Hallo, ich weiß jetzt gar nicht, ob dies der beste Bereich für meine Frage ist. Bei Beruf paßt es ja auch ein wenig rein, bei Angst auch...Aber es ist ein wenig übergreifender, deshalb versuche ich es mal hier.
Ich bin noch nie besonders gerne auf andere zugegangen. In meinem Freundeskreis bin ich aufgeschlossen, fühle mich wohl, bin gesprächig und - wie man sagt, was mich auch freut - unterhaltsam. Generell komme ich mit anderen also recht gut zurecht und ich treffe meine Freunde und Bekannten auch gerne. Aber eben, wie gesagt, ich gehe nicht gerne auf neue Leute zu, bzw. bin nicht gut darin. Ich habe meistens das Glück gehabt, das andere auf mich zukommen. Soweit im Privatleben auch alles kein Problem.
Nun ist es aber im Beruflichen ja doch so, dass das Netzwerken oft sehr wichtig ist. Oder wenn es nicht wichtig ist, dann wird es zumindest erwartet, dass man zB in Seminarpausen oder auf Firmenveranstaltungen small talk macht. Und da liegt nun mein Problem. Bei solchen Veranstaltungen stehe ich in den Pausen oft alleine da oder führe eine zähe Unterhaltung, falls mich jemand anspricht. Ich selbst spreche nie jemanden an, aus mehreren Gründen: 1) gehe ich davon aus, dass derjenige gar nicht mit mir reden möchte, 2) fehlt es mir an small talk Themen und 3) ist mein Interesse an diesen Unterhaltungen nicht besonders gross. Ich unterhalte mich gerne mit Menschen, die ich mag. In meinem momentanen Berufsbereich komme ich auch von selbst in Unterhaltungen mit Kunden und dadurch haben sich manchmal auch Bekanntschaften entwickelt. Aber wenn ich den Gegenüber eben nicht mag (nicht im Sinne von unsympathisch finden, eher im Sinne, dass mich spezifisch nichts anzieht/nichts neugierig macht) oder nicht interessant finde, dann habe ich auch kein Interesse an einer Unterhaltung.
Das Prinzip des beruflichen Netzwerkens an sich ist mir sogar fast zuwider - dieses "möglichst viele Leute kennenlernen, falls sie mal nützlich sein können", also, Leute nach ihrem Nutzen auswählen. Deshalb reagiere ich selbst nicht so offen auf Kontaktversuche in dem Bereich und mache sie, wie erwähnt, von mir aus gar nicht. Allerdings bin ich selbständig und wie wichtig da das Netzwerken sein kann, brauche ich wahrscheinlich keinem zu sagen. Und in einigen Wochen bin ich auf einem Seminar. Dies ist sehr wichtig für mich beruflich, aber ich hätte mich fast nicht angemeldet, eben wegen der Pausen und der Abendveranstaltung, bei denen man mit Fremden Kommunikation führen muss. Mich macht das nervös, ganz extrem nervös und ich sehe mich schon die Pausen über in die Waschräume verschwinden. Dass ich mir die Abendveranstaltung sparen werde, verstehe sich von selbst. Seit ich gerade die Seminarbestätigung bekam, bin ich schon ganz ängstlich (dazu muss ich sagen: eine Angststörung habe ich auch noch).
So, viel Geschreibsel, aber es ist eben so schwer zu erklären. Meine Frage: hat jemand ähnliche Probleme? Hat diese jemand erfolgreich überwunden? Und - an die erfolgreichen Netzwerker/Small Talker: wie macht ihr das? Im Voraus lieben Dank für eure Erfahrungen.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 13
-
30.03.2010, 17:58
Das mir etwas lästige Netzwerken - wie mache ich es?
-
30.03.2010, 18:32Inaktiver User
AW: Das mir etwas lästige Netzwerken - wie mache ich es?
Hi Darla,
leider geht es mir so wie Dir! Ich versuche mir jetzt bewusst zu machen, dass jeder Kontakt eine positive Basis sein könnte, einfach wegen des Ripple-effects.
Zu oft habe ich mich geärgert, dass ich auf ein für mich uninteressantes Gespräch/einen für mich uninteressanten Menschen nicht eingegangen bin, nur um später herauszufinden, dass die Umstände ungünstig waren oder die Person Liebeskummer hatte oder oder.
Ausserdem, wenn wir von vorneherein bestimmen dass dies uninteressant ist, vor-verurteilen wir eine Situation/einen Menschen. Wir nehmen uns die Chance, unseren Horizont zu erweitern.
