soll ich den thread dichtmachen, damit du lernen kannst, candy?![]()
(nö, mach ich natürlich nicht).
looohoooooos, an den schreibtisch jetzt!
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es scheint zu klappen![]()
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Thema: Aggressivität des Partners
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07.02.2010, 17:13
AW: Aggressivität des Partners
Geändert von Lizzie64 (07.02.2010 um 17:21 Uhr)
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07.02.2010, 17:52
AW: Aggressivität des Partners
Liebe Candy,
ich habe ebenfalls ADHS, daher kann ich einige Dinge, die Du schreibst, nicht ganz nachvollziehen.
1. Als ich mich über die Krankheit nach meiner Diagnose informiert habe, war immer wieder die Rede davon, dass ADHSler überdurchschnittlich oft als Piloten arbeiten - weil sie nämlich das gut können, was Du ja auch für Deinen Freund beim Fliegen beschreibst. IN kritischen Situationen vermögen sie auffallend ruhig und gelassen zu bleiben, wo andere durchdrehen. Insofern kann ich mir nicht vorstellen, dass die Diagnose "ADHS" automatisch das Ende für seine Fliegerei bedeutet.
2. Die Pille allein wird hier gar nichts richten. Das kannst Du Dir abschminken. ADHS ist keine Erkrankung wie ein Schnupfen, sondern zeigt je nach Umfeld insbesondere bei Erwachsenen ganz unterschiedliche Ausprägungen. Dein Freund rastet auch nicht deshalb aus, weil sein Botenstoffmix im Hirn anders ist. Sondern weil er ein kaputtes Selbstwertgefühl hat. Wie sehr definiert Dein Freund sich über Leistung? MICH beunruhigt ja, dass er feststellt: Er funktioniert nicht = Er nimmt eine Pille und dann ist alles wieder gut. Abe eine richtige Auseinandersetzung mit sich sucht er nicht. Zum Beispiel ist es gar nicht sooo schwer, einen Experten zu finden. Er müsste bloß mal ADHS + Erwachsene bei Google eingeben. Da wäre er vielleicht mal auf die Seite des Vereins TOKOL gestoßen, die Experten listen und die Angaben auf Nachfrage rausrücken. Wie viele ungute Gefühle verdrängt Dein Freund hier?
Vermutlich hat er Scheitern schon so oft erlebt, dass er ausrastet, wenn da wieder eine schlechte Note kommt. ADHS begünstigt solche Ausraster sicherlich. Aber das ENTSTEHEN ist ein erlerntes Verhalten. Folglich kann er soviel Ritalin schlucken, wie er will. Ohne begleitende Therapie wird er immer wieder ausrasten. Ohne begleitende Therapie bekommt er viele Symptomatiken nicht in den Griff.
An Deiner Stelle würde ich ihm klipp und klar machen, dass es SEINE und NUR seine Verantwortung ist, wie er damit klarkommt. Und Konsequenzen ziehen, wenn er sich nicht ernsthaft und umfassend um Hilfe bemüht.
Beste Grüße,
BabetteGeändert von Dieclou (07.02.2010 um 17:58 Uhr)
Zurück ist ein Ort, den es nicht gibt.
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07.02.2010, 18:21Inaktiver User
AW: Aggressivität des Partners
mir fällt da nur die möglichkeit einer paartherapie ein. und ein anti agressionstraining für ihn.
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07.02.2010, 18:27
AW: Aggressivität des Partners
Das mit den Piloten und ADS wusste ich in der Tat nicht. In einem Forum für die Berufspiloten der Lufthansa wird dieses Thema immer wieder heftig diskutiert. Dein Argument hab ich da aber noch nie gelesen. Meistens nur, dass ADSler durch diese medizinische Untersuchung wohl eher nicht durchkommen würde. Mein Freund ist allerdings nur PPLer. Er hat einfach Angst, dass ihm das, was ihm so richtig Freude bereitet, und er keinerlei Misserfolge darin hat, auch noch genommen wird.
Dass die Pille ihm nicht seine Aggressionen nimmt, ist klar. Es soll ihm seine Frustrationen nehmen, bzw. sie verringern, und zwar dadurch, dass er nun hoffentlich wieder ein paar Erfolge mehr erzielen wird, sich mehr organisieren kann und alles besser strukturieren kann. Er definiert sich schon sehr über Leistung. Was nicht verwunderlich ist, weil eben nie wirklich etwas klappt, trotz intensiven Lernens und Aufwands. Bei mir dagegen klappt immer alles wie am Schnürchen. Das setzt ihn zusätzlich unter Druck.
