Reden hilft leider nicht immer, Marlien. Meine Mutter und ihre Geschwister haben mit Engelszungen auf ihr Mutter eingeredet: Sie braucht eigentlich dringend ein Bett mit verstellbarem Rost und einen Hausnotruf. Das Bett ging erst, nachdem sie mit Wasser in der Lunge im KH lag und gemerkt hat, dass so ein Bett hilft und ihr versprochen wurde, dass der Rost nach ihrem Tod weiter genutzt wird! Dem Notruf hat sie zugestimmt, nachdem sie zweimal (!) leicht ohnmächtig wurde - beidesmal gings gottseidank glimpflich aus... Vorher war an sowas nicht zu denken - sie war der Meinung das sei ja überflüssig bei "so ner alten Schachtel" (Zitat meiner Oma).
Meine Oma hat früher immer hart gearbeitet - dass das nicht mehr geht, konnte ihr nicht erklärt werden, das musste sie leider immer erst selbst spüren... Mit Atmenot, Herzrasen und ähnlichem![]()
Was meiner Oma hilft, sich nicht völlig überflüssig zu fühlen: Sie strickt gern und viel - und ihre Sachen kommen in der Familie gut an, jeder freut sich darüber. Damit hat sie trotz allem noch eine sinnvolle Aufgabe.
Lorelei, ich drück deiner Freundin die Daumen, dass sie ihrer Mutter gegenüber klar machen kann, dass sie im Normalfall nur einmal pro Woche (Sa?) kommen kann - dann am besten mit den Töchtern (denn schließlich freut sich die Oma dann...) und sonst nur im Notfall... So wie du es momentan beschreibst, wird deine Freundin das nicht lange durchhalten. Vielleicht findet sich ja auch eine andere Aufgabe für die Mutter? Damit sie sich nicht so alt und überflüssig fühlt?
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03.03.2010, 09:23
AW: Unvernünftige Eltern/ ältere Verwandte - wie handhabt ihr das ?
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03.03.2010, 10:03Inaktiver User
AW: Unvernünftige Eltern/ ältere Verwandte - wie handhabt ihr das ?
Du Arme !

Genau das ist es eben: Wenn dann was passiert, ist es wenig tröstlich, zu sagen, "die alte Dame wollte halt selbstbestimmt leben" oder "es war richtig, daß ich Grenzen gesetzt habe" .... Das ist in der Theorie ganz fein, aber de facto würde man dann ewig ein schlechtes Gewissen haben.
Meine Freundin sowieso - die ändert sich in ihrem Alter auch nicht mehr.
Mannomann - bin ích froh, daß meine Eltern vernünftig sind.
Und das meine Mutter ihre medizinischen Befunde mit mir bespricht - und dann macht, was ich sage.
Obwohl sie ansonsten auch Haare auf den Zähnen hat ....
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03.03.2010, 11:04Inaktiver User
AW: Unvernünftige Eltern/ ältere Verwandte - wie handhabt ihr das ?
Ein respektvoller Umgang (wie es hier einige genannt haben) schließt nicht aus, dass man generell und gerade im Notfall schnell und sehr konkret handelt und nicht nur redet. Konkretes Handeln ist in diesem Ansatz explizit eingeschlossen.
Hier wurden Situationen geschildert, wie alte Menschen Hilfe nötig haben, aber die Familie das nur unter viel Kraftanstrengung hinbekommt. Hierzu habe ich meine Erfahrungen geschildert und ich denke, dass sehr wohl klar geworden ist, dass es um konkrete, aktive Hilfe geht, aber aus einem anderen Blickwinkel heraus. Wer will, konnte das nachvollziehen.
Wer nicht will, darf gerne interpretieren, was er möchte. *schulterzuck*
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03.03.2010, 11:16Inaktiver User
AW: Unvernünftige Eltern/ ältere Verwandte - wie handhabt ihr das ?
Täusche dich da mal nur nicht. Meistens ist das ein schleichender Prozess.
Es wird immer mehr und mehr Hilfe benötigt.
Das merkt man am Anfang gar nicht so richtig.
Auf einmal geht einem dann auf, dass man eigentlich überhaupt kein Privatleben mehr hat und die gebrechliche/kranke Mutter das Lebenshauptthema ist.
So ist es mir jedenfalls gegangen.
