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  1. Inaktiver User

    AW: Erwachsen werden / Loslösung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Zuerst mal muß man wohl sagen, daß eine räumliche Trennung nicht zwangsläufig auch eine Loslösung/Abnabelung bedeuten muß.

    ...

    Abnabelung ist also ein Prozess, der im Inneren abläuft.
    Kenzia, volle Zustimmung!

    Auch aus eigener Erfahrung, und ich merke gerade, je mehr ich mich abnabele, desto näher komme ich meiner Familie... paradox? Nein, denn jetzt komme ich freiwillig und kann mich ihnen öffnen, wohingegen mein Auszug mit 19 eine Flucht war und ich lange in einer schädlichen Bindung verhaftet geblieben bin...

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    AW: Erwachsen werden / Loslösung

    Zitat Zitat von Bumblebees Beitrag anzeigen
    Welches Alter haltet ihr für "normal", wo ein Mensch sich von der Ursprungsfamilie (Vater, Mutter) lösen muss, damit er seelisch gesund bleiben kann?

    Und ab welchem Alter haltet ihr es nicht mehr für "normal", d.h. es bekommt symbiotische, krankmachende Züge, die auf Dauer das eigene Leben blockieren und die letztendlich in einer psychischen Erkrankung enden "können" (muss nicht so sein, ist aber leider häufig so).
    Hallo Bumblebees,

    wie kommst du auf solche Annahmen?
    Warum sollte so etwas krankmachen?

    Ich kenne Leute, die weit über 30, 40 oder sogar 50 noch zuhause bei den Eltern wohnen. Krank sind die nicht, auch nicht gestört, vielleicht sogar weniger wie manch anderer.
    Ok, etwas weltfremd sind sie...weil ihnen die "Wunden und Rückschläge" fehlen, die Plesuren, die man sich in einem bewegten Leben so zuzieht.

    Aber ich denke, genau davor schrecken diese Menschen zurück. Eigenständig sein, eigenständig entscheiden und auch mal ein Risiko eingehen, sich selbst zu vertrauen. Deshalb sitzen sie daheim, geborgen und immer jemand da der sie auffängt und betütelt.

    Ich halte das für bequem, aber nicht für krankmachend.

    Unter den Männern gibt es sicherlich genug, die Mama verlassen würden, wenn eine Frau deren Rolle übernimmt. Aber welche Frau will schon gerne Mama eines erwachsenen Mannes sein? Also ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er da bleibt wo er ist.

    Ich finde das nicht normal. Irgendwann im Leben muss man erwachsen werden und sein eigenes Ding machen.
    Ich glaube aber auch nicht, dass diese Menschen krank sind oder werden, sie sind einfach zu feige, auf eigenen Beinen zu stehen.

    Ich glaube nicht, dass ich einen Mann gut finden würde, der noch bei Muttern wohnt. Aber ok...ich kenne auch Frauen die haben da kein Problem damit.

    Übrigens: in vielen anderen Ländern ist es ganz normal, dass sogar mehrere Generationen unter einem Dach leben. Wir hier halten es für unnormal, denken mann MUSS sich abnabeln. Aber müssen tut man gar nix....wie überall im Leben.
    viele Grüße
    Mohnblume

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    AW: Erwachsen werden / Loslösung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Auch aus eigener Erfahrung, und ich merke gerade, je mehr ich mich abnabele, desto näher komme ich meiner Familie... paradox? Nein, denn jetzt komme ich freiwillig und kann mich ihnen öffnen, wohingegen mein Auszug mit 19 eine Flucht war und ich lange in einer schädlichen Bindung verhaftet geblieben bin...
    Ich denke, das ist genau der Prozess der Ablösung. Bei mir war es genau so und ich kenne es auch von anderen so.
    Während ich früher kaum mit meiner Mutter gesprochen habe (in den schlimmsten Zeiten habe ich nicht einmal am Tisch gegessen), haben wir mittlerweile guten Kontakt. Sie spricht sogar über ihre (neue) Beziehung mit mir, was mich durchaus ehrt.
    Ich überlege auch, nach meinem Studium wieder in die Nähe meiner Heimatstadt zu ziehen. Die Nähe zu meiner Mutter ist dabei zwar nicht der Hauptgrund, aber ein wichtiger Aspekt.


    Aber ich finde es auch schwierig, über "normal", "unnormal", "krankmachend" zu urteilen. Es widerspricht grundsätzlich meiner Einstellung, eine Person oder Verhalten in dieser Weise zu beurteilen, weil ich auch selbst nicht in diese Schubladen gesteckt werden möchte. Mir ist es egal, wenn ich unnormal bin - wenn ich damit zufrieden bin, ist es in Ordnung.
    Andererseits erlebe ich aber selbst wie - um mal wieder zum Thema zu kommen - die fehlende Ablösung von den Eltern sehr schmerzvoll sein kann. Da ist das Argument dann aber viel mehr "es tut dir nicht gut" und nicht "du bist unnormal".

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    AW: Erwachsen werden / Loslösung

    Zitat Zitat von julia-dt Beitrag anzeigen
    Aber ich finde es auch schwierig, über "normal", "unnormal", "krankmachend" zu urteilen. Es widerspricht grundsätzlich meiner Einstellung, eine Person oder Verhalten in dieser Weise zu beurteilen, weil ich auch selbst nicht in diese Schubladen gesteckt werden möchte. Mir ist es egal, wenn ich unnormal bin - wenn ich damit zufrieden bin, ist es in Ordnung.
    Andererseits erlebe ich aber selbst wie - um mal wieder zum Thema zu kommen - die fehlende Ablösung von den Eltern sehr schmerzvoll sein kann. Da ist das Argument dann aber viel mehr "es tut dir nicht gut" und nicht "du bist unnormal".

