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  1. Moderation

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    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Ich weiss es nicht, Schlaflos. Muss ich mal drüber nachdenken.

    Aber ist es nicht eher anspruchslos statt einer Anspruchshaltung? Wenn ich vom anderen nicht mehr erwarte, als dass er ist wie er ist und ich wie ich bin? Dass er (oder sie) mich liebt und fertig? Mehr nicht? Dass er nicht Ansprüche erfüllen muss?
    Das man zufriedener sein kann, wenn man weniger vom Gegenüber erwartet? Vor allem nicht, dass er mich glücklich machen muss?

    Anspruchsvoll wäre ich dann evtl mir gegenüber, aber ich glaub, wenn man 'auf der Ebene' ist, dann ist das auch keine Anstrengung, sondern kommt automatisch.

    Aber ich geb zu, dass das alles noch sehr "zen"maessig klingt und wohl nicht einfach zu erreichen ist.
    "I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

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    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Liebe Schlaflos,

    ich sehe das ähnlich wie Frangipani. Für meinen Teil stelle ich schon fest, dass ich mit meinen gut 30 Jahren noch nie richtig geliebt habe - obwohl ich mit genau dieser Überzeugung lange an sehr schmerzhaften Konstellationen festgehalten habe. Ich habe Menschen in meinem Leben dafür funktionalisiert, die riesigen Löcher zu stopfen, die in mir sind. Ich wollte um jeden Preis geliebt werden, bin aber nicht in die "Vorleistung" gegangen, selbst Liebe auszustrahlen. Weil ich im Grunde genommen eine riesige Angst davor habe.

    Nach allem, was Du so schreibst, entsteht Dein Bedürfnis, geliebt zu werden, ja auch aus der Bedürftigkeit heraus, dass viele Deiner kindlichen Bedürfnisse letztlich unbefriedigt geblieben sind. Damit fehlt Dir die Grundlage, Deine Bedürfnisse anzuerkennen und bewusst in dem Sinne zu erfüllen, dass Du Dir ein Umfeld schaffst, in dem Deine Bedürfnisse wichtig sind, gesehen und erfüllt werden, von einer Vielzahl von Menschen, die alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten handeln. Und andersherum. Meine Beobachtung ist: Je lauter Menschen sagen "Ich will lieben und geliebt werden", desto weniger sind sie dazu in der Lage. Jemand, der lieben kann, der tut das einfach. Der empfindet diesen Mangel nicht. Ich trauere im Moment sehr darum, dass ich auch zu dieser Gruppe gehöre.

    Andererseits mache ich gerade die Erfahrung, dass mein Selbstwert wächst. Es gelingt mir besser, mich selbst zu respektieren und zu lieben. Das erst, so spüre ich das, macht es möglich, mich anderen Menschen zu öffnen, ich kann in der Wahrnehmung meiner eigenen Probleme erst die Gefühle anderer Menschen richtig nachvollziehen. Seit ich meine Grenzen entdecke, gelingt es mir, die Grenzen anderer Menschen zu sehen und zu respektieren.

    Ich kann versuchen nachzuvollziehen, warum Menschen handeln wie sie handeln, und entweder entscheiden, dass ich das mittrage - oder mich aus einer Situation lösen. Im Endeffekt lasse ich das für mich wichtigste, nämlich mein Selbst, nicht bei der Person, von der ich mich trenne. Meiner Verlustangst ist damit der Boden entzogen. Und damit kann ich mich mit deutlich weniger Bedingungen und Vorbehalten auf Menschen einlassen.

    Natürlich trauere ich und bin enttäuscht. Aber schlechte Erfahrungen treffen mich nicht mehr im Kern. Ich muss Menschen nicht mehr dahin manipulieren, dass sie mir Enttäuschungen ersparen. Ich muss mich nicht mehr verstecken, damit mich keiner treffen kann. Es erstaunt mich immer wieder, wie sehr sich dadurch mein Umfeld wandelt. Es ist ein langsames Wachsen und Werden. Vielleicht wird daraus mal eine Beziehung für mich entstehen. Vielleicht aber auch nicht. Selbst wenn nicht, ich würde das, was ich jetzt gewinne, bereits in diesem frühen Stadium niemals mehr dafür aufgeben, der Illusion einer funktionierenden Beziehung nachzulaufen, die ich mir wie ein Möhrchen vor die Nase binde und niemals erreiche. Und ich möchte nie wieder, dass ich einfach deshalb in unbefriedigenden und schmerzhaften Beziehungen verbleibe, weil ich mir nicht zutraue, meine Bedürfnisse selbst zu erfüllen und mir das mit der Illusion schönrede, dass vielleicht ja doch noch alles besser oder gar gut werden kann. Wenn doch nur....

