Es geht nicht darum, ob und wie unmöglich die Chefin ist, sondern wie meine Freundin sie sieht und wie sie damit umgeht, wie sie vor allem im stillen Kämmerlein darunter leidet. Wir sind viele Beispiele durchgegangen, und meine Freundin hat festgestellt, wie sehr sie Dinge, die die Chefin vielleicht nur aus Unwissenheit, weil sie es vergessen hatte oder vielleicht aus einer schlechten Stimmung heraus gesagt oder getan hat, immer wieder persönlich nimmt, die ganz bestimmt nicht persönlich gemeint waren und sie nicht klärt.
Klingt jetzt ziemlich bissig...Oder ist das dein Weg, zu beweisen, dass deine Freundin selber schuld ist an ihrem Leid?
Sie kam zu mir um sich auszuweinen und ich wollte ihr helfen. Da sie mich am Wochenende angerufen, sich noch mal bedankt und mir vom ersten Erfolgserlebnis mit ihrer Chefin berichtet hat, habe ich das Gefühl, dass mir das auch gelungen ist.
Beweisen musste ich ihr nichts, auf die meisten Ideen ist sie selbst gekommen, nachdem ich ihr Mut zugespochen hatte, dass sie Dinge, die sie stören in ihrem Job, ansprechen, nachfragen oder mit neuen Ideen und Vorschlägen ändern kann.
Zum Thema "Schuld" hatte ich weiter vorn geschrieben, das ist deine Interpretation, und ich gehe jetzt nicht noch einmal darauf ein.
Das hoffe ich doch, und wenn er es nicht tut, dann hoffe ich für ihn, dass er andere Menschen findet, denen er sich anvertrauen kann. Viele junge Männer rennen nicht zu Mama, wenn es ihnen nicht gut geht.Was deinen Sohn betrifft, liest man sehr den Stolz auf ihn aus deiner Schilderung. Das ist auch berechtigt. Aber würde er sich Dir anvertrauen wollen, wenn es mal nicht so gut bei ihm laufen würde?
Dass er irgendwelche Erwartungen von mir erfüllen will oder mich nicht enttäuschen will, auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Dazu ist er m.E. zu selbstbewusst und zu selbständig. Und was die Eigenverantwortlichkeit für sich selbst betrifft, denkt er so wie ich.
Wie meinst du denn das? Welche Haltung hat welche Auswirkungen?Ich meine, mir kann's wurscht sein, aber vielleicht sieht man an dieser Haltung mal, welche Auswirkungen das haben kann.![]()
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Antworten
Ergebnis 51 bis 59 von 59
Thema: Anspruch auf Glück!?!
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17.03.2010, 13:18
AW: Anspruch auf Glück!?!
Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Antoine de Saint-Exupéry
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17.03.2010, 14:26
AW: Anspruch auf Glück!?!
Ich möchte mich den Ausführungen von Leda anschließen.
Eine Lebenssinn-Monokultur ist an sich bedenklich. Hinzu kommt, daß die Eignung der Berufsarbeit als Lebensglückspender sträflich überschätzt wird. Viele soziologische Studien zeigen, daß sich "Unglück" im Beruf durch "Glück" im privaten Leben (Partner, Eltern, Kinder, Freunde, Tiere, Hobbies) recht gut kompensieren läßt, der umgedrehte Fall aber nur selten gelingt.
Hinzu kommt, daß, wie der Soziologe Jean-Claude Kaufmann in seinem Buch "Singlefrau und Märchenprinz" beschreibt, die Orientierung hin zum Beruf (als Kompensation von Defiziten im privaten Bereich) für Singlefrauen die Wahrscheinlichkeit, einen Partner zu finden, verschlechtert. Sollte das wirklich der Fall sein (für mich klingen seine Argumente sehr plausibel), ist die Fokussierung auf den Job nicht wirklich zielführend in Richtung "Glück" (denn dieses besteht zu großen Teilen, wie oben gesagt, aus privatem Glück).
Ich glaube, zwei Glücksfälle im Leben sind "ausreichend" für die Möglichkeit, ein zufriedenes und manchmal glückliches Leben führen zu können - ein liebevolles Elternhaus, welches
das Fundament des Urvertrauens, daß die Welt gut ist, legt, und die Begegnung mit einem (oder zwei, drei?) Menschen, mit dem sich ein Leben in Liebe leben läßt. Der Rest ist die Abwesenheit von Unglück (als ein weiterer Glücksfall im Leben).