Er hat sich schon sehr gut informiert. Mittlerweile hat er einen guten Ärztetipp von einer Selbsthilfegruppe bekommen. Da geht er ja auch am Montag hin. Ist übrigens der selbe Arzt, der von tokol empfohlen wird. So richtig gestellt haben wir unsere persönliche Diagnose erst so im Oktober oder so. Vorher haben wir beide immer eher an Depression gedacht. Doch wir haben gelesen, nachgeforscht und festgestellt, dass da etwas tiefer liegt und die depressiven Stimmungen wohl eher Symptom als Ursache sind. Und seit Oktober/November sucht er nun einen passenden Arzt, nun endlich scheint er fündig geworden zu sein. Einer hat ihm sogar wortwörtlich gesagt: Er GLAUBT nicht an AD(H)S. gibt's denn sowas?
Unsere HOffnung ist einfach die: Wenn er durch die Medikamente sein Leben besser organisieren kann, wenn sein vieles Lernen endlich Erfolge bringt, dann werden auch Frustrationen weniger und er könnte vielleicht seine Frustrationstoleranz wieder etwas erhöhen. Im Moment braucht es nicht viel, damit er wieder gefrustet ist. Zusätzlich MUSS natürlich eine andere Art von Therapie erfolgen. In Form von Psychotherapie, Autogenes Training, Anti-aggressionstrainign, was weiß ich, da kann ihm hoffentlich der Arzt dann auch helfen. Von reiner medikamentösen Behandlung halte ich nichts.
Und deinen letzten Vorschlag, dass ich ihm klarmache dass nur ER verantwortlich ist, das war/ist sowieso meine Intention. Im Moment ist er mir hier eben noch etwas zu passiv. Aber ich hab Vertrauen! Und Geduld.Geändert von Candy01 (07.02.2010 um 18:40 Uhr)
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07.02.2010, 18:36
AW: Aggressivität des Partners
Hast du vielleicht eine gute Quelle für die ADSler und Piloten Sache? Würde mich mal genauer interessieren.
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07.02.2010, 20:08
AW: Aggressivität des Partners
Liebe Candy,
und wenn nun nicht ADHS das Problem ist, sondern die Tatsache, dass er sich so über Leistung definiert? Ich war schon Ende 20, als ich die Diagnose bekommen habe, und ich bin darauf gestoßen, weil ich wirklich viele Probleme, in sozialen Beziehungen, in Bezug auf meine Arbeit etc. hatte. Jemand hier hat mir geschrieben, er halte es für möglich, dass viele dieser Probleme nicht von ADHS herrühren. Das konnte ich mir anfangs nicht vorstellen. Heute sage ich: Er hatte recht. Wegen einer NOTE so durchzudrehen, halte ich für bemerkenswert. Keine Pille wird ihm Selbstwert geben. Vielmehr wäre es gut für ihn, er würde lernen, dass er trotz Misserfolge liebenswert ist.
Was mich ein wenig irritiert: Trügt mich der Eindruck, oder bist Du die treibende Kraft hinter den Bemühungen? Und findet er das gut? Ich will Dich ja nicht bremsen, aber meine Frustrationen rührten auch daher, dass ständig jemand versucht hat, sein Erfolgsschema auf mich zu stülpen. Damit war ich ständig mit Anforderungen konfrontiert, die ich einfach nicht erfüllen KONNTE. Meine gute Therapie hat mir geholfen, das Thema Strukturierung, Organisation so anzugehen, dass ich mich gut damit fühle. Und auch zu akzeptieren, dass ich eben so bin, wie ich bin. Hat Dein Freund eine Ausbildung, die wirklich zu ihm passt? Hat er ein Haushaltssystem, dass es ihm ermöglicht, Ordnung zu halten? Hat er ein System, dass ihm hilft, sich zu organisieren? Kennt er seine Wege, sich zu motivieren? Das sind alles Fragen, die er klären sollte. Für sich. Da kann ihm von außen lediglich ein "Anleiter" helfen. Spüren muss er das selbst. Und die Pille ist eher unterstützend - nicht aber problemlösend.
Für die Piloten-Kiste habe ich so schnell keine Quelle. Ich erinnere mich aber daran, dass das immer wieder auftauchte, unter den Chancen, die ADHS mit sich bringt. Letztlich habe ich es für mich aber nicht protokolliert, da ich keine Pilotin bin oder sein will.
