Hallo Brigitte-Forum,
momentan weiss ich nicht mehr weiter - habe das Gefühl, ich stecke total im Sumpf.
Ich bin 48 Jahre alt, verheiratet mit Kind (die Beziehung ist z. Zt. mein einziger Lichtblick). Ich war freiberuflich tätig, habe kaum etwas verdient. Die Firma ging dann pleite, seitdem sitze ich zu hause, was ich nie wollte. Ich habe ein Fernstudium abgeschlossen, eine Yoga- und Pilatesausbildung absolviert u. lerne gerade Fremdsprachen. Trotzdem klappt beruflich nichts.
Nach einigen Umzügen wohnen wir schon seit 10 Jahren in einer mittelgroßen Stadt.
Meine momentanen Probleme:
Ich habe alles (aus meiner Sicht) versucht, Leute kennenzulernen: Vereine, Internetforen mit Treffs, Stammtische, Kurse. Im Gegensatz zu früher, wo ich leicht Kontakt fand, klappt es nicht mehr.
Ich merke, dass es mir immer schlechter dabei geht.
Früher war ich ein extrovertierter, lebenslustiger Mensch.
Ich traue mich seit ca. einem Jahr aber gar nicht mehr, mit Leuten Small talk zu machen, geschweige denn mit ihnen zu reden. Wenn mich jemand anspricht (was selten passiert) erschrecke ich regelrecht.
In meiner Altersgruppe sitzen hier viele am Wochenende bei Verwandten. Die Zugezogenen, die ich kennenlerne, ziehen entweder wieder weg u. atmen auf oder sie fahren am Woende zu Verwandten.
Das kann doch nicht sein, was mache ich falsch?
Mittlerweile ist meine Abstrahlung auch mies. Vermutlich spüren die Menschen meinen Mangel...
Ein Teufelskreis. Ich habe eine Beratungsstelle aufgesucht. Die Psychologin dort sagte mir, dass wäre in meinen Alter normal. Sie hätte auch keine Zeit mehr für weitere Kontakte. Auch, dass ich nicht mehr in einen normalen Job zurückfände, sei in meiner Altersgruppe normal...
Das hat mich noch mehr depressiv gemacht. Ich fühle mich als komplette Versagerin, nutzlos, wertlos und meine Gedanken kreisen nur noch darum. Wie und wo soll ich auch beruflich noch Fuss fassen?
Da es uns finanziell eine längere Zeit schlecht ging, bin ich u. a. auch putzen geganen. Es geht uns jetzt diesbezüglich besser; aber nun kann ich wohl nur noch in diesen Jobs Arbeit finden - auch, weil ich mir keine qualizizierte Tätigkeit mehr zutraue.
Mein Mann versucht mich als einziger aufzubauen, sagt, ich käme da wieder raus; aber wie?? Meine Hoffnung und Selbstvertrauen sind kaum mehr vorhanden. Ich habe immer viel Input gegeben; aber warum soll ich das weiterhin tun, wenn nichts zurück kommt?? Ich fühle mich total kraftlos...
Bin ich denn wirklich schon so alt? Zu alt für einen Job, zu alt für neue Freundschaften, für neue Anfänge?
Überall höre ich nur Negatives: Auch das Arbeitsamt will keine Weiterbildung bezahlen (Sekretärin war ich früher, ich wäre zu alt u. der Beruf am Aussterben).
Das Schlimme ist, ich müsste mir jetzt andere Prioritäten in meinem Leben setzen und dafür kämpfen; aber ich habe keine Kraft mehr zum Kämpfen! Außerdem habe ich auch noch ein schlechtes Gewissen meiner Familie gegenüber, weil es mir schlecht geht...
Habt Ihr Mutmachtipps? Ist euch so etwas auch schon passiert? Wie seid ihr da wieder rausgekommen? Eventuell habt ihr auch praktische Anregungen?
Vielleicht mache ich auch etwas falsch? Ich bin für alle Antworten dankbar, denn ich will diese Abwärtsspirale unbedingt stoppen!!![]()
LG Flieder
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 37
Thema: Superkrise
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12.03.2010, 14:55Inaktiver User
Superkrise
Geändert von annapaulemax (13.03.2010 um 09:12 Uhr) Grund: Klarnamen geändert
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12.03.2010, 17:45Inaktiver User
AW: Superkrise
Liebe Flieder

Das hört sich ja ganz schön resigniert an, und ich frage mich, welche Erwartungen sich bei dir angesammelt haben, dass du schon erschrickst, wenn dich fremde Menschen auch nur ansprechen
Außerdem sehe ich mehrere Baustellen: Dir fehlt die Bestätigung im Beruf, die "gute Freundin", aber auch die ganz normal-harmlosen Kontakte, von denen du meinst, die hätte doch jeder?!