    Nee. Da kümmere ich mich lieber um mich. Ich finde nämlich mittlerweile wirklich, dass ich das wert bin.

    LG,
    Babette
    Zurück ist ein Ort, den es nicht gibt.

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    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Irgendwann wurde mir klar, dass "Zulassen" das Um und Auf aller Entwicklungen ist und dass der Kampf dagegen, die Fixierung auf bisherige Überzeugungen die Schmerzen weit größer machten als sie sein mussten.
    Das möchte ich ganz fett unterschreiben.

    Das war und ist immer noch meine größte Aufgabe: Zulassen, und zwar freundlich zulassen.

    Ich habe viel Zeit damit verbracht, gegen meine Gefühle anzukämpfen, weil mir beigebracht worden war, dass sie nicht erwünscht sind, sprich, dass ich mit diesem Gefühl nicht erwünscht bin.

    Ich werde immer besser darin, mir zu sagen: Ich darf so sein.


    Massashi

  4. Inaktiver User

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Ich wollte um jeden Preis geliebt werden, bin aber nicht in die "Vorleistung" gegangen, selbst Liebe auszustrahlen. Weil ich im Grunde genommen eine riesige Angst davor habe.

    Meine Beobachtung ist: Je lauter Menschen sagen "Ich will lieben und geliebt werden", desto weniger sind sie dazu in der Lage. Jemand, der lieben kann, der tut das einfach.

    Seit ich meine Grenzen entdecke, gelingt es mir, die Grenzen anderer Menschen zu sehen und zu respektieren.
    Damit sprichtst Du mir aus dem Herzen.

    Aber es gibt auch - das muss jetzt nicht für dich gelten - ein Leben jenseits von Partnerschaft. Es ist nicht weniger gut! Das sieht man nur solange so, solange die Bedürftigkeit das Alleineleben beeinträchtigt. Wenn alleine nur Leere da ist, fehlt in dir etwas, nicht etwas von außen fehlt
    @ Lena,
    so ist es bei mir nicht, im Gegenteil, die Leere, die auch vorher in einer Partnerschaft war, ist verschwunden.

  5. Inaktiver User

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Zitat Zitat von Massashi Beitrag anzeigen
    Das war und ist immer noch meine größte Aufgabe: Zulassen, und zwar freundlich zulassen.

    Ich habe viel Zeit damit verbracht, gegen meine Gefühle anzukämpfen, weil mir beigebracht worden war, dass sie nicht erwünscht sind, sprich, dass ich mit diesem Gefühl nicht erwünscht bin.

    Ich werde immer besser darin, mir zu sagen: Ich darf so sein.
    Schöne Aussage, Massashi! Klar darf man so sein, wie man ist. Wenn man das begreift, öffnen sich eine Menge innere Türen. Leider wurden die meisten von uns nicht so angenommen, wie sie sind. Man musste den Erwartungen der Bezugspersonen (mit ihren eigenen oft ungelösten Problemen und ihrer Unbewusstheit) entsprechen und damit hat man ganze Teile von sich selbst blockiert.

    Und läuft meist sehr lange so herum. Nur wenn einem das bewusst wird, kann es sich verändern. Und einfach ist das auch nicht, weil Prägung tief sitzt und oft große Ängste damit verbunden sind, die alten Bedrohungen bzw. der Liebesverlust mit gespeichert sind. Da muss man durch, da führt kein Weg drum herum.

    Du schreibst, freundlich zulassen. Na ja, wenn alte Wut hoch kommt, durch die ich mal durch muss, um sie nicht weiter eingesperrt mitzutragen, ist das nicht gerade freundlich! Aber wenn sie weg ist, hat man dafür wieder ein Stück Harmonie in sich gefunden.

