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  1. Inaktiver User

    AW: Noch nie geliebt...?

    Hallo an alle! Lang, lang ist's her... aber ich sehe, es haben sich Menschen Gedanken gemacht, und scheinbar auch viele eigene Erfahrungen mit dem Strangtitel verknüpft, und ich freu mich sehr über die Beiträge in der Zwischenzeit! Ich habe in den letzten beiden Wochen angefangen, mich mit dem Buch 'WennFrauen zu sehr lieben' zu beschäftigen, wieder einmal, denn ich kenne es bereits. Ich habe in den letzten Jahren sehr oft darin gelesen, vor allem nach dem Scheitern einer Beziehung. Dass ich es jetzt bewusst wieder in den Händen halte, ohne Beziehungs-ende, ist vielleicht eine gute Sache....

    Zitat Zitat von Dieclou Beitrag anzeigen
    Dein Vater hat sich doch nicht bloß auf Deine Mutter gestützt, nicht wahr? Er hat diese Stütze auch von Dir verlangt. Er hat bei Dir ständig Bestätigung gesucht. Und er hat Dich damit überfordert. Das war etwas, das Du nicht, NIEMALS, leisten konntest.
    Puh. Das ist eine schwierige Geschichte. Ob er sich auf mich gestützt hatte, als ich Kind war, das kann ich nicht direkt beantworten. Ich weiss, es gab eine Zeit, da war meine Mutter quasi 'weg vom Leben', mit chemischen Hämmern voll und selbst ein Bündel Elend. Gut möglich, dass ich und mein Bruder ein Ersatz waren für meine Mutter, jedenfalls sind in meinen Erinnerungen vor allem Szenen mit meinem Vater und weniger mit meiner Mutter. Definitiv 'benutzt' hat er mich aber nach der Trennung meiner Mutter. In dieser Zeit sass er einfach nur da und hat geweint. Und ich konnte nicht gehen, er tat mir leid. Er hat NIE MICH gesehen und meine Trauer, meine Enttäuschung, meine Ängste, er hat nicht einmal gefragt, wie es mir geht. Er hat mich immerzu gefragt, warum meine Mutter weg ist...

    Eine Szene, an die ich mich immer erinnern werde, einige Jahre später: eine wichtige "Beziehung" ging kaputt, die, während der mein Ex eine andere Freundin hatte. Ich öffnete mich meinem Vater gegenüber, als er eines Tages fragte, wie es mir ginge. Ich habe ihm gesagt, ich bin am Boden, ich wurde verlassen, und habe am Telefon geweint. Anstatt dass er mich in meinem Kummer sieht, ist er zu sich und seinem Kummer gegangen, wieder einmal. Und gesagt 'jetzt weisst Du, wie es mir ging, als Deine Mutter weg ist....'.

    Ich bin jetzt in eben diesem Moment sowas von wütend auf ihn, aber kann es ihm nicht zeigen/ihm sagen, er tut mir einfach leid, ich sehe ihn immer noch als den Schwachen, den meine "starke" Mutter verlassen hat!

    Zitat Zitat von Dieclou Beitrag anzeigen
    Mein Vater ist im Grunde genommen wie Deiner. Er erwartet von mir ein ganz bestimmtes Verhalten, das ihm signalisiert, alles ist gut, er wird geliebt, ich nehme ihm seine schlechten Gefühle. Er ist nicht in der Lage sich selbst ein halbwegs schönes, zufriedenes Leben zu gestalten. Er ist ewig abhängig von den Umständen. Er kann sich nicht abgrenzen. Er hat Versagensängste. Er wehrt sich nicht, wenn meine Mutter ihn öffentlich runtermacht. Ich soll das dann heile machen.
    Oh ja... ich erkenne die Parallelen... es ist ein ewiger Energiesauger, und es kommt nichts an Energie zurück...



    Zitat Zitat von Dieclou Beitrag anzeigen
    Seit einigen Wochen spüre ich sehr wohl, was das mit mir macht. Ich bin nur noch wütend auf ihn. Ich spüre den Druck. Ich merke, dass ich völlig überfordert bin. Ich sehe, dass er mich gar nicht SIEHT, sondern nur auf seinen Zweck ausrichtet. Und ich sag Dir mal was, das habe ich noch nie jemandem so gesagt und es kommt aus vollem Herzen:

    Mein Vater ist eine feige Sau. Er hat mich geopfert. Dafür, dass er für sich selbst nicht die Verantwortung übernehmen muss. Er ist eine feige Sau. Und irgendwo hasse ich ihn dafür.

