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    AW: Wie ändere ich alte Denk- und Verhaltensweisen

    Zitat Zitat von _sieben_ Beitrag anzeigen
    aber warum muss ich erst eine Therapie machen, damit ich auf die selbstverständliche Dinge kommen.
    hallo sieben, prima, dass du's angehst!
    hierzu kurz eine anmerkung: diese dinge sind aus deiner jetzigen sicht "selbst"-verständlich - waren es vorher aber nicht. das heißt, schon allein deine neuen erkenntnisse machen deine therapie für dich wertvoll: du hast etwas erkannt, was dir neue perspektiven eröffnet, was vorher gar nicht oder unverständlich war, ist für dich nun eine selbst-verständlichkeit. das ist doch toll!

    und was ich selbst über meine eigenen verhaltensweisen gelernt habe (und ich habe auch ein paar, bei denen ich mir denke, mensch, ratte, was soll denn das jetzt wieder?!): sie alle haben mir zu einer bestimmten zeit in meinem leben etwas gebracht. zum beispiel halten mich manche leute für arrogant, weil ich manchmal lieber in meiner bude hocke als irgendwelchen leuten hinterherzutelefonieren, oder ich im job manchmal "bocke" (was langfristig echt schädlich ist)... aber als ich 13 war, hat mich dieses verhaltensmuster, hinter dem die auffassung steht: "ich brauch euch alle nicht, ich such mir andere freunde!" mich aus einer ziemlich fiesen situation in der schule gerettet. bloß dass es halt jetzt überholt ist... was ich damit sagen will: auch die verhaltensmuster, die wir heute am liebsten ganz unten in der schwarzen schublade vergraben würden, hatten mal einen sinn - meist den, uns vor irgendwas ganz spezifischem zu schützen. und deswegen geht es mir selbst inzwischen immer darum zu gucken: wo kommt's her? brauche ich es noch? und mich eben auch selbst dabei zu beobachten, was welches verhalten bei mir triggert - inzwischen bin ich immerhin soweit, es recht oft erkennen und einordnen zu können. und langsam, ganz langsam sehe cih auch, und bekomme aus meinem umfeld (enge vertraute) die rückmeldung, dass sich was ändert. denn vieles "brauche" ich eben nicht mehr... aber es ist im zweifel immer noch da, um sofort wieder die alte "schutz"funktion zu übernehmen. ich denke mal, wir alle haben so etwas und tragen es mit uns herum... und ich denke, verzeihlichkeit sich selbst gegenüber hilft da weiter.

    lg

    ratte

  2. Inaktiver User

    AW: Wie ändere ich alte Denk- und Verhaltensweisen

    sieben,

    vielleicht hilft Dir ein Bild zu verstehen, warum es in Sachen Veränderung so häufig hakt:

    Wir leben unser Leben in vieler Hinsicht unbewusst, d.h. wir machen uns über viele Abläufe, Dynamiken, Prozesse gar keinen Kopf. Sie scheinen selbstverständlich, und irgendwie kommen wir ja auch zurecht.

    Eine Therapie wirkt dann wie eine Lupe - sie schaut auf unterschiedliche Lebens_Punkte, knipst dazu noch eine 100 Watt Birne an, und plötzlich kommt Achtsamkeit ins Spiel: Unbewusstes wird bewusst, wir betrachten es zum ersten Mal mit Aufmerksamkeit, wir stellen Fragen, und merken, dass es mit der Selbstverständlichkeit doch nicht so weit her ist.

    Das beflügelt vielleicht, manchmal wirkt es auch desillusionierend und lähmend, klar wird aber in vielen Fällen: Hier soll sich etwas ändern.

    Und dann geht es vielen Menschen so wie Dir.

    Warum ist das so?

    Weil unser Leben im Grunde einer Landschaft ähnelt, durch die wir durch unsere Gewohnheiten, unseren Alltag, bestimmte Wege, Pfade und Strassen gebaut haben. Die sieht man deutlich, man verläuft sich nicht auf ihnen, kennt jeden Stein am Wegesrand, kurz: man könnte sie quasi im Schlaf laufen, diese vertrauten Wege und Bahnen.

    Das schenkt Sicherheit, ist bequem, altbekannt, man kann es gut kontrollieren, und es geschieht meist nicht viel Unvorhersehbares.

