Hallo ihr Lieben,
nachdem ich immer nur gelesen habe, möchte ich euch zum Mutmachen meine Geschichte erzählen.,..
Ich bin jetzt Mitte 40 und seit 7 Jahren getrennt...mit 22 Jahren habe ich geheiratet, 2 Kinder, finanziell gutes Leben, Haus, Urlaube, Tennis...so das übliche halt. Ende 30 kam immer mehr Unzufriedenheit auf, Sinn des Lebens suchend und auch der Gedanke..das kann doch nicht alles gewesen sein. Die Beziehung lief so halbwegs..mal mehr mal weniger, aber immer weniger insgesamt. Gesp0räche gabs nur noch über die Kinder (Streit) übers Geld (Streit) und Monologe meines Mannes über seine Arbeit (gähn). So ist es halt..dachte ich oft und auch, einen Absprung schaffst du nie.
Bis ich dann irgendwann eine Affäre angefangen habe (war nicht das wahre, aber hat mir die Augen geöffnet, dass es auch anders sein kann).Mein Mann hat mich immer klein gehalten...so nach dem Motto was besseres findest du eh nicht, ich habe das Geld etc. auch wohl das übliche. Nach vielen endlos
Diskussionen wollte ich eine räumliche Trennung, worauf mein Mann fast zusammengebrochen ist, er kann nicht aus dem Haus, die Kinder (damals schon 12 und 15) und überhaupt...bis er auf die Idee kam, dass ich zunächst in unsere Einliegerwohnung ziehe. Ich dachte auch erst,das wäre ganz gut, für die Kinder, ich konnte weiterhin alles mache (wie praktisch...) und es ginge. Was folgte war Psychoterror pur, ich wollte meine Ruhe und er tyranisierte mich ohne Ende...bis ich nach 5 Monaten schweren Herzens ca. 300 m entfernt in die Wohnung einer Freundin gezogen bin. Die Kinder wollten natürlich in ihrem zuhause bleiben, hatten aber auch bei mir ein Zimmer. Es fing alles halbwegs an sich einzuspielen..mein Mann hatte auch eine Freundin die bei ihm fast schon wohnte, manchmal konnten wir sogar halbwegs normal zusammen reden.
Eines schönen Tages, ohne irgendeine Vorwarnung und aus heiterem Himmel, brachte sich mein Mann dann um. Er hat es so arrangiert, dass ich ihn finden musste...
Was folge war ein Albtraum, ich hatte seit 3 Monaten einen Partner gefunden, in den ich wirklich sehr verliebt war- und er in mich. Finanziell keinerlei Absicherung, Haus Schulden etc.
Aber ich habe es nach vielen harten Jahren geschafft
Ich bin mit meinen Kindern weit weg gezogen, habe einen guten Job, muss zwar dauernd rechnen, aber es reicht halbwegs zu einem guten Leben, mein Partner und ich sind vor einem Jahr zusammengezogen und wir führen eine wirklich tiefe, harmonische Beziehung.
Es war eine verdammt schwere Zeit, die mich oft verzweifeln lies, aber jeder Tag geht zuende...und manchmal kommt Hilfe von einer Ecke, aus der man es nie erwartet hätte.
An alle, denen es schlecht geht..es wird wieder besser. Erst nur ganz selten und kurz, aber dann irgendwann ist es wie eine Wunde,die zwar ab und an noch schmerzt und wehtut, aber nur noch ganz selten.
Mittlerweile geht es mir und meinen Jungs wieder gut..Kopf hoch an alle!
lg
von mir
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Thema: Meine Geschichte
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30.01.2010, 13:35
Meine Geschichte
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31.01.2010, 23:34
AW: Meine Geschichte
Hallo Jule!
Du bist sehr tapfer.
Gratulation zu so viel Lebensmut.

Grüße von der Doktorin.Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben.
Johann Wolfgang von Goethe
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01.02.2010, 09:03Inaktiver User
AW: Meine Geschichte
DANKE für den Mutmacher
Deine Geschichte zu lesen, kam für mich gerade im rechten Augenblick,
schlaflos
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03.02.2010, 12:21
AW: Meine Geschichte
Sollte auch ein kleiner Mutmacher für alle die verzweifelt sind, sein.
Allerdings prägen diese Erfahrungen auch einen Menschen und machen ihm zu dem, was er ist.
Zwar bleiben die Grundzüge immer da, aber verflachen oder vertiefen sich. In allem schlechten steckt auch etwas gutes und oft gehen Türen auf, die man nie vermutet hätte.
Nur niemals aufgeben!
Eigentlich gehe ich auch mit meiner Geschichte nicht hausieren und die wenigsten (fast niemand) in meiner neuen Heimat wissen davon, aber irgendwie war es mir ein Bedürfnis, alles mal niederzuschreiben bzw. einen kleine Kurzfassung davon.
