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24.01.2010, 16:45Inaktiver User
AW: Lähmende Gedanken/ Probleme, Teufelskreis
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24.01.2010, 18:03
AW: Lähmende Gedanken/ Probleme, Teufelskreis
Das fällt mir auf:
Warum musst Du das eigentlich und kannst Deinem Vater nicht deutlich erklären, dass Du das nicht hören willst? Weil es in einer guten Familie keinen Streit gibt? Weil Streit die sorgsam gepflegten Fassaden Deiner Eltern von der Happy Family bedroht? Bist Du dafür zuständig, ihr Selbstbild zu wahren?Die ersten Tage nach einem Wochenende bei meinen Eltern bin ich dann immer total gereizt und aggressiv. Einfach weil ich mit meinem Vater überhaupt nichts mehr anfangen kann und schon bei dem Gedanken an seinen Lebensstil und seine Gesprächsthemen total aggressiv werde!
Wie gehst Du damit um? Geißelst Du Dich dafür, weil man so doch in Bezug auf seine Eltern nicht empfindet? Oder bist Du in solchen schwierigen Phasen auch ein bisschen besonders lieb zu Dir?
Ich muss mich immer so zusammenreißen, damit ich keinen Streit anfange und versuche seine Hasstiraden, die er auf die ganze Welt schiebt, einfach über mich ergehen zu lassen.Zurück ist ein Ort, den es nicht gibt.
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24.01.2010, 18:45
AW: Lähmende Gedanken/ Probleme, Teufelskreis
@schlaflos68: Ich fände es furchtbar traurig, den Kontakt total abzubrechen. Und irgendwie hat es doch was von wegrennen und verdrängen, oder? Ich würde das Drama wahrscheinlich eine Zeit lang vergessen, früher oder später holt es mich doch wieder ein. @dieclou: Wenn ich ihm das erkläre, dass ich das nicht hören will, tickt er total aus und was ich ihm sagen möchte, kommt nicht bei ihm an... So ein Streit mit ihm kann extrem häßlich werden und würde am Ende doch nichts bringen.
Hört sich an, wie wenn Du auch eine ziemlich traurige Geschichte hinter Dir hast. Bist Du mit Deinen Eltern jetzt im Reinen? Komisch, jetzt wo ich das schreibe, fällt mir auf, dass ich primär gar nicht mit meinen Eltern im Reinen sein möchte, sondern mit mir!..."emotionaler Missbrauch"...
Nach einem Wochenende zu Hause, versuche ich das alles zu verdrängen und befasse mich nicht damit. Krasserweise sprechen mich dann Kollegen auf meine Gereiztheit etc. an... Du bist jetzt schon die 2. hier, die mir zu einer Therapie rät....
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24.01.2010, 18:59Inaktiver User
AW: Lähmende Gedanken/ Probleme, Teufelskreis
Calzifer,
das hat sehr wenig damit zu tun etwas zu verdrängen. Sondern das hat etwas damit zu tun konsequent zu handeln und Grenzen zu setzen. Wenn deine Eltern deine Grenzen übertreten, hast du jede Freiheit ihnen klarzumachen, was deine Grenzen sind. Und wenn sie das mit Worten nicht verstehen, dann kannst du das ruhig über dein Handeln sichtbar machen.
Es bringt mitunter nichts zu sagen, "ich will das nicht hören", wenn du dann stehenbleibst und es dir doch anhörst. Dich sogar eventuell noch in ein erniedrigendes und noch übergriffigeres Gespräch einzulassen.
Manchmal hat das Gegenüber dann mehr Respekt einem Gegenüber, weil du für dich selber konsequent gehandelt hastKomisch, jetzt wo ich das schreibe, fällt mir auf, dass ich primär gar nicht mit meinen Eltern im Reinen sein möchte, sondern mit mir!
Wenn du etwas nicht hören willst. Bring dich dorthin, wo du es nicht hören wirst und erwarte nicht vom Gegenüber, dass er dir deinen Wunsch erfüllt, das kann ganz schön enttäuschend sein
Hier eine Sonne für dich
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24.01.2010, 21:00Inaktiver User
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25.01.2010, 13:07
AW: Lähmende Gedanken/ Probleme, Teufelskreis
Liebe Calzifer,
hm, ist meine Geschichte traurig? Ich habe das lange für normal gehalten, das macht mich mittlerweile traurig. Aber ich kann es eben nicht ändern. Ein weiser Mensch sagte mal: Irgendwann muss man sich von dem Ziel verabschieden, eine bessere Vergangenheit gehabt zu haben. Insofern geht es mir wie Dir: Ich muss mit meinen Eltern nicht im Reinen sein. Aber mit mir. Da gibt es viel zu tun.
Was sagt Dein Vater denn, wenn er austickt? Und warum hörst Du Dir das an? Theoretisch gäbe es ja auch die Möglichkeit, ihm zu sagen: Bis hierher, keinen Schritt weiter - und ihn dann einfach stehen zu lassen. Soll er doch die Wand anbrüllen. Aber irgendetwas hält Dich. Was, denkst Du, ist es?