    Mit der neuen Brille auf der Nase wird aber auch klar, dass diese vertrauten Wege häufig Umwege waren, oder gar nicht dahin führten, wohin wir gern möchten. Also gilt es jetzt, NEUE Wege zu gehen, runter vom ausgelatschten Pfad, rein in die Botanik.

    Aber AUTSCH!

    Das ist unbequem! Da wachsen Brennesseln! Es ist schwierig, auf einer wuchernden Wildwiese voran zu kommen, und einen neuen Pfad zu bahnen. Wir treten in Löcher, die wir gar nicht sehen konntne, knicken um, stürzen, schürfen uns die Knie auf. Kommen ins Schwitzen, es ist verdammt anstrengend.

    Und vom vertrauten Weg winken die ehemaligen Begleiter, und rufen: Was machst Du denn da? Das muss doch schief gehen! Komm wieder zurück zu uns, und geh mit uns den alten Weg!

    Sehr verlockend ist das. Das Neue wirkt hölzern, unbequem, es ist unvertraut, fremd, es macht Angst, wir wissen nicht so recht, wo es hingeht, und dazu kommt noch, dass wir andere Menschen vor den Kopf stossen, indem wir ihnen demonstrieren, dass wir nicht mehr mit ihnen wandern, sondern neue, eigene Wege einschlagen wollen.

    Wir müssen also nicht nur Pionierarbeit leisten, sondern häufig auch noch gegen Widerstand von anderen ankämpfen.

    Und genau deshalb ist Veränderung schwierig.

    Sie braucht Mut, Durchhaltevermögen, und die Einsicht, dass alte Wege zwar kuschlig wie eine etwas angemuffelte Wolldecke sein können, aber eben auch genauso wie eine solche Wolldecke zu warm, und zu schwer um die Schultern, und dadurch einschläfernd und lähmend wirken können.

    Neue Wege fordern von uns die Einsicht, dass die Sicherheit der alten Müffeldecke eine Scheinsicherheit ist. Dass es überhaupt keine Sicherheit ausserhalb von uns selbst gibt. Und erst wenn dieser Grossen gefallen ist - und das muss er immer wieder tun - wird es leichter mit den neuen Wegen.

    Es dauert, bis so ein Trampelpfad grösser und leichter begehbar wird. Wir werden zweifeln, uns blaue Flecken holen, wiederholt straucheln und umknicken. Andere werden sich von uns abwenden, oder richtig fies werden, vielleicht sogar versuchen, uns an den Haaren zu packen und wieder auf den alten Weg zu zerren. Und wir müssen da durch, und dran bleiben.

    Das ist harte Arbeit, aber es Arbeit, die wir für uns selbst tun, und das gibt immer wieder neue Kraft.

    Diese Erfahrung macht jeder Mensch, der sich verändern möchte, egal wie reflektiert, klar und bewusst er auch sein mag. Immer hat er den "unbewussten" Rucksack auf dem Buckel, immer wieder muss er ihn herunter nehmen, aufschnüren, und die verschiedenen Puzzle, die er enthält, neu betrachten. Jedes Mal fängt er in gewisser Weise wieder von vorn an.

    Aber es gibt auch gute Nachrichten: Auch Veränderung wird leichter, je geübter man in ihr ist. Wenn wir einmal wissen wie das läuft, ist uns auch klar, dass es erst einmal unbequem wird, wir uns Blasen laufen, und die Wanderschuhe gelegentlich fies drücken. Wir wissen dann, dass sich das wieder gibt, wir uns einlaufen, und dass es atemberaubend ist, nach der Anstrengung ein ganz neues Panorama zu geniessen, und eine alte Landschaft mit neuen Augen, mit allen Sinnen frisch wahrzunehmen.

    Dabei wünsche ich Dir jetzt schon einmal viel Spass!
    Geändert von Inaktiver User (07.01.2010 um 10:04 Uhr)

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    AW: Wie ändere ich alte Denk- und Verhaltensweisen

    Hallo an alle,

    vielen Dank für Eure interessanten Antworten und die guten Denkansätze.

    Liebe Grüße
    sieben

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    AW: Wie ändere ich alte Denk- und Verhaltensweisen

    (die_seewespe),

    ein starkes Posting

    Liebe sieben:alles Liebe und Gute auf deinem neuen WEg

    Lucky1
    Geändert von Lizzie64 (10.01.2010 um 13:15 Uhr) Grund: Bitte lasst doch die Vollzitate sehr langer Postings. Danke!
    Immer wenn du meinst es geht nicht mehr
    kommt von irgendwo ein Lichtlein her

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