Aber warum INFORMIERT er sich nicht, ob ADHS ein Ausschlusskriterium ist?
Beste Grüße,
BabetteGeändert von Dieclou (07.02.2010 um 20:15 Uhr)
Zurück ist ein Ort, den es nicht gibt.
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08.02.2010, 08:36
AW: Aggressivität des Partners
Er hat sich ja bereits informiert, übers Internet zunächst. Da hat er v.a. das Lufthansa Forum gefunden, wo ADS eigentlich einstimmig als "schlecht" für die medizinische Untersuchung angesehen wird. Er will noch seinen zuständigen Fliegerarzt fragen. Ich werde ihm nochmal sagen, was ich hier erfahren habe, und er mal danach explizit googlen soll.
Ich finde es ganz normal, dass man sich über Leistung definiert. Er hat einen Ausbildungs/Schul/Unimarathon hinter sich. Mit 14 ist er mit Abschluss von der Schule gegangen. Dann ein Jahr eine Lehre, die gefiel ihm nicht, er hat die Ausbildung gewechselt, die hat er fertig gemacht, allerdings nur einen halbjährigen Arbeitsvertrag hinterherbekommen. Dann mit ca. 18 auf die BOS, um das Abi nachzuholen. Da war der Druck zu groß, die Noten zu schlecht. Dann ist er mit ca. 20 auf eine weitere Schule, um sein Abi nachzuholen, dort war der Druck geringer, außerdem ging ich dort auch hin und wir lernten uns kennen. Ich habe immer ihn immer wieder angezogen, ihn unterstützt, wenn er mal wieder aufgeben wollte weil er ewig gelernt hat und nix rumkam dabei. Ich weiß, wie er lernt. Er lernt nicht falsch. Er ist einfach höchst unkonzentriert und manchmal kommt noch die fehlende Motivation hinzu. Er sagt heute, dass er das Abi nicht geschafft hätte, wenn ich ihn nicht so sehr unterstüzt hätte. Danach Jura, 1,5 Semester lang, dort lief es nicht so wie er es wollte, die Noten waren relativ schlecht, trotz vielen Lernes und Interesse. Dann BWL, dort war es ihm zu unsicher, er hatte keine Beziehungne, noch keine Praktika und war mittlerweile älter als die meisten Studenten. Dann hat er einen Test für ein Studium beim Staat gemacht. Den bestanden und dort ist er nun seit ca. 2,5 Jahren. Die Ausbildung ist richtig hart, Stoff bis zum letzten Tag von den Abschlussprüfungen, in der vorlesungsfreien Zeit muss er 42 Std. im Amt sitzen. Danach fällt ihm das Lernen einfach schwer. Er macht es trotzdem, es kommt nichts raus. Er braucht mehr Zeit, die hat er nicht. Er sieht keinen Sinn mehr, er gibt sich auf, dann kommt er doch wieder hoch und gibt nochmal Gas, doch dann kommt wieder die schlechte Note (die letztendlich ein Durchfallen garantiert). Dazu die Zukunftsängste, wenn er durch die Prüfung fällt, dann steht er mit 30 Jahren da, ohne richtigen Beruf, seine Freundin ist "erfolgreich" und er der Depp. So sieht er sich. Ich versuche alles, ihm diese Gefühle zu nehmen, aber ich denke ihr könnt euch vorstellen, dass das nicht so einfach geht. Wenn er nun zumindest im schulischen Bereich durch eine ADS-Therapie besser werden würde, wäre eine große Last von ihm genommen. Darauf hoffen wir nun.
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08.02.2010, 10:24
AW: Aggressivität des Partners
Liebe Candy,
puh, das erklärt seinen Frust (nicht die unangemessene Reaktion darauf) natürlich. Er fühlt sich als Versager. Seine Biographie ist ziemlich typisch für ADHS. Ich kenne das so auch. Die Frage ist nur: Muss das schlimm sein? Viele ADHSler probieren viel herum, bis sie am Ende bei etwas landen, was sie ausfüllt und darin sind sie dann extrem gut. Warum hat Dein Freund sich denn stets für artverwandte eher trockene Studiengänge entschieden, wenn er gemerkt hat, er kommt mit dieser Art von Stoff nicht klar? Und was wäre denn, wenn er seine Fliegerei zum Beruf machen könnte? Hat er denn jemals links und rechts geschaut, was es abseits der "klassischen" Berufswege noch geben könnte? Und wenn es die eigene Kneipe ist.
