau das zu geben, was man selber vermisste hat, man behandelt es so, wie man selbst behandelt werden wollte. Das hat zwar in großen Teilen gepasst, aber nicht in allen. Denn mein Kind war ja kein Klon von mir, sondern eine eigenständige Persönlichkeit. Zudem wusste ich nicht, wie man eine gute Mutter ist und lebte nur in Vorstellungen. Das ging dennoch solange gut, solange ich noch mit meinem Partner lebte. Erst als er uns verließ, war ich von heute auf morgen voll auf mich selbst zurück geworfen. Und das hat meine erste tiefe Krise eingeläutet.

    Plötzlich gab es nichts mehr, womit ich meine Unsicherheit überdecken konnte, niemand, der zu mir hielt (und ich selbst konnte das damals auch noch nicht wirklich), ich stand vor der schwierigen Aufgabe, mein Kind alleine aufzuziehen, uns zu erhalten - und ich wurde sozial immer isolierter. Ich muss sagen, ich traute mir diese Aufgabe lang nicht zu.

    Aber weil ich mein Kind liebte und nicht wollte, dass es denselben Mist erleben sollte wie ich, musste ich zu ihm stehen. Ich begann, immer mehr zu reflektieren, dann eben psychologische Bücher zu lesen und hantelte mich so schön langsam immer weiter. Aber die Situation war zu schwierig, um das allzu gut zu schaffen. Jedenfalls nicht in kurzer Zeit. Das war dann die Phase, wo ich auch esoterische Literatur las. Sie gab mir anfangs neue Hoffnung, mein Weltbild wurde davon eingefärbt und eine Zeitlang dachte ich, das sei ein guter Weg.

    Aber die Realität hat mir dann einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dieses Weltbild halft mir weder bei der Erziehung meines Kindes, noch bei meiner Isolation, noch bezahlte es mir die Rechnungen oder nahm mir Entscheidungen ab. Ich fühlte mich bald immer abgehobener und obwohl ich schon einige neue Denkweisen mitnehmen konnte, die meinen Horizont veränderten, kam ich irgendwann dahin, dass mir dieser Weg nicht wirklich gefiel. Ich fühlte mich wie in einer Scheinwelt, wo ich mir zwar alles Mögliche schön denken konnte, jedoch eben nur "denken", denn es änderte sich ja nicht viel dadurch.

    Heute sehe ich es so, dass es im Grunde gut war, dass ich vor so handfesten Aufgaben und Alltagsproblemen stand. Sonst hätte ich vielleicht länger in diesem Elfenbeinturm gelebt. Jedenfalls fiel dieses Kartenhaus bei der nächsten Krise wieder in sich zusammen und ich beschloss, zu kämpfen. Vor allem auch für mein Kind. Ich hinterfragte meine Vergangenheit, meine Familie, mein Kindheitumfeld, ich versuchte, den verstellten Blick frei zu kriegen. Doch immer wieder holten mich meine alten Sichtweisen und unerfüllten Bedürfnisse ein. Was ich in manche Beziehung gelegt habe - darüber kann ich heute nur mehr den Kopf schütteln.

    Es hat lange gedauert und es war mühevoll, aber schrittweise erkannte ich immer mehr, spürte ich immer mehr. Und dann kam wieder eine tiefe Enttäuschung und wieder eine heftige Krise und ich dachte, alles umsonst. Aber so war das nicht. Offenbar musste ich so lange nach dem Falschen greifen und immer wieder enttäuscht werden, bis ich begriffen hatte, dass man für sein eigenes Leben selbst verantwortlich ist und das, was man erlebt hat, nicht auszulöschen ist. Dass einem kein Partner der Welt die Liebe geben kann, die man immer vermisst hat, dass es nicht die gesunde eigene Energie ist, wenn man sie nur abhängig von anderen spürt, dass Verliebtheit nicht Liebe ist, weil ich von Liebe überhaupt keine Ahnung hatte (eher von Abhänigkeit und schönen Fantasien) und dass das Wichtigste in meinem Leben nun mal zu dem Zeitpunkt mein Kind war und mein Leben.

