Hallo CittyCat,
Deine Gedanken "andere schaffen das doch auch" - der quält(e) mich auch oft. Oder "Warum schaffen die das, aber ich nicht, was ich nicht in Ordnung mit mir?"
Ich glaube, nur ein sehr kleiner Teil der Leute schaffen das wirklich. Es gibt wohl diese Arbeitstiere, die völlige Erfüllung in diesem Streß finden, ohne dabei kaputt zu gehen. Die anderen Menschen aber halten so einen Streß höchstens zeitweise aus. Nicht umsonst nehmen immer mehr Arbeitende Beruhigungs- , Aufputschungs- und Schlafmittelchen, Antidepressiva oder gar noch illegale Drogen. Und/oder bekommen den Burnout (eine ehemalige Kollegin von mir war durch Burnout 2 Jahre völlig außer Gefecht gesetzt und darf sich jetzt auch wieder nur langsam Schritt für Schritt ins Arbeitsleben tasten). Ich kenne aus meinem vorherigen beruflichen Umfeld so viele (darunter mich selbst), die mit spätestens Mitte/Ende 30 den Burnout hatten oder deren Körper auf andere Weise nicht mehr mitmachte. Die momentane Welt suggeriert es, dass man es können muss, aber das stimmt nicht - zumindest nicht für jeden.
Jeder hat verschiedene Stresstoleranzen. Ich habe zB nicht das geringste Problem, viel, hart und lange zu arbeiten, das stört mich nicht und macht mir auch keine Schwierigkeiten. Dafür gerät mein Nervengefüge völlig durcheinander wenn ich mit beruflicher Unsicherheit, Nichtanerkennung, Ungleichbehandlungen oder Sozialinkompetenz konfrontiert werde. Andere wiederum können letzteres gut wegstecken und haben dafür andere Dinge, die sie nicht verkraften. Wenn ich mit ehemaligen Kollegen mal bestimmte Vorfälle besprach, war es interessant und aufschlussreich, die völlig unterschiedlichen Reaktionen zu sehen, die von "sobald ich was anderes habe, kündige ich" bis "ja, ich hab mich kurz geärgert, aber dann war's wieder okay" reichten.
Wir sind - zum Glück - keine Maschinen. Du hast Dir, wenn ich das so lese, gewaltig viel aufgeladen. Du musst Dir sowas nicht aufladen, weil andere um Dich rum entweder den Eindruck machen, mit sowas spielend klarzukommen (weißt Du, was die für Beschwerden haben, was die einnehmen, wann die umkippen, wie es bei denen zu Hause aussieht? Man sieht nur die Fassade) und ob manche damit klarkommen. Die dürfen kein Maßstab sein. Ich weiss aus Erfahrung bei mir und bei anderen, was dieses Denken bewirkt. Bitte setz Dich nicht so unter Druck.![]()
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27.03.2010, 10:17
AW: Andere schaffen es doch auch!
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27.03.2010, 10:43Inaktiver User
AW: Andere schaffen es doch auch!
Scheiße, ihr macht mich gerade sehr, sehr nachdenklich... Ich melde mich später noch mal ausführlicher, aber diese Sätze haben mich echt berührt. Und mich fragen lassen, ob meine Sehnsucht, einfach mal Zeit für "Zweckfreies" zu haben (ich träume von einem Glas Rotwein in einem Ferienhaus in Italien oder einfach mal einen Nachmittag DVDs gucken, die keinen kulturellen Anspruch haben, Bücher lesen, die keine Fachliteratur sind oder oder oder...), mich nicht vielleicht in die richtigere/wichtigere Richtung weist...
Sorry, muss gerade echt ein wenig heulen.
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27.03.2010, 10:50Inaktiver User
AW: Andere schaffen es doch auch!
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27.03.2010, 11:13
AW: Andere schaffen es doch auch!
Hallo,
Das hört sich nach ordentlich viel Belastung an momentan.
