Hallo,
ich bin zwar nicht schuechtern aber recht introvertiert. Waehrend extrovertierte Menschen von vielen anderen Menschen um sich herum geradezu Energie aufzunehmen scheinen werde ich davon sehr schnell erschoepft. Vor allem auf der Arbeit bin ich froh wenn ich alleine oder in einem kleinen Team arbeiten kann. Ausserdem interessiere ich mich eher nicht fuer populaere Kultur, die neusten Holywood Filme, Chartmusik, aber auch nicht Mode und halte bei solchen Diskussionen meistens den Mund. Aber der Bueronerd, wenn ich den endlich entdeckt habe wird immer mein bester Kumpel mit dem ich ueber alles sprechen kann
Ich weiss auch, dass ich, wenn man mich noch nicht kennt arogant und egoistisch rueberkomme, was ich absolut nicht moechte. Selber sehe ich mich auch nicht so. Wie kann ich diesen ersten Eindruck positiv beeinflussen? Meine Frage haengt damit zusammen dass ich in ein paar Wochen mal wieder die Abteilung wechseln werde und keine Lust auf die uebliche Routine habe.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 15
-
15.03.2010, 06:03
Introvertiert... und die anderen
-
15.03.2010, 07:08Inaktiver User
AW: Introvertiert... und die anderen
Carolly, Deine Präferenz (introvertiert vs extravertiert) hat nichts mit Deinem fehlenden Interesse an Populärkultur zu tun. Das ist bei sehr unterschiedlichen gelagerten Interessen einer Zwangsgemeinschaft oft der kleinste gemeinsame Nenner, der immerzu durchgekaut wird.
Was interessiert Dich denn im kulturellen oder sportlichen Bereich? Kannst Du vielleicht vorsichtig ein neues Thema in die Diskussion einbringen?
Langfristig solltest Du Dich schon mit Deiner Präferenz von Introversion auseinandersetzen, wenn Du das Gefühl hast, das Arbeiten in großen Teams entzieht Dir zu viel Energie. Ich empfehle Dir als Einstieg den Meyer-Briggs-Type Indicator, wobei die online Test wirklich ungeeignet sind.
Als erster Einsteig in das Thema taugt: Myers-Briggs-Typindikator ? Wikipedia
Bei Interesse Näheres gerne per PN.
-
15.03.2010, 07:11
AW: Introvertiert... und die anderen
Hallo Caroly,
sage das deinen neuen Kollegen einfach genauso, wie Du es hier geschrieben hast, damit verhinderst Du von vorherein falsche Einschätzungen Deiner Person. Vielleicht könntest Du ihnen am ersten Tag z.B. selbstgemachte Kekse bringen und es dabei erwähnen, so a lá
"...bin eigentlich eher introvertiert aber ich freue mich schon sehr auf unsere Zusammenarbeit..."
lg... "they say life´s what happens what you´re busy making other plans. But sometimes in New York, life is what happens while you´re waiting for a table."....S.J.P.
-
15.03.2010, 07:24Inaktiver User
AW: Introvertiert... und die anderen
Also ehrlich... ?
Wenn mir jemand am ersten (!) Tag selbstgebackene Kekse rüberschiebt und dabei sofort loserzählt "also, eigentlich bin ich ja TOTAL introvertiert...!" - dann würd ich das mal pauschal erstmal nicht glauben, sondern eher das Gegenteil annehmen...
-
15.03.2010, 10:11
AW: Introvertiert... und die anderen
Ja, so wuerde ich das auch sehen. Und wenn ich danach wieder 'ich' bin wuerde ich warscheinlich wieder arrogant scheinen.

natuerlich hat desinteresse mit bestimmten Gespraechsthemen nicht so viel mit intro vs extrovertiert zu tun, aber fuer jemanden der Extrovertiert ist ist es vielleicht einfacher das Gespraechsthema in einer grossen Gruppe zu einem anderen Thema zu lenken waehrend ich vor allem das Gefuehl habe "ich will weg".
-
15.03.2010, 10:23Inaktiver User
AW: Introvertiert... und die anderen
Willst Du wirklich nur wegen der Themenwahl weg? Oder weil es noch etwas anderes gibt, z.B. wie die Leute miteinander reden (extrem sachlich oder indem sie über nicht Anwesende herziehen), welche Atmosphäre insgesamt vorherrscht?
