Hmmm... Schwere Frage...
Für mich bedeutet "sich einlassen", dass ich dem anderen mein Inneres zeige, so wie es gerade ist. Konkret: Wenn ich nur mit Bekannten unterwegs bin und nicht so gut drauf, überspiele ich das gern - auch sonst kennen Bekannte meine Gefühle nicht immer. Wenn ich mich auf jemanden einlasse, darf er mich so sehen wie ich wirklich bin: Mit meinen Macken, meinen Fehlern, meinen Ängsten. Und: Wenn ich dann das Gefühl habe ihm sagen zu wollen, dass ich ihn lieb habe - dann tu ich es... Ohne abzuwarten, was zuerst von ihm kommt. Das ist für mich "ins kalte Wasser springen". Gefühlstechnisch vorzulegen - ohne zu wissen, was zurück kommt. Mich zu öffnen, auch auf die Gefahr hin, verletzt zu werden.
Das bedeutet nicht, dass ich meinen gesunden Menschenverstand ausschalte. Wenn ich ein seltsames Gefühl habe, kommt das nicht in Frage - dann kommt aber überhaupt keine Beziehung in Frage. Wenn ich ein gutes Gefühl mit jemandem habe, öffne ich mich...
Was für mich jetzt zB gar nicht geht: In der Kennenlernphase einen Schlüssel für die Wohnung rausgeben. Das ist mein Rückzugsplatz, der gehört nur mir - und da will ich nicht, dass jemand dauerhaft Zugang hat. Klar, wenn es an einem Tag geschickter ist, bekommt er einen Schlüssel (zB um dort auf mich zu warten), den hätte ich dann aber gern wieder.
Mein Mann hatte auch nie einen Schlüssel für meine Wohnung (und umgekehrt)...
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Ergebnis 11 bis 20 von 21
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17.02.2010, 08:35
AW: "sich einlassen" - was heißt das konkret
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17.02.2010, 10:06
AW: "sich einlassen" - was heißt das konkret
Für mich bedeutet "sich einlassen", dass man der Beziehung nicht nur Zeit (z.B. für schöne Treffen), sondern auch wirklich Raum in seinem Leben und in seinem Bewusstsein gibt, dass man sie bewusst in sein Leben integriert, ihr Aufmerksamkeit und Kraft widmet, sich Gedanken um sie und den Partner macht und sich selbst auch mal zurücknehmen kann. Dass man ggf. sein Leben danach ausrichtet und bereit ist zu verändern, wenn nötig auch andere Dinge für die Beziehung zurückstellt. Menschen, die eine Beziehung eingehen, aber ihr Leben so weiter leben wollen wie bisher, wollen sich m.E. nicht wirklich auf die Beziehung und den neuen Partner einlassen. Für mich bedeutet es, auf die Bedürfnisse der Beziehung bzw. des anderen einzugehen und sie zu berücksichtigen.
Vor allem auch, dem anderen das Gefühl zu geben: Ich bin für dich da, wenn du mich brauchst. Wobei es für mich da weniger auf die Gefühle, Wünsche und Worte ankommt, sondern auf die Taten! Viele gehen eine Beziehung ein mit angezogener Handbremse: Mal sehen, was jetzt kommt, wie das wird. Hoffentlich wird mir nichts weggenommen. Das kann nicht funktionieren. Aus zwei Einzelkämpfern kann sich so kein WIR entwickeln. Für mich bedeutet das auch, dass Liebe für eine Beziehung oder gar Partnerschaft allein nicht reicht.