Ich versuche es nicht als 'Netzwerken' zu empfinden, sondern als Gelegenheit, mich zu öffnen, was ja gerade das Problem ist - bei Bekannten gesprächig und bei Unbekannten stumm und langweilig.
Die Hemmschwelle (wo meine herkommt weiss ich, hilft aber nicht) bewusst erkennen und abbauen.
Sehe - auf andere zuzugehen - nicht als Pflicht an sondern als Gelegenheit an, dein Leben zu bereichern.
-
30.03.2010, 21:40
AW: Das mir etwas lästige Netzwerken - wie mache ich es?
hallo ihr beiden,
ich arbeite gerade mit einem großartigen netzwerker zusammen - und was soll ich sagen? in seinem netzwerk hat der mensch ausschließlich leute, mit denen "er sich schon mal ins koma gesoffen hat".
na, ganz so schlimm ist es hoffentlich nicht, aber es sind leute, mit denen er länger zusammengearbeitet hat, oder mit denen ihn ähnliche freizeitinteressen oder eben das interesse an einer sache, dem beruf, bzw. der branche und den stattfindenden veränderungen verbindet. zum teil auch leute, die ihm beruflich auf den ersten blick "gar nichts" bringen, die aber wiederum leute kennen... und mit denen er eben persönlich voll auf einer wellenlänge schwebt. und die eben kein problem damit haben, mal eben wen anzurufen, den sie so kennen, um wem einen gefallen zu tun...
der klassischen "netzwerkerei" im sinne von "der kann mir mal nützlich sein" kann ich rein gar nichts abgewinnen. ich muss mich mit den leuten gut verstehen, dann kann ich auch ein tragfähiges netzwerk entwickeln - und sie müssen mich auch "mögen". mal ehrlich: würdet ihr wem einen gefallen tun und "euer netzwerk anwerfen" für einen, denn ihr für einen kompletten vollpfosten haltet? nee, meiner meinung nach funktioniert netzwerken so nciht.
und ja: das risiko dabie ist, dass berufs- und privatleben nicht mehr oder nur noch eingeschränkt voneinander trennbar sind. so what? meiner ansicht nach passt das in unsere zeit - und wenn ich mit leuten zusammenarbeite, mit denen ich mich sehr gut verstehe und sogar befreundet sein kann, ist mir das lieber, als wenn ich mit lauter unsympathen zusammenarbeiten muss...
findet
die ratte
-
31.03.2010, 10:57
AW: Das mir etwas lästige Netzwerken - wie mache ich es?
Danke für eure Rückmeldungen. Ihr habt beide recht und es sind gute Gedanken. Mir geht's es auch ein wenig mehr um die praktische Umsetzung, meine Gedanken dazu habe ich auch erwähnt, weil sie vielleicht der Grund dafür sind, dass ich etwas gehemmt bin.
Vermengung von Berufs- und Privatleben finde ich übrigens sogar gut. Als ich noch Angestellte war, habe ich mich mit meinen Kollegen im Team blenden verstanden, wir haben uns auch privat getroffen und haben teils immer noch Kontakt. Und, nein, ich würde sicher niemandem, dem ich nicht leiden kann, einen Gefallen tun, aufgrund von Netzwerküberlegungen. Ich kenne aber Leute, die dies tun, mit dem Gedanken "Mach ich besser mal, irgendwann brauche ich was von dem und dann schuldet er mir schon mal einen Gefallen". Finde ich ganz schauderhaft. In Rahmen meiner Freunde und Bekannte helfen wir uns auch gegenseitig, einfach weil wir uns mögen. Und dem Kreis neue Leute hinzuzugewinnen (wegen des Mögens, nicht wegen des Helfens), dem stehe ich ja durchaus offen gegenüber.
Ich gebe hier einfach mal einige Beispiele, um zu zeigen, wo meine Probleme dort lagen, bzw. generell liegen. Vielleicht habt ihr ja Tips, wenn ich in den Situationen hätte handeln können:
Situation 1: Seminar für Führungsnachwuchskräfte, es nehmen teil: 1 Trainer und neben mir noch 10 Kollegen. Wir sind alle ungefähr aus dem gleichen Bereich, arbeiten im gleichen Firmengebäude, kennen uns teils recht gut, teils eher flüchtig. Ca. 6 von den Kollegen arbeiten sehr eng zusammen und kennen sich daher richtig gut. Aus meinem direkten Team bin nur ich da. Die Atmosphäre beim Seminar ist durchweg freundlich. Bis auf 2 Leute sind mir alle soweit ganz sympathisch, man plaudert im Arbeitsalltag auch mal, aber immer nur ein paar Sätze, denn viele Gemeinsamkeiten sind einfach nicht da.