    So, das musste mal raus.

    LG,
    Babette
    Liebe Babette, ganz ehrlich: Ich bewundere Dich für diese Worte. Ich spüre selbst immer mehr Wut, jetzt am Freitag, vor zwei Tagen, war ein Höhe/Tiefpunkt. Ich habe das Foto von mir als Clown vor mir, und sehe ein Mädchen, das noch keine 6 Jahre als ist, und ich weiss, wie schwer die kommendene Jahre werden. Wieviel Angst da ist, wieviel Sorgen, und wie wenig die Eltern in der Lage sind, dem Kind die Ängste von den Schultern zu nehmen. Stattdessen bekommt es eine Schaumstoffrolle (!!) ins Bett gelegt, weil es weint und wieder Angst hat, und deshalb nicht schlafen kann. Sei es Hilflosigkeit, sei es Gedankenlosigkeit, es hat viel in mir kaputt gemacht. Viel Vertrauen.

    Und weisst Du was? Meine Mutter und ich hatten vor einigen Jahren einen Streit, in dem ich meinen Vater wieder einmal in Schutz genommen habe, den Schwachen. Und meine Mutter hat ebendiese Worte benutzt, die du oben aufgeschrieben hast:

    "Dein Vater ist eine feige Sau, ein Weichei, der sich hinter anderen versteckt."

    Ich war erst entsetzt, solche Worte hatte ich noch nie gehört von meiner Mutter, aber jetzt, ganz ehrlich, machen sie Sinn. Am Freitag war ich sowas von wütend, ich habe den ganzen Abend nur geheult, und das Foto umklammert, als könnte ich so das kleine Mädchen festhalten, und ihm das geben, was es schon vor so langer Zeit gebraucht hätte, jemand der es sieht und seinen Kummer und seine Ängste....

    Ich weiss nicht, was ich mit diesem Gefühl in mir machen soll. Es brodelt, und ich weiss nur, dass ich im Moment nicht mit meinen Eltern reden mag, nicht, bevor ich dieses Brodeln nicht in einen gleichmäßigen Strom umgewandelt habe. Nur wohin lenke ich diesen Strom? Zu meinen Eltern hin? Darf ich ihnen meine Wut und Trauer geben? Oder muss ich das anders klären? Ist das überhaupt alte Wut?

  2. Inaktiver User

    AW: Noch nie geliebt...?

    Liebe Schlaflos,
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Könnte es stimmen, dass dich die Eigenschaften eines potentiellen Partners abstoßen, wenn sie denen deines Vaters ähneln? Passivität, Liebenswürdigkeit, eher devote Veranlagung, Nettigkeit...
    Ja, diese Eigenschaften stossen mich ab. Ich kriege keine Luft mehr (im übertragenen Sinn), wenn ich das GEfühl habe, ein Mann verlangt von mir meine ganze Aufmerksamkeit, BRAUCHT mich, ist devot. Diese Abneigung geht sogar soweit, dass ich schon hinter jedem netten, liebenswürdigen Mann diese 'Bedürftigkeit' vermute, und ihm daher von vornherein keine Chance gebe, weil ich ihm jede Form von Stärke abspreche. Hingezogen fühle ich mich zu den selbst autarken Männern, die nach außen hin Stärke und Souveränität ausstrahlen, und keinerlei Bedürftigkeit demonstrieren, bzw. den Gedanken in mir auslösen, er könnte bedürftig sein.




    Ich drücke demnach jedem netten, feinfühligen und liebenswürdigen Mann gleich den Stempel 'bedürftig' auf, und nehme reissaus. Auweia....


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    unbedingte Verlassenwerden durch einen Partner käme also dem durchaus gleich?!
    Ja, das sehe ich auch so. Ich suche mir bewusst Männer, die mich verlassen, bzw. provoziere ein Verlassen-werden, um das alte Trauma wieder und wieder zu erleben. Ich wurde von meiner Mutter verlassen. Ich habe sie zum einen an die Depression verloren, als ich sie vielleicht am dringstenden gebraucht hätte, als Kind. Zum anderen war sie es, die die Ehe beendet hat, und somit meine vermeintliche Geborgenheit zerbrochen ist, dessen Ende ich aber schon so lange gespürt habe...