Für mich war in meiner letzten Beziehung ein Erlebnis sehr bemerkenswert: Ich hatte all die Jahre immer das Gefühl, meinem Freund ist alles andere wichtig, und ich komme immer hinten an, wenn denn mal eine Lücke war, hat er mich angerufen und gefragt, ob ich Lust habe, mit ihm Zeit zu verbringen. ES wurde aber kaum geplant, auch Ostern und Weihnachten wusste ich bis zuletzt nicht, ob wir die Tage gemeinsam verbringen, ich hatte nichts, worauf ich mich freuen konnte. Zuletzt sagte er: Ihm sei bei einem Spaziergang klar geworden, dass er nie wirklich JA gesagt habe zu unserer Beziehung. Wieder zu Hause habe er in seinen Kalener geschaut - voller Termine, Verabredungen mit allen möglichen "wichtigen" Menschen, aber nirgendwo stand da "Marla" oder "Beziehung".
Also ingesamt bedeutet es für mich nicht nur "Ich liebe dich" und "Ich zeige / öffne mich dir", sondern ein Umdenken vom ICH zum WIR - ein Stück weit nicht mehr nur für sich selbst , sondern auch für die Beziehung und für den anderen leben und das Zusammenleben gemeinsam zu gestalten.Geändert von marla63 (17.02.2010 um 10:19 Uhr)
Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Antoine de Saint-Exupéry
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17.02.2010, 10:49
AW: "sich einlassen" - was heißt das konkret
okaaaay ...
jetzt wirds interessant und für mich greifbar.
bin für alle beiträge sehr dankbar! wer noch mag - nur zu
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17.02.2010, 11:35
AW: "sich einlassen" - was heißt das konkret
Sich einlassen ist für mich verbunden mit "Investitionen" jeglicher Art in eine Partnerschaft. Das bedeutet Kompromisse, Verbindlichkeiten, (freiwillig gewählte) Abhängigkeiten. Die "Größe" der Investition hängt natürlich vom zeitlichen Zustand der Beziehung ab. Am Anfang sehe ich eher Investitionen in Gefühl uhd Zeit, später in der Abstimmung eines gemeinsamen Lebensmodells, dann kommen solche Dinge wie Heirat, gemeinsames Eigentum, Kinder.
Letztlich bedeutet sich einlassen die Akzeptanz der eigenen Verletzlichkeit. Man schafft Bedingungen, die das Potential von Verletzungen und Schmerz in sich tragen. Dieses Aushalten als Preis für Nähe, Verbundenheit und Perspektive ist die Basis der Partnerschaft.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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17.02.2010, 12:20
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17.02.2010, 15:09
AW: "sich einlassen" - was heißt das konkret
@ kurvenräuberin
So ein Quatsch. Du bist kein Dummkopf. Sich einlassen bedeutet NICHT schlechte Erfahrungen, die man gemacht hat, einfach auszublenden. Das wär dumm.
Aber man kann dem anderen nicht seine "Altlasten" aufbürden. Will heißen, jeder Mensch sollte erst mal die Chance bekommen auch Fehler machen zu dürfen.
Wenn man dann drüber reden kann, und man merkt, das beide aufeinander zugehen, lässt man sich schon ein bisschen ein.
Und auch wenn man merkt, das man in einigen Dingen nicht einer Meinung ist, es aber akzeptabel ist und man eben nicht ständig daran rumnörgelt, lässt man sich auf den Menschen ein.
Wenn man nach der ersten Kennenlernphase merkt, man will den Menschen mit all seinen Stärke UND Fehlern, hat man sich eingelassen.
Und noch eine Frage, müssen ja nicht alle Dramaqueens sein aber " was sind denn bitte kontrollierte Gefühlsäußerungen ? Also wie muss ich mir das vorstellen?
PS Und Kritik ist ja nicht immer was Schlechtes :-)
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17.02.2010, 15:55
AW: "sich einlassen" - was heißt das konkret
hallo kurvenräuberin,
ich habe auch im anderen strang deine beiträge gelesen; ich glaube, dass es mir früher -und auch heute noch, aber weniger
- ganz genauso gegangen ist bzw. noch geht.
Es geht beim "sich einlassen" weniger um verhaltensweisen (wie deine liste im 1.post) sondern um Gefühle (ach, diese Kopfmenschen wie unsereins...
