...in gewisser Weise haben wir Menschen auch ein Stück vom Chameleon.
Wir können uns mit beruflich antrainierter Flexibilität und Mobilität in neue - völlig fremde Umgebungen einfügen.
Doch die Akzeptanz und völlige Anpassung ans Umfeld ist doch ganz anders wie die Art der Tiere.
z.B. bei Sonnenfinsternis mittags um 11 Uhr ins Schilf zu flüchten, den Kopf ins Gefieder zu stecken, weil die Gegebenheiten einfach so sind.
Mir haben die Lebenserfahrungen aus intensiver Mobilität europaweit meine menschliche Haltung bestätigt und bestärkt, weil die anderen Völker nur anders sind, eben auf ihre spezielle Lebensbedingung ausgerichtet.
Unabhängig von jeder Wertung von besser oder schlechter gemessen am deutschen Standard fand ich mich gut ein und mein Blick wurde mit den Jahren immer verständnisvoller und toleranter.
Deshalb glaub ich auch, dass diese globale Vereinigung lediglich ein krampfhafter verzweifelter Versuch ist, robotermäßige Vereinheitlichung von "Eskimos und Afrikanern" zu einem degradierten Einheitsbrei zu formen.
Wenn man viele Jahre mit anders lebenden Menschen auf diesem Planeten gelebt und gefühlt hat, weiß man, dass das ein aussichtloses Unterfangen ist. Man macht damit genau das kostbare am Menschen kaputt, was ihn individuell ausmacht, andersartig und besonders oder exotisch.
Ich habe im Ausland nichts vermißt, sondern typisch deutsche Dinge als Besonderheiten im fremden Land wahrgenommen.
Was mir nach meiner Rückkehr auffiel, waren meine "Wiedereingliederungsschritte" mit dem veränderte Blick von außen im eignen Land und das Verhalten der deutschen Menschen. Mir fiel dann immer dieser Spruch mit den Scheuklappen ein. Die kann man nicht wieder zusammenklappen, geht einfach nicht...
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Ergebnis 11 bis 20 von 297
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22.01.2010, 07:07Inaktiver User
AW: Identität als Deutsche(r) im Ausland
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22.01.2010, 07:31
AW: Identität als Deutsche(r) im Ausland
Ich bin seit 1985 mehr im Ausland als in Deutschland, und 1987,88,89,90 und zuletzt 91 war ich nur noch kurz in Deutschland, seitdem nie wieder.
Ich habe eigentlich nie über meine Identität nachgedacht, auch nie Deutschland besonders vermisst. Die meiste Zeit habe ich in Brasilien gelebt, wo ich zufällig 'hängenblieb' als ich rumreiste.
Seit 7 Jahren bin ich in Frz-Guyana. Dort sind bestimmte Eigenheiten, auch Waren, zu beobachten, die mich an Europa erinnern. Ich sehe die Welt momentan nicht mehr aus der Sicht von Santiago oder Rio, sondern denke mehr an europäische Löcher wie Straßburg oder Mühlhausen, weil hier alles Frankreich-zentrisch ist und auch alles von F. hertransportiert und bezahlt wird, ganz anders als in Brasilien (wo das einzig europäische meine Auslands-Sozialhilfe via Konsulat war). Das erzeugt mir eher ein unangenehmes Gefühl, zu europäisch
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22.01.2010, 16:52
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23.01.2010, 05:07
AW: Identität als Deutsche(r) im Ausland
Vor ein paar Jahren kaufte ich auf frangipani's Empfehlung das Buch "At home in Asia", Expatriates in Southeast Asia and their stories von Harold Stephens.
Interessante Lebensgeschichten von Menschen, die es nach Asien verschlagen hat, mit all ihren Hoffnungen, Träumen, Rückschlägen und Neuanfängen...
Ich blättere da immer wieder durch.
Andere Buchempfehlungen werden gerne entgegen genommen
lamlokAlle sagten: das geht nicht. Dann kam eine, die wusste das nicht und hat´s einfach gemacht.