Je besser Du verstehst, was genau Dich zu dem Büro-Nerd treibt, um so eher hast Du die Möglichkeit, hier etwas zu ändern und Dich wohler zu fühlen.
-
15.03.2010, 11:02
AW: Introvertiert... und die anderen
In den Bueros wo ich bis jetzt gearbeitet habe ist die Atmosphere einfach toll. Es gibt keinen Neid und keine Positionskaempfe. Und die Leute sind sehr freundlich. Das ist es also nicht. Ich fuehle mich einfach nicht wohl in grossen Gruppen. Der Boss laedt oefters mal zum Grillen ein, andere Kollegen organisieren ab und zu mal Exkursionen oder Poolparties. Eine Exkursion finde ich gut, mit wenigen Leuten zusammensitzen gerne auch, aber mit der ganzen Gruppe saufen oder aehnliches ist ein Alptraum fuer mich

ich mag die Nerds weil ich selber einer bin
Ich finde es auch toll wenn ein grosser Jet am buerofenster vorbeifliegt oder diskutiere wie man fuer eine Spassinstallation einen altmodischen Schaltpreis zusammenloetet. Es ist einfach leichter Gespraechsthemen zu finden.
-
15.03.2010, 14:37
AW: Introvertiert... und die anderen
Hallo Carolly,
ich würde keine Energie in Dinge stecken, die Du nicht wirklich ändern willst. Du bist introvertiert, brauchst vielleicht etwas mehr Zeit um warm zu werden, findest große Gruppen und Dir fremde Gesprächsthemen eher anstrengend. Das ist doch völlig legitim. Gut, mit diesem Naturell wirst Du vermutlich nie der Mittelpunkt des Büros sein, aber ich schätze mal, bei näherem Kennenlernen weiß man Deine Qualitäten auch zu schätzen. Das Problem ist doch eher, dass Du nirgends richtig lange bleibst und nicht der Typ für den ersten Blick bist. Sprich, bis Du Dich integriert hast, bist Du schon fast wieder weg.
Ich weiß nicht, ob man das eigene Integrationsverhalten wirklich entscheidend beschleunigen kann. Ich bin auch jemand, der eher länger braucht, bis er warm wird. Und ich gesteh mir das auch zu. Deshalb wäre ein Job, wo ich täglich mit neuen Menschen zu tun hätte, eher nichts für mich.
Ich weiß nicht, wie es in Deinem Job ist. Soviel ich weiß, machst Du doch ein Trainee-Programm? Sind die vielen Wechsel nur Teil des Programms, oder wird es auch später so sein, dass Du alle paar Monate woanders eingesetzt wirst? Wenn es ein vorübergehendes Thema ist, würde ich das locker aussitzen und für mich so akzeptieren. Oder bekommst Du negatives Feedback von irgendeiner Seite?
Klar, niemand wird gerne für arrogant gehalten. Oft tut man sich leichter mit seinen Macken (auch was die Akzeptanz durch andere angeht), wenn man sich ein wenig darüber lustig machen kann. Wenn Du Deine Nerd-Affinität offen und witzig anspricht, wird man Dich vermutlich genau so nehmen, wie Du bist. Wenn Du versuchst, krampfhaft anders zu sein, wird es vermutlich schief gehen. Jemand, der zugibt, ein Nerd zu sein, wird meist gar nicht mehr als solcher wahrgenommen.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
-
15.03.2010, 14:51Inaktiver User
AW: Introvertiert... und die anderen
Wenn Du insgesamt "besser" bist im Zweierkontakt als in einer großen Gruppe, dann setz auf den Zweierkontakt.
Mit 10 Leuten im Büro geht es dann eben um ca. 10 Zweierkontakte für Dich. Mal mehr, mal weniger intensiv. Hauptsache Du zeigst an Deinen Kollegen ein gewisses individuelles Interesse und bringst Deine Wertschätzung - eben das angenehme Klima der Zusammenarbeit etc. - rüber.
- Auf Deine Art im Zweierkontakt. Beim Arbeiten, in der Pause.