In den Pausen finden sich schnell die Grüppchen zusammen; einige scharen sich um den Trainer, zwei Kolleginnen, die gut befreundet sind, unterhalten sich gemeinsam, die anderen plaudern in wechselnden Kombinationen.
Ich gehe von selbst zu keiner Gruppe oder keinem Kollegen. Ich traue mich das nicht, denn 1) der/die will wahrscheinlich gar nicht mit mir reden und 2) worüber soll ich reden? Wetter, letzte Seminarstunde, letzter Urlaub - alles in ein paar Sätzen abgehakt. Es gibt eben wenig Gemeinsamkeiten, das weiß ich schon vorher.
Ab und an kommt jemand zu mir zum plaudern, was mir fast unangenehm ist, weil ich davon ausgehe, dass derjenige das macht, weil er denkt "Nun steht die wieder alleine da, da kümmern wir uns mal ein wenig."
Der Fluss der Unterhaltung hängt dann meistens vom Gegenüber ab. Ich bin müde, finde diesen small talk anstrengend.
Situation 2: Präsenzveranstaltung eines internationalen Studienganges, ca. 30 Personen sind anwesend, aus allen möglichen Ländern der Erde. Wir kennen uns nicht, aber durch Teamzusammenstellung für Übungen und eine Abendveranstaltung lernen wir uns kennen. Zudem sind dort viele Engländer und Amerikaner, die offener auf andere zugehen. Ich habe zwei solche Veranstaltungen besucht. Beim ersten Mal klappte es gut, was aber nicht an mir lag. Ich wurde angesprochen und es bildete sich eine kleine Gruppe, die in den zwei Tagen Seminar auch mehr oder weniger zusammenblieb. Da wir in dieser Gruppe auch größtenteils rauchten, sassen wir ohnehin in den Pausen rauchend zusammen.
Bei der zweiten Veranstaltung hatte ich wieder das Glück, dass ich angesprochen wurde. Allerdings war mir die eine Person ausgesprochen unsympathisch (damit war ich auch nicht alleine), denn sie sprach nur darüber, wie wunderbar sie wäre und von irgendeiner Filmdiva, die ihr Vorbild sein wollte. Die andere Person war mir sehr sympathisch (da habe ich mich sogar ein wenig verguckt, aber er war leider schon vergeben) und bei den Abendveranstaltungen sassen wir auch nebeneinander und haben uns hervorragend unterhalten. Tagsüber sind wir in verschiedenen Teams und ausserdem möchte ich mich ja auch nicht die ganze Zeit an einen Menschen klammern. Und so bilden sich in den Pausen wieder kleine Grüppchen, meist Zweiergruppen, die angeregt plaudern. Einmal stelle ich mich sogar ganz frech dazu, aber die Unterhaltung läuft, ich will sie nicht unterbrechen, kann es auch nicht und komme mir etwas dämlich vor. Den Rest dieser Pause sowie die anderen Pausen über betrachte ich mit äusserster Konzentration die Aushänge an den Pinnwänden. Es entgeht mir auch nicht, dass mich der ein oder andere erstaunte Blick streift
. In den Teams komme ich gut klar mit den anderen, aber in den Pausen bin ich völlig gehemmt.
Situation 3: Mal etwas, was gut ausging. Auslandstudienjahr. Ich setze mich im Hörsaal zu Beginn ganz an den Rand und natürlich spreche ich keinen an. Die anderen lassen einem aber gar keine Wahl (auf positive Weise). Ohne eigenes Zutun bin ich bald Teil einer Gruppe von Studenten aus aller Welt, der Teil der Klasse, der am meisten unternimmt, ständig unterwegs ist. Nach über zehn Jahren sind wir weiterhin in Kontakt. Herrliche, wunderbar Freunde habe ich da gefunden, die mir auch in schwierigen Situationen zur Seite gestanden haben. Aber eben: ohne jegliches Zutun meinerseits.