Das Gute aber ist, zwei Jahre gehen auch vorbei. Die Fortbildung ist etwas, dessen Ende in Sicht ist.
Dass während so einer starken Belastungsphase die Motivation durchhängt ist total normal, wir können nicht alle immer top bis an unsere Leistungsgrenzen gehen.
Was ich aus Deinem Beitrag noch heraushöre ist... ich bin mir nicht sicher, Perfektionismus vielleicht?
Ist es denn schlimm, wenn die Wäsche sich türmt, ein paar Staubwuseln unter dem Esstisch anwachsen?
Momentan würden Dir kurzfristige Entlastungen gut tun - z.B. den Druck aus allem rausnehmen. Ist es schlimm, wenn Du die jetzige Prüfung nicht so gut absolvierst bzw. vielleicht sogar versemmelst?
Wieviel Garderoben-Kombis hast Du noch, bis die nächste Wäsche wirklich nötig ist? ;-)
Könnte Ihr wäsche waschen + bügeln auslagern?
Kannst Du das Pendeln lustiger gestalten (Hörbücher anhören, Motivations-CDs, irgendwas was Dir Spaß macht, vielleicht auch stricken beim Zug fahren)? Bei der Hinfahrt schon Rotwein trinken ist vielleicht nicht ideal, aber Reispläne schmieden würde vielleicht gehen.
Mittelfristig: weiß Deine Arbeit von der Fortbildung? Ist es möglich 1-2 Tage vor Prüfungen frei zu bekommen oder in Telearbeit Dinge daheim zu erledigen?
Langfristig:
Kann man Arbeitszeiten umschichten: z.B.:
Mußt Du ständig in der Arbeit anwesend sein, kannst Du teile davon zuhause erledigen (und so z.B. 1x die Woche weniger pendeln)?
Kanst Du vielleicht an zwei Tagen der Woche 12-14h Arbeit pro Tag absolvieren, in der dortigen stadt übernachten?
Nach der Ausbildung:
Wäre ein Wechsel der Arbeitsstelle nicht karrierefördernd? z.B. eine, die einen Fußweg entfernt liegt.
Ich empfehle auch den Blick weg von anderen und mehr auf Dich. Der Blick auf andere zeigt Dir nur, dass man viel schaffen kann, wenn die Motivation passt - und Deine Motivation ist ein wenig angeknackst momentan.
Mit jeder neuen Situation verlässt man die Komfortzone - das hört sich so an, als ob Du Dir jetzt schon gut genug bewiesen hast, dass Du es kannst. Du darfst stolz auf Dich sein!
"Müdes Talent" ist echt eine böse Zuweisung... "Leichtfüsiges Talent" hört sich gleich besser an. Nur das "nötigste" tun, ist doch auch eine super Eigenschaft für Führungskräfte, die sich nicht auspowern wollen und von Anfang an gut delegieren können, Prioritäten setzen, nicht ins Micromanagement abdriften. Puih, der Supervisor hat Dich echt zu Höchstleistung motiviert, oder?all that glitters ain't gold
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27.03.2010, 15:26
AW: Andere schaffen es doch auch!
Hallo, Citty,
ich kenne das auch, "andere schaffen das auch" ist auch so ein Glaubenssatz, der bei mir gerne im Hinterkopf rumschwirrt. Schneller, höher, weiter und irgendwo gibt es immer einen, der noch mehr schafft.
Ich kan mich Seewespe nur anschließen, sich diesen Glaubenssätzen zu unterwerfen, führt meiner Erfahrung nach tatsächlich dazu, dass man irgendwann nicht mehr kann. Seine eigenen Grenzen erkennen, ist der erste Schritt, der schwer genug ist - diese Grenzen dann auch einzuhalten, ist meiner Meinung nach sehr viel schwerer, auch wenn man einen ordentlichen Schuss vor den Bug bekommen hat.