  3. Inaktiver User

    AW: Noch nie geliebt...?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es ist kein besonders orgineller Tipp, doch ich empfehle es immer wieder gerne, weil sehr viel Wiedererkennungswert unserer Muster (ich habe das selbe) darin zu finden ist und wir Verständnis finden für uns selbst. Es ist von Robin Norwood 'Wenn Frauen zu sehr lieben'. In vielen Protokollen hatte ich kleine Aha-Erlebnisse.
    Liebe Julifrau, Dein Tip hat auch dazu beigetragen, das Buch wieder in die Hand zu nehmen, und es wieder zu lesen. Nur dieses Mal lese ich bewusster. Das letzte Mal habe ich nach einer Anleitung gesucht, nach Tips, um aus dem Schmerz zu kommen, vielleicht eine Beziehung doch noch zu retten. Dieses Mal will ich den Schmerz, ich suche keine ad-hoc Lösung, sondern nach Wegen. Deshalb, danke für den Tip, und vor allem für die Anteilnahme!


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Zudem habe ich über zwei Jahre lang körpertherapeutisch gearbeitet, kein leichter Weg, aber das effizienteste, was ich bisher therapeutisch in meinem Leben machte, es führte wirklich zu einem Quantensprung in meinem Leben.

    Vielleicht könntest du dich auf Ähnliches einlassen, ich würde es dir wünschen .

    Liebe Grüße, Julifrau
    Ich muss sagen, nachdem ich letztes Jahr die Analyse beendet habe, war ich einfach nur erleichtert. Deshalb möchte ich erst einmal ohne Therapie weitermachen, auch wenn es vielleicht sinnvoller wäre, sich mit professioneller Hilfe an die Themen heranzuwagen...

  4. Inaktiver User

    AW: Noch nie geliebt...?

    @ Lalunaxx, Chrystaline, Midway und Mina....

    morgen werde ich auf Eure Beiträge antworten, also nicht denken, dass ich Euch und Eure Geschichten vernachlässige...

  5. Inaktiver User

    AW: Noch nie geliebt...?

    Liebe Emma

    Deine Wut ist jetzt, also ist sie nicht alt. Es ist nur so, dass sie sich auf etwas Vergangenes bezieht. Aber es ist wichtig, dass dieses Vergangene gewürdigt wird. Heute hast du die Möglichkeit, es mit erwachsenen Augen zu beschauen und eine Bewertung vorzunehmen, die es dir ermöglicht, aus dem, was nicht mehr ist, ins Jetzt zu gelangen.

    Wenn sich deine Eltern nicht wesentlich geändert haben, dürfte es müßig sein, sie mit deinen Gefühlen zu konfrontieren. Selbst, wenn sie wollen, sehr wahrscheinlich können sie es gar nicht verstehen. Selbst, wenn sie es können, ihre Scham, ihr Schuldgefühl, wird sie davon abhalten, sich offen zu stellen. Aber manchmal braucht es ein stetes Anrennen gegen altes Mauerwerk, um zu begreifen, dass aus einer Ruine nie und nimmer das alte, schöne Bauwerk werden kann - ein neues, das ja, aber dazu muss der alte Schutt restlos beseitigt werden.

    Zitat Zitat von Emma
    Ich drücke demnach jedem netten, feinfühligen und liebenswürdigen Mann gleich den Stempel 'bedürftig' auf, und nehme reissaus.
    Hast du schon einmal ganz bewusst darüber nachgedacht, dass der eigentlich Starke gar keine Angst davor hat, seine Gefühle zu beschauen - und sie deshalb auch zulassen kann. Und der eigentlich Schwache es unbedingt braucht, den Super-Hero zu markieren?

    Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass die, die du für stark hältst, genau die Schwächlinge sind, die du eigentlich so sehr hasst?!