Situation 4: Eine Veranstaltung für im internationalen Bereich Arbeitende. Ich gehe mit einer Kollegin/Freundin hin. Ab und an kommt jemand auf uns zu, stellt sich vor und es werden einige verkrampfte Worte ausgetauscht, auch ein, zwei Visitenkarten. Alle sind bestens im Gespräch, meine Kollegin und ich betrachten das Ganze eher von der Seite und sind nach zwei Stunden wieder weg.
Situation 5, und das ist die zukünftige Situation, die mich in wenigen Wochen erwartet: Seminar für Selbständige in meinem Bereich. Alle in einer ähnlichen Situation, alle in einem Beruf, für den man meistens auch Leidenschaft empfindet und der eigentlich genügend Gesprächsgrundlage bieten sollte. Ich glaube kaum, dass die meisten sich bereits kennen.
Und irgendwie weiss ich schon jetzt - die Grüppchen werden sich schnell finden. Ich werde mich nicht trauen und/oder zu erschöpft sein, mit wildfremden Leuten Kontakt aufzunehmen (es hört sich albern an, aber ich finde das erschöpfend). Ich werde diese Leute wahrscheinlich ohnehin nie wiedersehen. Aber es ist auch immer blöd, so alleine am Rand zu stehen.
So, das war ein langer Text, entschuldigung! Ich wollte nur mal meine Situation begreiflich machen. Ich weiss auch, dass meine Probleme in diesem Bereich ausschliesslich in mir begründet sind. Ich finde unter diesen Umständen wenig Unterhaltungsthemen, ich traue mich nicht, fremde Leute einfach anzusprechen und ich gehe davon aus, dass die natürlich gerade mit mir ohnehin nicht reden möchten. (Ich habe übrigens andererseits nicht die geringsten Probleme, Vorträge oder Trainings vor großen Gruppen mir völlig Unbekannter zu halten.)
-
31.03.2010, 13:37
AW: Das mir etwas lästige Netzwerken - wie mache ich es?
Von dieser berechnenden Kontaktpflege, von wegen, mit dem rede ich, weil der mir mal nützlich sein kann, halte ich nichts. Man sollte schon einen gewissen Draht zu den Leuten haben, und wenn es der eine nicht ist, so ist es der andere. Die Leute merken es ja auch, wenn man sich bei ihnen einzuschleimen versucht, aber eben keine gemeinsame Ebene findet. Ich habe auch nicht den Anspruch, alle Arbeitskollegen gleich zu mögen.
Ich halte durchaus etwas von der Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Ich will nicht, dass meine Kollegen soviel über mich wissen wie meine Freunde, das halte ich für unklug.
Als ich arbeitslos war, hab ich bemerkt, dass mein Netzwerk größer war, als ich geglaubt habe. Das ging von Zeitarbeitsfirmen über Coaches, ehemalige Kollegen bis hin zu Beratern aus dem Bekanntenkreis, und ich hatte keine Probleme, mir dazu neue Kontakte zu schaffen. Ich bin nämlich auch niemand, der gerne auf andere zugeht und gerne regelmäßig Kontakte pflegt. Auch im Freundeskreis kann es sein, dass ich mich mal ein paar Wochen zurückziehe, weil ich mit anderen Sachen beschäftigt bin. Aber ich reagiere auf Anfragen, und wenn ich dazu bereit bin, komme ich aus meiner Höhle auch wieder raus und gehe auf andere zu.
Was ich überhaupt nicht mag, ist das Zugehen-sollen auf Leute, wo ich schon absehen kann, dass ich für die uninteressant bin. Ich hasse es, mich anbiedern zu sollen. Wenn schon Networking, dann soll es wenigstens nicht zur Belastung werden.
Ich arbeite ehrenamtlich mit freiwilligen Helfern zusammen, um bestimmte Veranstaltungen im Nachbarschaftszentrum auf die Beine zu stellen. Obwohl ich mit den Helfern nicht unbedingt befreundet bin, achte ich schon auch auf ein persönliches Verhältnis und unterhalte mich mit den Helfern auch über persönliche Sachen. Sie sollen spüren, dass ich mich nicht nur dafür interessiere, ob sie im Sinne meiner Veranstaltung funktionieren. Sowas gehört für mich auch zum Netzwerken. Gerade bei ehrenamtlichen Mitarbeitern ist es wichtig, dass sie sich bei dieser Tätigkeit wohl fühlen, und dazu gehört auch der Umgang desjenigen mit ihnen, der die Sache leitet. Schließlich machen sie das in ihrer Freizeit, und daher soll ihnen die Arbeit Freude machen, und das Umfeld soll angenehm sein.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
-
31.03.2010, 22:13
AW: Das mir etwas lästige Netzwerken - wie mache ich es?