Es klingt so, als hätte Dein Freund überhaupt keine Ahnung, wer er ist und was ihm liegt. Er sieht immer nur, wie er sein MÜSSTE, aber eben nicht ist. Vielleicht reden wir da auch etwas aneinander vorbei. Ich möchte hier nicht dem Müßiggang huldigen. Ein erwachsener Mensch mit zwei gesunden Händen und einem funktionierenden Kopf ist für seinen Lebensunterhalt selbst verantwortlich. Aber der Wert eines Menschen definiert sich definitiv nicht über Schulnoten oder die Lohnabrechnung. Lass ihn eine vernünftige Therapie machen, sich etwas suchen, was zu ihm passt, und dann einfach glücklich sein. Auch wenn er eben keinen Uni-Abschluss macht und etwas tut, worüber der klassische Karrieremensch die Nase rümpft.
Beste Grüße,
BabetteZurück ist ein Ort, den es nicht gibt.
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08.02.2010, 12:40
AW: Aggressivität des Partners
Er fühlt sich als Versager im beruflichen Bereich. Ganz genau. Dein Statement trifft es eigentlich auf den Punkt. Und ja, er hat sich leider nie so richtig mit seinen Qualitäten und Interessen auseinander gesetzt wenn es um Berufswahl ging. Heute sagt, er, dass er gleich nach dem Abi eigentlich etwas mit der Fliegerei und/oder anderen Interessen hätte machen sollen. Aber irgendwie hat er immer ein traditionelles Studium im Kopf gesagt. Leider ist er nun für vieles zu alt, was ihn interessiert (Polizei, Bundeswehr, Ausbildung als Luftverkehrskaufmann etc....) Er hat sich schon wieder beworben für solche Laufbahnen, aber entweder kommt eine Absage oder es ist von vornherein eine Altersbeschränkung da.
Klar, er hat einige Fehlentscheidungen getroffen. Aber trotzdem muss es irgendwie weitergehen....
:-(
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25.02.2010, 13:19
AW: Aggressivität des Partners
Das Problem Deines Partners ist weniger, dass er Aggressionen hat, sondern dass er sie auf eine unangemessene und schädliche Weise auslebt: Schließlich ist er derjenige, der sich neue technische Geräte anschaffen oder sie jemandem anderen bezahlen muss, wenn er sie in unkontrollierter Wut zerschlagen hat. Auch für die Beziehung ist es nicht gut, wenn er Dich seine Freundin als Fußabtreter für seinen Frust benutzt, denn dadurch belastet er das Vertrauensverhältnis zwischen Euch.
Es ist verständlich, dass man bei einem Misserfolg wütend und enttäuscht ist. Aber man könnte z.B. bewusst etwas zertreten oder auf etwas rumtrampeln, was wenig kostet, sollte es kaputt gehen. Das kann man steuern lernen. Stell ihm beim nächsten Wutausbruch vielleicht einen Papierkorb hin oder leg ihm ein Kissen hin, woran er sich abreagieren kann.
Bei einem Streit könntest Du selbst helfen, ihn wieder ins richtige Gleis zu bringen. Dazu gehört natürlich viel Gelassenheit. Wenn Du also den Eindruck hast, er schmeißt jetzt nur noch deshalb mit Gemeinheiten um sich, weil er um jeden Preis eine Retourkutsche gegen Dich anbringen muss, dann kannst Du tief durchatmen und zu ihm sagen: „Wenn du mal drüber nachdenkst, dann kommst du sicher drauf, dass du das nicht wirklich so meinst. Du sagst das jetzt nur, weil du wütend auf mich bist.“
Was nun das Ausrasten wegen Kleinigkeiten angeht, kannst Du ähnlich gelassen reagieren: „Findest du das jetzt wirklich nötig?“ „Ist Deine Reaktion auf das, um was es hier geht, nicht etwas unangemessen?“
Bring ihn dazu, über sein Tun zu reflektieren.
Ich nehme an, dass Dein Partner mit sich und seinem Leben sehr unzufrieden ist, denn anders lassen sich dauernde Wutausbrüche wegen Kleinigkeiten nicht erklären. Er muss mal darüber nachdenken, wie er das, was ihm nicht passt, für sich verändern könnte. Wenn er für sich positive Lösungsmöglichkeiten gefunden hat, dann wird die Wut über Misserfolge auch nachlassen, weil er sieht: Es geht auch anders. Die Wut Deines Partners kommt mir ohnmächtig vor.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!



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