    Schlaflos

  6. Inaktiver User

    AW: Noch nie geliebt...?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Liebe Julifrau, Dein Tip hat auch dazu beigetragen, das Buch wieder in die Hand zu nehmen, und es wieder zu lesen. Nur dieses Mal lese ich bewusster. Das letzte Mal habe ich nach einer Anleitung gesucht, nach Tips, um aus dem Schmerz zu kommen, vielleicht eine Beziehung doch noch zu retten. Dieses Mal will ich den Schmerz, ich suche keine ad-hoc Lösung, sondern nach Wegen. Deshalb, danke für den Tip, und vor allem für die Anteilnahme!
    Das ging mir ähnlich, ich las das Buch auch zwei Mal und beim zweiten Mal kam es einer Offenbarung gleich. Es machte nur noch klack, klack, klack in meinem Hirn. Endlich hatte ich Erklärungen bzw. war der Boden reif, dass ich sie annehmen konnte.


    Ich muss sagen, nachdem ich letztes Jahr die Analyse beendet habe, war ich einfach nur erleichtert. Deshalb möchte ich erst einmal ohne Therapie weitermachen, auch wenn es vielleicht sinnvoller wäre, sich mit professioneller Hilfe an die Themen heranzuwagen...
    Das kann ich verstehen. Es war nur meine gute Erfahrung, nach 'Kopf'-Therapien den Körper sprechen zu lassen, ganz von sich.

  7. User Info Menu

    AW: Noch nie geliebt...?

    Liebe Emma,

    hm, ich weiß es ehrlich gesagt, selber nicht so genau, was man mit der Wut machen sollte. ICH habe mich dafür entschieden, die Wut und den Schmerz für mich auszuleben. Ich male, ich wandere, ich laufe, tue bewusst Dinge, die mir guttun. Ich habe seit einiger Zeit das Gefühl, dass mich meine Gefühle nicht mehr auffressen. Sie sind ein Teil, sie bedrohen mich nicht mehr, ich kann da durchgehen, weil ich in der Lage bin, ihnen etwas anderes entgegenzusetzen. Ich habe mich aber auch entschieden, meine Eltern zu konfrontieren und den Kontakt zu ihnen abzubrechen. Ich frag mich da aber nicht, ob ich das darf, sondern, ob es mir guttut. Und es ist mir ein Anliegen, meinen Eltern die Verantwortung für ihr Leben zurückzugeben. So als Symbol, damit ich mich dann endgültig meinem zuwenden kann.

    Was daraus erwächst - ich weiß es nicht. Aber ich traue da einfach meinem Bauchgefühl, dass mir sagt: Das ist der richtige Weg.

    LG,
    Babette
    Zurück ist ein Ort, den es nicht gibt.

  8. Inaktiver User

    AW: Noch nie geliebt...?

    Zitat Zitat von midway Beitrag anzeigen
    Ich habe in Deinen Beschreibungen fast meinen Vater erkannt, für den ich auch "Alles" bin. Aber ich spüre -noch- keine Wut. Ich spüre immer noch dieses alte Mitleid mit ihm. UNd dieses Ihn-Schützen-Müssen. Selbst zurückstecken, damit es ihm gutgeht, wenn ich "brav" bin.
    Liebe Midway, da kann ich Dich (wie Babette wahrscheinlich auch) zu 100% verstehen. Ich habe auch soviel Mitleid mit meinem Vater, und dieses Gefühl verdeckt die ganze (vielleicht gesunde) Wut, dass es mich wiederum noch mehr wütend macht. Und dann wieder das Mitleid daherkommt, und die ganze besch... Wut in die Bauchgegend verdrängt.

    Abgesehen von meinem Vater habe ich übrigens mit der ganzen Welt mitleid, wenn sie schwach, arm oder traurig daherkommt. Ich vermute hinter jedem müden Gesicht eine traurige Seele, und habe sofort Mitleid... (ich musste als Kind so weinen, weil ich in einem Comic ein Bild von Donald Duck als 'Kind' gesehen habe, weinend, weil er bei Fähnlein Fieselschweif abgelehnt wurde, es hat mir das Herz zerrissen!)