Eins finde ich wichtig: Die Probleme haben Deine Eltern mit sich - die entstehen nicht durch Dich. Du kannst Dich daher strecken so viel Du willst. Du wirst ihre Probleme nicht beseitigen. Das kannst Du gar nicht. Also pass lieber gut auf Dich auf.
LG
BabetteZurück ist ein Ort, den es nicht gibt.
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30.01.2010, 22:05
AW: Lähmende Gedanken/ Probleme, Teufelskreis
Den Spruch mag ich! Er erinnert mich daran, dass ich meiner Zukunft was schuldig bin.Irgendwann muss man sich von dem Ziel verabschieden, eine bessere Vergangenheit gehabt zu haben.
Zu meinem Vater: Ich komme generell mit seinen Ansichten und seinem (nennen wir es mal) 'Lebensstil' klar und habe vor allem Probleme mit der Art, wie er kommuniziert. Seine Themen sind voll armselig (krass das so zu schreiben, aber mir fällt kein anderer Ausdruck dafür ein. Ich denke, mit dieser Art möchte er sich aufwerten, weil er selbst nichts auf die Reihe kriegt), er schimpft, schreit und zetert über die Einstellungen/ den Lebensstil anderer Leute auf eine so abwertende Art und Weise. Er macht so einen gebrochenen Eindruck. Man hat sonst überhaupt keine gemeinsamen Themen, über die man sich neutral unterhalten könnte. Wenn man versucht 'mitzudiskutieren' oder, wie Du, Dieclou vorgeschlagen hast, ihm klar zu machen, dass er für mich zu weit gegangen ist, wird der Tonfall nur noch extremer und er greift einen persönlich an, auf eine Art, die ziemlich unter der Gürtellinie ist. Es herrscht ständig eine gespannte Stimmung, auch wenn er gar nichts sagt. Ich fühle mich sehr unter Druck gesetzt wenn ich zu Hause bin. Ich kann mich irgendwie nicht frei bewegen, aus angst, irgendeinen Streit vom Zaun zu brechen.
Dieclou, besser kann ich das irgendwie nicht beschreiben...
Es gab vor Jahren ein, zwei Vorfälle, in denen er echt übel ausgerastet ist, über die kann ich (noch?) nicht reden.
Was mich hält ist meine Mama und die Erinnerung an einen Vater, der bis zu meinem 12. Lebensjahr mein großer Held war. Mich hält auch die Illusion von einer glücklichen Familie, die es so vielleicht gar nie gegeben hat. Und ich möchte mich von ihm auch nicht unterkriegen lassen, wegrennen wäre ein Zeichen von Schwäche (irgendwie bescheuert oder?). Ich muss mir irgendwie klar machen, dass ich die Situation bei meinen Eltern nicht ändern kann und dass es mir besser gehen wird damit! Hört sich alles recht wirr an, die ganze Situation ist so vielschichtig, ich kann alle Facetten gar nicht richtig wiedergeben! Es ist auch nicht so, dass ich gar keine schönen Erinnerungen an meine Kindheit habe, das Gesamtbild ist nur nicht stimmig!
Ich versuche dieses unwillkommensein-Gefühl, das mir meine Mama vermittelt hat, zu überspielen indem ich mir sage, dass ich das mir und meinem Leben schuldig bin, glücklich zu sein und dazu brauche ich nur mich.
Was sagen meine Eltern über mich aus? Darüber bin ich mir noch nicht so ganz klar!
Gute Nacht ihr Lieben!
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31.01.2010, 14:02
AW: Lähmende Gedanken/ Probleme, Teufelskreis
Liebe Calzifer,
ich denke, dass Dir hier eine gute Therapie helfen könnte. Du läufst nämlich mit ziemlich schrägen Glaubenssätzen durchs Leben.
Das ist so einer. Du wirst langfristig nicht aus diesem Kreis herauskommen, wenn Du Dich nicht den sehr verletzenden Dingen stellst, die es da in Deinem Leben gegeben hat. Was Du tust, ist immer nur um das Problem zu kreisen, weil Du am Ende so genau ja doch nicht hinschauen magst. Deshalb versuchst Du auch, Deine Eltern irgendwie dahin zu bringen, dass sie sich doch so verhalten, wie Du es brauchst, damit Du da nicht hinschauen musst. Nun, das wird nicht klappen. Und ist die selbe Art Manipulation, die schon Deine Eltern bei Dir angewandt haben. Du wirst sie so nehmen müssen, wie sie sind.wegrennen wäre ein Zeichen von Schwäche
Tut mir leid, hätte Dir lieber was schöneres gesagt.
LG
BabetteZurück ist ein Ort, den es nicht gibt.