    Trotzdem bin ich immer wieder rückfällig geworden, bin verzweifelt, glaubte mir selbst nicht, was ich spürte und konnte eigentlich lange Zeit das, was ich wusste, nicht umsetzen. Ich konnte es mir zwar eine Zeitlang einreden, aber das hielt natürlich nicht an. Was mir wirklich sehr geholfen hat, war eine lange Verbundenheit zu einer Therapeutin, die mich immer und jederzeit mit großer Wertschätzung behandelte. Das war für mich neu, fühlte sich anfangs sogar unecht an. Aber es hat dazu geführt, dass es langsam die alten Überzeugungen aufweichte und mir immer mehr auffiel, wenn mir andere geringschätzig begegneten. So ging ich halt einen Schritt nach dem anderen, musste mich oft selber dazu anhalten, beim leisesten Frust nicht wieder alles aufzugeben - was mir manchmal gelungen ist, manchmal auch nicht - und kämpfte mich weiter, biss mich durch.

    Das Ziel, das ich hatte, war - ich will an mich selbst ran kommen, an mein Potenzial, an meine Lebendigkeit und meine echten Gefühle. Und mir war klar, dass da noch einiges in mir war, das mir das unmöglich machte. Eine Alternativmedizinerin, deren Mittel zwar nicht gewirkt haben, aber die Gespräche mit ihr waren sehr gut, hat mir einmal gesagt, ich müsse mich meinen Ängsten immer wieder stellen. Ich dürfe ihnen nicht ausweichen, ich müsse mitten hindurch, um sie aufzulösen. Das hat sich in mir fest gesetzt und entsprach ja auch dem, was ich in vielen Büchern gelesen hatte. Wobei aber die Praxis noch einmal anders aussieht als die Theorie!

    Dennoch habe ich es dann versucht, aber lange bin ich immer am selben Punkt umgekehrt, ohne dass mir das bewusst war. Erst als ich mich mal so in die Ecke getrieben fühlte, dass ich dachte, wenn du das jetzt weiter mitnimmst, geht das nie weg, egal, ich trau mich da rein, was immer auch kommen mag - erlebte ich zum ersten Mal, wie sich eine alte Angst vollständig auflöst. Es ist anfangs furchtbar, man wird in ganz alte Gefühle reingezogen, die man schon von klein auf mitgenommen hat und die man direkt so nie mehr gespürt hat - nur eben ihre Auswirkungen. Es fühlt sich genau so an, als wäre man wieder dort, wo man als Kind war - man driftet praktisch in eine Regression. Dennoch ist man kein Kind mehr und das erwachsene Ich ist ja da. Aber man spürt das in dem Moment natürlich nicht.

    Das Ganze dauert aber weit weniger lange als ich mir das vorstellte - weil es so absolut ist. Denn wenn die alten Gefühle raus kommen, tut es zwar (oft sehr) weh, aber wenn sie ausgelebt sind, kommt fast parallel dazu das Verstehen, woher die Angst gekommen ist. Auch mit Erinnerungen daran. Und dann ist sie weg. Und zwar für immer. Das entspricht der tiefenpsychologischen Sichtweise, ich weiß, aber dieser Weg war der einzige, mit dem ich wirklich die Erfahrung von Befreiung gemacht habe.

    Es gibt natürlich tausende andere Möglichkeiten, mit dem Leben klar zu kommen. Man kann kompensieren, sich Umstände schaffen, wo nie Gefahr besteht, dass daran weiter gerührt wird, man kann es hinnehmen, Medikamente nehmen, süchtig werden, krank werden, allen was vorspielen eingeschlossen sich selbst, sich durch ständige Aktivität ablenken, in Besitz sein Glück zu finden versuchen, in Sekten - was auch immer, jeder hat seinen bevorzugten Weg. Aber das wollte ich nie. Nicht seit ich selber Mutter geworden war. Denn dann hätte ich das unweigerlich meinem Kind weiter gegeben und ich wollte, dass es zum echten, authentischen Menschen wird und nicht meine Probleme später ausbaden muss. So wie ich schon die von meiner Familie ausbaden musste... Mir war irgenwann klar, ich will diesen Kreislauf unterbrechen, ich nehm es auf mich.