    LG
    Lena

  6. Inaktiver User

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Zitat Zitat von Dieclou Beitrag anzeigen
    Andererseits mache ich gerade die Erfahrung, dass mein Selbstwert wächst. Es gelingt mir besser, mich selbst zu respektieren und zu lieben. Das erst, so spüre ich das, macht es möglich, mich anderen Menschen zu öffnen, ...
    ...
    Vielleicht wird daraus mal eine Beziehung für mich entstehen. Vielleicht aber auch nicht. Selbst wenn nicht, ich würde das, was ich jetzt gewinne, bereits in diesem frühen Stadium niemals mehr dafür aufgeben, der Illusion einer funktionierenden Beziehung nachzulaufen, ...
    ...
    Nee. Da kümmere ich mich lieber um mich. Ich finde nämlich mittlerweile wirklich, dass ich das wert bin.
    Liebe Babette,

    ich finde deinen Weg toll!! Meine Güte, wäre ich mit 30 schon so weit in meiner Entwicklung gewesen wie du das bist, hätte ich mir viele Jahre an ständigen Krisen erspart. Nun gut, war nicht so, ich musste mich dort erst hin hanteln, die Zeit war auch eine andere und mein Horizont eben nicht größer. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen und es war ein weiter Weg von dort nach heute. Trotzdem bin ich froh, dahin gekommen zu sein und ich freue mich auch, was weiter sein wird. Denn wenn man auf diesem Weg ist, geht er immer weiter, da wird das Leben wirklich zum Fluss, der nie still steht.

    Ich möchte dir noch einmal sagen: Ich finde es beeindruckend, wie du deinen Weg gehst!

    LG
    Lena

  7. User Info Menu

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Du schreibst, freundlich zulassen. Na ja, wenn alte Wut hoch kommt, durch die ich mal durch muss, um sie nicht weiter eingesperrt mitzutragen, ist das nicht gerade freundlich! Aber wenn sie weg ist, hat man dafür wieder ein Stück Harmonie in sich gefunden.
    Yep. Im übrigen ist es mir egal, dass meine Wut nicht freundlich ist. Sie gehört zu mir, ich lebe sie nicht schädlich für andere Menschen aus, aber ich lebe sie aus, denn sonst schadet sie mir. Ich scheiß drauf, immer freundlich zu sein.
    Zurück ist ein Ort, den es nicht gibt.

  8. User Info Menu

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Liebe Lena,

    danke. Ich finde es gut, dass Du den Strang aufgemacht hast. Da, wo Du jetzt bist, werde ich irgendwann sein.

    Ansonsten ist meine Jugend nicht nur Vorteil. Dass dieses Thema jetzt schon so präsent ist, zeigt ja auch an, wie schnell ich mein Leben bisher gelebt habe. Was durchaus ein Teil des Problems ist. Ich will das nicht mehr.

    LG,
    Babette
    Zurück ist ein Ort, den es nicht gibt.

  9. Inaktiver User

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Liebe Babette,

    auch wenn du zu schnell gelebt hast - ich fasse das so auf, dass du schon sehr viel erlebt hast - stehen dir dennoch im besten Fall noch viele, viele Jahre bevor, die du um einiges bewusster und damit wohl auch besser verbringen kannst.

    Ich fühle mich zwar mit Anfang 50 nicht alt, bin auch nicht der Typ, der Menschen in Altersklassen einteilt, aber dennoch sind schon einige Züge abgefahren. Das kann ich akzeptieren, aber mir ist auch klar, dass man in manchen Bereichen einfach jünger noch viel mehr machen und verändern kann - zum Beispiel beruflich, eine Ausbildung beginnen usw. Man kann praktisch dem Leben eine ganz andere Richtung geben.

    Das kann ich schon auch, aber nicht mehr so umfassend und nicht mehr in allen Bereichen.

    Noch zum "immer freundlich sein". Wenn ich das schon höre! Niemand muss immer freundlich sein und mit hoch gezogenen Mundwinkeln ständig hilfsbereit und Liebe ausstrahlend durchs Leben gehen.
    Zum Menschsein gehört noch um einiges mehr. Aber ich achte auch darauf, niemand anderen damit ungerechtfertigt zu konfrontieren. Das will ich nicht, erachte ich als sinnlos und von der hitzigen Sichtweise, anderen die Schuld dafür zu geben, wenn ich Frust habe, bin ich schon lange weg.
    Wenn das jemand jedoch bei mir versucht, weiß ich mich zu wehren.

    LG
    Lena

  10. User Info Menu

    AW: Es ist mehr möglich als man denkt

    Zitat Zitat von Dieclou Beitrag anzeigen
    Yep. Im übrigen ist es mir egal, dass meine Wut nicht freundlich ist. Sie gehört zu mir, ich lebe sie nicht schädlich für andere Menschen aus, aber ich lebe sie aus, denn sonst schadet sie mir. Ich scheiß drauf, immer freundlich zu sein.
    Ich meinte damit: Freundlichkeit und Annahme mir selbst gegenüber, nicht, dass die Gefühle an sich freundlich wären.

    Also, wenn es z.B. um Wut geht: die Wut nicht feindlich in mir selber bekämpfen, sondern zulassen.


    Massashi

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