)
Ich habs selbst nie gemerkt, bekam es aber als feedback von männern, ich wäre nicht erreichbar, würde mich nicht einlassen, kein zeichen von offenheit etc.
Ich merke erst jetzt, wo es langsam besser wird, was die damit gemeint haben.
Als erstes muß mans ich selbst spüren, spüren wie es mir geht. erst dann kann ich mich auf einen anderen menschen, seine gefühle einlassen. dann entsteht ein "wir" etwas gemeinsames. (wie z.b. Liebe
)
Die Frage ist: spürst du dich? weißt du, wie es dir geht? ohne dich selbst zu beschummeln und dinge/situationen "schönzureden" (macht man oft zum Trost, wenn es einem nicht gut geht...).
Wann spürst du dich besser?
Bei mir ist/war das: wenn ich alleine bin, wenn ich sport und insbesondere Yoga/Atem- und Wahrnehmungsübungen mache.
Sich einlassen ist für mich eng verbunden mit "mich spüren"
alles Gute!
Sumpfhuhn
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18.02.2010, 01:35Inaktiver User
AW: "sich einlassen" - was heißt das konkret
Einlassen ist für mich:
- selbst nichts vorspielen, sondern so authentisch und offen wie möglich auftreten, inkl. Warzen und Buckel. Ich zöge beispielsweise zu einem ersten Date nicht die Klamotten an, die mich am besten kleiden oder von denen ich meine, dass sie mich darin wohl am liebsten sähe.
Sondern die, in denen ich mich am wohlsten, am meisten "ich" fühle (allerdings dem äußeren Rahmen angepasst, in Schlabberjeans und Uralt-T-shirt würde ich mich in einer gediegenen Cocktail-Bar nicht wohl fühlen).
- Vorurteile und Vorerfahrungen (die jeder Mensch hat und die bei richtiger Handhabung m.E. auch kein Problem darstellen) mal in die Ecke oder in Frage stellen
- den Kriterienkatalog, den ebenfalls jede/r in irgendeiner Form hat, mal zusammengefaltet in der Tasche lassen. Die wichtigen Kriterien "kennt man doch sowieso auswendig".
- wahrnehmen, wie das Gegenüber ist, zuhören, ansehen, riechen, ohne unmittelbar zu schubladisieren und zu bewerten. Das mache ich dann später irgendwann, ggf. mit tatkräftiger Unterstützung.
- die Dinge erzählen und fragen, die mir am Herzen liegen und die mir erzählens- bzw. wissenswert erscheinen.
- alles glauben, was mir erzählt wird, wie unglaublich es auch klingen mag (und interessiert nachfragen). Es sei denn, ich weiss, dass ich gerade angelogen werde. Da frage ich dann schon mal nach, warum sie mich anlügt
- Dinge ausprobieren, die ich nicht kenne und einfach zu nachzuspüren "Wie ist das mit dieser Person, wie fühlt sich das an?", ... also, wenn es sich um DInge handelt, die mir nicht definitiv zuwider sind.
Im Grunde ist "sich einlassen" das Verhalten, dass man (m.E. klugerweise) immer an den Tag legt, wenn man sich in einen neuen sozialen Zusammenhang begibt, sei es beispielweise ein neuer Job, eine Party, wo man niemanden kennt, eine unbekannte Stadt oder ein unbekanntes Land.
Mit der Preisgabe eines Haustürschlüssels oder dem der buckligen Verwandschaft vorstellen hat Einlassen für mich erst mal nicht so viel zu tun.
Cheers, NM
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18.02.2010, 08:38
AW: "sich einlassen" - was heißt das konkret
Das provoziert jetzt spontan meinen Einspruch!


Für mich ist es schon ein stückweit ein Sicheinlassen, wenn mir ein Mann seinen Wohnungsschlüssel gibt und mich seiner Familie vorstellt. Und natürlich umgekehrt auch. Das mache ich nämlich nicht mit jedem, schon gar nicht mit jemandem, von dem ich erwarte, dass er nach kurzer Zeit aus meinem Leben wieder verschwinden könnte.