Ich schilder dir mal kurz meine Situation: zwei Kinder (5 und 4 Monate), Vollzeitjob, ab Sommer nebenberufliche Weiterbildung, ebenfalls insgesamt 2,5 Stunden Pendelei. Aber: ich habe einen Mann, der zur Zeit in Elternzeit ist und wahrscheinlich danach auf Teilzeit reduziert, so dass ich in Haushaltsfragen den Rücken frei habe. Auch in anderen Dingen: unser Baby muss zur Krankengymnastik, unser Großer geht demnächst zur musikalischen Früherziehung, Arzttermine mit den Kindern etc., das macht alles mein Mann. Anders ginge es mit dem Job, den ich habe nicht. Die Pendelei nervt mich zusehends mehr, ich denke, dass ich da mittelfristig auch was ändern muss. Die berufliche Weiterbildung wird demnächst zusätzlich Zeit fressen, d.h. aber auch, dass ich mir einfach nicht noch zusätzliche Aufgaben suche (was ich sonst auch gerne mache
), weil ich mit meinen Kräften einfach haushalten muss. Freiräume schaffen, um Luft zum Durchatmen zu haben, finde ich wichtig. Auch mal einfach nur auf der Couch abhängen oder Spaziergänge im Freien und den Haushalt Haushalt sein lassen. Habt ihr eine Putzfrau? Wenn nein, warum nicht? Gerade solche Sachen sollte man delegieren. Und tatsächlich schauen, ob man was an der Pendelei ändern kann. Ich hab lange Zeit gesagt "och, das geht schon", aber das ist schlicht und ergreifend auf Dauer verlorene Lebenszeit, auch wenn man wie ich die Zeit in der Bahn zum Lesen und Musikhören nutzt.
Ich versuche also trotz meines Pensums in mich hineinzuhören, was geht und was nicht. Manche Dinge lassen sich sicher nicht sofort ändern, aber gegebenenfalls hilft schon eine Perspektive, dass sich in absehbarer Zeit was ändern kann. Oder es ist hilfreich, wenn man die ersten Schritte angeht, um was an einer Situation zu ändern.
Pass gut auf dich auf.
Es geht um dich und nicht um das, was andere schaffen (oder auch nicht - manchmal bekommt man dann irgendwann auch die Rechnung für ein Leben am Tempolimit serviert)
Time is an ocean but it ends at the shore - Bob Dylan
Und wenn der Wind mal von vorne kommt - leicht nach vorne beugen und einfach weitergehen - S.B.
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27.03.2010, 15:46
AW: Andere schaffen es doch auch!
Hallo Citticat,
ich kann Dich gut verstehen, auch Deine Gedanken.
Ich arbeite ebenfalls in einer Führungspositon in einem anstrengenden und zeitintensiven Job (ca. 50h/Woche). Ich habe auch vor ein paar Jahren eine anspruchsvolle Fortbildung gemacht, die sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat.
Nebenbei habe ich noch ein Haus, das ich selber sauberhalte.
Und mir wird das alles schon seit ca. zwei Jahren echt zu viel. Ich merke es daran, dass mein Körper Signale sendet. Ich war früher gesundheitlich relativ robust, und jetzt habe ich ständig irgendwas ganz Hartnäckiges (und gehe übrigens trotzdem ins Büro). Auch bin ich oft, wenn ich abends von der Arbeit komme, so gegen 19 oder 20 Uhr, so dermaßen erschöpft, dass ich sofort ins Bett gehen muss. Das kannte ich früher nicht, das ist eine Erschöpfung, die ist so lähmend, dass ich nicht dagegen ankomme.
Ich habe mir auch oft gedacht, stell dich nicht so an, andere haben auch einen zeitintensiven stressigen Job und nebenbei noch einen Haushalt, und schaffen das auch.
Aber ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass nicht jeder Mensch die gleiche Energie hat. So, wie nicht jeder Mensch gleich intelligent, gleich groß, gleich fähig ist, gibt es eben Menschen, die mehr wuppen und Menschen, die etwas weniger schon als viel empfinden.