    Natürlich ist nicht bei jedem Menschen gleich viel Dramatisches geschehen. Aber wenn ich mich umhöre, doch bei sehr vielen Ähnliches und oft noch viel Schlimmeres. Ich gehöre einer Generation an, wo Kinder als Besitz gesehen wurden und sie kein Mensch wirklich ernst nahm. Gewalt gegen sie war erlaubt und galt als berechtigt. Und wenn man das alles noch einmal durchlebt bzw. die Folgen davon begreifen will, dann hat man schon einiges zu tun. Es war auch ein Irrtum, zu glauben, für ein Kind reiche unendliche Liebe und sonst nichts. Auch da bin ich in eine Sackgasse gelaufen. Aber woher sollte ich wissen, was gut ist? Mühsam bin ich langsam darauf gekommen, was Begleitung heißt. Sie heißt auch, Grenzen zu setzen. Nicht brutal und aggressiv, sondern konsequent. Kinder brauchen starke Eltern und je mehr man bei sich ist, umso besser kann man dem entsprechen. Stärke heißt nicht, in jeder Situation stark zu sein, sondern aufrichtig zu sein, auch Schwächen und Hilflosigkeit zuzugeben, aber sich nicht vom Kind dominieren lassen. Das wirkt sich nur fatal aus.

    Es war aber eine ganz schwer zu findende Erkenntnis, denn all das war meinen Erfahrungen nach total negativ besetzt gewesen. Dass man seinen Kindern Halt damit gibt und wie dringend sie diesen brauchen, musste ich erst begreifen. Es bedeutet nicht, sie zu verdrehen und zu verbiegen. Sie dürfen schon sie selbst bleiben. Aber sie dürfen nicht alles, das ist ein gewaltiger Unterschied. Und einfach ist das in unserer Gesellschaft gar nicht. Es gibt nach wie vor herablassende und geringschätzige Behandlung von Kindern, man benutzt sie für das eigene Ego, man missbraucht sie. Oder man schenkt ihnen viel zu wenig Aufmerksamkeit, vernachlässigt sie durch einen 'Laissez-faire-Stil' und denkt, sie sollen sich selber aufziehen bzw. will hauptsächlich seine Ruhe haben oder dressiert sie auf "brav" und stellt alles andere als schlecht hin. Wie sollen Kinder da zu authentischen, warmherzigen Erwachsenen werden, die sich selber spüren?!

    Jedenfalls habe ich an meinem Kind viel über meine eigene Geschichte gelernt. Was mir alles gefehlt hatte, was alles völlig falsch gemacht wurde. Aber auch, was es braucht, um es wirklich besser zu machen. Vor allem Ehrlichkeit zu sich selbst und dass man sich selber versteht.

    Ich kann nicht alles aufschreiben, was ich getan und erlebt habe, um mich zu entwickeln, das würde ein dickes Buch füllen. Und so intensiv möchte ich mich da auch gar nicht mehr hinein denken, denn wenn etwas Vergangenes abgeschlossen ist, löst sich das Interesse daran bald auf. Die Dinge, die uns immer wieder beschäftigen, sind eher jene, die noch nicht abgeschlossen sind.

    Herzliche Grüße,
    Lena

  4. Inaktiver User

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Hallo, Lena,
    ich finde das ganz großartig, was du da schreibst. Ich glaube, dass es nicht wenigen Menschen so ergangen ist wie dir, aber nur wenige stellen sich diesem Schmerz so ehrlich zu sich selbst wie du.
    Bei manchem, was du schreibst, denke ich : das könnte auch von mir sein.
    Ein anderes Mal schreibe ich gern mehr, ich muss nur jetzt los und wollte mich nur schnell melden
    Tosa

  5. Inaktiver User

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Liebe Tosa,

    ich würde gerne darüber lesen, was auch von dir sein könnte! Ich freue mich immer über Menschen, denen mein Weg nicht fremd ist. Bin gespannt darauf.

    LG
    Lena

  6. Inaktiver User

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Hi Lena,

    vieles von dem, was Du schreibst ist mir bekannt. Ich entnehme deinem Bericht, dass es sich aber bei dir um viele, viele Jahre handelt... Einen ganz herzlichen Glückwunsch von mir!

    Ich habe bis vor 4 Jahren in einem Elfenbeinturm (wie du so schön sagst) gelebt.

    Bis dahin, da habe ich mich scheiden lassen, hatte ich noch nie ein Selbsthilfebuch gelesen. Kurz vor meiner Scheidung sah ich auf dem Flughafen das Buch: liebe dich selbst...von Eva Zuhorst. Da fing meine Selbstentdeckung an. Immer wenn ich um eine Ecke war und dachte, jetzt hast du was erreicht, kam ein neuer Schlag.