Was du beschreibst, kann ich mir dagegen mit jeder netten Zufallsbekanntschaft in einem Restaurant vorstellen. Erst kürzlich habe ich an unserem Tisch ein sehr nettes und interessantes Ehepaar kennengelernt, mit dem ich wunderbare Gespräche hatte, mit sehr viel Sichöffnen, Gefühle zeigen und Interesse am Gegenüber. Das ist ein unverbindliches Sicheinlassen für ein paar Stunden, danach kann man wieder auseinandergehen.
Wenn es um Beziehung bzw. Partnerschaft geht, geht das Sicheinlassen dann doch sehr viel weiter und ist mit sehr viel schwerer wiegenden Konsequenzen verbunden. Bis hin zu der Frage, ob man bereit ist, einen eventuellen Verlustschmerz auszuhalten. Ob man bereit ist, für diesen Menschen im Notfall zu sorgen, ihn zu pflegen. Ob man bereit ist, für ihn im Notfall seine eigene Freiheit, seine eigenen Lebenspläne zurückzustellen. Das ist Sicheinlassen für mich, und das sollte man sich überlegen, bevor man überhaupt auf Partnersuche geht, eben auch ohne das konkrete Gegenüber, finde ich. Oft denkt man ja nur daran, was man alles haben möchte und sich von einer Liebesbeziehung oder späteren Lebenspartnerschaft an Vorteilen verspricht. Beim Sicheinlassen geht es aber m.E. darum, was man zu geben hat und bereit ist zu geben.Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Antoine de Saint-Exupéry
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18.02.2010, 12:35Inaktiver User
AW: "sich einlassen" - was heißt das konkret
Tja, wenn das für Dich so ist, dann isses wohl so.
Zitat von Marla63
Mir kommt das alles wie aus "10 Liebesbeweise, die Sie einfach abprüfen können" vor.
Irgendwie schablonig.
Sicherlich hat erfordert das Verausfolgen eines Haustürschlüssels Vertrauen, aber ja fundiertes Vertrauen.
Jemand ist so und so hat sich so und so verhalten, darum halte ich ihn für vertrauenswürdig genug, ihm einen Haustürschlüssel zu geben. Er wird damit keinen Schindluder treiben, aber vielleicht ein paar schöne Dinge tun.
Sich-einlassen ist m.M.n. eigentlich eine spezielle Art von Vertrauen, nämlich genau genommen unbegründetes.
Ich weiss nichts oder wenig vom anderen, vertraue aber darauf, dass mein Einlassen nicht zu meinem Schaden sein wird.
Wenn ich manche Frau hier lese (und ja, meistens lese und höre ich sowas von Frauen, was nichts besagen muss), dann denke ich mir:
Zitat von Marla63
Einer netten Zufallsbekanntschaft gegenüber verhält sich diese Frau vermutlich "ein-lässiger" (authentischer, offener etc.) als dem vielleicht zukünftigen Vater ihre Kinder gegenüber.
Diese Frauen sagen dann:
"Ja, klar, der könnte (oder soll) ja schließlich auch mal eine sehr wichtigere Rolle in meinem Leben spielen."
Ich sage dann:
"Ich würde drauf pfeifen, jemals eine wichtige Rolle in Deinem Leben zu spielen, wenn Du nicht bereit wärst, mich überhaupt erst mal unvoreingenommen zu begucken."
Sie sagt dann:
"Na, wenn er sich wirklich für mich interessiert, dann muss er da durch."
Und ich sage dann:
"Es wird möglicherweise nicht einmal so weit kommen, dass der sich wirklich für Dich interessieren könnte.
Eine Lastwagenladung nasser Sand löscht auch die heissteste Lagerfeuerglut so schnell, dass daraus garantiert kein Steppenbrand mehr entsteht."
Das ist ja in etwa das, was die TE von sich beschreibt.


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