    Dieses Mitleid bekämpfe ich in den letzten Jahren aber verstärkt, so dass es mir streckenweise auch bei meinen Eltern, bzw. meinem Vater gelingt. Ich muss mir nur einreden 'er ist ein erwachsener Mensch, er hat jeden Tag die Chance, sich aus seiner (von mir vermuteten) Unglücklichkeit/Bequemlichkeit zu graben. Aber: er wollte die von meiner Mutter angebotene Familientherapie nicht, er sagt über die psychologischen Angebote in der Tinnitus-Klinik, das sei Humbug - was soll ich da noch Mitleid haben? Er MÖCHTE nicht, dass es anders wird. Die Trennung meiner Mutter wäre vielleicht die Chance gewesen für ihn, sich und sein Leben einmal unter die Lupe zu nehmen. Er hat für sich entschieden, es zu lassen, wie es ist, und sich eine dominante Partnerin zu suchen, die ihn und die Verantwortung für ihn mitträgt.'

    Aber ja, das Ursprungsgefühl ist verschüttet, das schreibst Du was wahres. Wie soll man herausfinden, was/wen man denn eigentlich möchte, wenn man so viele Jahre nicht nach den eigenen Bedürfnissen gelebt hat, sondern immer versucht hat, möglichst alle geschickt alle Hindernisse und unangenehmen Erfahrungen zu umschiffen, nur um keinem Kummer zu bereiten, oder einem anderen noch zusätzlich zur Last zu fallen...



    Zitat Zitat von midway Beitrag anzeigen
    Liebe Emma,

    ich glaube Du bist auf einem guten Weg, hast viel erkannt. Allein das Spüren und Verändern der alten Muster dauert. Und das dauert lange. Wie ich selbst erfahren muss.LG midway
    Ich glaube auch, bis es zum Verändern kommt, dauert noch einmal sehr lange, das Aufspüren bis hierher hat schon so lange gedauert, und war vor allem sehr schmerzvoll, aber es kommen oft neue Puzzleteilchen dazu, und auch wenn schließlich ein paar Teilchen fehlen, die nicht mehr auffindbar sind, hoffe ich, dass die vorhandenen Teilchen reichen, ein Bild erkennen zu lassen, von dem, wer ich bin.

    Dir liebe Midway, wünsche ich auch viel Stärke und so schön Mitleid als Tugend ist (bzw. Empathie), zuviel des Guten ist oft hinderlich, wie ich selber merke... vielleicht kannst Du Dir auch denken 'es sind erwachsene Menschen'....

  9. Inaktiver User

    AW: Noch nie geliebt...?

    Zitat Zitat von Dieclou Beitrag anzeigen
    Liebe Emma,

    hm, ich weiß es ehrlich gesagt, selber nicht so genau, was man mit der Wut machen sollte. ICH habe mich dafür entschieden, die Wut und den Schmerz für mich auszuleben. Ich male, ich wandere, ich laufe, tue bewusst Dinge, die mir guttun. Ich habe seit einiger Zeit das Gefühl, dass mich meine Gefühle nicht mehr auffressen. Sie sind ein Teil, sie bedrohen mich nicht mehr, ich kann da durchgehen, weil ich in der Lage bin, ihnen etwas anderes entgegenzusetzen. Ich habe mich aber auch entschieden, meine Eltern zu konfrontieren und den Kontakt zu ihnen abzubrechen. Ich frag mich da aber nicht, ob ich das darf, sondern, ob es mir guttut. Und es ist mir ein Anliegen, meinen Eltern die Verantwortung für ihr Leben zurückzugeben. So als Symbol, damit ich mich dann endgültig meinem zuwenden kann.

    Was daraus erwächst - ich weiß es nicht. Aber ich traue da einfach meinem Bauchgefühl, dass mir sagt: Das ist der richtige Weg.

    LG,
    Babette
    Ich habe es in der Klinik mit Boxen versucht, und dabei den Sandsack so dermaßen verdroschen, bis ich irgendwann heulend zusammengebrochen bin und ich mir mein Handgelenk ausser Gefecht gesetzt habe. Es tat so gut, aber es war nicht von Dauer, die Wut kam wieder. Somit könnte ich für mich auch vorstellen, physisches 'Auspowern' als Hilfsmittel zu verwenden. Das sich-damit-befassen als Lockerungsmittel, und das physische sozusagen als Katapult, um die ganzen Brösel rausexplodieren zu lassen. Das Malen ist mir während des Studiums ganz verlorengegangen, ich habe früher gern und oft gemalt, gezeichnet, kreiert. Verloren oder nur verschüttet, wie so vieles...?