    Ich war 2008 für ein Jahr mit einem Mann zusammen (meine erste ernste Beziehung nach meiner Scheidung) und nach der Trennung fiel ich in das tiefste Loch. Es war, als würden alle Verletztungen, alles Unausgegorene der letzten 40 Jahre jetzt erst hochkommen.

    Jetzt lebe ich fast ein ganzes Jahr total zurückgezogen, und es war zeitweise die Hölle, aber irgenwie dachte ich in meinem hinterkopf, da musst du jetzt durch. Ohne Ablenkung, ohne einen anderen Mann, ohne Hobbies.

    Was ich nach der Arbeit und am Wochenende tat war lesen (Bücher, sehr viele Psychologische, nicht so sehr Selbsthilfe), spazierengehen, und meinen Haushalt machen.

    Ich ging von einer Phase - gar nichts essen - zu einer Phase - nur Fast Food und 2 Gläser WEin jeden Abend - zu einer gesunden und wieder zurück.

    Ich ging durch ständig heulen, nicht schlafen können, zu euphorisch und zuviel Schlaf. Im Dezember dachte ich, jetzt hast du es geschafft, ich ging aus, lernte einen Mann kennen und habe mich gleich in einen Gedankenkreisel hineinkatapultiert, während ich innerlich noch gar nicht frei war.

    Heute kann ich sagen, es geht mir so gut wie noch nie in meinem Leben, aber...ich lebe immer noch ziemlich zurückgezogen, wie wird es mir ergehen, wenn ich wieder Menschen kennenlerne???

    Einen lieben Gruss
    esperanza

  7. Inaktiver User

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich war 2008 für ein Jahr mit einem Mann zusammen (meine erste ernste Beziehung nach meiner Scheidung) und nach der Trennung fiel ich in das tiefste Loch. Es war, als würden alle Verletztungen, alles Unausgegorene der letzten 40 Jahre jetzt erst hochkommen.
    Hallo Esperanza,

    so etwas Ähnliches habe ich auch erlebt. Und ich hatte dassselbe Gefühl dabei. Eigentlich war es nicht nur ein Gefühl, sondern es war ja wirklich so. Es hat mich in einen Weg gebracht, der - ganz egal, welche Versuche ich auch unternommen habe, ihn abzukürzen (u.a. auch mit neuen Beziehungen) - nicht mehr zu verändern war.

    Ich glaube fast, wenn man einmal diesen Weg beschreitet, d.h. nicht auszuweichen, wenn man die Sinnhaftigkeit, wirklich zu sich selbst zu finden und all den Wahnsinn, den man irgendwo noch als "normal" in sich gespeichert hat ablegen möchte, begriffen hat, kann man nicht mehr zurück.

    Auch ich habe Zeiten erlebt, wo ich dachte, es gibt einen Ausweg, etwas, jemand, der mir das Glück bringt. Und bin jedes Mal mehr oder weniger schnell wieder tief gefallen. Und auch die Angst kenne ich nur zu gut, dass die Zurückgezogenheit nicht mehr aufzuheben ist.

    Aber das stimmt nicht. Sie kann zwar lange andauern, aber irgendwann bin ich dahin gekommen, sie als Chance anzusehen, mir mein eigenes Leben einzurichten, mich frei zu fühlen und Unabhängigkeit zu lernen. Im Grunde eigentlich, eine Beziehung zu mir selbst aufzubauen. All die guten Ratschläge für andere oder das Theoretisieren über deren Probleme hat sich langsam aber sicher verloren, ist immer uninteressanter geworden und ich habe immer mehr meine Energie auf mein Leben gelenkt.

    Die Fragen waren: Was kann ich damit anfangen - und zwar alleine? Bin ich nicht fähig, ein Leben zu führen, das mir gefällt und wo es Highlights gibt ohne andere? Was brauche ich dazu? Was ist mir möglich? Was muss ich an meinen Einstellungen ändern, an meinen Zielen, damit das gelingen kann? Was kann ich mir selbst geben, Gutes tun?

    Diese Fragen ernst genommen, bewirken wirklich viel. Ich habe viel probiert. Ging zur Massage, kaufte mir duftende Badezusätze, lieh mir Filme aus der Videothek, die ich schon immer sehen wollte, nahm mir ein Tier, pflegte wieder Hobbies, die mir viel gaben usw. usw. Zuerst hat sich alles aufs Zuhause konzentriert, denn alleine raus zu gehen, auch draußen alleine für mich Schönes zu entdecken - soweit war ich noch nicht. Das kam erst später.