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01.02.2010, 16:42Inaktiver User
AW: Lähmende Gedanken/ Probleme, Teufelskreis
Liebe Calzifer,Was mich hält ist meine Mama und die Erinnerung an einen Vater, der bis zu meinem 12. Lebensjahr mein großer Held war. Mich hält auch die Illusion von einer glücklichen Familie, die es so vielleicht gar nie gegeben hat. Und ich möchte mich von ihm auch nicht unterkriegen lassen, wegrennen wäre ein Zeichen von Schwäche (irgendwie bescheuert oder?).
damit beschreibst Du im Grunde exakt das, was Menschen tun, die sich noch nicht mit dem auseinander setzen konnten, was ihnen passierte, die sich weder abgrenzen, noch begreifen, anerkennen, geschweige denn sich lösen konnten. Sie führen das fort, was sie als Kinder taten: Sie geben alles, um irgendwie doch noch liebevolle Eltern, eine glückliche Familie, Anerkennung und Zuneigung zu erwirken. Sie versuchen stellvertretend für ihre Eltern, deren Welt heil zu machen. Sie sind die Skulpturen, an deren Formbarkeit sich ihre Eltern unbewusst abarbeiten, in die sie ihre eigene Wut, Hilflosigkeit, Traurigkeit, Abhängigkeit hämmern, um sie selbst nicht mehr zu empfinden.
Dies hier ist eine wichtige Erkenntnis:
.Ich muss mir irgendwie klar machen, dass ich die Situation bei meinen Eltern nicht ändern kann
Noch bedeutsamer wird sie, wenn Du beginnst, Verantwortung da zu lassen, wo sie hin gehört. Deine Eltern müssen SELBST für sich sorgen, und sie können das auch, wenn sie beginnen, Verantwortung zu übernehmen.
Du wiederum kannst nur Verantwortung für Dich übernehmen. Dazu gehört auch anzuerkennen, was Dir passiert ist, und auszusprechen, wer das initiierte und duldete.
Genau das ist der Punkt. Du kannst nicht das Gute, das Du auch erlebtest, benutzen, um damit das Schädliche, Schmerzvolle zu relativieren. Jeder Versuch, das zu tun, führt in einen endlosen Kreislauf von Schuldgefühlen. Wer sein Tier quält, es tritt, anschreit, schlägt, tagelang missachtet, isoliert, dessen Taten werden nicht besser dadurch, dass er über weite Strecken daran dachte, den Wassernapf zu füllen, und niemand käme auf die Idee, so zu argumentieren. Bei Kindern und Eltern jedoch finden wir nichts dabei, von Kindern zu erwarten, dass sie Eltern alles mögliche verzeihen, und das Schlimme zu Gunsten des Guten ausblenden.Es ist auch nicht so, dass ich gar keine schönen Erinnerungen an meine Kindheit habe, das Gesamtbild ist nur nicht stimmig!
Um zu gesunden ist es notwendig, beides, das Gute wie das Schlechte, benennen und anschauen zu dürfen, ohne das eine gegen das andere aufzurechnen. Es geht um Anerkenntnis dessen, was war, und das Zulassen der Empfindungen, die das hervor ruft. Wenn das beispielsweise im Rahmen einer Therapie sein darf, ist schon viel gewonnen.
Verantwortung für Dich zu übernehmen, Calzifer, könnte beinhalten, dass Du zunächst einmal dafür sorgst, dass Du konsequent aus der Schusslinie bleibst, und Dich der für Dich bedrückenden, angstbesetzten Situation zuhause entziehst. Niemand hat das Recht, Dir weh zu tun, ganz egal ob nun mit Worten oder Handlungen, und Du hast jedes Recht, und mehr noch, die Verpflichtung, Dich selbst zu schützen. Ich wünsche Dir sehr, dass Du das ernst nehmen kannst!
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01.02.2010, 18:24
AW: Lähmende Gedanken/ Probleme, Teufelskreis
das ist ein starkes bild.
ich habe ein ähnliches verhaeltnis zu meinem dad wie calzifer. im grossen und ganzen scheint die situation aber - nachdem wir kinder nun mehr als 20 jahre aus dem haus sind, inzwischen geklaert; wenn es auch bei jedem besuch noch dramen und zickereien gibt.
trotzdem: von zeit zu zeit falle ich immer noch in ein tiefes loch. dann zerreisst es mir das herz, dass ich meine eltern so ungerne besuche, dass ich meinen dad am liebsten meide. mich macht es fertig, dass ich ihm seinen kindischen egozentrismus und seine verbitterung nicht verzeihen kann. immerhin macht es ihm ja auch keinen spass, so zu leben - es ist fuer ihn ein zwang.
mir selbst kann ich mein unsouveränes verhalten ihm gegenueber also nicht verzeihen. ich finde es aber ganz normal, dass unsere alten katzen immer noch panisch fluechten, sobald er den raum betritt. er pflegte sie naemlich frueher regelmaessig "zu aergern", d.h. er liebte es besonders, sich an sie anzuschleichen, wenn sie schliefen, und sie dann mit urploetzlichem gebrüll aus dem schlaf zu reißen. das steckt ihnen immer noch buchstaeblich in den knochen.
und mir auch. deshalb glaube ich: es wird nichts helfen. diese sch...gefühlsattacken werden bleiben. bei mir hilft da nur: einatmen, ausatmen.Der Charakter eines Menschen läßt sich daran erkennen, wie er mit Leuten umgeht, die nichts für ihn tun können. by courtesy of ravina



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