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23.01.2010, 06:25Inaktiver User
AW: Identität als Deutsche(r) im Ausland
Hallo Kitty & Alle!
Schöner Thread!
Weiß jetzt nicht, ob das passt, denn ich bin nicht Deutschland geboren. Habe aber fast zehn Jahre hier, in verschiedenen Städten gewohnt, Dann bin ich durch mehrere Länder gereist. Anschließend habe ich in einem ein knapp ein dreiviertel Jahr & in einem weiteren fast vier Jahre gewohnt. Seit drei Jahren bin ich wieder in Deutschland & hab schon wieder in drei verschiedenen Städten gewohnt.
Heimat gibt es für mich nicht wirklich. Hier wohnen auch viele Leute aus meinem Ursprungsland. Aber das interessiert mich wenig. Wenn man jemanden kennen lernt, dann ist es weil ein Interesse an den beteiligten Personen besteht, nicht allein wegen der Herkunft. Ab & zu höre ich die Sprache & die Musik & finde das ganz schön.
Sollte ich mal jemanden kennen lernen aus meinem Land & mich mit ihr/ihm gut verstehen, ist das super. Aber ich leg es nicht darauf an.
Kulturelle Vielfalt & den Austausch finde ich auch schön. Aber nur bis zu dem Punkt, an dem die Traditionen nicht menschenfeindlich werden. D, h. ich bin nicht kulturrelativistisch & heiße alles gut.
Was ich gemerkt habe, dass man aus jedem Land/Stadt, wo man mal gewohnt hat, etwas mitnimmt. & das im Positiven, wie im Negativen, es ist also völlig neutral & auch wenn negativ bewertet, dennoch sehr bereichernd.
@lamlok: In Asien war ich noch nie. Kenn nur Filme, Asiashops & Restaurants, die mir sehr gut gefallen. Kann inzwischen auch paar Asiagerichte kochen, aber noch nicht mit Stäbchen essen.
@Carolly: Was Du beschreibst mit dem Dorf hat mir haargenau (zusätzlich mit lustigen Geschichten über für Außenstehende seltsam anmutende Verhaltensweisen bei größeren Festen) eine Freundin erzählt, die auch bis zum 16. Lebensjahr auf einem Dorf in Deutschland gewohnt hat. Alles sei so vorbestimmt & die Eltern bauen bereits Wohnräume für ihre Kinder deren zukünftige Ehepartner & Kinder aus.
Ist irgendwo anmaßend & bevormundend, aber wahrscheinlich gut gemeint. Die wenigsten schaffen es da raus & die, welche tatsächlich diese ganzen sozialen Gefüge verlassen, empfinden Besuche an dem Ort als belastend. Dabei ist es da so schön, zumindest, da wo sie herkommt. Aber wegen der Leute & der ganzen Geschichten, hab ich Angst dahin zu fahren.

AnaPaula: Das ist ja wieder mal eine rührende Geschichte!
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23.01.2010, 07:31
AW: Identität als Deutsche(r) im Ausland
Saranya: deinen ersten Absatz kann ich unterschreiben ;-)
Lamlok: das Buch hatte ich ganz vergessen, muss ich gleich mal nach stoebern.
Anpassen, die Frage kam einige Postings eher .. hm.
Ich passe mich insofern an, als dass ich meinem neuen Land, bzw den Menschen, nicht Dinge aufzwinge, die in D vielleicht 'normal' waeren, hier aber irrelevant oder unpassend.
Oder umgekehrt - wenn man hier z.B. small talk an der Kasse haelt, dann antworte ich auch. Wenn ich grad nicht in der Laune bin, gibt es zumindest ein danke und ein Laecheln. Mir stoesst inzwischen nichts mehr auf als ruppige Unfreundlichkeit.