    Da bin ich heute noch am Probieren. Demnächst mache ich alleine eine Städtereise (nicht so weit, im Inland), miete mir dazu eine kleine Wohnung mit Garten, nehme meinen Hund mit, habe mir Stadtplan und Reiseführer besorgt, möchte abseits vom Touristentrampelpfad mehr die grüneren Stadteile erkunden, viel spazieren gehen aber auch auch in der Wohnung und den Garten relaxen. Ich habe vor, viel zu fotografieren, werde mein Notebook mitnehmen, die Fotos am Abend gleich rauf laden, will mir besonders leckeres Essen zubereiten, mittags auch mal in einem Gastgarten essen gehen.

    Es gibt so vieles, das mir Freude macht - ganz ohne Begleitung - das hätte ich früher nicht für möglich gehalten. Derzeit möchte ich gar keine Partnerschaft haben, das würde mich beinahe abhalten, weiter zu erkunden, wie weit ich mit mir selbst alleine komme. Aber ich schätze natürlich gute Gespräche mit anderen, tiefgehenden Austausch, Zufallsbekanntschaften, wo man einfach erzählt, ohne dass es weitere Treffen geben muss. Und je lockerer ich darin werde, umso mehr Kontakte ergeben sich auf diese Art.

    Weißt du, letztlich strahlt man aus, wie man sich fühlt. Ist man in sich zufrieden, neugierig aufs Leben, offen und positiv eingestellt, fühlt man sich selber gut und strahlt auch keine Bedürftigkeit aus. Weil man es ja auch nicht mehr wirklich ist. Es ist kein Suchen nach anderen mehr, sondern ein Suchen nach der Gestaltung des eigenen Lebens. Ich will gut leben können, Neues entdecken, ohne dafür andere unbedingt zu brauchen. Weil ich glaube, dass man nur so unabhängig sein kann. Und ich glaube auch, diese Phase ist immens wichtig, um gegebenenfalls eine wirklich gute Beziehung eingehen zu können, sollte sie sich irgendwann wieder ergeben. Falls man das dann will.

    Aber es muss nicht sein, es ist keine Fixierung mehr da, was sein müsste, um mich gut zu fühlen, nur mehr Offenheit fürs Leben, aus dem ich aktiv das Beste machen möchte.

    Man muss aber auch geduldig mit sich sein. Was nicht geht oder noch nicht geht, sollte man nicht anstreben. Immer bei dem bleiben, was gelingen kann und sich gut anfühlt. Vor 5 Jahren wäre ich nicht alleine gereist, weil ich mich nicht gut damit gefühlt hätte. Da habe ich eher noch Duftbäder genommen und mir gute Filme zu Hause angesehen.

    Aber es wird immer mehr, Schritt für Schritt baut man neues Terrain auf. Sobald man sich damit gut fühlt, kann Neues probiert werden. Es ist ein so schönes Gefühl, selbstständig zu leben, sogar unglaublich schön! Man wird nicht - entgegen der vorgefassten Meinung mancher - egoistischer dadurch, sondern offener für sein Umfeld. Zufriedenheit mit sich selbst hat einfach eine gute Wirkung.

    Ich freue mich jedenfalls schon auf die Pläne, die ich in einem oder zwei Jahren fassen werde. Man kann nichts überspringen, jeder muss in seinem Tempo wachsen. Und zu viel auf einmal zu wollen, führt eher zu einem Rückschlag als zu Fortschritt. Wichtig ist immer, nachzuspüren: womit fühle ich mich gut? Auch wenn da anfangs nicht viel kommt, das Lebendige setzt sich schon durch mit der Zeit und dann geht man einen Schritt weiter.

    Ich halte Entwicklung ohnehin für etwas, das das ganze Leben passiert und nie aufhört. Und daher muss man zwar immer im Jetzt leben, aber auch wissen, dass das Jetzt von heute nicht das Jetzt von morgen ist.

    Also, mach dir nicht zu viele Gedanken darüber, wie es sein wird, neue Menschen kennenzulernen. Vielleicht ist derzeit noch gar nicht die Zeit, wo das so wichtig ist. Vielleicht musst du dich selbst noch besser kennen lernen und dein Leben aus eigener Kraft noch viel mehr verbessern. Dann wirst du dich anders fühlen und die Bedenken von heute sind morgen gar nicht mehr da. Denn mit ihnen gehst von heute aus!