Gruß
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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17.03.2010, 15:27
AW: Anspruch auf Glück!?!
Ich denke, es ist legitim, glücklich sein zu wollen. Man hat aber keinen Anspruch darauf, dass das Glück haargenau so aussieht, wie man es sich vorstellt, also z.B. Traummann, Eigenheim, zwei hübsche, gut geratene Kinder plus Familienhund. Das Leben schuldet selbst einem erst mal gar nichts.
Glück besteht nicht zuletzt auch darin, mit dem zufrieden zu sein, was man hat bzw. erreicht hat bzw. erreichen kann. Wer ständig wesentlich mehr will und mit dem Erreichten nie zufrieden ist, kann nicht glücklich werden. Das heißt nicht, dass man sich auf niedrigem Level begnügen muss. Nur dann muss man jedoch auch selbst was dafür tun.
Es gibt Ziele im Leben, die kann man relativ gut aus eigener Kraft erreichen, z.B. im Beruf oder bei Freundschaften. Andere Ziele sind hochgradig davon abhängig, dass man dafür die richtigen Mitspieler findet, z.B. Partnerschaft. Hier spielt auch der Zufall eine wichtige Rolle. Wer sich jedoch im Umgang mit Männern selbst im Weg steht, dem nützt es auch nichts, wenn ihm das Universum den Traummann vorbei schickt.
Ich habe zum Thema gerade ein schönes Buch gelesen:
Eva Wlodarek
Wunscherfüllung für Selbstabholer
Ich war ein halbes Jahr arbeitslos und hatte große Zukunftsangst. Plötzlich, innerhalb von zwei Wochen taten sich zwei Dinge auf: Der Wiedereinstieg über eine Zeitarbeitsfirma bei meinem früheren Arbeitgeber, einer sehr großen Firma, und dann hat die Kandidatin Nr. 1 bei meinem Wunsch-Arbeitgeber abgesagt, und ich war an zweiter Stelle …
Es stimmt wirklich: Für jede Tür, die sich schließt, tut sich eine andere auf. Man muss manchmal nur ein bisschen Geduld haben und die Türen auch sehen wollen.
Ich hatte nicht gerade eine schöne Kindheit und Jugend und habe mich einen Großteil meines Lebens mit massiven Selbstwertproblemen rumgeschlagen. Aber ich habe nicht lockergelassen, als es darum ging, die richtige Psychotherapie für mich zu finden, obwohl das lange gedauert hat. Ich bin sehr froh, dass ich da endlich an gute Therapeutinnen geraten bin, und meine Selbstwertprobleme inzwischen für mich Vergangenheit sind.
Von meinem Wunsch, als Wissenschaftlerin zu arbeiten, musste ich mich nach mehreren vergeblichen Anläufen verabschieden. Aber ich habe mir einen alternativen Berufsweg geschaffen, mit dem ich zufrieden sein kann.
Ich habe seit einiger Zeit eine schöne Wohnung für mich, nachdem ich bisher nur mit anderen zusammengewohnt habe und in Sachen Einrichtung und Sifftoleranz Kompromisse machen musste. Eine Villa wär zwar noch schöner, aber verglichen mit dem, wie ich in der Vergangenheit gewohnt habe, kommt diese Wohnung dem ziemlich nahe ...
Okay, ich habe momentan keinen festen Partner, das fehlt mir sozusagen noch zu meinem Glück. Ich habe Freundinnen und Freunde und einen Liebhaber, so dass der Mangel so schlimm nicht ist. Ich muss jetzt nicht auf Teufel komm raus einen Mann finden, um glücklich zu sein. Außerdem verliebe ich mich ziemlich selten, und dann muss der betreffende Mann sich ja auch noch für mich interessieren. Die sachliche Wahrscheinlichkeit, einen passenden Partner zu finden, ist also eher klein, und das ist für mich kein Grund, das persönlich zu nehmen.
Was mich ebenfalls ein bisschen betrübt, sind erste Anzeichen des Alterns, aber da müssen wir wohl oder übel alle durch, es sei denn, wir geben den Löffel früher ab.
Es ist für mich inzwischen auch nicht mehr tragisch, dass ich wohl nie mehr in meinem Leben als Schönheit gelten kann. Diese Zeitspanne war relativ kurz, so zwischen 40 und 45. Dafür habe ich andere Qualitäten ...
