Kritik ist für mich nicht kränkend. Wovon ich schrieb, ist bzw. war keine Kritik, sondern mal so schnell dahingeworfene Bemerkungen, bei denen ich spüre, der andere gibt sich weder Mühe, mir zu sagen, was ihn stört oder verletzt, noch gibt er sich Mühe, meine Sicht oder mein Verhalten zu verstehen, ist meist nicht einmal daran interessiert. Ich kann darin beim besten Willen keine gut gemeinte Kritik erkennen, für mich ist es Sticheln und Schießen.
Meine Mutter hat solche Bemerkungen mit Vorliebe in Emails von sich gegeben, wo kein wirkliches Gespräch möglich war. Mein Ex hat sie immer im Vorbeigehen oder Weggehen rausgehauen. Also z.B.: wenn ich ihn nach einem Kurs-Wochenende fragte, wie es war: "Das interessiert dich doch sowieso nicht" und dabei den Raum verlassen. Ich hatte keine Chance etwas zu erwidern und richtigzustellen. Oder - wenn mir das Brot verschimmelt ist und ich es wegwerfen musste: "Jetzt weiß ich, woher deine Kinder das haben!" Also einfach nur verletzend und nicht wahr. Ich jedoch mache mir ewig Gedanken darüber, ob das nicht stimmt, ob ich in der Erziehung etwas versäumt habe und wieso mir nun dieses blöde Brot verschimmelt ist, ob ich mal wieder falsch geplant und eingekauft habe! Gerade, wenn es um meine Söhne geht, bin ich besonders empfindlich, das konnte bisher jede Frau, der ich das geschildert habe, gut nachvollziehen. Mich belastet es aber! Ich möchte, dass mir sowas nicht mehr weh tut und dass ich entsprechend darauf reagieren kann.
Weil ich trotz allem immer noch gründlich darüber nachdenke und mich überprüfe, und zwar für meine Begriffe viel zu lange - und genau das ist mein Problem.Warum gehst Du davon aus, dass nur Deine Wahrnehmung berechtigt ist?
Richtig, das habe ich ja erkannt, das ich das erreichen möchte. Das ist die Gelassenheit, dieses Selbstwertgefühl,das ich meinte. Aber meine Frage ist: Ich komme ich dahin? Was kann ich dafür tun?Du siehst es so, und das ist in Ordnung, aber ich empfinde es anders.
Antworten
Ergebnis 11 bis 20 von 62
Thema: Bewertungen durch andere
-
17.02.2010, 22:00
AW: Bewertungen durch andere
Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Antoine de Saint-Exupéry
-
17.02.2010, 22:15
AW: Bewertungen durch andere
Das verstehe ich jetzt nicht. Wie meinst du das?

Ich habe bei ihm keine Verletzlichkeit festgestellt, oder besser gesagt, nicht in den Situationen, um die es mir geht. Da habe ich ihn einfach nur als belehrend und verletzend empfunden.
Ja, natürlich könnte ich sein Verhalten so interpretieren, dass ich ihn verletzt habe oder mit meinem Verhalten, wie bei dem Beispiel mit dem verschimmelten Brot, unbeabsichtigt irgendeine Empfindlichkeit bei ihm berührt habe. Wenn er sich mir wirklich geöffnet und mir seine Gefühle und Verletzungen geschildert hat, habe ich ihn niemals abgewertet. Aber muss ich, wenn der andere unverhältnismäßig scharf zurückschießt, dann anfangen zu mutmaßen und sein Verhalten interpretieren? Das kann stimmen oder auch nicht. Das ist müsig. Mir gehts um mich und wie ich meine Empfindlichkeiten abbauen kann. So wie Seewespe sagt: ERkennen, was nicht stimmt und nicht annehmen.Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Antoine de Saint-Exupéry
-
17.02.2010, 22:16Inaktiver User
-
17.02.2010, 22:27
AW: Bewertungen durch andere
Ja, das kann schon sein in der Begegnung neulich. Aber dann soll er es mir sagen, anstatt mich im Gegenzug um ein Vielfaches zu verletzen.