    LG
    Lena

  8. User Info Menu

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Tolle Beiträge hier, Lena und esperanza

    Und ein Kompliment an diese klare, nachvollziehbare Art zu schreiben.

    Freue mich schon auf weitere Posts

    Lieben Gruß,
    schafwolle

  9. Inaktiver User

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Hallo Lena und die anderen!

    Also, mach dir nicht zu viele Gedanken darüber, wie es sein wird, neue Menschen kennenzulernen. Vielleicht ist derzeit noch gar nicht die Zeit, wo das so wichtig ist. Vielleicht musst du dich selbst noch besser kennen lernen und dein Leben aus eigener Kraft noch viel mehr verbessern. Dann wirst du dich anders fühlen und die Bedenken von heute sind morgen gar nicht mehr da. Denn mit ihnen gehst von heute aus!
    Eigentlich mache ich mir keine Gedanken darum, ich merke halt bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen ich auch nur flüchtig mit einem Mann in Berührung kam, dass ich total angespannt bin (ich bin auch so nicht sehr entspannt). Ich sorge mich, dass ich, wenn ich mal bereit bin, mir alles versaue, weil ich alles zu verspannt nehme.

    Vieles, was du geschrieben hast, könnte auch von mir gewesen sein, auch ich gönne mir Massagen, Schönheitsbehandlungen, Reisen. Wo ich früher in Richtung Mann dachte (z.B. soll ich heute zum Friseur, weil ich heute abend meinen Freund treffe), denke ich jetzt darüber nach was mir gut tut. Ich mache auch längerfristige Pläne und es ist mir klar, dass noch ein weiter Weg vor mir liegt.

    Ich habe ganz schmerzlich die körperliche Nähe vermisst und tue es immer noch, nicht so sehr das alltägliche miteinander teilen. Dafür habe ich auch Freundinnen. Noch nie bin ich so lange ohne eine Berührung ausgekommen. Der einzige Grund, warum ich Massagen nehme, ist dass meine Haut berührt wird.

    Auf der anderen Seite denke ich wie du, dass ich noch lange nicht fertig bin, mich selbst zu erkunden. Aber ein Teil von mir bleibt dabei auf der Strecke.

    Lg
    esperanza

  10. Moderation

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    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Liebe Lena

    Danke für deine tiefen Postings, ich sitze hier auch und nicke die ganze Zeit. Gerade damit

    Es gibt so vieles, das mir Freude macht - ganz ohne Begleitung - das hätte ich früher nicht für möglich gehalten. Derzeit möchte ich gar keine Partnerschaft haben, das würde mich beinahe abhalten, weiter zu erkunden, wie weit ich mit mir selbst alleine komme. Aber ich schätze natürlich gute Gespräche mit anderen, tiefgehenden Austausch, Zufallsbekanntschaften, wo man einfach erzählt, ohne dass es weitere Treffen geben muss. Und je lockerer ich darin werde, umso mehr Kontakte ergeben sich auf diese Art.

    Weißt du, letztlich strahlt man aus, wie man sich fühlt. Ist man in sich zufrieden, neugierig aufs Leben, offen und positiv eingestellt, fühlt man sich selber gut und strahlt auch keine Bedürftigkeit aus. Weil man es ja auch nicht mehr wirklich ist. Es ist kein Suchen nach anderen mehr, sondern ein Suchen nach der Gestaltung des eigenen Lebens. Ich will gut leben können, Neues entdecken, ohne dafür andere unbedingt zu brauchen. Weil ich glaube, dass man nur so unabhängig sein kann. Und ich glaube auch, diese Phase ist immens wichtig, um gegebenenfalls eine wirklich gute Beziehung eingehen zu können, sollte sie sich irgendwann wieder ergeben. Falls man das dann will.
    sprichst du mir sehr aus der Seele.

    Wir müssen alle unseren eigenen Weg gehen, jede Krücke macht den Weg nur beschwerlicher. Ich glaub, du bist auf dem guten Weg, im Alter sehr zufrieden zu sein. Das wünsch ich mir für mich auch. Danke fürs Dranerinnern.

    Lieben Gruss
    frangipani
    "I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

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