Hallo Darla,
ich kann Dein Problem ganz gut verstehen. Ich bin auch so jemand, der sich schwer tut, von selbst auf andere zuzugehen. Das heißt, man ist ein Stück weit immer darauf angewiesen, von anderen angesprochen und in Gruppen integriert zu werden.
Aber sieh mal das Gute daran: Offenbar wirkst Du sympathisch genug, dass Du immer auch mal wieder in Situationen gerätst, wo Du angesprochen wirst. Das ist doch auch schon fast. Und manchmal passt es halt eben nicht. Das ist nicht sonderlich schön, aber man überlebt ist.
Ich reise öfter allein in Gruppen. Und da habe ich auch schon alles erlebt. Ich habe tolle Freundschaften mit anderen Mitreisenden geschlossen, einfach weil die Chemie stimmte und man sich schnell näher kam. Und auf meiner letzten Reise war einfach niemand dabei, dem ich mich hätte so richtig eng anschließen mögen. Einerseits fand ich das doof, weil ich mich so ein bisschen als Außenseiterin fühlte, die ich nicht gerne bin, andererseits dachte ich mir, dass ich heute selbstbewusst genug bin, diese Rolle auch mal bewusst einzunehmen. Ich muss mich nicht mehr krampfhaft irgendwem anschließen, nur um dazuzugehören. Ich weiß, dass mein Wert als Mensch nicht damit steht und fällt, ob ich in eine bestimmten Gruppe Kontakte knüpfe oder nicht.
Du wirst auch bei dem anstehenden Seminar nichts erzwingen können. Vielleicht ist jemand dabei, mit dem es gleich "funkt". Dann freu Dich. Und wenn nicht, dann steh einfach dazu. Wenn man allein irgendwo rumsteht, fühlt man sich so schnell bedürftig und klein. Und wenn man selbst Leute allein rumstehen sieht, denkt man oft: wow, irgendwie cool. Solche Leute wirken oft viel stärker und selbsbewusster, als man sich selbst in so einer Situation vorkommt.
Was Dir Angst macht, ist doch im Grunde, dass Du es nicht selbst in der Hand hast, wie das Seminar läuft, weil Dich als passiv erlebst, als jemand, der von anderen angesprochen werden muss. Aber ich glaube, das ist gar nicht so. Denn selbst wenn andere den allerersten Schritt tun, ist es ja Deine Reaktion darauf, die darüber entscheidet, ob der Kontakt weitergeht oder nicht. Wenn Du dann offen und interessiert bist, weil Dir Dein Gegenüber sympathisch ist, entstehen ja durchaus stabile Kontakte. Insofern bist Du gar nicht so passiv, wie Du glaubst.
Lass das Seminar doch einfach auf Dich zukommen. Vom Thema her ist die Chance, dort auf Menschen zu trefffen, mit denen die Chemie stimmt, ja nicht so gering. Und wenn wirklich niemand darunter ist, mit dem sich ein näherer Kontakt ergibt, dann ist das nicht Deine Schuld, sondern eben einfach ein blöder Zufall.
Ich hab jetzt auch wieder eine Reise allein gebucht, auch wenn ich nach dem letzten Erlebnis etwas gedämpft und verunsichert war. Aber ich sage mir: neues Spiel, neues Glück. Und wenn wirklich kein Mensch darunter ist, mit dem ich näher in Kontakt komme, dann kann ich wenigstens das Land genießen. Und Du kannst das Seminar genießen.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
-
01.04.2010, 07:46
AW: Das mir etwas lästige Netzwerken - wie mache ich es?
Hallo Darla
Mir ging es am Anfang auch so wie dir (und ab und zu auch heute noch) - ich hatte dazu noch die Schwierigkeit, alles auf englisch zu machen, da im Ausland (bin auch selbständig).
Aber das Ausland hat mir zumindest etwas geholfen, da die Menschen hier generell eher und ungezwungener auf einen zugehen und einem den Einstieg nicht so schwer machen. Und Networking haben die im Blut.