    Es geht nicht um das "Beurteilen", sondern um das "Verstehen" für psychische Erkrankungen. Und die Eltern-Kind-Symbiose im Erwachsenenalter ist da ein nicht zu unterschätzender Faktor.
    Da ich aktuell durch einen Fall in der Familie in der psychiatrischen Klinik ein- und ausmarschiere, viele Gespräche mit Ärzten, Pflegern und anderen Angehörigen führe, andere Patienten sehr genau beobachte, ist die Vermutung absolut nicht von der Hand zu weisen.
    Es ist immer wieder das Thema "Los-lassen"....

  5. Inaktiver User

    AW: Erwachsen werden / Loslösung

    Zitat Zitat von Bumblebees Beitrag anzeigen
    Es geht nicht um das "Beurteilen", sondern um das "Verstehen" für psychische Erkrankungen. Und die Eltern-Kind-Symbiose im Erwachsenenalter ist da ein nicht zu unterschätzender Faktor.
    Könntest du deine Sichtweise noch weiter erläutern und psychische Erkrankungen und wie es dazu kommt in Zusammenhang zum mangelnden Loslösungsprozess erklären? Das interessiert mich.

    Ich kann die Schlussfolgerung nachvollziehen, dass viele Fälle psychischer Erkrankung in Zusammenhang stehen zu mangelnder Ablösung und Selbstständigkeit, finde aber den Umkehrschluss, dass mangelnde Ablösung zu Krankheit führt, schwierig. Aber vielleicht meintest du das auch gar nicht?

    Kannst du uns von deinen Beobachtungen in der Klinik erzählen?

  6. Inaktiver User

    AW: Erwachsen werden / Loslösung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Kannst du uns von deinen Beobachtungen in der Klinik erzählen?
    Hallo Bumblebee, interessantes Thema, gerne würde auch ich mehr davon erfahren! Ich war einige Zeit in Lateinamerika unterwegs, und dort ist es - wie schon angesprochen - üblich, dass die Familien über Generationen hinweg unter einem Dach leben, sich also eine Generation nicht wirklich unabhängig von der vorherigen/nächsten entwickelt. Und ich mir hin und wieder dachte, ob es das ist, was die "Evolution" vorgesehen hat, und andere, unabhängigere, in westlichen Kulturkreisen übliche (mitunter sogar "feindliche") Beziehungen zur Familie entgegen "der Natur" des Menschen sind?

    Andererseits ist die Wahrnehmung des Vorhandenseins psychischer Anormalitäten in diesen Ländern auch eine andere, da die Menschen dort, vor allem die in Großfamilien lebenden, verallgemeinernd gesprochen weniger verkopft sind und auch viel weniger Zeit haben, sich groß um ihre Befindlichkeit Gedanken zu machen.

    Ich denke allerdings nicht, dass allein die nach außen hin sichtbare Konstellation der ungesunde Faktor ist, sondern andere Aspekte. Und bei solchen Menschen, z. B. den Männern in "Schwiegertochter gesucht" (ich geb's zu, ich hab's geguckt, um mich zu erheitern aber ob das alles echt war, oder doch bissl gefaked?), ist in der Tat eine ungesunde Abhängigkeit zu beobachten, die vielleicht nicht auf Liebe und Respekt der Mutter gegenüber gründet, sondern eher aus unverdauten Geschichten, wo auch irgendwo Agressionspotenzial da ist, oder viel Angst. Und ich denke mir, dass diese negativen Gefühle an der Sache die Krankheit hervorrufen, kann ein Beispiel nennen, wenn Du magst, allerdings dann über PN (betrifft nicht mich selbst, aber ein Familienmitglied), und so meine Vermutung in Deine Richtung geht.
    Geändert von Inaktiver User (04.02.2010 um 11:16 Uhr)

  7. gesperrt

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    AW: Erwachsen werden / Loslösung

    Ihr Lieben, hatte PC-Probleme, darum erst heute meine Antwort:

    Es ist zu unterscheiden zwischen funktionierenden Großfamilien oder Mehrgenerationen (ich kenne das auch aus Afrika....) und symbiotischen Abhängigkeitsbeziehungen zwischen Eltern-Kind.
    Letztere hat sehr viel mit dem Los-Lassen zu tun. Oft können Eltern das nicht in dem Maße, wie es für den Nachwuchs angebracht wäre.
    Der eine klammert, der andere reagiert darauf, letztendlich funktioniert so ein System dann solange, wie beide Seiten mitspielen bzw. das so am bequemsten für ihr Leben finden. Oft sind die Eltern aber die "Gewinner"....

    Die Patienten, die ich beobachten konnte, waren eben vor allem die jungen Männer (Alter 25-30, Erstphase der psychotischen Krisen), die auch noch in einer Akutpsychose oder schweren seelischen Störung von ihrer Familie in der Klinik wie ein kleiner Dumbo behandelt wurden.
    Das heißt: Mami schimpft auf dem Flur mit dem 35jährigen Sohn, weil der im Bett liegt und eben müde ist.

    Ich sage mir inzwischen heute:
    Hast du einen Menschen vor dir mit schwerer psychischer Erkrankung, dann schau dir die Familie an (Vater, Mutter).

    Daher muss die Therapie auch dort anfangen, natürlich neben der Medikation (falls diese erforderlich ist). Das Umfeld muss stimmen, dann kann auch die Genesung besser voranschreiten.....

    Einen schönen Abend noch !

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