Ich habe mich damit abgefunden, dass ich eben jede Nacht mindestens 8 Stunden schlafen muss, um fit zu sein.
Und dass es mich stresst, wenn jedes Wochenende verplant ist, sondern dass ich am liebsten ein völlig unverplantes Wochenende vor mir habe, an dem ich spontan etwas unternehmen kann.
Und ich bekenne mich dazu, dass ich mich gerne am Sonntag nachmittag auf ein Schläfchen hinlege.
Und dass meine Vorstellung von Urlaub es nicht ist, eine dreiwöchige Trekkingtour in Nepal zu machen, sondern dass ich mich lieber in Griechenland in die Sonne lege.
Und dass noch niemand daran gestorben ist, wenn auf dem Küchenfußboden (so wie im Moment auch, wie ich gerade aus dem Augenwinkel feststellen musste...) Krümel liegen und und sich ein paar undefinierte kleine Flecken abgesetzt haben....
Ich mag meinen Job, aber ich weiß, dass ich ihn in der Form nicht ewig ausüben werden. Langfristig werde ich mir, um meine Gesundheit zu schonen, etwas Entspannteres suchen müssen.
Liebe Citticat, was ich Dir sagen will: Hör einfach auf Deinen Körper. Wenn er Dir Signale sendet, dass Du Dir zuviel zumutest, dann solltest Du diese erst nehmen. Du hast nur dieses eine Leben - und wenn Du etwas als zuviel empfindest, das andere, zumindest auf den ersten Blick, leicht schaffen - dann ist es halt so. Du musst Dich nicht messen. Keiner wird es Dir je danken, wenn Du Dich aufgerieben hast.
Und im Übrigen, nur am Rande bemerkt: Es sind die wenigsten Menschen, vielleicht 10%, die wirklich so viel schaffen, wie Du es beschreibst. Das Problem, wenn man in einer höheren Position arbeitet, ist, dass man sich immer mit denen vergleicht, die mit einem arbeiten oder über einem.
Vergleich Dich doch mal (wenn Du Dich schon unbedingt vergleichen willst) mit der Hausfrau von nebenan, die gar nicht in die Arbeit geht, sondern sich nur um Haus und evtl. Kinder kümmert. Oder mit der 35-Stunden-Woche Arbeitnehmerin, die zehn Minuten zur Arbeit hat und eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung zum Sauberhalten hat.
Dann hängt die Messlatte gleich nicht mehr so hoch....
Alles Gute
Maiglocke
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27.03.2010, 16:45Inaktiver User
AW: Andere schaffen es doch auch!
Hallo ihr Lieben,
danke für Eure Antworten - es tut mir echt gut!
Was mich heute morgen bei einewiekeines und Seewespes Beiträgen so berührt hat, war der Hinweis auf meine "Glaubenssätze". "Mach alles perfekt" ist einer davon. Ein anderer heißt "Hol alles raus aus deinem Leben". Das ist getriggert von der Angst, hinter meinen Möglichkeiten zurückzubleiben, gerade weil ich auch so etwas wie eine schwierige Kindheit hatte, in der meine Eltern sehr früh sehr viel Selbstständigkeit von mir verlangten ohne dass ich eigene Bedürfnisse anmelden durfte. Ich frage mich gerade, was davon mich behindert, ein "wirklich" selbstbestimmtes Leben zu führen und ob diese leisen Stimmen, die auf mehr Erholung, mehr "Spaß", weniger Druck drängen, wirklich Faulheit ("müdes Talent") zur Ursache haben oder meine ureigensten Bedürfnisse anmelden.