    Was meinst Du, Du gibst Deinen eltern die Verantwortung für Ihr Leben zurück? Kann ich es mir bildlich vorstellen als 'Babette steht an der Schwelle Ihres Lebens-Haus, das sie sich mühsam gebaut und gemütlich eingerichtet hat, blickt ihren Eltern noch einen Moment hinterher, die mit einem Koffer in der Hand vom Haus weggehen und macht dann langsam die Tür zu.'? So in etwa? Falls es so etwas in der Art ist, ist es ein sehr schönes Bild.

  10. Inaktiver User

    AW: Noch nie geliebt...?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Aber vielleicht interessiert es dich, wie ich das Rätsel für mich gelöst habe - übrigens zu einem Zeitpunkt, als ich es gar nicht mehr lösen wollte und mich irgendwie damit abgefunden habe:

    Ich habe mir einen Mann (bewusst) ausgesucht, der sowohl nett als auch unerreichbar ist.
    Klar interessiert es mich! aber , wie geht das denn? Wie - nett und unerreichbar? Hast Du denn nicht Angst, wenn er sich in seine Distanz begibt? Und rückt er Dir nicht 'auf die Pelle', wenn er fürsorglich ist? Ich kann mir das vielleicht schlichtweg einfach nicht vorstellen, dass es solche Männer geben soll... oder dass ich mit einem ebenso ambivalenten Menschen umgehen könnte. Ich trau es mir nicht zu. Wenn es Dich nicht stört - wie habt Ihr Euch kennengelernt, sprich, wie habt Ihr Eure beiderseitige Ängste erkannt, wie habt Ihr Euch auf Euere Mitte eingependelt? Ging das einfach so, oder war es harte Arbeit von beiden Seiten? Ich frage deshalb, weil ich vielleicht auch schon solche Männer kennengelernt habe, aber dann in der 'Rückzugsphase' klammerig und krampfig war, oder in der 'Annäherungsphase' panisch und distanziert, und nach einer x-maligen Abfolge der Phasen dann das Ende da war.


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Denn ich hatte mir überlegt, dass mich nur jemand verstehen kann und dass auch ich nur jemanden verstehen kann, der so ähnlich ist wie ich - nicht in allem, sondern in den zwei wesentlichen Punkten: nett (und damit meine ich so etwas wie aufrichtig, liebevoll, zärtlich, fürsorglich) und unerreichbar (sehr individualistisch, distanziert, "cool"). Das geht jetzt schon (für meine Begriffe) sehr lange sehr gut und ich kann es manchmal gar nicht glauben.
    Das klingt sehr plausibel.... und ich freue mich für Dich, dass Du aus dem Dilemma gefunden hast! Zeigt mir ja, dass jede Spirale auch mal ein Ende hat....


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Natürlich gibt es eine Einschränkung: Man sollte sich von dem Gedanken verabschieden, eine Großfamilie mit klassischer Rollenaufteilung zu gründen und entsprechend zu leben - und man sollte sich von dem Gedanken verabschieden, so zu sein wie die anderen. Aber ich muss sagen, kein Abschied ist mir leichter gefallen als letzterer.
    Ich glaube, das fällt mir u.U. noch mit am Schwersten. Ich weiss ja nicht einmal, was ich will vom Leben. Wie soll ich mir da einen passenden Partner suchen? Ich habe noch nie von Kindern geträumt, noch nie von einer weissen Hochzeit, phantasiere ich von der Zukunft, sehe ich einen Hund, ein Pferd, mich irgendwo auf der Welt, jenseits von Konventionen, am liebsten mit einem kleinen Hotel irgendwo in der Natur. Ich bewundere Menschen, die auf 'ihre Art' leben. Und habe nicht den Mut, es zu tun, weil ich schnell Zweifel habe, ob es denn wirklich das ist, was ich will, oder ob ich mir was beweisen will, aufmucken oder sonstwas.

    Vielleicht ist das auch ein Teil des Dilemmas: einerseits den äußeren (vermeintlichen) ERwartungen entsprechen zu wollen, dass es doch auch endlich mal klappt mit einem ordentlichen Freund, bei allen anderen klappt's ja schließlich auch, und andererseits mit dem irgendwo vergrabenen Wissen, dass es GENAU DAS nicht ist, was ich mir vom Leben wünsche. Ich weiss es nicht...



    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und Liebe fängt da an, wo der andere so anders oder so gleich und dann doch wieder anders sein darf, wie er will.

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