Vielleicht könntest du ja einmal konkrete Ziele für diese speziellen Bereiche definieren.
Ist ein guter Verdienst für dich gleichbedeutend mit erfolgreich im Beruf? (Du erwähnst an einigen Stellen das Finanzielle...) Also kommt es dir in diesem Bereich vor allem darauf an, gutes Geld in die Familienkasse einzubringen? Oder was wäre wichtig für dich?
Hast du eine allerbeste Freundin aus der Schulzeit? Hast du überhaupt einen Menschen, dem du auch ganz intime Dinge vertrauensvoll erzählen könntest? Wäre dir das überhaupt wichtig oder gefiele dir eine Art Familienanschluss besser?
Ich habe keine konkreten Tipps für dich, denke aber, dass oftmals mit überzogenen Erwartungen an bestimmte Themen herangegangen wird, was im Vorfeld schon oftmals ungünstige Weichen stellt.
SchlaflosGeändert von annapaulemax (13.03.2010 um 09:12 Uhr) Grund: Klarnamen geändert
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12.03.2010, 18:09Inaktiver User
AW: Superkrise
Hallo Schlaflos,
danke für deine Antwort! Natürlich fehlen mir Kontakte und Bestätigung, die Beruf und Begegnungen (wenn sie sich positiv gestalten) mit sich bringen.
Du hast natürlich mit deinen Aussagen recht; aber was nützt es, Ziele zu benennen, wenn ich diese Ziele nicht erreiche? Ich versuche es ja schon so lange.
Konkrete berufliche Ziele zu formulieren - wozu - wenn von außen immer nur negatives kommt? Ich finde, das äußere Umfeld spielt eine große Rolle. Ich kann noch so viele Ziele haben, wenn die äußere Realität nicht mitspielt, bringen auch die Ziele nichts.
Ich versuche trotzdem mal, meine Ziele zu definieren: Beruflich ist mir das Geld nicht so wichtig. Ich glaube sowieso in den heutigen Zeiten nicht mehr an finanzielle Absicherung. Aber unter Menschen zu sein, die einen normal einarbeiten, die einen nicht gleich anschreien, wenn was nicht klappt, das wäre schön.
Ich würde auch gerne meine Sprachkenntnisse einbringen...
Privat wünsche ich mir Bekannte und einige Freunde.
Sind das wirklich zu hohe Erwartungen? Wo leben wir eigentlich??? Ich bin ja auch bereit, zu geben; aber evtl. ist das auch ein Fehler. Ich müsste vielleich tougher werden?
Man kann seine Erwartungen auch soweit runterschrauben, dass man keine Identität mehr hat - das alles sind so Gedanken, die gerade auftauchen...
Keine Ahnung....
LG
Flieder
Ich habe eine Bekannte, mit der ich Probleme schon besprechen kann; aber ich will ja gerade raus aus dem ständigen Problematisieren.Geändert von annapaulemax (13.03.2010 um 09:12 Uhr) Grund: Klarnamen geändert
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12.03.2010, 18:24
AW: Superkrise
Nur kurz, weil ich weg muß:
Frag doch mal bei der VHS in Deiner Stadt, evtl. kannst Du da Kurse geben.
Du hast eine Yoga- und Pilates-Ausbildung, das könntest Du anbieten.
Das würde Dir Bestätigung geben und auch finanziell etwas bringen.
Und zu den Kontakten: es stimmt schon, dass in unserem Alter jeder seine Kontakte/Freunde bereits hat.
Aber wenn die Zugezogen, die Du kennst, am WE ihre Verwandten besuchen, dann schlage doch vor, sich in der Woche zu treffen. Gib noch nicht auf!
Ich würde z.B. gerne mal mit jemandem ins Kino gehen. Aber es würde mich abschrecken, wenn ich das Gefühl hätte, diejenige, die das vorschlägt, setzt nun ihre ganze Hoffnung auf Kontakte auf mich. Das wäre mir zu viel.
Alles Gute und viel Erfolg wünsche ich Dir!
Tabea57Gestaltet doch euer Leben, hofft weniger, macht was ihr wollt.
Aber macht!
ausgeborgt von Uli_F-2009
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12.03.2010, 18:26Inaktiver User
AW: Superkrise
Liebe Flieder,
bei dir brummt es ja ganz schön ...