Kopf hoch euch allen
lg
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04.02.2010, 19:38
AW: Meine Geschichte
Liebe jule07,
Auch von mir ein Dankeschön dafür, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst.
Wie hast Du Dich durch diese Erfahrungen verändert? Was magst Du daran und was nicht?
Ich bin gespannt...
LG _elfenwels_There is a crack in everything. That's how the light gets in.
Leonard Cohen
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04.02.2010, 20:36Inaktiver User
AW: Meine Geschichte
deine geschichte erinnert mich an meinen ex-schwager

auch seine frau hatte sich getrennt - der kontakt blieb wegen der zwei kinder alleine schon - sie hatte einen anderen partner gefunden.
bei einem grillabend ging er noch mal schnell ins haus, er wollte sich eine jacke holen, weil es schon kühl war ...........und erschoss sich.
sein sohn fand ihn - katastrophe für die ganze familie.
du schreibst das so als geschichte und abhandlung in einem satz.
ich weiß aber, dass das in einem satz nicht abgetan ist - seine ex-frau, seine kinder, seine eltern werden seine "tat", die auch ohne vorankündigung gelaufen ist, niemals abschütteln können.
da sind immer spuren von schuldgefühl mit im spiel - wie gehst du damit um? vll. quält dich das noch, und du wolltest das hier einfach mal schreiben
ich freue mich für dich, dass du in einer neuen schönen partnerschaft aufgehoben bist. ja, das leben geht ja wirklich weiter - aber wenn ich deine geschichte lese, dann sehe ich die familie meines schwagers vor mir - nicht mehr so zerbrochen wie am anfang (ist mittlerweile 7 jahre her)- aber die spuren seines suizids werden nie wegsein.
die partnerschaft seiner ex-frau ist daran zerbrochen. sie ist heute noch alleine - und die kinder waren oder sind vll. noch traumatisiert.
seine familie und seine ex-frau sind völlig separiert, worunter seine kinder am meisten leiden - sie sehen ihre großeltern nicht mehr.
da waren so viele schuldzuweisungen im spiel - dabei lag die entscheidung ganz allein bei ihm.hast du das alles überwunden? ich wünsche es dir von ganzem herzen.
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05.02.2010, 14:40
AW: Meine Geschichte
Liebe Jule, danke für deine Geschichte! Sie macht wirklich Mut.
Ich stecke gerade in der tiefsten Krise meines Lebens: mein Mann hat mich betrogen, ich habe mich von ihm getrennt. Das, was mittlerweile fast alltäglich geworden ist, hat mir, die ich es erlebt habe, fast die Füße weggezogen. Ich fühle mich, als ob mein Leben vorbei ist.
Sicher- schlimmer geht es immer! Nur tut das Leid anderer nicht einem selbst weh. Man kann mitfühlen oder entsetzt sein und versuchen, sich das Leid vorzustellen. Aber derjenige, der es empfindet, empfindet immer nur seinen eigenen Schmerz.
Deine Geschichte zeigt auf der einen Seite, dass du die Krise für dich sehr gut verarbeiten konntest und gestärkt daraus hervorgegangen bist. Das war sicher ein weiter und steiler Weg, der dich aber an ein neues Ziel gebracht hat. Sie zeigt aber auf der anderen Seite auch, dass es nicht allen Menschen gelingt, an Krisen und Herausforderungen zu wachsen. Dein Mann hat sich irgendwann aufgegeben.
Sicher machen Erfolgsgeschichten Mut. Aber es gibt auch immer Verlierer, die es nicht schaffen.
Ich habe zum Beispiel Angst, dass ich allein bleibe, dass ich nie wieder in einer glücklichen Partnerschaft leben werde. Vielleicht ist das eine irrationale Angst. Kann sein. Aber momentan fühle ich eben diese Angst.
Du schreibst an alle, denen es schlecht geht, dass es irgendwann wieder besser, vielleicht sogar gut wird. Ich wünschte, es wäre wirklich so. Wissen kann man es aber nicht. Es freut mich, dass du es geschafft hast und hoffe, dass ich auch irgendwann wieder glücklich bin- auch und gerade, weil ich es jetzt nicht glauben kann...
LG suse
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06.02.2010, 12:05
AW: Meine Geschichte
Liebe Lulu,
auch bei uns war es ähnlich, mein Mann wollte damals 2 Tage später auf einen Kongress, geht mittags noch Geld abholen in der Bank und eine halbe Stunde später erhängt er sich..
Nein, ich habe keine Schuldgefühle. Darüber habe ich schon oft nachgedacht, aber es ist so. Dieses zu tun war seine Entscheidung und heute bin ich der Meinung, dass zwischen Aggression und Autoaggression ein sehr schmaler Grat ist. 2 Tage vorher war ich abends (die Kinder schliefen schon) noch bei ihm, weil irgendwas zu besprechen war und hatte das erste Mal ein ganz komisches Gefühl--meine Mutter, die von dem Besuch wusste, war aus irgendeinem Grund ebenfalls fast panisch bis ich wieder in meiner Wohnung war. Heute bin ich der Meinung, dass er durchaus daran dachte mich umzubringen, vielleicht nur der Mut oder der Gedanke an die Kinder, die dann niemand mehr hätten, ihn zurückgehalten haben.