Ich war dann ca. 5 Jahre quasi Tag und Nacht abrufbar - und zwar von Montag bis Sonntag.
Zu der Zeit schrumpften meine Sozialkontakte auf ein Minimum.
Will ja auch nicht jeder dauernd vom Mutterthema zugeschwafelt werden...
Wie gesagt, das ist ein schleichender Prozess.
Heute wäre ich auch schlauer und hätte wesentlich schneller alle professionellen Hilfen, die man erhalten kann, in Einsatz gebracht.
Und jemandem, der mir heute erzählt, dass man seine Angehörigen niiiieeeeemals in ein Heim "abschieben" darf, ruft bei mir nur noch müdes Achselzucken hervor.
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03.03.2010, 15:20Inaktiver User
AW: Unvernünftige Eltern/ ältere Verwandte - wie handhabt ihr das ?
Wisst ihr ich habe auch solche Ängste um meine Mutter. Die ist noch quitschfidel, aber ich frage mich auch manchmal, was ich tuen würde.
Da gibt es solche Erfahrungen wie sie zu sehen, wenn sie auch nur eine Kopfschmerztablette schlucken muss.
Ein solch verzerrtes Gesicht, kann man sich kaum vorstellen. Sie legt sich lieber hin. Der Arzt, herjemine, die macht lieber freiwillig ihren Sport, nämlich Unkrautrupfen im Garten. Sie hasst einfach jede Zusammenkunft mit Ärzneimitteln oder Ärzten, schon als sie alle ihrer Kinder bekommen hat ist sie frühstmöglich aus dem Krankenhaus geflüchtet, nach Hause ins wohlige Bett.
Ich denke zumindest in meinem Fall, dass sie ein Krankenhausaufenthalt, als Beendigung ihres Lebens das Herz brechen würde, da hat sie lieber ihren Hund um sie rum und naja, hoffentlich gehts schnell (bei Opi reichte der Mittagsschlaf). Ich wüsste nicht was ich tuen würde. Als letzte Handlung ihren Willen brechen, würde ihrem Leben einfach nicht gerecht werden.
Und manchmal denke ich auch, dass Menschen (ohne Demenz ) auch merken, wenn es zu Ende geht und auch ob es schnell geht. Warum das weiter hinauszögern? Manche wollen doch garnicht als 50%-70% weiterleben...
Wo würdet ihr den lieber sterben?
Ok, ich könnte diese Frage nicht beantworten, aber mir wäre es wichtig, dass vertrautes um mich herum ist, sei es Mensch oder Wohnung.
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04.03.2010, 00:18Inaktiver User
AW: Unvernünftige Eltern/ ältere Verwandte - wie handhabt ihr das ?
:ächz:
Darum geht es nicht. Jeder fällt am liebsten mit 90 zu Hause um und ist tot.
Nur so läuft es halt meistens nicht.
Du liest etwas selektiv. Meine Aussage sollte eigentlich klar machen, dass die wenigsten Angehörigen in's Pflegeheim abgeschoben werden.
Die meisten kommen dann in's Pflegeheim, wenn der privat Pflegende selber schon fast im Grab ist.
Obwohl ich noch gar nicht so alt bin, habe ich diesbezüglich jede Menge Lebenserfahrung und zwar auch im Vergleich zu Leuten, die im Gesundheitswesen arbeiten.
Denn, es ist ein riesen Unterschied, ob man was aus distanziert, professioneller Warte oder aus menschlich betroffener Warte betrachtet und dann natürlich auch durchlebt.
Ich werde den Teufel tun, hier in's Detail zu gehen, was meine Mutter und ich da mitmachten mussten.
Aber um's Schmerzen ertragen, wenn Mutter eine Tablette schlucken musste, ging's definitiv nicht.
Und ja auch hier war es "komischerweise" die Tochter, nicht die Söhne, die sich kümmerten.
Eigener Sohnemann der Tochter war praktisch noch in den Windeln -what shall's?
Die Sohnemänner der vorigen Generation (also der gleichen als die Tochter) lebten nicht vor Ort und waren vollzeitbeschäftigt - da geht natürlich nix.
Die Tochter arbeitete ja eh nur Teilzeit und war auch noch vor Ort, was will Tochter mehr?
Schon ein bisschen ein Phänomen.
Obwohl es auch Ausnahmen gibt. Die Mutter meines Mannes, fragt immer zuerst bei ihm an und dann bei ihren Töchtern.