Ich habe heute auch mal reflektiert, unter welchen Bedingungen ich so richtig zur Höchstform auffahre. Es ist nicht so, dass mir grundsätzlich der Sinn nach einem 8Std.-Tag steht, ich kann mich auch sehr engagieren und habe zu früheren Zeiten durchaus auch mal monatelange Phasen gehabt, in denen ich 60 Std. und mehr pro Woche gearbeitet habe. Auch mit der Gefahr der Erschöpfung, aber auch mit ganz viel persönlicher "Wertschöpfung", weil ich in dem aufgegangen bin, was ich tue. Dieser "Flow" stellt sich ein, wenn ich eine gewisse Freiheit im Job habe, dann werden Ideen zu Selbstläufern und tragen Früchte, die mich stolz sein lassen (können).
Mein jetziger Job beinhaltet auch viel Personalführung. Das bekomme ich auch gewuppt, und auch ganz gut, aber es ist für mich auch sehr anstrengend, im Kontakt mit meinen Mitarbeitenden sehr klar, sehr konzentriert zu sein, um das Ziel im Blick zu haben. Die Freude am Visionen-Entwickeln macht sich gerade jetzt wieder bemerkbar, als es um die Weiterentwicklung meines Aufgabenfeldes ging - da habe ich trotz Müdigkeit und Überlastung so richtig Spaß am Ideenentwickeln gehabt.
Was das natürlich massiv behindert, ist der Riesen-Druck durch die Vielzahl an "Verpflichtungen". Ich kann es mir im Grunde kaum erlauben, mich mal eine Zeitlang entspannt zurück zu lehnen und einfach mal etwas Zweckfreies zu tun - obwohl ich mich genau danach sehne. Ich fühle mich in einem Hamsterrad und sehe keinen Punkt, dass dieses sich mal eine Zeitlang langsamer dreht, damit ich mich mal etwas erholen kann. Jede freie Stunde steht eher unter dem Gedanken: "Was kann ich jetzt noch erledigen?" Haushalt - da stört mich die Wollmaus unter dem Bett auch nicht. Es ist eher das Aufteilen der Aufgaben aus der Weiterbildung und aus dem Job, die auch am Wochenende und nach Feierabend erledigt sein wollen. Immer ist da etwas, was noch getan werden sollte.
Glitter, natürlich würde die Welt nicht untergehen, wenn ich die Prüfung versemmel - aber ich müsste sie nachholen. Und sie ist der Auftakt von Folgeprüfungen, die eher noch anspruchsvoller werden bis hin zu der Abschlußarbeit im kommenden Jahr, die ca. 70-80 Seiten umfasst. Genau in diese Zeit fällt die konkrete Umsetzung der benannten Weiterentwicklung meines Arbeitsfeldes, was viel Zeit+Energie in Kauf nehmen wird, aber eine Riesen-Chance beinhaltet, die nicht nur mein Aufgabenfeld betrifft, sondern auch das Image meines Arbeitgebers.
Die Weiterbildung ist Teil meines Personalentwicklungsplans, wird also von meinem Arbeitgeber (heißt: mein früherer Chef und die obere Leitungsebene, meine jetzige Chefin kam erst später) unterstützt - heißt: finanziert. Die Arbeit, die während meiner Weiterbildungszeiten anfällt, bleibt liegen und muss später von mir erledigt werden. Ich könnte - das wird aber unter Umständen hart - mit meinem Arbeitgeber verhandeln, zwei meiner Mitarbeiterinnen Stellenanteile zu meiner Unterstützung freizustellen. Neben der Tatsache, dass das eventuell schwer zu verhandeln sein wird, bleibt noch die Frage, wer es macht - im aktuellen Personalstamm sind so erst mal keine geeigneten Mitarbeitenden dabei. So oder so würde das aber erst mittelfristig unterstützend wirken (Verhandlung, Personalauswahl, Einarbeitung = mehrere Monate).
Die Pendelei ist in der Tat belastend, aber solange ich diese Arbeit wahrnehme, nicht zu ändern. Mittelfristig plane ich einen Wechsel, um näher an unserem Wohnort zu arbeiten, aber es muss ja auch passen. Und ich möchte gerne die anstehenden Entwicklungen begleiten, das sind noch ca. zwei Jahre.