Doch wie kann ich ihn verletzen, wenn ich versehentlich ein Brot verschimmeln lasse? Und wieso muss er dann so harsche unberechtigte Kritik an mir üben?
Ok, das ist sein Ding. Meins ist nach wie vor: Mich nicht mehr darüber zu ärgern, sondern es als ungerechtfertigt zu erkennen und abzuhaken. Denn ich habe meine Kinder ganz bestimmt nicht dazu erzogen, leichtfertig mit Lebensmitteln umzugehen.Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Antoine de Saint-Exupéry
-
17.02.2010, 22:31Inaktiver User
AW: Bewertungen durch andere
Wäre angemessener. Aber so handeln wir halt alle miteinander nicht.
Vielleicht weil er da Gelegenheit hatte, Punkte zu sammeln - was auf ein schwaches Selbstwertgefühl hindeutet - und wer hat schon ein unerschütterliches??Doch wie kann ich ihn verletzen, wenn ich versehentlich ein Brot verschimmeln lasse? Und wieso muss er dann so harsche unberechtigte Kritik an mir üben?
Das Muster ist doch klar: wenn ich mich immer latent unterlegen fühle und an mir zweifle bin ich einfach froh wenn ich auch mal derjenige bin, der was besser kann oder weiß oder macht.
-
17.02.2010, 22:43
AW: Bewertungen durch andere
Das klingt plausibel, aber ist letzten Endes auch nur Spekulation oder Interpretation des Verhaltens eines anderen Menschen. Da ist man allzu schnell dabei, von sich auf andere zu schließen. Das kann stimmen, muss aber nicht (mein Ex hat sich in unserer Beziehung nicht latent unterlegen gefühlt, das kann ich mir echt nicht vorstellen).
Ich habe gemerkt: Es bringt mich in meinem Problem, das ich hier anspreche, nicht weiter. Mir gehts jetzt hier gerade um meine eigene Befindlichkeit und was ich für mich selbst tun kann, um, wie Friedmann sich ausgedrückt hat, die Verantwortlichkeit für die Bewertung meiner Person ausschließlich selbst zu übernehmen.Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Antoine de Saint-Exupéry
-
17.02.2010, 22:49Inaktiver User
AW: Bewertungen durch andere
Schade, wenn dir das nichts bringt.
Natürlich können wir nur spekulieren, aber grad was das Brotbeispiel angeht finde ich das schon eine Bemerkung, die kleinmachen soll, das hat für mich auch was abwertendes, vor allem wenn du schreibst, das entspricht dir gar nicht, so mit Essen umzugehen.
Da steckt also schon irgendwie auch Aggression drin von seiten des Freundes.
Und dass dich das trifft ist doch nur ein Warnsignal: da ist irgendwas in der Beziehung nicht im Gleichgewicht.
-
17.02.2010, 23:08Inaktiver User
-
17.02.2010, 23:10Inaktiver User
AW: Bewertungen durch andere
Ich denke, ein guter Ansatzpunkt könnte die Aussöhnung mit Dir selbst sein, und zwar hier insbesondere mit Augenmerk auf die Anteile an/in Dir, die Du gar nicht sehen möchtest und ablehnst. Das sind häufig genau jene Anteile, die wir an anderen scharf kritisieren, und in ihnen bekämpfen. Sinnvoll könnte hier auch sein, Dich noch einmal den Verletzungen aus Deiner Kindheit zuzuwenden, das anzuerkennen, was Dir damals passierte, und anzuschauen, wie es sich anfühlte.Aber meine Frage ist: Ich komme ich dahin? Was kann ich dafür tun?
Deine Strategie jetzt scheint mir eher eine des "NICHTFÜHLENS" zu sein. Du willst diese Empfindungen, die Du schilderst, nicht mehr, es soll nicht mehr weh tun. Dabei zeigt Dir der Schmerz doch eigentlich nur auf, wo etwas für Dich nicht stimmig ist, und fordert Dich auf, hinzuschauen, und etwas zu verändern.