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04.03.2010, 08:30
AW: Unvernünftige Eltern/ ältere Verwandte - wie handhabt ihr das ?
Mein Bruder arbeitet nicht (mehr), hat eine gut verdienende Oberstudiendirektorin zur Frau. Ich arbeite "voll". In wessen Nähe zieht meine Mutter? "Natürlich" in meine, denn von Töchtern ist wohl einfach mehr Hilfe zu erwarten und ein schlechteres Gewissen, wenn sie ausbleibt. Ich glaube, sie lassen sich einfach leichter unter emotionalen Druck setzen.
Mein Bruder sagt "Nein", und meine Mutter – ebenso "unvernünftig" und "beratungsresistent" wie einige andere hier – findet 1000 Entschuldigungen, warum er sich nicht um sie kümmern kann. Und über meinem Kopf hängt dauernd eine Riesen-Erwartungswolke. Ich kriege jeden Pups mit und kann manchmal nur mit dem Kopf schütteln, was ihr so alles einfällt. Es ist schwer, es dabei zu belassen. Aber versuche ich, ihr Zusammenhänge klarzumachen (zum Beispiel den zwischen Sahnetortenverzehr und Blutzuckerwerten), bricht sie entweder in Tränen aus oder beschimpft mich als Besserwisserin. Tja dann ... soll sie sich halt mit ihren diversen Ärzten rumstreiten.
Die Versorgung durch Fremdpersonen sichern und sich abgrenzen – es geht bei mir einigermaßen, aber ich spüre mindestens einmal die Woche Erklärungsnotstand und habe ein permanent schlechtes Gewissen.
Es ist ein verdammt schmaler Grat zwischen Besorgnis, Bevormundung, Selbstschutz und dem Ertragen einer Menge Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten. Mir fehlt die Gelassenheit, sie zu "lassen".
Ohne meinen Mann, der das Ganze glücklicherweise distanziert sieht und meine seelischen Wogen immer wieder glättet, hätte ich mich sicher schon vergiftet.Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt – und nicht, was wir ersehnt haben. Arthur Schnitzler
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04.03.2010, 09:43Inaktiver User
AW: Unvernünftige Eltern/ ältere Verwandte - wie handhabt ihr das ?
mhmm Steinbirne,
ich glaub wir reden aneinander vorbei. Davon steht bei mir garnichts.
lediglich, dass ich den Strang interessant finde, weil ich in den nächsten 5 Jahren wahrscheinlich vor die gleiche Frage gestellt werde. Abgrenzung oder drauf eingehen.
War ein Beispiel für ihre Abneigung gegen alles was mit Tabletten und Krankheit zu tuen hat. Nix weiter. Ich leide da keine Schmerzen ich frag mich nur, was man mit ihr macht, was ihrem Willen entspräche und wie man um eine nörgelnde, "Mami ich habe deine Tablette in deiner Frikadelle versteckt"drumherum kommt.Aber um's Schmerzen ertragen, wenn Mutter eine Tablette schlucken musste, ging's definitiv nicht.
Jep, kann ich dir zustimmen. Kannte mal ein Sohn, der hat als erstes die Hälfte des hausrats seiner Mutter weggeschmissen, braucht sie ja nicht mehr, sie wurde nur nicht gefragt, was sie gerne behalten würde. naja, das soll kein Anlass zur Verallgemeinerung sein.Und ja auch hier war es "komischerweise" die Tochter, nicht die Söhne, die sich kümmerten.
Ich glaube Männer können sich da leichter distanzieren.
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04.03.2010, 13:41Inaktiver User
AW: Unvernünftige Eltern/ ältere Verwandte - wie handhabt ihr das ?
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04.03.2010, 13:49Inaktiver User
AW: Unvernünftige Eltern/ ältere Verwandte - wie handhabt ihr das ?
Ach so.

Ich finde, es geht nicht um entweder Abgrenzung oder drauf eingehen.
Eher um zunächst drauf eingehen, aber wenn etwas unvernünftig oder für einen selbst nicht machbar ist, muss man sich halt abgrenzen und Konsequenzen ziehen.
Die Konsequenzen könnten dann Hauswirtschaftliche Versorgung, Essen auf Rädern, Betreutes Wohnen oder im schlimmsten Fall Pflegeheim sein - nur als Beispiel.


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