Wenn Du nämlich jeglichem Kontakt aus dem Weg gehst und auch Dein eigentliches Interesse und die Wertschätzung zurückhältst, dann ist der Weg um für arrogant gehalten zu werden nicht weit. Das hat meiner Meinung nach gar nichts zu tun damit ob man der zentrale Spaßvogel einer Gruppe ist und diese unter den Tisch tinkt oder nicht. Sich ein bisschen zu zeigen wo man steht, gehört immer dazu. Wenn nicht in der großen Gruppe, dann eben in der kleineren.
-
16.03.2010, 10:57
AW: Introvertiert... und die anderen
Liebe Carolly,
ich glaube, ich verstehe ganz gut, wovon du sprichst. Ich bin auch so ein Typ, der eher introvertiert ist, der gern und viel allein ist und sich kleinen Runden viel wohler fühlt, den große Runden und viel Kontakt eher anstrengen und der Kraft im Rückzug und Alleinsein schöpft. Seit ein paar Monaten beschäftige ich mich mit Persönlichkeitsmodellen und finde das unglaublich spannend. Von daher weiß ich nun, es gibt einfach solche und solche Menschen, jeder Mensch hat seinen eigenen Persönlichkeitsbereich, und daran wird sich nichts grundlegend ändern. Durch meine berufliche Tätigkeit im beratenden Bereich, ständig beim Kunden vor Ort habe ich natürlich in Laufe der Jahre gelernt, offener auf Menschen zuzugehen, ihnen offen und herzlich die Hand zur Begrüßung zu geben, Smalltalk zu führen und auch mal in einer größeren Runde meine Meinung zu vertreten, aber brauchen tu ich das nicht wirklich, und oft strengt es mich sehr an. Wenn ich eben nichts von mir erzählen mag, stelle ich fragen und lasse den anderen erst mal von sich erzählen - das machen viele sehr gern.
Durch meinen Exfreund habe ich auch gelernt, Menschen auf der Straße, beim Spazierengehen oder Einkaufen anzusprechen und ein paar nette Worte zu sagen. Aber das kann ich auch nur, wenn es mir richtig gut geht. Ansonsten komme ich mir blöd vor. Während meinem Freund das gerade gut tut, wenn es ihm schlecht geht, ihm gibt das offensichtlich Kraft.
Was ich sagen will: Man kann vieles dazu lernen, aber wichtig ist auch, seine eigene Persönlichkeit zu kennen, um deren Eigenheiten zu wissen und sie zu akzeptieren. Wir sind nun mal so, und es kostet viel Kraft, dagegen anzukämpfen und ein anderer Mensch sein zu wollen.
Deshalb denke ich: Steh dazu, wie du bist. Man kann zurückhaltend und freundlich sein, offen und abwartend, ohne gleich aktiv zu werden. Das muss nicht arrogant auf andere Menschen wirken. Vielleicht kommt es manchmal etwas verkrampft rüber, wenn man unbedingt anders sein will als man eigentlich kann und etwas tut, was einem nicht so liegt. Vielleicht kann uns nicht jeder gleich einordnen, weil wir unsere Gefühle nicht so schnell offen zeigen, weil wir nicht ganz so herzlich und gewinnend auf andere zugehen und ihnen nicht ganz so begeistert und liebevoll in die Augen schauen. Aber wenn sie uns näher kennenlernen, werden sie unsere Vorzüge zu schätzen wissen. Wir sind extrem gute Beobachter und Zuhörer. Wir können besser als andere Situationen objektiv und sachlich einschätzen. Wir können gut Zusammenhänge herstellen, sind sehr tiefgründig und umsichtig, können gut planen und jedes Detail berücksichtigen, und wir sind besonders loyale und treue Menschen. Auf uns trifft der Spruch "Stille Wasser sind tief" besonders zu. Ich denke, wenn du nicht wirklich unter deinen Eigenheiten leidest, gibt es keinen Grund, dir Sorgen zu machen. Sei einfach wie du bist - zurückhaltend und etwas stiller als andere, aber dafür neugierig und offen, freundlich und unverkrampft, dann wird es immer Menschen geben, die sich sehr wohl fühlen mit dir.
Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Antoine de Saint-Exupéry



Zitieren