Mir kam ein kurzer Gedanke als ich deinen Text las. Kann sein, dass ich völlig daneben liege
Du liest dich wie jemand der in die Stadt muss. Du liest dich wie jemand der leistungsfähig ist, aber in einer Umgebung sitzt, die eben Leistungsbringer garnicht braucht und sie wahrscheinlich anschaut wie aliens.
Und das obige, das stimmt so garnicht, vielleicht hilft genau das Gegenteil? Die Erwartungen und den Selbstwert hochdrehen. Du hast eh nichts zu verlieren. Du willst deine Sprachkenntnisse einbringen, du hast was gelernt. Du wirkst außerdem sehr selbstständig.
Solche Leute sind auf dem Arbeitsamt völlig fehl am Platz.
Wie eine Weiterbildung, wozu denn.
Vielleicht kannst du dich selbständig machen?
Entschuldige wenn ich vielleicht völlig an dir vorbeirede, du hast nur zwei Posts geschrieben, aber irgendwie sprichst du Unterforderung.
Geändert von annapaulemax (13.03.2010 um 09:13 Uhr) Grund: Klarnamen geändert
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12.03.2010, 18:30
AW: Superkrise
Hallo flieder,
ich kann Dich sehr gut verstehen. Heutzutage identifiziert man sich in erster Linie über seinen Beruf, dann über Freunde und meist erst dann über seine Familie.
Ich hatte solch eine Krise vor gut einem Jahr und das mit "erst" 42! Ich verlor meinen Job, Freundschaften zerbrachen oder veränderten sich in eine Richtung die ich nicht vermutet hatte. Ich hab auch übers AA alles versucht, sogar in meinen alten Beruf als Erzieherin wieder einzusteigen aus dem ich 15 Jahre raus war. Keine Chance. Ich hab mich überall beworben und hatte dann Glück bei dm. Dort hab ich 4 Monate gearbeitet und hatte ein tolles Team, ein sehr junges Team, wo sich keine freundschaftlichen Kontakte ergaben aber ich wurde als "Altere" respektiert und meine Arbeit anerkannt. Und dann kam für mich das Angebot mich in meiner Branche der Touristik selbständig zumachen und ich hab sie ergriffen.
Ich hab jetzt einen Job, eine Verantwortung. Aber meine Freundschaften werden weniger, mangels Zeit. Ich zerbrech mir darüber den Kopf wie man das alles unter einen Hut bringen soll und ich finde keine Lösung.
Dieses Gefühl ohne Arbeit zu sein, war für mich ganz schlimm...ja man fühlt sich nutzlos, irgendwie ausgeschlossen und man hat auf Grund der wirtschaftlichen Allgemeinlage das Gefühl den Anschluss zu verlieren. Ohne Perspektive zusein.
Du warst selbständig? Was hast Du gemacht? Du bist Yoga und Pilateslehrerin...lässt sich nicht daran anknüpfen...vielleicht auch erstmal hobbymässig und dann darauf aufbauend beruflich? Yoga für Kinder? Yoga für Senioren?
Vielleicht könntest Du auch da Kontakte knüpfen?
Oder such Dir eine Mailfreundin oder telefonier mit ihr, plant Treffen, macht zusammen Ausflüge.
Das macht selbstbewusster, freier.
Vielleicht sind es die falschen Ratschläge? Vielleicht aber auch nicht?!
Ich wünsch Dir Kraft und Mut! LG dreamfly
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12.03.2010, 19:43
AW: Superkrise
@ Flieder
wie sieht es denn erst mal mit einem 400€ Job aus? Wenn man erst mal wieder in Arbeit ist, ergeben sich oft andere Möglichkeiten.
Und wie wäre es, wenn du daneben noch mal ehrenamtlich arbeitest? Da lernst du Menschen kennen, und vielleicht ist der eine oder andere dabei, mit dem man auch privat mal was unternehmen kann????
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12.03.2010, 21:04Inaktiver User
AW: Superkrise
liebe te!

du hörst dich lebendig, offen und richtig tough an, und ich könnte mir vorstellen, dass wir beide ne menge spass hätten
und das post von farmelli trifft meines erachtens den nagel auf den kopf: nicht DU bist falsch, sondern du bist AN DER FALSCHEN STELLE!
ich bin nämlich auch über das dickgedruckte gestolpert: viele leute (die vermutlich auf deiner wellenlänge wären) flüchten.
und, liebe schlaflos (deren posts ich sehr schätze
),
du gehst oft -zurecht, wie ich meine- davon aus, dass man sich selbst ändern muss, um etwas insgesamt zu verändern.
dass ständiges beschweren über die anderen und ihr verhalten nicht produktiv ist.
da bin ich noch bei dir.