Das letzte Mal war es eine Eroeffnung einer Fotoausstellung, zu der mir ein Bekannter seine Einladung ueberlassen hatte, weil er nicht konnte. Ich kannte keinen Menschen, die anderen kannten sich fast alle (Honorationen der Stadt, Politiker, etc), ich kam mir vor wie ein Fake - bin dann auch erst die Stellwände abgelaufen, aber hab dann zum Glück eine Fotografin getroffen, die ich einfach angesprochen habe. Anschliessend noch einen anderen Gast - was da geholfen hat, war ein kurzer Kommentar zu einem Foto, als Frage gestellt - und er ist drauf angesprungen. Blöd ist natürlich, wenn man nur ein "hmmmm" zurückbekommt.
Ich halte es so wie Esperanza - ich versuche, in jedem Menschen den Menschen zu sehen, der ja eine nette und sympathische Person sein kann, oder anders gesagt, ich hab gelernt, neugierig auf Menschen zu sein.
Ich stell mich inzwischen neben eine Gruppe von Fremden, wenn ich sonst niemanden kenne und lächle - meist wird man dann schon angesprochen.
Diese berechnenden Kampf-Netzwerker, die den Abend nur zum Visitenkartenaustausch und Selbstvermarktung nutzen, die entlarven sich ja meist selbst schnell. Und ich bin auch relativ sicher, dass diese Art nicht mehr lang gefragt ist.
Solche lass ich auch ohne Hemmungen stehen.
Viel Spass auf dem Seminar,
frangipani"I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
-
01.04.2010, 10:59Inaktiver User
AW: Das mir etwas lästige Netzwerken - wie mache ich es?
So ist es!
Wenn ich einen Kontakt als "nützlich" bezeichne, muss das ja keinen negativen Beigeschmack haben.
Ich empfinde es durchaus als "nützlich", also als hilfreich für meine Arbeit, wenn ich mir zu einem Telefonpartner auch ein Gesicht vorstellen kann. Und wenn ich mit der Person, der das Gesicht gehört, schon mal ein paar nette Sätze gewechselt habe, erleichtert das die Arbeit erfahrungsgemäß sehr - es ist also "nützlich".
Ich bin auch nicht der Typ, der gleich alle Leute unbefangen anquatscht. Aber das kann man lernen und trainieren. Eine Rhetoriktrainerin hat mir mal gesagt: "Lieber übers Wetter reden, als sich anzuschweigen". Also: Fang ein Gespräch mit dem Wetter an, sei aufmerksam, dann hörst du sicher nach zwei, drei Sätzen ein Stichwort, bei dem du einhaken kannst.
Hobbys, Urlaubsziele, Essen und Trinken sind Themen.
Möglichst nicht Politik, Krankheiten, Familienprobleme
Zum Netzwerken gehört aber nicht nur die Kontaktaufnahme. Kontakte wollen auch gepflegt sein.
Wichtig ist es zum Beispiel, sich von einer neuen Bekanntschaft den Namen und die Funktion zu merken - und dem Menschen beim nächsten Mal zu signalisieren, dass man sich auch an ihn/sie erinnert.
Und ab und zu schaden ein paar nette Worte außer der Reihe nichts.
Ich forste z.B. vor Weihnachten mein Outlook-Adressbuch durch und schicke ein paar nette, persönliche Grüße. Keine Sammelmail! Eher so: Liebe Frau XY, ich denke noch gerne an unser erfolgreiches Projekt ZZZ und würde mich freuen, wenn wir auch im nächsten Jahr gut zusammenarbeiten... usw.
-
01.04.2010, 11:40
AW: Das mir etwas lästige Netzwerken - wie mache ich es?
Einen Gentleman erkennt man an seinem Benehmen Menschen gegenüber, von denen er keinen Nutzen hat.
Das mal so einleitend.
Insgesamt: Sofern alle das Prinzip "Eine Hand wäscht die andere" im Geschäftsleben beherzigen, muss das ja nichts schlechtes sein.Frauen sind nicht kompliziert. Sie wollen einfach nur geliebt werden.
Und tolle Überraschungen. Und Schuhe. Und Schmuck.
Und andere Dinge, die man erraten muss.
-
01.04.2010, 13:44
AW: Das mir etwas lästige Netzwerken - wie mache ich es?
Hallo ihr Lieben,
ich muss mich gerade aus Zeitgründen ganz kurz fassen, aber ich werde später noch ausführlich auf eure vielen Antworten eingehen.
Vorab wollte ich aber sagen: wow! Danke!
Jede einzelne Antwort war beeindruckend und hat mir viel zum Nachdenken gegeben, auch zu meiner Perspektive. Dafür ganz herzlichen Dank! Später mehr.
Liebe Grüße
Darla


Zitieren