Muss aber auch sagen, dass ich inzwischen selbst automatisch in small talk falle, was mir aber immer erst auffaellt, wenn ich in D bin
Anderes Beispiel: hier ist es ueblich, zu Essenseinladungen (was gerade im Sommer meist ein BBQ ist) etwas zu Essen und zu Trinken mitzubringen. Ich kenne Deutsche, die sich weigern, weil sie es nicht 'in Ordnung finden'.
Gut, moegen Einzelfaelle sein.
Ich pass mich an, indem ich z.B. nicht so direkt bin, in Gespraechen. In D koennte ich das eher, hier versteht man es schnell falsch.
Andererseits verbiege ich mich aber auch nicht, denn meine Herkunft und meine "Art" ist ja auch Teil von mir. Ich sehe nur zu, dass der Umgang mit meinem Mitmenschen hier (die ja aus allen Herren Laendern kommen) smooth verlaeuft.
"Multikulti" heisst fuer mich nicht, dass sich alle Einwohner eines Landes zu einem einzigen Gemisch vermengen sollen oder nun alle, die in D leben 'deutsch' oder die in AUS "australisch' werden muessen. Sondern das Nebeneinanderexistieren und Miteinanderleben verschiedener Kulturen.
Aber das ist wohl noch Utopia ..."I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
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23.01.2010, 07:48
AW: Identität als Deutsche(r) im Ausland
Hallo Saranya,
oh ja, die seltsamen Feste
Die hatte ich ganz verdraengt, und die lokalen Jungen die ganz stolz und mit etwas Oberlippenbart den Junggesellen beitreten, und und und... *schauder* Wenn ich aus einer schoenen Gegend kommen wuerde koennte ich mir noch vorstellen oefters mal vorbei zu kommen, aber flach-Niedersachsen ist jetzt nicht so der Hit.
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23.01.2010, 08:22
AW: Identität als Deutsche(r) im Ausland
Hi Carolly - ich sag nur 'Landjugendbälle"
- aber das gehört ja irgendwie auch zur Kultur ...
"I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
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23.01.2010, 10:01Inaktiver User
AW: Identität als Deutsche(r) im Ausland
...das sehe ich sehr aehnlich.Was ist Identität? Vielleicht entwickeln wir gerade eine eigene, die sich nicht in Schablonen pressen lässt. Eine Kombination aus beiden (oder mehreren) Ländern?Geändert von Inaktiver User (23.01.2010 um 22:52 Uhr)
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24.01.2010, 00:48Inaktiver User
AW: Identität als Deutsche(r) im Ausland
Das muss doch nicht sein!EinMann44: naja, du hasst alles, was nach europa bzw. deutschland riecht.... außer natürlich deine DEUTSCHE auslands-sozialhilfe.... da bist du SEHR GERNE europäer!!
Abgesehen davon, dass es nicht stimmt, was soll denn die "DEUTSCHE auslands-sozialhilfe" sein? So was gibt es nicht.
@Fifi: Das mit Frz-Guyana hört sich auf jeden Fall interessant an. Das würde ich mir auch gerne mal anschauen. Nur kann ich im Moment leider nicht verreisen. Zumindest nicht weit weg & für lange Zeit.
frangipani: Vielleicht entwickeln wir gerade eine eigene, die sich nicht in Schablonen pressen lässt. Eine Kombination aus beiden (oder mehreren) Ländern?"Multikulti" heisst fuer mich nicht, dass sich alle Einwohner eines Landes zu einem einzigen Gemisch vermengen sollen oder nun alle, die in D leben 'deutsch' oder die in AUS "australisch' werden muessen. Sondern das Nebeneinanderexistieren und Miteinanderleben verschiedener Kulturen.
Aber das ist wohl noch Utopia ...
Hier in dem Viertel ist es ein bisschen so. Die Leute stammen aus vielen verschiedenen Staaten & alle sprechen Deutsch, so dass man sich überall verständigen kann. Die Atmosphäre ist immer sehr freundlich.


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