Heute morgen habe ich überlegt, meine Chefin und unseren Personalabteilungsleiter um ein Gespräch zu bitten und ggf. die Weiterbildung auf Eis zu legen. Allein das Zulassen dieser Überlegung hat schon Erleichterung ausgelöst - bei gleichzeitiger Trauer, denn die Weiterbildung macht ja auch Spaß. Ich werde vorher noch mit einer befreundeten Kollegin sprechen, deren Meinung mir viel bedeutet. Jetzt habe ich gerade ganz ambivalente Gefühle zwischen Erleichterung und Trauer und auch ein leiser Zweifel, ob ich die Flinte zu früh ins Korn werfe. Maiglocke hat da schon recht: Ich vergleiche immer "nach oben", nicht nach unten oder links und rechts.
Oh Mann...
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27.03.2010, 17:03
AW: Andere schaffen es doch auch!
Und wenn "Faulheit" auch ein ureigenstes Bedürfnis ist?
Ich finde es ganz normal, wenn manchmal auch einfach mal die Seele baumeln lassen möche. Das zuzulassen ist allerdings auch nicht ganz einfach.
Ich finde mich in einigen Beiträgen auch wieder. Ich muss mich auch bewusst dazu zwingen, das mit dem Vergleichen zu lassen oder wenn es denn unbedingt sein muss, auch das ganze Bild zu sehen. Sprich: klar gibt es in meinem Umfeld die berufstätige Mutter mit vier Kindern, die zwischen 5 und einem Jahr sind und die sofort nach den Geburten wieder fit und leistungsfähig ist und nebenbei nochmal eben Karriere gemacht hat. Da gibt es aber auch die, die mit zwei Kindern und einem Haushalt vollkommen ausgelastet ist.
Und perfekt sein: nein, dass muss man nicht. Sagt auch die richtige, die im Studium mal eine ganz gepflegte Krise bekommen hat, weil sie eine Klausur nicht bestanden hat (bei der im ersten Anlauf 60% durchgefallen sind) und die jede Note schlechter als 2,0 als Niederlage empfand.
Und dann noch wollte, dass ihr Kind neben Studium immer frisch gekochten Brei bekam (Gläschen war i-bäh), den reinlichen Haushalt wollte und nebenbei gearbeitet hab ich ja auch noch und da war auch jede Überstunde selbstverständlich, weil ich ja auch noch die perfekte Arbeitnehmerin sein wollte.
Wundert es da einen wirklich, dass ich irgendwann an Depressionen erkrankte und ausgebrannt war? Dass meine Beziehung auf der Kippe stand, weil ich meine Libido mit dieser konstanten Überforderung gleich mal eben zum Erliegen gebracht habe? Und dankt das einem jemand? Ist es das wert?
Auch ich musste mich von Hypotheken aus der Kindheit lösen. Ein Vater, dem alles nicht ausreichend war, zumindest war das mein Eindruck als Kind. Eigentlich ist er ganz stolz auf seine Tochter, aber als Kind war ein "das ist ja ganz ordentlich" das Höchste, was ich an Lob bekam. Ein "das hätte ja noch besser sein können" bei einem Abischnitt von 1,7 war symptomatisch. Ich hab mich sehr früh über Leistung definiert und so Muster aufzulösen ist schwierig und langwierig, ich habe das nur mithilfe einer Therapie geschafft. Aber es ist wichtig, es bleibt ansonsten soviel auf der Strecke: Beziehung, Freunde, die eigene Gesundheit. Das ist der allertollste Job echt nicht wert.Time is an ocean but it ends at the shore - Bob Dylan
Und wenn der Wind mal von vorne kommt - leicht nach vorne beugen und einfach weitergehen - S.B.
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27.03.2010, 17:08Inaktiver User
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27.03.2010, 17:10
AW: Andere schaffen es doch auch!
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Geändert von Darla74 (27.03.2010 um 17:57 Uhr) Grund: Zu persönlich


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