Als ich ihn fand, kam als erstes eine sehr gute Freundin, nahm mich in den Arm und sagte mir immer wieder: Du trägst keine Schuld! Denke immer daran. Das hat mir sehr geholfen, ich bin dann auch sofort in eine Therapie gegangen und auch dies hat mir sehr geholfen.
Mit meinen Kindern klappt es mittlerweile auch gut, es gibt Höhen und Tiefen, aber die gibt es auch in "normalen" Familien und ich denke ich habe sie auf einen guten Weg gebracht.
Allerdings bin ich 4 Monate später sehr weit weggezogen, habe das Haus verkauft (niemand von uns blieb auch nur 1 Nacht noch darin, wir haben äußerst provisorisch lieber 4 Monate in meiner Wohnung "gehaust") und bis auf ein paar wirlich gute Freunde auch keinerlei Kontakt mehr zu diesem Ort.
Das war ein wichtiger Schritt, ein Neuanfang für uns alle, den ich nie bereut habe obwohl ich ohne job, mit 2 Buben im besten Teenageralter in eine fremde Großstadt gezogen bin. Allerdings war mein damaliger und jetziger Partner auch hierher versetzt worden, das hat mir die Entscheidung leicht gemacht.
Mittlerweile - und das ist das unglaublichste überhaupt - habe ich sogar wieder ein sehr entspanntes Verhältnis zu meiner Ex-Schwiegermutter, wir hatten uns einige Male sehr direkt ausgesprochen und heute ist es zwar nicht innig (war es vorher allerdings auch nicht:-) aber durchaus positiv. Man muss nach vorne schauen, die Zukunft kann man prägen, die Vergangenheit ist nicht mehr zu ändern. Blöder Spruch, stimmt aber trotzdem.
Aber ich hatte sehr viele harte Jahre, das darf nicht vergessen werden. Und die habe ich irgendwie doch durchgestanden und immer versucht, mich auch an kleinen Dingen zu freuen.
Heute denke ich nicht mehr sehr oft an diese Geschichte, es ist 6 Jahre her und auf der Welt passieren schlimmere Geschichten als meine. Geprägt hat es mich, ich bin sehr selbstbewusst geworden ..einfach das Gefühl ich schaffe alles, wenn es darauf ankommt. Aber meine Grundzüge - Optimismus , Weichherzigkeit- haben sich nicht verändert. Allerdings sage ich auch mittlerweile direkter Leuten in meiner Umgebung, wenn mir etwas nicht passt und habe unterscheiden gelernt zwischen Bekannten und Freunden. Abe auch das sehe ich positiv, warum soll ich mich mit unwichtigen Problemen unwichtiger Leute rumquälen? Dafür ist mir meine Zeit mittlerweile zu schade.
und an Suse..
auch für mich gab es viele viele Tage, an denen ich dachte, ich schaffe es nicht mehr. Mein Partner und ich hatten durchaus auch Krisen in unserer Beziehung, es war nicht immer alles nur Gold. Glaub mir, wenn du es willst wird es besser, aber sicher nicht von heute auf morgen.
Auch ich hatte oft Angst, irgendwann doch alleine dazustehen - dafür bin ich überhaupt nicht der Typ - aber genauso kann ich Angst haben, dass mich ein Bus überfährt...man sollte nur Pläne machen, die man auch erfüllen kann. Und wenn man offen ist für neues, ergibt sich auch etwas neues...das habe ich bei vielen vielen Frauen schon erlebt (und die waren auch nicht unbedingt Claudia Schiffer oder unter 30...)
Versuch dich zu beschäftigen, ich habe viel gelesen in dieser Zeit (naja..mach ich auch heute noch), hab viel Sport gemacht und immer versucht, meinen Tagen einen Sinn zu geben.
Was ich geschrieben habe, war natürlich nur eine ultrakurzfassung, vieles vieles ist auch bei mir passiert, was schlimm war, aber lasst euch nicht unterkriegen!!!
lg
juleGeändert von annapaulemax (29.03.2010 um 13:37 Uhr) Grund: Klarnamen geändert
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28.03.2010, 15:24
AW: Meine Geschichte
es sollte ein Mutmacher sein..
Das Leben geht immer weiter...und kann auch wieder schön sein!
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05.04.2010, 20:51
AW: Meine Geschichte
Liebe Jule07,
vielen Dank für deine Geschichte.
Hat mich auch gerade sehr aufgebaut.
Das wird bestimmt vielen Mut machen positive nach vorn zuschaun.
LG


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