meiner meinung nach übersiehst du dabei aber schnell einen punkt, der unglaublich wichtig ist, um nicht zu verzweifeln in schwierigen situationen:
manchmal ist es besser, sich umzudrehen und zu gehen, weil man an der alten stelle niemals glücklich werden kann!
wenn man -wie die te- diverse anstrengungen unternommen hat, kontakte zu finden, einen job zu finden, gemeinschaft zu finden, und es tut sich NIENTE, liegt dem die tatsache zugrunde, dass man am falschen ort mit seinen ureigensten bedürfnissen ist.
und, liebe te, dein bauchgefühl schützt dich mit hilfe der angst, small talk machen zu müssen, vor deprimierenden erfahrungen: du wirst mit diesen menschen nicht warm werden können. es ist nicht eine wellenlänge!
denn mit verlaub: das ist doch quatsch, was die psychologin sagt!
man ist nie (!!!!) zu alt, neue freunde kennen zu lernen.
gemeinsame hobbies und leidenschaften verbinden.
aber die vhs in miesemucke hat andere teilnehmer als die in bonn
jobmäßig ist es schwierig mit ende 40. doch nicht unmöglich!
ich glaube, du brauchst einen mentoren! jemanden , der dir mut macht mit seinem mut und erfolg.
es gibt netzwerke wie z.b. http://www.koelner-forum.de/
viel glück!
Geändert von Inaktiver User (12.03.2010 um 21:07 Uhr)
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12.03.2010, 23:36Inaktiver User
AW: Superkrise
An euch alle da draussen,
erst einmal vielen Dank für eure engagierten Stellungnahmen!!
Ich gehe jetzt schon ein bisschen aufgerüsteter über so viel tolle Anteilnahme schlafen!
Morgen mehr,
FliederGeändert von annapaulemax (13.03.2010 um 09:13 Uhr) Grund: Klarnamen geändert
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13.03.2010, 09:06
AW: Superkrise
Liebe Flieder,
ich weiß nicht, ob dich die Honorarjobs an der VHS wirklich weiterbringen. Natürlich suchen die Yoga-Lehrer, aber die Bezahlung ist so mies, und wenn du davon leben müsstest, ginge das gar nicht.
Ich habe das jetzt nicht ganz verstanden: bist du auf das Geld angewiesen, oder ist es vielmehr die Arbeit, die dir eben fehlt (dein Mann sichert den Lebensunterhalt).
Ansonsten würde ich auch mal bei den Yogaschulen nachfragen, vielleicht gibt sich dort eine langfristige Möglichkeit der Mitarbeit.
Zu dem anderen Thema:
Mit 48 Jahren ist man/frau nicht zu alt. Ich wehre mich gegen solche Aussagen. Du hast Lebens- und Berufserfahrungen vorzuweisen, und wenn es nicht wieder im Angestelltenverhältnis klappen sollte, dann würde ich mir über eine andere Selbstständigkeit Gedanken machen.
Vom Arbeitsamt kannst du da nicht viel erwarten (die sind überfordert, überlastet und seltenst richtig informiert!). Ich würde mir mal Netzwerke in deiner Stadt suchen und mit anderen den Kontakt suchen.
Soviel zum Job.
Zum privaten sehe ich das auch anders:
Natürlich haben viele in dem Alter schon ihren festen Freundeskreis, wir sind alle nicht mehr so aufgeschlossen wie mit 20, es gab auch Enttäuschungen, und manche ziehen sich eben ziemlich zurück.
Ich würde aber trotzdem nicht den Mut verlieren, denn du kannst in jedem Alter und zu jeder Gelegenheit Menschen finden, die vielleicht mal zu Freunden werden. Ansonsten sind auch nette Bekanntschaften nicht schlecht. Ich denke da an meine Mutter: Die hatte bis knapp 55 Jahre nur ihre Familie und Kinder als Kontakte, mit Mitte 60 gabs die ersten Freundinnen im Leben überhaupt....
Überlege doch mal, ob es nicht in neues Hobby gibt, was dich interessieren könnte, denn an Zeit mangelt es ja momentan nicht (was man übrigens auch positiv sehen könnte, wenn man überlegt, wie viele Vollzeitarbeiter sich im Kreise drehen mit Burnout und all dem.....).
Es gibt immer zwei Seiten, und ich wollte dir das nur mal so mitgeben als Anstoß...
Alles Liebe !
BB
P.S.:
Pilates habe ich mal an der VHS gemacht, der Lehrer war schrecklich, bei dir hätte ich vielleicht mehr gelernt....
Geändert von annapaulemax (13.03.2010 um 09:14 Uhr) Grund: Klarnamen geändert


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