Möglicherweise hilft es Dir, wenn Du Dir klar machst, dass wir in anderen häufig das bekämpfen, was wir an uns selbst nicht mögen. Dein Freund beispielsweise könnte - mal ins Unreine gedacht - im Grunde seine eigene Unaufmerksamkeit und Nachlässigkeit bekämpfen und abwehren, indem er Dir Vorwürfe macht. Diese unbewusste Strategie sorgt IN IHM für Entlastung. Umgekehrt wird ein Schuh draus, häufig passen solche Abwehrstrategien zueinander wie ein Schlüssel zum Schloss. Und so beginnt eine Spirale der gegenseitigen Verletzungen, die nur unterbrochen werden kann, indem jeder Verantwortung für sich selbst übernimmt.
Beispielsweise, indem er sich mit den Anteilen an sich, die er versucht zu bekämpfen, aussöhnt, indem er neue Blickwinkel entwickelt, sich selbst anders bewertet, und damit auch an sich ganz andere Seiten wahrnimmt.
Beispielsweise indem er aufhört, Kindheitsdramen zu reinszenieren.
Beispielsweise, indem er eigene Empfindungen ernst nimmt, und sie anerkennt, ohne daraus für andere eine Verpflichtung abzuleiten. Ich kann sagen, dass mich etwas verletzt, ohne deshalb zu erwarten, dass der andere sein Verhalten ändern müsste. Ich kann nur selbst für Veränderung sorgen, beispielsweise indem ich eine Grenze aufzeige, eine Situation verlasse, eine Beziehung beende oder anders gestalte.
Der Schlüssel ist das, was jeder Mensch selbst verändern kann - der Fokus geht weg von dem, was andere sagen oder tun, und hin zum eigenen Verantwortungs- und Einflussbereich.
Das kann ganz praktisch so aussehen, dass Du beispielsweise im Brot-Kontext sagst: Ja, das Brot ist schimmelig geworden. Ich habe mich verkalkuliert, und nun ärgere ich mich über mich selbst. (Anerkenntnis eigener Gefühle)
Deine Worte, mit denen Du mir diese Sache ankreidest, und der Zusammenhang mit meinen Kindern, den Du herstellst, verletzen mich (Anerkenntnis eigener Gefühle), und ich finde nicht, dass die Schlüsse, die Du ziehst, zulässig sind (eigene Bewertung der Situation, ohne dem anderen abzusprechen, dass er die Dinge nicht dennoch so sehen kann, wie er das tut. Setzen einer Grenze).
-
17.02.2010, 23:15
AW: Bewertungen durch andere
Ja das stimmt, deshalb ist die Beziehung ja auch gescheitert. Ich sehe es so, dass da in jedem Einzelnen von uns beiden etwas nicht im Gleichgewicht war. Ich weiß von seinen Exfrauen, dass er nicht nur mit mir so aggressiv und belehrend war. Aber um sein Ungleichgewicht kann und will ich mich nicht mehr kümmern. Mir geht es um meins.
Was genau möchtest du mir sagen, einewiekeine? Denkst du, dass mir das Bewusstsein um das Ungleichgewicht des anderen hilft, mit solchen Bemerkungen gelassener umgehen zu können?
Also so ungefähr: Er ärgert sich, dass er schon wieder erkältet ist, also fühlt er sich durch meine spaßige Bemerkung angepisst und reagiert deshalb so über? Er weiß genau, wie sehr ich an mir gearbeitet habe, um zu lernen, die Verantwortung für mein Glück selbst in die Hand zu nehmen und nicht anderen "immer" die Schuld für "alles" zu geben. Wir haben in guten Zeiten oft darüber gesprochen.
Mit meiner Mutter war es ja genauso bis vor 1 Jahr. Inzwischen ist sie nicht mehr verletzend mir gegenüber. Aber es könnte mich wahrscheinlich genauso wieder treffen, wenn sie mich wieder, wie früher egoistisch und streitsüchtig nennen würde, weil ich mich aus ihrer Sicht zu wenig um sie kümmere. Es könnte mir auch mit anderen nahestehenden Menschen so gehen. Wieso ärgere ich mich so lange, wo andere Menschen einfach abwinken können in dem Bewusstsein, ihr Bestes gegeben zu haben und sich keine Vorwürfe machen lassen zu müssen?Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Antoine de Saint-Exupéry



Zitieren