Geändert von Latona (17.03.2010 um 15:43 Uhr)
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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17.03.2010, 16:00Inaktiver User
AW: Anspruch auf Glück!?!
Mhh... Also für mich persönlich ist es genau so, wie Du es beschreibst und darum bin ich nun unglücklich???
Ich persönlich brauche ständig neue Ziele und neue Dinge die es zu erreichen gilt. Wenn ich die nicht habe und einfach mal nur so zufrieden sein könnte, werde ich jedenfalls unglücklich... Kann es nicht auch sein, dass man Glück und Zufriedenheit und auch Bestätigung gerade aus dem ständigen etwas Erreichen, etwas Schaffen zieht und sich gerade nicht zurücklehnt?
Wahrscheinlich ist das Wann-Empfinden von Glück eine höchst individuelle Eigenschaft.
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17.03.2010, 16:38Inaktiver User
AW: Anspruch auf Glück!?!



Also, Dein obiges und Dein unteres Zitat passen meiner Meinung nach nicht zusammen. Da es aber um reine Begrifflichkeiten geht, möchte ich hier gar nicht mehr weiter mit Dir darüber diskutieren. Der Strang ist von Delusion und ich bin froh und glücklich, wenn wir Ihr auf die eine oder auch andere Weise helfen konnten.Zitat:
Zitat von marla63
Wird in dem, was ihr in den letzten Postings hier sagt, nicht deutlich, was ich die ganze Zeit meine: Dass jeder Mensch das Recht auf dieses Glück hat, aber gleichzeitig selbst dafür zuständig ist? Dass es an jedem selbst liegt, wie glücklich er sich fühlt?
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17.03.2010, 16:53
AW: Anspruch auf Glück!?!
@ Solarstrom
Vielleicht war meine Beschreibung nicht differenziert genug.
Wenn das immer Neue für Dich Herausforderungen bietet, die Du brauchst, um Dich zu bestätigen, dann ist das etwas anderes, als wenn Du – egal, was Du bisher erreicht hast – grundsätzlich der Meinung bist, das sei nicht genug, um auch mal darauf stolz oder damit zufrieden zu sein. Ich meine damit dieses leidvolle Getriebensein, dass nichts für einen gut genug ist, und dass andere es grundsätzlich besser getroffen haben. Damit kann man sich sehr unglücklich machen.
Es ist ein Unterschied, ob man vorwärts geht, oder nur über das jammert, was man nicht hat.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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17.03.2010, 17:07Inaktiver User
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17.03.2010, 17:41
AW: Anspruch auf Glück!?!
vielen dank für eure vielen antworten, über die ich auch nochmal in ruhe nachdenken werde.
ich fühle mich gerade sehr ausgelaugt und platt und mein körper zeigt mir (mal wieder) sehr deutlich, dass ich ruhe brauche (mir tut grundlos jeder muskel weh, ohrenschmerzen, kopfschmerzen).
gefreut habe ich mich aber heute über die zusage, dass ich zwei tage unbezahlten urlaub bekomme, damit ich gut erholt in den neuen job starten kann und nun insgesamt 3 wochen Urlaub habe vorher.
dann können wir am wochenende hoffentlich konkret mit der urlaubsplanung beginnen (ich gestehe ich hab schon sonnencreme gekauft ohne überhaupt irgendwas gebucht zu haben).
wie ich mit der missstimmung im büro weiter umgehen werde, weiß ich noch nicht. es sind noch genau 8 wochen.
ich werde mir eure beiträge aber sicher mehr sehr zu herzen nehmen und die nächsten wochen, in denen ich ja nicht mehr 1000%ig geistig anwesend sein muss, bewußter zu leben und mir schöne momente zu schaffen.Nichts wahrhaft Gutes war jemals einfach
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17.03.2010, 17:43
AW: Anspruch auf Glück!?!
@latona
die partnerfrage ist für mich eine elementare frage in meinem leben. ich möchte nicht ewig single sein.
ich habe zwar gelernt, dass man ein ausgefülltes bis erfülltes leben leben kann auch ohne partner. und ich bin momentan auch nicht ganz ohne mann an meiner seite. das macht es vielleicht einfacher. aber diese verdammte sehnsucht bleibt und gerade die glücklichem momente würde ich sogar teilen und nicht nur allein erleben....Nichts wahrhaft Gutes war jemals einfach



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